leserbrief

hola! hier mein leserbrief zu „prag 2000" aus der oktoberausgabe der alhambrazeitung:

Janz erfreulich, wat Se uns da von der Entscheidungsschlacht aus Prag vermelden, Kamerad, aber warten Se ma junger Mann, ick hab mein Clausewitz ooch jelesen, wa!

Im Beitrag „Prag 2000 - fliegende Barris, brennende Steine", beschreibst Du die Aktionen gegen den Internatinaler Währungsfons/Weltbank -Kongreß. rioting - the unbeatable high... Nach einer DIN A4 Seite lodernder Straßenschlachtsromantik, adrenalin shoots your nerves to the sky.., die politisch gerade mal aussagt, daß in Prag ein Kongreß stattgefunden hat, und die linke Avantgarde throwing a brick never felt so damn good, den Bütteln nach heldenhaftem Kampf unterlegen war, the cops know that they´ve won , schließt du, sozusagen als Zusammenfassung Deines Berichts: „...militanter Protest... kann die da oben und das ganze System zum Wackeln bringen...". Tomorrow you´re homeless, tonight it`s a blast.

Woher dieser Zwang in der Linken, die eigenen Niederlagen als Siege darzustellen? Mensch! Da haben sich die Vertreter der mächtigsten Schurken der Welt zu einer Konferenz getroffen, konnten vor der Weltöffentlichkeit ihre Unterjochung fast der gesamten Weltbevölkerung unter das Diktat der Konzerne und ihrer Weltbank als Freiheit darstellen; Krieg als Frieden; Unterdrückung als Entwicklungshilfe. Die Linke, ohne irgendeinen Einfluß, berauscht sich an der eigenen Niederlage gegen die Polizei, nach dem Motto: denen haben wir es aber mal gezeigt.

Seattle, das Beispiel, das Du nennst, hat sicher eindrucksvoll gezeigt, dass die Polizei überrascht werden kann. Daß die Medien sich auf brennende Barrikaden stürzen, war eigentlich schon vorher bekannt. Aber wo hat das System gewackelt? Das System ist Ausdruck einer wirtschaftlichen
Machtelite (Konzerne, Weltbank etc.). Das System wackelt erst, wenn diese Elite ernsthaft in Frage gestellt wird und ihr die Grundlage ihrer Macht (also ihre Wirtschaft) weggenommen wird.

Seattle, Köln und Prag etc. sind klug ausgesuchte Orte; die Weltpresse ist vor Ort; die Linken können zeigen, dass sie das Kapital meinen, - auch wenn in den Medien oft aus linkem anti-Kapitalismus verwässerte Globalisierungskritik wird. Aber diese Demos, auch wenn sie in unseren Augen extrem militant scheinen, sind Propaganda. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Zu glauben, Cops durch die Straßen zu jagen, wäre eine direkte Bedrohung der Macht, ist genau die „Rettung in abstrakte Fantasien", von der Du weg wolltest.

Die Linke muß versuchen, den Leuten klar zu machen, dass ihre Probleme, (Perspektivlosigkeit, Arbeitslosigkeit, beschissene Arbeit, Einflusslosigkeit, Umweltzerstörung, Krieg, etc.) direkt mit den Profiten der Bonzen zusammenhängen. Die Leute müssen dafür kämpfen, es ohne die Bonzen besser zu machen. Leider: die radikale Linke wird kaum gehört, die Ansätze ihrer Ideen sind (zur Zeit) influsslos und es gibt relativ wenig Leute, die die Herrschenden von ihrer Herrschaft befreien wollen. Wenn wir das ändern wollen, müssen wir wach sein und dürfen uns nichts vormachen. In diesem Sinne: auf nach Marseille!

Slartibartfast

englische Zitate: dead kennedys: riot auf: plastic surgery disasters

Der Artikel sollte eigentlich in einem Themenblock zu Prag eingebettet sein. Der Autor wurde von uns angesprochen, einen Erlebnisbericht zu schreiben. Leider haben wir es nicht hingekriegt, analytische Artikel zu finden, die uns gefallen haben. die Redax