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Demo am 7.9.02
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Es reicht schon lange!
Jetzt ist es also auch in Oldenburg soweit. Ohne Scham wird den letzten
sozialen Einrichtungen in der Stadt der Geldhahn abgedreht. So ziemlich alles,
was die Auswirkungen der Barbarei der Zivilisation, hier im Allgemeinen Soziale
Marktwirtschaft genannt, ein wenig abzufedern half, fällt nun zugunsten
einer konsumfreundlichen" City dem Rotstift zum Opfer.
Und viele der Einrichtungen waren der Stadt eh immer ein Dorn im Auge. Warum sollten sich Arbeitlose auch für ihre Interessen organisieren. Die sollten sich doch eher freuen, daß sie überhaupt ein wenig Geld zum Überleben kriegen. Und anstatt noch gesellschaftliche Forderungen aufzustellen, sollten sie sich doch besser um Versklavung durch Leiharbeitsfirmen bemühen. Ist doch klar, da war das Streichen der Zuschüsse längst überfällig.
Das gleiche gilt natürlich auch für SozialhilfeempfängerInnen. Die sollten auch mal ein bisschen Eigenengargement zeigen, und für`nen Appel und `n Ei stundenlang Müll aufsammeln oder Rasen mähen, schließlich leben die ja auf Kosten der normalen Leute. Und welcheR der Gesellschaft schon auf der Tasche liegt, soll sich dabei zumindest keinen Moment wohlfühlen. Also mal anfangen mit der Streichung des freien Schwimmbadeintritts, und Busfahren, das brauchen die nun wirklich nicht - die haben doch nichts zu tun, die können doch wohl laufen. Und Bildungsgutscheine sind doch nun wirklich Verschwendung. Fürs Putzen oder Schippen bedarf es ja wohl keiner geistigen Fortbildung. Und da ist es dann auch nur konsequent, in den öffentlichen Bibliotheken mit den Streichungen fortzufahren. Na, und das Fehlen der einen oder anderen Schule stört da auch nicht mehr.
Und überhaupt die Jugend in den armen Vierteln der Stadt, die haben trotz ständiger Schikanen durch die Bullen immer noch nichts kapiert. Anstatt sich standesgemäß auf ein Leben in Demut und am Existenzminimum vorzubereiten, wollen die auch noch ihre freie Zeit gestalten und FreundInnen treffen. Was soll das denn bitte für den Wirtschaftsstandort bringen? Also: Weg mit den Jugendzentren, sozial verträglich natürlich, soll heißen Eines nach dem Anderen.
Und dann erst diese Frauen. Was wollen die denn? Vergewaltigung ist doch jetzt sogar innerhalb der Ehe als Verbrechen anerkannt. Die brauchen doch nur noch die Polizei rufen, dann wird schon alles gut. Was brauchen die da noch Therapien oder männerfreie Zufluchtsorte? Also ebenfalls streichen.
Das zu legitimieren ist für Schütz und Co. ja angesichts der momentanen Schwäche der sozialen Bewegungen auch kaum noch nötig. Und wenn dann doch mal viele Leute viele unbequeme Fragen stellen, schiebt die Stadt es einfach auf die Bezirksregierung, die schiebt es auf das Land, das Land schiebt es auf den Bund, und der macht den Welthandel verantwortlich. Das selbe Spiel wie immer, egal ob die Trikots jetzt rot-grün oder schwarz-gelb sind. Das soll nicht heißen, daß wir alle zusammen das nicht ändern könnten. Aber wenn beispielsweise die Verwaltung über die Schmerzgrenze hinaus" kürzen will, muß auch unser Widerstand über ihre Schmerzgrenze hinausgehen. Er muß ihnen weh tun, es für sie unerträglich machen. So wurden die sozialen Rechte erkämpft, und so können wir sie auch verteidigen und ausbauen. Nicht indem wir auf irgendwelche Wahlkampfgeschenke der Regierungsparteien hoffen. Uns wird hier höchstens etwas geschenkt, um uns ruhig und bei Laune zu halten. Egal wer regiert, denn...
Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie längst verboten...
