Leben in der Illegalität

Frauen/Lesben Bündnis braucht Geld
zur weiteren Unterstützung
von Frauen ohne Papiere

In Berlin besteht seit fast 10 Jahren ein Bündnis von Frauen und Lesben, die Frauen ohne Papiere und ihre Kinder praktisch unterstützen.
Zum Selbstverständnis dieses Bündnisses gehört es, daß jeder Grund, woanders leben zu vollen, legitim ist und jeder Mensch das Recht haben sollte, selber zu entscheiden, wo er oder sie leben will, ohne in Grundrechten eingeschränkt zu werden. Das Bündnis will neben der praktischen Unterstützung auch immer wieder auf die Situation von Frauen ohne legalen Aufenthaltsstatus aufmerksam machen und kämpfen gegen das Totschweigen dieser Menschen in den Medien und die Kriminalisierung in der Politik. Auf politischer Ebene setzen sich die Frauen ein für eine Gesellschaft, die es jedem Menschen ermöglicht, seine Grundrechte in Anspruch zu nehmen.

Weltweit sind ca. 21 Millionen Menschen auf der Flucht (UNHCR(United Nation High Commisioner for Reuige)-Bericht 2000 ). Die Gründe dafür sind so vielfältig wie die Menschen dieser Erde. Menschen gehen von zu Hause weg, weil sie vom Krieg vertrieben wurden, wie sie als Frauen entrechtet und unterdrückt oder wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden, weil sie zu Hause arbeitslos sind und anderswo eine Arbeit gefunden haben oder zu finden hoffen, weil sie der Familie oder Freunden nachziehen, weil sie wegen ihren politischen Ansichten verfolgt werden, weil sie zu Hause nicht mehr genug zum Leben haben usw. Gemeinsam ist all diesen Gründen, der Wunsch nach Leben, bzw. einem besseren Leben.

Nur eine verschwindend geringe Anzahl dieser Menschen gelangt nach Europa, die wenigsten davon sind Frauen, die durch ihre Kinder und die finanzielle Abhängigkeit vom Mann oft gezwungen sind, zu bleiben. In Belgien werden pro 1000 Einwohner und Jahr 4,2 Asylanträge gestellt, in Deutschland sind es sogar nur 0,96 (UNHCR-Bericht 2000).

Die Wege für eine legale Einreise nach Deutschland oder in ein anderes europäisches Land sind spätestens seit 1993, als das Grundrecht auf Asyl extrem eingeschränkt wurde, kaum noch möglich. Gleichzeitig wurde das Leben der hierher gekommenen Flüchtlinge durch die Einführung des Asylbewerberleistungsgesetzes so unerträglich wie möglich gemacht. Die politische Absicht dahinter wurde stets offen vertreten: Es ging um Abschreckung und darum, die Flüchtlinge so schnell wie möglich wieder los zu werden. Inzwischen ist es so, daß selbst die Wenigen, denen es gelingt, hier ihren Asylantrag vorzubringen, Gefahr laufen, kurzerhand als Wirtschaftsflüchtlinge(3 § 1 a des Asylbewerber Leistungsgesetzes) abgestempelt und wieder zur Ausreise gezwungen zu werden. Andere bemühen sich deshalb erst gar nicht um ein Asylverfahren, weil die Aussichten auf Erfolg verschwindend gering sind. Da die Fluchtgründe aber weiter bestehen, sind immer mehr Menschen gezwungen, illegal hier zu leben.

Ein Beispiel:

A. kommt aus Kenia und hat einen 6jährigen Sohn. Seit 2 Jahren lebt sie in einer Beziehung mit dem deutschen Staatsbürger B. in Berlin, seit längerem wollen die beiden heiraten. B. lebt zwar schon lange von seiner Frau getrennt, doch der Scheidungsprozeß zieht sich hin; unter Umständen kann die Scheidung erst in einem halben Jahr ausgesprochen werden. Einen Aufenthaltsstatus für die BRD erhält A. aber erst, wenn sie mit B. verheiratet sein wird. Auch ihr Kind hält sich bis dahin illegal in Deutschland auf. In diesem Herbst sollte der Sohn von A. zur Schule kommen. Ohne gültigen Aufenthaltstitel und daher auch ohne Krankenversicherung können sie aber keineN Schulleiterln finden, die bereit wäre, ihn aufzunehmen.

