Wir trauern um unseren
Freund und Genossen Hermann

Er hat 2 Jahre gegen den Krebs gekämpft und in dieser Zeit selten den Mut und die Hoffnung verloren.
Am 23.10.2001 ist Hermann gestorben.

Der nachfolgende Beitrag seiner FreundInnen und GenossInnen wurde auf der Trauerfeier verlesen.


Aber vielleicht

Meine großen Worte
werden mich nicht vor dem Tode schützen
und meine kleinen Worte
werden mich nicht vor dem Tode schützen
überhaupt kein Wort
und auch nicht das Schweigen zwischen
den großen und kleinen Worten
wird mich vor dem Tod schützen

Aber vielleicht
werden einige
von diesen Worten
und vielleicht
besonders die kleineren
oder auch nur das Schweigen
zwischen den Worten
einige vor dem Tod schützen
wenn ich tot bin

(Erich Fried)

 

Es ist schwer in Worte zu fassen, was uns bewegt und traurig macht angesichts dieses Abschieds von Hermann.

Der Tod ist ein so endgültiger Abschied, so absolut, dass wir Zeit brauchen unsere Gedanken zu ordnen und zu realisieren, welch ein Verlust Hermann ist und welche Lücke er hinterlässt.

Wir verlieren einen Freund und Genossen.

Wir kennen Hermann jetzt seit vielen Jahren.

Er ist uns ein Freund, weil wir uns auf ihn verlassen können, weil sein Wort gilt und weil er ein liebenswerter Mensch ist.

Das Annehmen von emotionalen Kontakten wie z.B. eine Umarmung fiel ihm nicht leicht. Man musste ihn schon ziemlich lange kennen, um zu wissen, wie es ihm ging.

Ich glaube es ist deshalb für uns alle, die wir ihm als FreundInnen nahe standen, eine schöne Erfahrung, dass Hermann in den letzten Phasen seiner Krankheit Gefühle von Nähe und auch körperliche Kontakte wie die Umarmung, wenn wir uns von ihm verabschiedeten, gut zulassen konnte. In diesen Umarmungen lag mehr als Tausend Worte dieser Welt hätten ausdrücken können.

Hermann reduzierte sich niemals auf seine Krankheit. Auch als es ihm schon sehr schlecht ging, stand er uns immer noch mit Rat und Tat zur Seite, sowohl persönlich als auch politisch.

Er ist uns Genosse, weil wir viele Jahre des gemeinsamen politischen Kampfes und der politischen Arbeit haben.

Aus einer politischen Diskussion ist mir in Erinnerung geblieben, dass Hermann einmal auf die Frage, wo wir eigentlich stehen, ganz unvermittelt und selbstverständlich sagte: „Auf Seiten der Unterdrückten natürlich!"

Das drückt auf einfache Art aus, was Hermann in den Jahren seiner politischen Arbeit geleitet hat. Die Oldenburger Rechtshilfe ist seit beinahe 15 Jahren ein wichtiger Ort für ihn gewesen. So wichtig, dass er sogar in der Zeit als er in Ostfriesland bei Uli gewohnt hat, jeden Donnerstag nach Oldenburg gekommen ist, selbst bei Schnee und Eis und unter allen Umständen.

Hermann ist ein politischer Mensch, was nicht heißt, dass er nicht auch sein kleines privates Glück gesucht hat. Aber er hat nie vergessen, dass es Menschen gibt, die dieses Glück niemals finden werden, weil es die Umstände nicht zulassen.

Darum schweigt er nicht und schaut nicht weg, wenn es darum geht, gesellschaftliche Zustände anzuprangern.

Darum ist er aktiv, wenn die Landschaft zu Diensten des Profits mit Atomanlagen bebaut werden;

Darum ist er Kriegsdienstverweigerer und Antimilitarist;

Darum vergisst er nie die internationale Solidarität.

Er setzt sich auch mit seiner gesellschaftlichen Rolle als Mann auseinander, sieht das Patriarchat, den Rassismus und den Kapitalismus gleichermaßen als Grundbedingungen für die Aufrechterhaltung der ungerechten gesellschaftlichen Zustände.

In den letzten Jahren engagiert sich Hermann besonders im Kampf gegen die alten und neuen Nazis - wenn er könnte, würde er mit Sicherheit morgen mit uns zusammen dem geplanten Nazispuk in Oldenburg entgegentreten.

Nichts verabscheute er so sehr wie dieses Nazipack, das den völligen Gegenentwurf für alles darstellt, was sich Hermann unter menschlichem Zusammenleben vorstellt.

Hermann hatte auch immer einen guten Draht zu den Menschen im Alhambra, die noch nicht wie die meisten in der Rechtshilfe etwas fortgeschrittenen Alters sind - die „jungen Leute" wie er immer sagte.

Mit ihnen zu diskutieren und das eine und andere Bierchen zu trinken, zu klönen und sie an seiner nicht wenig aufregenden persönlichen und politischen Geschichte teilhaben zu lassen, hat ihm Spaß gemacht, war ihm wichtig und hat ihm viel Kraft für die eigene politische Arbeit gegeben.

Es war sicherlich das Gefühl zu wissen, dass, wenn er nicht mehr da ist, andere und jüngere die Arbeit auch in seinem Sinne fortsetzen.

Von dem Freund Hermann Abschied zu nehmen, tut sehr weh und wir sind jetzt voller Traurigkeit, wenn wir an Hermann denken.

Aber in einiger Zeit werden wir in Zusammenhang mit Hermann nicht mehr überwiegend traurig sein, wir werden seine Kraft, seinen Mut, seine Freude am Leben in Erinnerung haben, weil wir wissen, wie er es weiß, dass sich die Verhältnisse ändern müssen, wenn wir auf Dauer glücklich sein wollen.

Machs gut, Hermann