Eine gewonnene Schlacht
Die bolivianische Bevölkerung jagt den Präsidenten
aus dem Amt
von Anja Witte, entnommen aus den LateinamerikaNachrichten november `03
Er hielt dem Druck nicht stand. Am l 7. Oktober 2003 trat Präsident Gonzalo
Sänchez de Lozada zurück und floh aus dem Land. Sein Nachfolger ist
der bisherige Vizepräsident Carlos Mesa. Eine sich rasant entwickelnde
Protestwelle hatte das Land seit Ende August überzogen. Umfassende Straßenblockaden
und Generalstreiks legten Bolivien lahm , woraufhin die Regierung Militär
einsetzte. Über 70 zivile Todesopfer waren die traurige Bilanz der brutalen
Militäreinsätze der Regierung.
Die BolivianerInnen tanzen ausgelassen auf den Straßen. Dynamitstangen,
die noch wenige Stunden zuvor zur Verteidigung der Blockaden gebraucht wurden,
werden als Freudenfeuer gezündet. Die wuchtigen Proteste der bolivianischen
Bevölkerung gegen die neoliberale Regierungspolitik haben den Präsidenten
Sänchez de Lozada am l 7. Oktober 2003 aus dem Amt gefegt. „Endlich
ist dieser Kriminelle gestürzt!“ jubelt der Gewerkschaftsführer
Roberto de la Cruz. Der ehemalige Vizepräsident Carlos Mesa wurde unmittelbar
danach als neuer Präsident vom Parlament vereidigt und der neuen Regierung
damit übergangslos verfassungmäßige Legitimität verliehen.
Carlos Mesa
Mesa hatte sich nach dem Blutbad, das das Militär am 12. und l 3. Oktober
in der an La Paz angrenzenden Armenstadt El Alto angerichtet hatte, scharf von
der Regierung distanziert und die weitere Zusammenarbeit mit Sänchez de
Lozada verweigert, ohne allerdings zurückzutreten. Mit diesem Schachzug
öffnete er die Tür für einen möglichen demokratischen Ausweg
aus der zugespitzten Situation.
In ersten Erklärungen nach dem Regierungswechsel bezeichnete er seine neue
Regierung als Übergang und kündigte vorgezogene Neuwahlen an. „Ohne
Sie werde ich nicht regieren können,“ wandte er sich an die Bevölkerung.
Er sei der erste Diener des Staates und werde auf die Forderungen der Menschen
auf der Straße eingehen. Unter anderem wolle er das Energiegesetz, gegen
das sich die Proteste richteten, einer Revision unterziehen und danach einer
Volksabstimmung stellen. Weiter kündigte er an, sein Kabinett ausschließlich
aus Parteilosen zu bilden. Der 50-jährige ehemalige Journalist gehört
selber keiner Partei an. Während seiner journalistischen Tätigkeiten
hatte er zahlreiche Korruptionsfälle ans Licht gebracht. Sein einziges
Kapital ist momentan sein bislang unbeschädigter Ruf. Doch leicht wird
seine neue Aufgabe nicht. Das Ende der Krise ist noch nicht in Sicht.
Ende der Blockaden?
Der zentrale Gewerkschaftsverband (COB) kündigte bereits an, den Generalstreik
weiter zu führen, bis ganz offiziell sei, dass das Gas weder über
Chile noch über Peru ins Ausland exportiert werde. Mit der Begründung,
es habe nur einen Personenwechsel, aber keine Veränderung des ökonomischen
Systems gegeben, verweigerten er dem neuen Präsidenten ihre Unterstützung.
Der Abgeordnete der MAS (Bewegung zum Sozialismus) und Oppositionsführer
Evo Morales verlautbarte, er werde der Regierung des neuen Präsidenten
nicht im Wege stehen, wenn dieser sich mit allen sozialen Sektoren zu Verhandlungen
an einen Tisch setze. Ob die Blockaden jetzt ausgesetzt würden, müsse
eine Abstimmung an der Basis ergeben.