Frauen ohne Papiere sind noch einmal anders betroffen als Männer. Zum einen besteht meist eine große finanzielle Abhängigkeit vom Mann. Ist die Frau alleine hier, ist sie oftmals rassistischer und sexistischer Diskriminierung, z. B. am Arbeitsplatz, ausgesetzt. Gegen sexuelle Übergriffe hat sie kaum Möglichkeiten sich zu wehren, ohne dabei das Risiko ihrer „Entdeckung" und Abschiebung in Kauf zu nehmen. Außerdem sind Frauen durch die Verantwortung für ihre Kinder noch einmal mehr eingeschränkt und belastet. Einige entscheiden sich auf Grund dieser Bedingungen für Arbeitsplätze in der Prostitution, wo sie sich wegen ihres rechtlosen Status wiederum in größerer Abhängigkeit befinden als ihre deutschen Kolleginnen.

Das Frauen- und Lesbenbündnis „Papiere für alle" hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Frauen zu unterstützen. Diese Unterstützung beinhaltet: Die Vermittlung von Wohnungen, „sicheren" Jobs, AnwältInnen, - wenn die Frauen z. B. im Abschiebeknast landen, ÄrztInnen, die sie und ihre Kinder kostenlos oder für wenig Geld versorgen, die Vermittlung von Schul- und Kitaplätzen, usw. Diese ehrenamtliche Arbeit bedingt eine hohen Organisationsaufwand und bei der derzeitigen Rechtslage auch immer noch die Gefahr, selbst der Unterstützung eines illegalen Aufenthalts angeklagt zu werden. Immer noch müssen Frauen, die dringend auf Unterstützung angewiesen sind, abgewiesen werden, weil es schlicht an Geldmitteln mangelt. Mieten, Arzthonorare, Sprachkurse, usw. werden nämlich ausschließlich aus Spenden gedeckt. Da jeden Monat feste Beträge anfallen, freut sich das Bündnis besonders über Daueraufträge, auch wenn es kleine Summen sind.


Ohne legalen Aufenthaltsstatus hier zu leben heißt selbstverständliche Grundrechte nicht in Anspruch nehmen zu können:

• bei Unfall oder Krankheit nicht einfach zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen zu können

• keine Möglichkeit staatlicher Unterstützung und somit davon abhängig zu sein, jeden sich bietenden Job anzunehmen, oft für einen Hungerlohn. Dies kann auch heißen, gänzlich um den Lohn betrogen zu werden. Viele Arbeitgeber nutzen die rechtlose Situation von illegal hier lebenden Menschen für sich aus.

• nicht selbst eine Wohnung anmieten zu können, wenn möglich bei Verwandten und Freunden unterschlüpfen zu müssen, so daß oft viele Menschen auf kleinstem Raum zusammenleben müssen.

• die Kinder nicht in die Schule oder in den Kindergarten schicken zu können, was wiederum eine Erwerbstätigkeit erschwert

• Immer abhängig zu sein von der Unterstützung von Freundinnen, Bekannten und Verwandten.

• Immer mit der Angst zu leben, „entdeckt" und abgeschoben zu werden, ob in der U-Bahn, auf der Straße oder in Sprachschulen.

 

Spenden bitte an:

Netzwerk Selbsthilfe e.V.
Kto.-Nr.: 30 298 02
Bank für Sozialwirtschaft AG
BLZ.: 100 205 00
Das Geld geht nur an Frauen.


Kontakt:

Papiere für alle
c/o Antirassistische Initiative e.V., Yorckstr. 59,10965 Berlin,
Tel: 030-7857281, Fax: 030 - 786 99 84,
e-mail: sorglosfinanz@yahoo.de oder papierefueralle@yahoo.de