Wieder sind 4 Jahre vergangen und wir dürfen eine neue Regierung wählen. Da schlägt das AnarchistInnenherz natürlich höher, schließlich können wir uns bekanntlich nichts schöneres vorstellen, als so richtig fein regiert zu werden.
Und diesmal geht es ja auch um was - schließlich hat sich der Weißwürschtl-Faschist aus dem Süden zur Kanzlerwahl gestellt. Da kommt natürlich Sorge auf unter der demokratischen Jugend. Kiffen wird unter Todesstrafe gestellt, Trachtenjacke und Dirndl zur verordneten Schuluniform und kriminelle Küstenbewohner nach Dänemark abgeschoben. Da wird dann lieber das rot-grüne Reformprojekt auf dem Weg in ein besseres Deutschland unterstützt. Denn dort kriegen alle ihre Chance: Schwule, Lesben, Frauen, Männer und hochqualifizerte ausländische Anpassungsspezialisten. Alle dürfen dann heiraten, Terroristen erschießen und natürlich arbeiten bis der Arzt kommt. Und bei den ganzen Überwachungskameras kommt auch jedeR mal ins Fernsehen - also, lächeln!
Auch wenn´s eigentlich nicht viel zu lachen gibt. Die Zeiten sind hart für unbelehrbare RevoluzzerInnen, arbeitsscheue Arme, aufmüpfige AusländerInnen und heiratsunwillige Lesben. Die Probleme kennen alle: Seit dem Teuro" ist die Kohle bei den meisten knapp. Wer arbeitslos ist, muß sich bald von einer der vielen Zeitarbeitsfirmen versklaven lassen oder irgendwelche Jobs in der gesamten Republik annehmen, sonst ist die Kohle futsch. Auch auf der Arbeit und in Schule und Uni wird der Druck größer, immer mehr zu schaffen". So geht uns im ganzen Streß über die Runden zu kommen, Stück für Stück die Zeit zum Leben flöten. Und für alle ohne deutschen Paß, feste Bleibe, körperliche Gesundheit" werden die Probleme noch viel größer. Ausbeutung, Überwachung, Rassismus. Dagegen hat sich in den letzten Jahren Widerstand formiert und der Staat hat reagiert. Die polizeilichen Gewaltorgien in Prag, Göteborg und Genua haben gezeigt, wie in der neuen Weltordnung mit radikaler Opposition umgegangen wird, die die ganze Welt, wie sie ist, in Frage stellt.
An all dem wird keine Regierung etwas ändern. Denn eine Grundvorraussetzung dafür, im Bundestag mitzumischen, ist, sich Parlamentarismus und Kapitalismus zu verpflichten. Und dieses System hat nicht zum Ziel, daß alle Menschen auf der Welt gleichberechtigt in Wohlstand und Frieden leben, sondern einzig und allein die reibunglose Ausbeutung von Mensch und Natur durch andere Menschen. Deshalb machen wir den Parteien kein Kreuz auf den Zettel, sondern einen Strich durch die Rechnung!
Wer die Wahl hat, wählt die Qual...
Das Wahlen gar nichts ändern, stimmt natürlich nicht. Egal welche Ärsche nach dieser Wahl die Sitze im Bundestag ausfüllen, es wird sich bestimmt ´ne Menge ändern - nur nicht zum Guten, soviel ist sicher. Schließlich bestätigt jede Wahl PolitikerInnen in dem, was sie tun. Und ihr Job besteht ja nicht nur darin, viel Geld zu verdienen; sie tun auch was dafür. Zum Beispiel indem sie uns unabläßlich erklären, was für schöne und erhaltenswerte Dinge Demokratie und Marktwirtschaft sind und daß wir ihnen nur vertrauen brauchen und sie dann schon dafür sorgen, daß es uns gut geht.
