Stoppt die Atomspirale am Anfang

- an der UAA Gronau !!

Im westfälischen Münsterland, nur wenige Kilometer von der niederländischen Stadt Enschede liegt das Städtchen Gronau. Hier ist seit 15 Jahren die UAA (Urananreicherungsanlage) in Betrieb, in der Uran für Atomkraftwerke in der BRD und im Ausland angereichert wird. Obwohl die praktische Bedeutung der UAA für die Atomwirtschaft viel größer ist, als z.B. die der Anlagen in Gorleben, ist sie weithin unbekannt. Die Gronauer Anlage wird ständig ausgebaut, so wurde im September ein Gleisanschluss fertiggestellt.

Gleichzeitig wurden einige Äcker und Wiesen direkt neben der UAA eingezäunt, um Platz für die geplanten Erweiterungen zu schaffen. Geplant ist letzlich eine Verdreifachung der ursprünglichen Kapazität.

Der in Gronau entstehende schwach radioaktiv Abfall wird als „Wirtschaftsgut" nach Russland exportiert. Das Uran für die UAA kommt aus verschiedenen Ländern - nicht aus der BRD. Somit stellt die UAA zwar nicht den eigentlichen Anfang der Atomspirale dar, aber ihre erste Station in der BRD. Im folgenden dokumentieren wir einen Redebeitrag von der Demo am 07.10. in Gronau:

„Ich will jetzt vom dreckigen menschenverachtenden Anfang der Atomspirale reden.

Ich will jetzt darüber sprechen, warum mich jedesmal die kalte Wut packt, wenn Energiekonzerne und Atomarbeiter wieder mit ihrer Lügengeschichte von der ach so sauberen Energie aus ihren AKW's anfangen. Ich will jetzt nicht von Störfällen in AKW's reden, die in der Zukunft passieren können und sich dann zu Katastrophen auswachsen würden.

Ich will vom Uranabbau reden!

Jedes AKW muß in jedem Jahr einen Teil seiner Brennstäbe austauschen.Das meiste des dafür nötigen Uran wird in gigantischen Tagebauen in den Staaten der ehm. SU, in den USA, in Niger, in Namibia, in Südafrika, in Australien und in Kanada gewonnen. Das heißt, daß zunächst riesige Gruben für die Tagebaue ausgehoben werden. Erst danach kann das uranhaltige Gestein gefördert werden. Das hat aber einen Urangehalt von durchschnittlich gerade mal 0,2 %. Dieses Gestein wird dann mit riesigen LKW's zu Gesteinsmühlen gefahren, die es zu Staub zermahlen. Dieser Steinstaub wird dann mit entsprechend gigantischen Mengen Säure behandelt, um das Uran als Uranoxid (Yellow Cake) herauszulösen, welches dann exportiert wird.

Zurück bleiben dagegen in den Abbaugebieten die gigantischen Mengen an Giftmüll dieses schmutzigsten Abschnitts der Brennstoffspirale: Das sind (neben dem sog. Deckgebirge und den Lärmemissionen durch Sprengungen, LKW's und Gesteinsmühlen) für ein durchschnittliches 1000-MW-Kraftwerk pro Jahr 100.000 t flüssiger und 200.000 t staubförmige hochgiftige Abfälle. Sie sind säure- und schwermetallhaltig und enthalten immer noch 85% der Radioaktivität. Und jetzt sind diese Gifte nicht mehr fest ins Gestein eingebunden, sondern verseuchen als Flüssigkeiten, Stäube und radioaktive Gase großräumig Mensch und Natur.

Die UAA Gronau leistet seit ihrer Inbetriebnahme im August 1985 jedes Jahr 1300 t Urantrennarbeit. Das reicht für 10-12 der weltweit ca. 450 kommerziellen AKW's. Die UAA Gronau verursacht also in jedem Jahr ihres Betriebes 1 Mio. t flüssige und 2 Mio. t staubförmige der bereits genannten hochgiftigen Abfälle.

Plastisch gemacht, heißt das, daß der Giftmüll, den die UAA verursacht, ausreicht, um das UAA-Gelände incl. der jetzt abgezäunten Erweiterungsfläche - zusammen also 80 ha - jedes Jahr 2,5 m hoch aufzuschütten. Seit der Inbetriebnahme wäre das also ein Berg Giftmüll, der sich auf dem ganzen Gelände 40 m hoch türmen würde!