Die Opposition
Die Opposition zur ehemaligen Regierung wird angeführt von dem MAS-Abgeordneten
und Vertreter der Kokabauern Evo Morales, der zum Sprachrohr der verschiedenen
sozialen Bewegungen avancierte.
Bei den in Aussicht gestellten Neuwahlen wird auch dieser frühere Präsidentschaftskandidat
und Lieblingsfeind der USA eine Rolle spielen. Er hatte bei den Wahlen 2002
nur knapp gegen Sanchez de Lozada verloren. Morales hatte den Ausgang der Wahl
damals nicht anerkannt und sich selbst als den rechtmäßigen Vertreter
des Volkes bezeichnet. Von der gestürzten Regierung wurde er stets zum
undemokratischen Aufrührer und zur Ursache aller Schwierigkeiten des Landes
stilisiert. Eine Meinungsumfrage im September 2003 ergab, dass er zu diesem
Zeitpunkt mit einem Rückhalt von acht Prozent genauso unbeliebt war wie
Sänchez de Lozada. Abgesehen von dem Bestreben nach einem radikalen Elitenwechsel,
äußerte er bislang wenig klare politische Vorstellungen.
Im Zentrum der derzeitigen sozialen Proteste steht die organisierte Bauernbewegung.
Der Abgeordnete Felipe Quispe, genannt El Mallku (Der Kondor), der umstrittene
Vertreter des Bauernverbandes, ist der Anführer der Proteste der Aymara
im Hochland.
Seine Organisation Indigene Bewegung Pachakutik zog 2002 mit 6,2 Prozent der
Stimmen und sechs Sitzen ins Parlament ein. Sein stark romantisierendes politisches
Programm besteht in dem Ruf nach der Wiedergeburt einer „Ayrnara-Nation“,
die es historisch gesehen allerdings so nicht gegeben hat. In nicht-indigenen
Kreisen ist Quispe stark umstritten, weil sein Diskurs teilweise rassistische
Züge aufweise. Im September rief er die Hochlandbauern und -bäuerinnen
auf, sich zu bewaffnen und in einem Bürgerkrieg das Land zurückzuerobern,
dass den Indigenen gehöre.
Seit den Parlamentswahlen 2002 hatten indigene Gruppen zunehmend Einfluss auf
die bolivianische Politik gewonnen, die bislang ausschließlich von einer
kleinen Führungselite aus Weißen und Mestizen kontrolliert worden
war. 30 Prozent der Volksvertreterinnen sind indigen.
Der Krieg ums Gas
Die Protestwelle aus Straßenblockaden, Demonstrationen und Generalstreiks
hatte sich Ende August angebahnt und konzentrierte sich zunächst auf das
Hochland in der näheren Umgebung des Titicacasees, um dann das ganze Land
zu erfassen. Sie richtete sich gegen den Plan der Regierung, das bolivianische
Erdgas an die USA und an Mexiko zu verkaufen. In rasantem Tempo verwandelten
sich die Proteste in einen Aufstand gegen die bolivianische Regierung mit dem
Präsidenten Sänchez de Lozada und Verteidigungsminister Carlos Sänchez
Berzain an der Spitze. Nach brutalen Militäreinsätzen im September
und Oktober, die mehr als 70
Menschenleben kosteten, forderte die überwiegende Mehrheit der Bolivianerinnen
leidenschaftlich den Rücktritt des verantwortlichen Präsidenten. Der
Sturz Sänchez de Lozadas wurde bereits als Gewinn einer Schlacht, nicht
aber als Sieg im Krieg ums Gas bezeichnet.
Die Ursachen dafür, dass sich die Proteste zu einem so machtvollen und
erfolgreichen Aufstand enwickelten, sind vielschichtig und tief in der sozialen
und ökonomischen Struktur Boliviens verankert.
Nicht noch einmal...