Und genau dafür sind Wahlen gut. Sie sollen uns das Gefühl geben, wir hätten doch Einfluß auf den Lauf der Dinge. Denn schließlich sollen wir uns alle für dieses Land verantwortlich fühlen und auch mal ein paar Einschränkungen in Kauf nehmen - schließlich geht es um das Wirtschaftswachstum", die innere Sicherheit" oder gar um den Erhalt der Demokratie". Und leider glauben inzwischen so viele, es könne nur so funktionieren. Da wird dann doch wieder das kleinere Übel" gewählt - einfach nur nicht wählen zu gehen, sei ja auch keine Lösung. Das stimmt natürlich, aber es gibt schließlich auch andere Wege.
Und wenn unsere Sorgen sich nicht allein um Eigenheimzulage, Riester-Rente und Öko-Steuer drehen, sondern uns das ganze System stinkt, indem wir leben, sollten wir uns nicht damit aufhalten, darüber zu philosophieren, unter welcher Regierung es uns am wenigsten stört, sondern uns endlich zusammensetzen und anfangen, darüber zu reden, wie wir es anders machen können...
Schaffen wir uns eine Alternative!
Es gibt viel zu verweigern: Das Kreuzchen bei der nächsten Wahl, die überteuerte
Miete, die Arbeit zum Hungerlohn, die Strafarbeit in der Schule, ... Wir können
schwarzfahren, morgens blau machen und gemütlich im Bett liegen bleiben,
unserer Essen im Supermarkt klauen und uns damit für einen Moment den alltäglichen
Zwängen zu entziehen. Doch das hat seine Grenzen, die zudem immer enger
gesteckt werden. Viel weiter als bis zu ein paar kleinen Annehmlichkeiten werden
wir allein nicht kommen. Das merkt jedeR, die ein bischen weiter geht und versucht
die zu hohe Miete einfach nicht mehr zu bezahlen, sich zu weigern für niedrigen
Lohn zu arbeiten oder dem Schaffner zu erklären, warum halt gerade keine
Kohle für die Fahrkarte da ist. Das endet schnell bei den Bullen, wird
noch teurer und mensch hat davon nicht viel mehr als `ne Menge Ärger. Die
Konsequenz daraus ist für viele Rückzug und Anpassung. Dann eben alles
schlucken, irgendwie durchmogeln, geht ja nicht anders. Manche vergessen dann
ganz gerne irgendwann, daß sie sich mal mehr gewünscht haben, als
irgendwie so klarzukommen und richten sich's ganz gemütlich ein zwischen
Job, Kleinfamilie und Gartenzwerg. Andere beginnen damit schon früher und
schleimen sich durch die Schule bis zum BWL-Studium und wollten vielleicht auch
nie was anderes. Und sie werden auch nie was ändern an den Umständen
in denen sie leben. Pech gehabt.
Doch uns geht es um die, die keinen Bock haben, sich alles bieten zu lassen, die sich nicht auf Kosten anderer nach oben strampeln wollen, die noch mehr im Kopf haben, als sich selber. Von denen haben nicht alle die gleichen Voraussetzungen hier Widerstand zu leisten wie andere. Sei es, weil sie aufgrund der Teilnahme an einer unangemeldeten Demo abgeschoben werden können oder weil schon eine kleinere Geldstrafe den letzten Rest der Haushaltskasse verschlingen würde.
Jeden Tag werden Menschen abgeschoben, die zufällig keinen deutschen Pass und damit hier auch kein Recht auf Schutz vor Verfolgung haben. Menschen werden von Nazis angegriffen, weil sie nicht so aussehen wie der deutsche Normalbürger. Frauen werden von Männern angemacht oder vergewaltigt und keinen interessierts. Ist ja auch bequemer. Hauptsache mensch rettet seinen eigenen Arsch. Und die meisten, denen noch nicht alles egal ist, denken, dagegen kann ich ja sowieso nichts machen. Das ist quatsch. JedeR kann sich gemeinsam mit anderen organisieren und einen Ausweg aus Ignoranz und Untätigkeit schaffen. Und vieles, was alleine sinnlos scheint, ist zusammen machbar. Natürlich schafft es keine Perspektive, immer nur gegen etwas anzukämpfen ohne positive Alternativen zu schaffen.
