Vorstellung
der Politischen Werkstatt
Die
Politische Werkstatt verlegt ihr monatliches Plenum aus Wilhelmshaven ins Alhambra
nach Oldenburg
Entstehung/ Arbeitsweise
1994 aus einem ursprünglich theoretisch orientierten Interesse hervorgehend, verstand die PoliWerk sich als Versuch, die zu diesem Zeitpunkt in Wilhelmshaven stagnierende Antifa-Politik auf eine höhere Stufe zu stellen sowie sich aus der Kampagnenabhängigkeit der Autonomen zu lösen, in der die Kritik am kapitalistischen Normalzustand der konkreten Abwehr seiner extremsten Auswüchsen zu weichen droht(e). Ohne auf Kampagnen gänzlich zu verzichten, haben wir eine Kontinuität der Herausstellung des Allgemeinen im Besonderen in Angriff genommen und die verschiedenen thematischen Bereiche als miteinander verknüpft und aufeinander bezogen zu verstehen und zu vermitteln versucht, so daß sich aus Teilaspekten einer Kampagne schon Dreh- und Angelpunkte ihrer Fortführung unter veränderter Perspektive ergeben. Unter bewußtem Verzicht auf die kurzfristige Aussicht quantitativen Zuspruchs liegt unsere Absicht in der experimentellen Entwicklung von Modellen kritischer Öffentlichkeit. Der experimentelle Anspruch beinhaltet dabei die freie Wahl der Mittel, welche den Akteuren künstlerisch-politischer Praxis sowohl gesellschaftliche Erkenntnisse als auch die bewußte Erfahrung eigener künstlerischer und intellektueller Fertigkeiten ermöglicht. Daß dies mehr work in progress als künstlerischen Perfektionismus einschließt, darf durchaus als nicht dem Zufall geschuldet verstanden werden.
Unsere bisherigen Versuche, Gesellschaftskritik allgemein kommunizierbar zu machen, umfaßten sowohl Plakataktionen als auch Ausstellungen und die Herausgabe einer Zeitung. All dies in der Hoffnung, dieses Konzept durch regelverletzende Aktionen zu stützen und zu erweitern. Ziel ist dabei die Entwicklung einer Gleichzeitigkeit der Herstellung von Öffentlichkeit sowohl auf der Straße als auch in politischen und kulturellen Zentren.
Die erste Ausstellung fand unter dem Titel Menschenlandschaft" statt und setzte sich mit urbaner Ästhetik als Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse auseinander. In der zweiten, Zeiträume" betitelten Ausstellung ging es explizit um die Auswirkung der kapitalistischen Zeitökonomie auf den menschlichen Alltag. Die Ausgangsidee der dritten und bisher jüngsten Ausstellung, Verkehrsstörung", entstammt der Auseinandersetzung mit dem Thema Zeitökonomie und ist ein in thematischer Verbindung mit der zweiten Ausstellung stehender Versuch gewesen, sich mit der gesellschaftlichen Bedeutung und den Auswirkungen des motorisierten Individualverkehrs zu befassen.
Zur Zeit planen wir eine Ausstellung zum Thema Medien". Dieses Thema liegt uns aufgrund der permanenten Präsenz der Massenmedien am Herzen und wegen der Tatsache, daß diesen als die Verhältnisse unkritisch abstützenden und auch Vereinzelung hervorbringenden Elements gesellschaftlicher Wahrnehmung und Kommunikation besondere Bedeutung zukommt, vor allem in den zur Zeit vorgehenden sozialen und ökonomischen Umwälzungen. Es ist angedacht (und ebenfalls integraler Bestandteil unseres Veranstaltungskonzeptes), auch diesmal die Präsentation der Ausstellungsobjekte durch thematisch verwandte Filme, Lesungen, Vorträge, ein Konzert und ähnliches zu ergänzen.
Warum Oldenburg?
Unsere Arbeits- und Redaktionstreffen werden zwar weiterhin in Wilhelmshaven stattfinden, doch stellt uns der Zerfall des regionalen links-politischen Spektrums _ bedingt sowohl durch den kontinuierlichen Wegzug junger Menschen sowie aufgrund des steigenden Desinteresses und des Rückzugs ehemals Aktiver _ vor Probleme, denen wir durch die Verlegung unseres monatlichen öffentlichen Treffens nach Oldenburg zu begegnen beabsichtigen. Da es bedauerlicherweise in letzter Zeit keine nennenswerte Resonanz in Wilhelmshaven gab, wir aber politische Arbeit als Kommunikationsprozess verstehen, hoffen wir mit der Ausweitung unserer Aktivitäten nach Oldenburg, ein offeneres Klima für politische und kulturelle Tätigkeiten vorzufinden und unseren Teil dazu beizutragen. Begünstigt wird dies durch die Tatsache, daß auch die PoliWerk personelle Umzüge nach Oldenburg und Bremen zu verkraften hatte, so daß sich Oldenburg als in der Mitte gelegener Treffpunkt geradezu anbietet.
Treffen:
jeden 2. Donnerstag des Monats um 20 Uhr (im Siebdruckraum)
Kontakt: poliwerk@gmx.de