Bolivien ist das ärmste Land Südamerikas mit einer über 500 Jahre
alten Geschichte der Ausbeutung und Unterdrückung. Große Teile der
bolivianischen Bevölkerung fürchten, bei dem Regierungsgeschäft
mit dem Gas wie schon so oft die Verliererinnen eines Ausverkaufs der Rohstoffe
ihres Landes durch die herrschende politische Klasse zu sein. Die reichen Silber-,
Gold- und Zinnvorkommen waren in der Geschichte nie der bolivianischen Bevölkerung
zu Gute gekommen. Die Exportgewinne flössen ins Ausland , die privilegierte
weiße Elite des Landes konnte sich die Taschen füllen. Heute kam
pfe n die Bolivianerlnnen im so genannten „Gaskrieg“ gegen eine
Wiederholung dieser alten Geschichte.
...und nicht durch Chile
Die stark nationalistisch gefärbte Rhetorik während der Mobilisierung
zur Verteidigung des bolivianischen Gases bediente sich einer in der bolivianischen
Gesellschaft tief sitzenden Abneigung gegen das Nachbarland Chile und die
USA. Der vorgesehene Verkauf des Gases an die USA und der Bau der Pipeline durch
Chile, um das Gas zur Verschiffung ans Meer zu transportieren, trugen zur landesweiten
Solidarisierung bei. Nicht zuletzt wegen der großen ökonomischen
Abhängigkeit Boliviens und der unverhohlenen Einmischung der Vereinigten
Staaten in die Innenpolitik, sind die Gringos extrem unbeliebt. Und darin, dass
Chile der Volksfeind Nummer Eins ist, stimmen Bolivianerinnen aller Schichten
und über alle Interessensunterschiede hinweg überein, seit Bolivien
im Salpeterkrieg l 879/80 seinen einzigen Zugang zum Meer an Chile verlor.
Das Gasvorkommen - das zweitgrößte Lateinamerikas nach dem venezolanischen
- ist einer der letzten verbliebenen Bodenschätze des Landes. Drei Fünftel
der bolivianischen Bevölkerung sind arm, mehr als die Hälfte davon
extrem arm. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Bolivianerinnen beträgt
nur 45 Jahre. Die indigene Landbevölkerung lebt am unteren Rand des Existenzminimums.
Nicht wenige Bolivianerinnen sehen in dem Gas eine letzte Chance auf eine eventuelle
Verbesserung ihrer Lebensbedingungen.
Und so steht die Nutzung des Gases im eigenen Land an oberster Stelle im Forderungskatalog.
Der MAS-Abgeordnete Jörge Alvarado brachte das während des Generalstreiks
am 29. September auf den Punkt: „Das Gas sollte für den Fortschritt
des Landes genutzt werden und der bolivianischen Bevölkerung zu Gute kommen.
Es ist an der Zeit für die Regierung aus ihrer Lethargie aufzuwachen, auf
die große Mehrheit der BolivianerInnen zu hören und endlich zu begreifen,
dass das Gas für die nationale Entwicklung des Landes verwandt werden muss.“
Die geplanten Handelsabkommen der Regierung mit den ausländischen Investoren
beinhalteten, dass lediglich kümmerliche 18 Prozent der zukünftigen
Exportgewinne dem Staat Bolivien zufließen sollen.
Die Protestbewegung, bestehend aus heterogenen sozialen Gruppierungen, trat
zu Beginn des „Gaskriegs“ bei weitem nicht einheitlich auf. Die
Bandbreite der Forderungen, neben dem Kampf ums Gas, ist groß und wird
auch nach dem Rücktritt des Präsidenten weiterbestehen. Die „sin
tierras“ (Landlosenbewegung) im Tiefland kämpfen für die Umsetzung
einer Landreform, die immer wieder verzögert wird. Die Landwirtschaftsverbände
im Hochland verlangen neue Traktoren.
Lehrerinnen, die am häufigsten streikende Berufsgruppe Boliviens, beanspruchen
Gehaltserhöhungen, Rentnerinnen eine Verbesserung ihrer miserablen Versorgungsleistungen.
Verschiedene Gewerkschaften fordern höhere Löhne und Veränderungen
im Arbeitsrecht. Kokabauern und -bäuerinnen verlangen eine Legalisierung
ihres Anbauproduktes und die Aussetzung der Eradi-kationsprogramme. Vereinigungen
der indigenen Bevölkerung kämpfen für Menschenrechte und Land.
