Antifa aktuell November 2000
Holterfehn -
100 Nazis feiern ein Konzi
Am 21.10. ist es
im Oberledingerland/Holterfehn zu einem Treffen von etwa 100 Neonazis gekommen.
In und vor einer Gaststätte in Holterfehn wurden in der Nacht zum Sonntag
rechtsradikale und antisemitische Parolen gegrölt. Mit einer starken Präsenz
versuche die Polizei, das Geschehen einzudämmen, es gab aber keine Festnahmen.
Nachbarn und Passanten hatten gegen 22.30 Uhr vor der Gaststätte in der
Nordstraße, deren Saal nur noch gelegentlich vermietet wird, rechtsradikale
Gesänge und auf der Straße Sieg-Heil"-Rufe wahrgenommen
und daraufhin den Bürgermeister angerufen. Der wiederum schaltete den für
die Ordnung und Sicherheit zuständigen Gemeindedirektor ein, welcher die
Polizei alarmierte. Die Leeraner Polizei berichtete, bereits vorher durch den
Staatsschutz in Aurich über das Treffen informiert gewesen zu sein. Nachdem
zunächst Zivilstreifen das Lokal in Augenschein genommen hatten, zog die
Polizei alle zur Verfügung stehenden Kräfte zusammen. Eine halbe Hundertschaft
fuhr vor dem Lokal Streife. Der Saal für das Neonazi-Treffen mit einem
Konzert zweier Skinhead-Bands sei unter dem Deckmantel einer privaten Geburtstagsfeier
angemietet worden, erklärte die Polizei gestern. Der Inhaber des Lokals
habe von der Gesinnung seiner Mieter nichts gewusst.
Berlin - 6000
bei Antifademo
Bei der antifaschistischistischen
Demonstration am 7. Oktober in Berlin Köpenick demonstrierten rund 6000
Personen gegen den Abschiebeknast Grünau und die Bundeszentrale der NPD.
Nach recht erfolgreichen
Angriffen auf die Abschiebehaftanstalt in der Grünauer Straße setzten
die Bullen Wasserwerfer und Räumpanzer gegen die Demonstration ein. Dutzende
TeilnehmerInnen wurden zum Teil schwer verletzt. Kurz vor der Abschlußkundgebung
am Mandrellaplatz stürmten erneut Einheiten der Berliner Polizei in den
Demonstrationszug und griffen wahllos einzelne Menschen heraus. Insgesamt kam
es zu ca. 40 Festnahmen. Nichts desto trotz, daß so viele TeilnehmerInnen
mit dieser Demonstration auf den Zusammenhang zwischen neofaschistischem Terror
und staatlicher rassistischer Politik hinwiesen, ist ein Erfolg der Mobilisierung
des Bündnisses Gemeinsam gegen Rechts", in dem sich über
200 Organisationen und Einzelpersonen zusammengefunden haben.
Berlin -
Wider die Deutschtümelei
Am Vorabend des
3. Oktobers demonstrierten rund 700 Menschen durch Berlins sogenannte neue Mitte.
Unter dem Motto »Deutschland feiern heißt Tod und Unterdrückung
feiern« hatten mehrere Berliner linksradikale Gruppen - darunter die Antifaschistischen
Roten Dornen (ARD), die Revolutionären KifferInnen (RK), die Berliner Anti-NATO-Gruppe
(B.Ä.N.G.) und die gruppe mücadele - zu einer Demo gegen den deutschen
Nationalismus aufgerufen.
Leipzig - 3.000
vs Überwachungswahn
Der ausgesprochen
geschmackvolle Werbespruch der ältesten deutschen Messestadt lautet: Leipzig
kommt!" Fakt ist, dass sich die Leipziger gefallen lassen müssen,
dabei beobachtet zu werden: Seit 1996 verfolgt die Polizei das öffentliche
Leben per Videoüberwachung rund um die Uhr auf zentralen Straßen
und Plätzen. Die Sache ist ein Modellversuch, quasi beispielhaft für
Deutschland. Und erfolgreich, wie Polizeipräsident Rolf Müller versichert:
Vor dem Hauptbahnhof ist die Krimi-nalitätsrate um die Hälfte
gesunken". Angestiegen ist hingegen die Zahl derer, die sich gegen eine
Realisierung der Orwellschen Vision wehren. Etwa 3.000 Menschen waren es am
14.10., die protestierend durch die Leipziger Innenstadt zogen. Vor laufenden
Kameras natürlich: Zusätzlich zu den fest installierten, wartete die
Polizei mit mehreren portablen Geräten auf. Unter dem Slogan gegen
die Überwachungsgesellschaft und Sicherheitswahn" wollen die VeranstalterInnen
- Bündnis gegen Rechts" und Antifaschistischer Frauenblock"
- die Dinger einfach wegdemonstrieren. Da kennt man sich schließlich aus
in Leipzig. Allein 25 Demos im Januar und Februar zwangen die Stadt, eine im
von den Linken dominierten Stadtteil Connewitz installierte Kamera wieder abzubauen.
Den DemonstrantInnen gegenüber standen 1.700 Beamte. Nach Abschluss der
Demonstration kam es vor dem neuen Rathaus zu Auseinandersetzungen. (Quelle:
taz vom 16.10.2000)
Berlin - NPD
am Brandenburger Tor
Mit einem 20köpfigen
Aufgebot, mit Bonbons und Luftballons versuchte am 20.10. die NPD, ihre Verfassungstreue
und Harmlosigkeit zu beweisen. Am Brandenburger Tor in Berlin hatte sich die
Agit-Truppe der Neonazis mit einem Stand aufgebaut, um mit der Losung »Argumente
statt Verbote« gegen ein drohendes Aus für ihre Partei zu demonstrieren.