Es muß darum gehen, eine langfristige Lebensperspektive für alle zu schaffen, die dem von der Gesellschaft vorgegebenen Weg von Arbeit, Ehe, Familie und anschliessender Vereinsamung im Altersheim entgehen wollen. Es braucht an Freiräumen, in denen zumindest im Kleinen ausprobiert werden kann, wie ein anderes Leben funktioniert. Ob es nun Viertelversammlungen, autonome Zentren, selbstbestimmte Strukturen von SchülerInnen, MigrantInnen,ArbeiterInnen, SozialhilfebezieherInnen oder, oder, oder sind, überall wo Menschen zusammenkommen und für ihre eigenen Interessen eintreten, wird ein anderes Leben denkbar. Ein Leben, in dem es möglich ist, daß niemand hungern oder auf der Straße schlafen muß, weil er oder sie grad kein Geld hat. Wo klar ist, daß Menschen zusammen statt gegeneinander leben können, daß niemand oben oder unten stehen muß.
Doch im kleinen darf es nicht stehenbleiben. Schliesslich ist es nicht unser Ziel uns nur unser eigenes Leben schöner zu machen, sondern auch anderen zu zeigen, daß es immernoch möglich und nötig ist, sich fernab von staatlicher Einflußnahme selbst zu organisieren und eine neue Perspektive zu schaffen.
Wenn wir uns abhängig machen von Unterstützung durch den Staat, sei es durch Geld, Räumlichkeiten oder rechtliche Möglichkeiten, machen wir uns immer auch berechen- und vor allem kontrollierbar. Denn diese Unterstützung ist nur so lange sicher, wie sie den staatlichen Institutionen in den Kram passt und wir uns an die Spielregeln halten.
Deshalb müssen wir versuchen, uns eben dieser Kontrolle soweit wie möglich
zu entziehen und unser eigenes Ding machen; gegen alles was wir scheiße
finden und für alles was wir uns wünschen kämpfen ohne daß
jemand reinpfuschen kann. Und zwar wir alle und jeden Tag. Und das heißt
auch bei sich selbst anzufangen, mal nachzudenken über den Müll, den
wir im Kopf haben. Wir haben gelernt uns gegeneinander zu behaupten, andere
als Konkurrenz zu betrachten, statt uns gegenseitig zu unterstützen. Diese
Gesellschaft basiert auf Leistung und Zwang, darum muß es Teil des Widerstandes
sein sich dem zu widersetzen und zu versuchen ein solidarisches Zusammenleben
zu ermöglichen. Es wird uns nicht voranbringen, wenn 20 Leute zweimal im
Jahr `ne Demo organisieren und alle kommen um für Freiheit und Leben einmal
um den Pudding zu wandern. Das ist schön, aber nicht genug. Was wir brauchen
sind viele Menschen, die selber was machen, sich nach ihren eigenen Vorstellungen
organisieren und einen Weg zu einer freien Gesellschaft einschlagen und die
dabei jeder Herrschaft konsequent entgegentreten.
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Bisher ist es nur ein Traum:
Eine Welt in der niemand über andere bestimmen kann, in der allewirklich frei sind. Eine Welt ohne Vorurteile, Unterdrückung, ohne Leistungsdruck. |
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In diesem Traum sind alle Menschen
wirklich gleichberechtigt, entscheiden alle Die Menschen kümmern sich gegenseitig umeinander, sodass alte, sogenannte behinderte oder kranke Menschen nicht mehr an den Rand der Gesellschaft geschoben werden. Hierarchien gibt es nicht, egal ob jung oder alt, Frau oder Mann, oder wie auch immer, alle sind gleich viel Wert und haben gleich viel zu sagen. Nicht die Leistung der Menschen, sondern die Person selbst ist wichtig. Es gibt ein solidarisches Miteinander und keinen Konkurrenzkampf. Wie dieser ganze Traum am Ende aussehen
wird, kann niemand genau sagen, denn ein Teil |
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Kommt alle zur
Demo gegen
Sozialkürzungen und beteiligt
euch am autonomen Block!
7. September
14 Uhr Kaiserstrasse
Autonome Gruppe Gonzo
AG Gonzo c/o Alhambra Hermannstraße 83 26135 Oldenburg Tel.: 14402