Die ersten Blockaden im Hochland wurden aus ganz partikularen Gründen errichtet,
um nämlich die Freilassung des Bauernführers Huampu zu erzwingen,
der wegen mehrfachen Mordes angeklagt worden war. Weitere Proteste richteten
sich gegen ein neues Gesetz, das die meistgenutzte bolivianische Protestform,
die Blockierung von Straßen, unter hohe Strafen stellt sowie gegen das
geplante gesamtamerikanische Freihandelsabkommen ALCA.
Wegen der zahlreichen ungelösten Konflikte in Folge der extremen sozialen
Ausgrenzung, der Armut Boliviens und der von der Weltbank und dem Internationalen
Währungs-fonds (IWF) erzwungenen neoliberalen Wirtschaftspolitik hatte
das Land seit 2000 eine ganze Reihe von Aufständen und Protesten erlebt.
Im April 2000 kam es in Cochabamba zum .Wasserkrieg“. In harten Auseinandersetzungen
konnte die Privatisierung des Wassers verhindert werden. Niedergeschlagene Aufstände
der Landlosenbewegung im November 2001 forderten mehrere Tote. Allein im Regierungssitz
La Paz fanden 2002 mehr als 700 Demonstrationen, Straßenblockaden und
Protestmärsche statt. Im Februar 2003 wurden bei einem Aufstand gegen ein
geplantes Steuergesetz 33 Menschen in La Paz getötet. Bei diesen bislang
nicht vollständig aufgeklärten Zusammenstößen zwischen
Militär und Polizei wackelte der Stuhl des Präsidenten schon einmal
gewaltig. Im Unterschied zu diesen vorangehenden Protesten funktionierte diesmal
die Vernetzung der zersplitterten Protestbewegung. Die verschiedenen Einzelinteressen
vereinten sich in dem Kampf ums Gas.
Die Reaktion der Regierung auf die sich ausweitenden Proteste beschränkte
sich zunächst auf die Verweigerung jeglichen Dialogs. Statt in Verhandlungen
einen Ausweg aus der Krise zu suchen, sorgte Sänchez de Lozada für
eine Eskalation der Situation.
Im September ließ die Regierung in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen
Botschaft rund 700 Menschen vom Militär aus dem Hochlanddorf Sorata herausholen,
die wegen der Straßenblockaden bereits seit mehreren Tagen in dem Ort
festsaßen. Sechs Zivilistinnen und ein Soldat wurden getötet. In
der Folge verschärften sich die Blockaden und wurden auf weitere Gebiete
ausgedehnt. Die Protestierenden schlossen sich aus Wut und Trauer enger zusammen.
Zwischen dem l l. und dem 13. Oktober richtete das Militär ein Blutbad
an.Es traf die protestierenden Zivilistinnen in der an La Paz angrenzenden Armenstadt
El Alto. Über 50 Menschen wurden getötet. Es gab weit über 100
Verletzte. Die Menschen fielen dem Versuch der Regierung zum Opfer, die Blockade
der Zufahrtsstraße nach La Paz mit Militärgewalt zu durchbrechen,
um 20 Tankwagen mit Treibstoff nach La Paz durchzubringen. „Ein regelrechtes
Massaker“ nannte die Ständige Versammlung für Menschenrechte
den Militäreinsatz, bei dem auch großkalibrige Munition und Mörsergranten
gegen die Bevölkerung eingesetzt worden seien. Sänchez de Lozada rechtfertigte
den Einsatz mit der sich zuspitzenden Versorgungsknappheit in La Paz, verursacht
durch die andauernden Blockaden aller Zufahrtsstraßen.
„Der Präsident muss weg!“
Seit diesem Zeitpunkt wurde von der Bevölkerung der sofortige Rücktritt
des Präsidenten gefordert. In allen Städten fanden Großdemonstrationen
statt. La Paz erlebte an aufeinanderfolgenden Tagen die größten Demonstration
seit der Rückkehr zur Demokratie mit über 50 000 Demonstrierenden.