Die Gegen-demonstrantInnen mußten sich Hunderte Meter entfernt im Schatten
einer Baustelle versammeln.
Mehrfach ergriffen zivile Greiftrupps der Polizei junge Menschen, denen es offenbar
gelungen war, durch die dichten Polizeisperren zu rutschen und sich vor dem
NPD-Stand zu versammeln. Nach Aufnahme der Personalien und versehen mit einem
Platzverweis schickte die Polizei die Antifas zurück hinter die Absperrungen.
Dennoch gelang es ihnen am Nachmittag, eine Rede von Parteiführer Udo Voigt
massiv zu stören.
Schleswig-Holstein
- Putsch
der Freien" bei der NPD
Der Richtungskampf
in der vom Verbot bedrohten Nationaldemokratischen Partei (NPD) spitzt sich
zu. Am 20.10. hat das Bundespräsidium den Organisatorischen Notstand
für den Landesverband Schleswig-Holstein" ausgerufen und den am vorigen
Wochenende gewählten Vorstand suspendiert". Damit reagierte
das Präsidium auf den Putsch der Freien Nationalisten", die
beim Parteitag den langjährigen Landeschef und Präsidiumsmitglied
Ingo Stawitz abgesetzt und mit Jürgen Gerg und Peter Borchert militante
Neonazis in die Führung gewählt hatten. Beide gelten als Verbündete
der Hamburger Neonaziführer Christian Worch und Thomas Wulff.
Dortmund -
600 Neonazis marschierten
Am 21.10. demonstrierten
in Dortmund über 10 000 Menschen gegen einen Aufmarsch von rund 600 Neonazis.
Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte erst am Freitag abend die Verbotsverfügung
der Dortmunder Polizei gegen den Aufmarsch des »Nationalen Widerstands
Dortmund« aufgehoben und die Kundgebung genehmigt. Der Hamburger Neonazi
Christian Worch begrüßte die rund 600 meist in Schwarz und Olivgrün
gekleideten »Kameraden«. Rund zwei Stunden lang marschierte der »nationale
Widerstand« unbehelligt, weil durch die Polizei geschützt, durch Dortmunds
Straßen. Während die Neonazis marschierten, versuchten einige hundert
autonome AntifaschistInnen, die polizeiliche Trennlinie zu durchbrechen. Die
Ordnungshüter reagierten mit der Bildung mehrerer Polizeikessel, in denen
zeit
weise bis zu 1 500 Menschen festgehalten wurden. Bis zum frühen Nachmittag
gab es bereits 17 Ingewahrsamsnahmen und zwei Verhaftungen. Mehrere Kreuzungen
in unmittelbarer Nähe der Polizeisperren wurden von AntifaschistInnen blockiert.
Flaschenwürfe aus der Mitte einer Blockadegruppe nahmen die Bullen zum
Anlaß, eine ganze Gruppe von 250 DemonstrantInnen in Gewahrsam zu nehmen
und erkennungsdienstlich zu behandeln. Zur direkten Konfrontation von Neonazis
und Antifas kam es dann am Abend am Hauptbahnhof, als die Polizei zeitweise
nicht Herr der Lage war.
Potsdam - Naziangriff
verhindert
Am 21.10. kam es
zu Auseinandersetzungen zwischen Nazis und Antifas in Potsdam-Babelsberg. Etwa
20 Faschos waren in Richtung der Rudolf-Breitscheid-Straße gezogen, wo
sich ein besetztes Haus befindet. Bevor sie jedoch einen Angriff starten konnten,
wurde sie von 50 Antifas angegriffen. Ein 22-Jähriger Nazi wurde verletzt.
Die Polizei stellten bei 50 Personen im Alter zwischen 13 und 34 Jahren die
Personalien fest.
Oldenburg -
Nazi arbeitet für Uni
Mitte Oktober tauchten
in der CvO-Universität Flugblätter auf, in denen der Faschist Olaf
Seifert geoutet wurde. Er arbeitet wohl schon seit mehreren Jahren in den Werkstätten
der Universität. Er beteiligt sich an Nazi-Aufmärschen (z.B. in Cloppenburg)
und sein Auto mit dem Kennzeichen WST-NF-88 wurde mehrmals vor der Tannenstraße
5, der Oldenburger NPD-Zentrale, gesehen.
Mal schauen
wie jetzt die Unileitung reagiert, behauptete der Uni-Präsident
Grubitzsch doch in einem NWZ-Interview vom 15.September , daß an der Oldenburger
Uni keinerlei rechtsextreme Tendenzen auszumachen wären" und
daß man da sehr wachsam sei".
Göppingen
-
Unbekannter schoss auf NPD`ler
Am Morgen des 25.Oktober
wurde der NPD-Funktionär Siegfried Weiß-Stüßgen im baden-württembergischen
Göppingen niedergeschossen und schwer verletzt. Ein Vermummter schoss am
Morgen auf einem Parkplatz mehrmals auf den Lastwagenfahrer. Das geht aus den
Aussagen des 42-Jährigen kurz vor seiner Notoperation hervor. Über
die Hintergründe der Tat gibt es noch keine Erkenntnisse.
Internet
Topaktuelle
News / Zeitungsartikel zu Nazis, Rassismus und linkem Widerstand gibts im Internet:
bei D.I.R. www.infolinks.de
oder bei nadir www.nadir.org