Daß sich diese gigantischen Mengen Giftmüll nicht auf Dauer von der Umwelt fernhalten (neu-deutsch: entsorgen) lassen, selbst wenn die internationalen Minenkonzerne dafür auf einen Teil ihres Profites verzichten würden, braucht wohl nicht weiter erklärt werden ...

Womit wir fast bei einem weiteren finsteren Aspekt dieses schmutzigen Geschäfts wären: dem atomaren Kolonialismus: Gesteuert wird der Uranabbau von internationalen Konzernen wie der Canadian Mining and Energy Coorperation, Exxon, Rio Tinto und der Cogema, die eng mit der deutschen Siemens verpflochten ist. Sie streichen den Profit ein. Einen Teil davon erhalten die nationalen Regierungen und Volkswirtschaften der Abbauländer in Form von Investitionen, Löhnen, Steuern und Abgaben. Dieses Geld landet zum allergrößten Teil in den Metropolen der jeweiligen Länder.

Der Uranabbau aber findet in den Peripherien statt, und zwar zum weit überwiegenden Teil auf dem Land der jeweiligen Urbevölkerungen! Sie wurden dafür kurzerhand enteignet, oder ihnen wurde die Zustimmung durch Täuschung oder massiven Druck abgepreßt.

Sie werden durch den Uranabbau vergiftet. Ihnen wird durch die Umweltzerstörung die materielle und spirituelle Lebensgrundlage entzogen. Sie werden psychisch und physisch zerstört.

Durch riesige Tagebaue, Abraumhalden und Schlamm- und Abwasserseen wird die Landschaft zerstört. Radioaktive Gase und durch mit Radioaktivität und Schwermetallen verseuchte Stäube und Abwässer vergiften Landschaft, Grundwasser, Nahrungskette, Menschen und Tiere großflächig. Viele Menschen erkarnken an Krebs. Die sozialen Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens werden zerstört, in dem die Grundlagen ihres bisherigen Wirtschaftens zerstört werden, in dem sie stattdessen als Hilfsarbeiter in die Schichtarbeit der Minen gedrängt werden, in dem sehr viele durch die verschiedenen Emissionen der Minen erkranken, in dem sie durch die massive Zerstörung der Landschaft auch ihrer religiösen und spirituellen Grundlage beraubt werden, deren Unverletztheit für das Harmoniegefühl dieser Menschen sehr wichtig ist.

Diese Tatsachen werden in Deutschland gerne verschwiegen - auch von denen die es besser wissen und angeblich die Menschenrechte auf ihre Fahnen geschrieben haben. Es dürfte kein Zufall sein, daß der Uranabbau im sog. Atomkonsens komplett verschwiegen wird. Jeder und jede, der oder die es wissen will, kann ohne Probleme Informationen über die Folgen des Uranabau bekommen, spätestens seit sich betroffene UreinwohnerInnen in Australien und Kanada dagegen organisieren und ihre Forderungen nach einem sofortigem Stopp des Uranabbau gemeinsam mit Solidaritätsgruppen in den Metropolen öffentlich machen.

Ich denke es ist deutlich geworden, daß es nichts ist mit den angeblich sauberen Arbeitsplätze im AKW. Diese Arbeitsplätze sind gebaut auf der Zerstörung der Umwelt in den Uranabbaugebieten und auf der psychischen und physischen Zerstörung der dort lebenden Menschen. Diese Menschen können keine 20 Jahre mehr warten, bis ein sog. Atomkonsens vielleicht greift. Ihnen gegenüber ist es blanker Zynismus, wenn Grüne und Sozialdemokraten versuchen, das als Ausstieg zu verkaufen.

Deshalb fordere ich euch auf: Unterstützt die Kampagnen gegen den Uranabbau!

Und: Unsere Forderung muß als Konsequenz dieses Wissens immer und ohne Kompromisse lauten:

Stillegung aller Atomanlagen und der herrschenden Klasse - weltweit und sofort!"

Kommt zum großen Sonntagsspaziergang
um die UAA am 02.12. !!

Abfahrt ab Alhambra um 10.45 Uhr