Bürgerinnen auf dem Land und in den Städten traten landesweit in Hungerstreiks.
Täglich trafen zahlreiche Menschen in La Paz ein, um sich den Protesten
vor dem Präsidentenpalast anzuschließen. Die katholische Kirche äußerte,
weiteres Blutvergießen sei nur noch durch den Rücktritt des Präsidenten
zu vermeiden. Die Ehefrauen der Polizisten von La Paz verriegelten die Haustüren,
um ihre Männer am Dienst auf der Straße zu hindern. Und es kursierten
bereits Gerüchte über eine Dissidentengruppe innerhalb des
Militärs, die sich allerdings offiziell hinter den Präsidenten stellte.
Die ohnehin zerstrittene Regierungskoalition zerfiel.
Dessen ungeachtet klebte Sanchez de Lozada starrsinnig bis zum l 7. Oktober
an seinem Präsidentensessel. Ständig wiederholte er, dass es sich
bei den Aufständen um ein aus dem Ausland finanziertes „subversives
Komplott“ der Opposition unter der Leitung von Evo Morales handele, mit
dem Ziel die Regierung zu stürzen. Die Aufständischen würden
vom peruanischen Leuchtenden Pfad und kolumbianischen Guerillaorganisationen
unterstützt. Als er nach endlosem Zögern per Dekret die Entscheidung
zum Verkauf des Gases bis zum Ende des Jahres auf Eis legte und eine Volksabstimmung
ankündigte, war es zu spät.
Die Rolle der USA
Sanchez de Lozada war im August 2002 als Wunschkandidat der „internationalen
Gebergemeinde“ vereidigt worden. Er hatte während seiner ersten Amtsperiode
1993 bis 1997 mit einer neoliberalen Ausverkaufs-Politik den Ruf Boliviens als
Reformland gefestigt. Nach dem Scheitern seiner von den USA und dem IWF oktroyierten
Wirtschaftspolitik setzte er sich jetzt mit drei Ex-Ministern ins Ausland ab.
In den letzten Tagen vor dem Regierungswechsel waren mit einem US-amerikanischen
Flugzeug Waffen für das bolivianische Militär eingeflogen worden.
Die Wochenzeitung Pulso veröffentlichte am 15. Oktober, US-amerikanische
Militärs hätten die Koordination der bolivianischen Armee übernommen.
CNN meldete am 18. Oktober, US-amerikanische Truppen seien auf dem Weg nach
Bolivien. Die Militärs seien dazu bestimmt im Notfall die Botschaft bei
der Evakuierung von US-Bürgern zu unterstützen. Eine offene Drohung
an die Adresse der bolivianischen Opposition hatte zuvor US-Außenamtssprecher
Richard Boucher ausgestoßen: die USA würden „eine Unterbrechung
der verfassungsmäßigen Ordnung nicht tolerieren und kein Regime anerkennen,
welches das Ergebnis eines antidemokratischen Prozesses ist“. Der Präsidentschaftswechsel
vollzog sich völlig im Einklang mit der bolivianischen Verfassung. Was
letztendlich aber „Ergebnis eines demokratischen Prozesses“ sein
kann, werden die USA zu bestimmen versuchen. Bereits bei den Wahlen von 2002
kündigten sie für den Fall eines Wahlsiegs des Oppositionellen Evo
Morales an, jegliche finanzielle Unterstützung für Bolivien einzufrieren.
Der Sturz einer neoliberalen US-hörigen Regierung durch die bolivianische
Bevölkerung und die verstärkte Militärpräsenz der USA in
Bolivien lassen erwarten, dass in Zukunft die US-amerikanische Einmischung in
dem lateinamerikanischen Land eher zu- als abnehmen wird. Mit dem erfolgreichen
Aufstand der bolivianischen Bevölkerung hat sich international gesehen
die Möglichkeit eröffnet, dass sich nach Venezuela, Brasilien und
Argentinien ein weiterer lateinamerikanischer Staat dem globalen Neoliberalismus
entgegenstellt. Für Bolivien wird in Zukunft viel von internationaler Unterstützung
abhängen.