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Naziaufmarsch
in OL??? Von: Fischmob
Nazis
gabs wohl ein paar, aber Aufmarsch? Ein Bericht vom 27.10.01 |
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Großmäulig hatten die Oldenburger Kameraden von der NPD und den "freien Kameradaschaften" 250 Teilnehmer für eine Demonstration in Oldenburg angekündigt. Um die gesamte Innenstadt wollten sie herumziehen. Auf dem Schloßplatz eine Kundgebung abhalten. Es hätte die erste Nazi-Veranstaltung dieser Art in Oldenburg seit 1945 werden sollen. Und etliche Hundertschaften Polizei und BGS aus Oldenburg, Hannover und Braunschweig sollten diese durchsetzen.
Und dann das!
Nicht einen Kilometer weit sind sie gekommen, gerade mal die paar hundert Meter durchs Bahnhofsviertel marschiert und konnten gerade noch von ihren Freunden und Helfern zurück zum Bahnhof bugsiert werden.
Oldenburg hat es heute gezeigt: Hier ist kein Platz für Nazis.
Es hatte schon so scheiße für sie angefangen. Etwa 60 Nasen hatten ihren Aufmarschplatz an der Moslestr. zwischen Bahndamm, Parkhaus und einem fetten Bankgebäude. Die Strasse war schon Stunden vorher von der Polizei für sie abgesperrt worden. Außenwirkung=null und während sie sich dort die Beine in den Bauch standen und Christian Worch aus Hamburg versuchte, die Stimung mit zünftigen Beiträgen aufzuhellen, bekamen sie schon ihre erste Ladung Gemüse ab. Die Versammlung wurde vom Parkhausdach mit Tomaten bedacht. Dies löste einen hektischen Großeinsatz der Polizei in diesem Gebäude aus. bei dem ein Mensch geschnappt wurde.
Zudem wurde ihnen wohl recht schnell klar, daß sie ihre geplante Route nicht gehen konnten. Denn dort, am Lappan, gerade 150 Meter entfernt, standen mehrere Hundert Gegendemonstrantinnen, viele zwar im Kessel, aber von der Polizei doch eher schlecht als recht unter Kontrolle gehalten. Zweimal schon waren große Gruppen aus dem Kessel ausgebrochen und in der Umgebung hielten sich nochmal mehr Menschen auf: BürgerInnen jeden Alters, Jugendliche aus verschiedensten Szenes, FreundInnen und GenossInnen aus anderen Städten, Autonome und Kirchenbewegte, reichlich verschieden doch in einem einig: Den Schiet wulln wie nich!
Als klar wurde,
dass die Nazis in die Gegenrichtung, zum Staukreisel umgeleitet werden würden,
machte sich denn auch ein ganzer Schwung Leute dorthin auf.
Zunächst waren dort einige Dutzend, dann mehrere Hundert, die bald die
Straße blockierten, bald ins Bahnhofsviertel strömten, um den Faschos
entgegenzulaufen. Diese durften dann endlich losgehen, durch die Osterstraße,
ein Gäßchen von 150 Meter Länge. Diese Strecke dürfte noch
die angenehmste für sie gewesen sein. Doch auch hier standen an jeder Kreuzung,
hinter jeder Bullenkette kleine Gruppen von Leuten, die die Nazis lauthals beschimpften.
Doch wie ungemütlich wurde es erst, als sie auf den Staugraben einbogen... Am Lappan hatten gerade die letzten zweihundert Leute den Kessel gesprengt und waren nun mit all den anderen auf der anderen Seite des Stadtgrabens unterwegs. Die "Elitetruppe" BFE(*) der Bereitschaftspolizei hatte kurz zuvor laufend und schnaufend die Straße freigescheucht. Ihre Kollegen auf der anderen Seite des Grabens konnten aber nicht verhindern, daß die Nazis von dort reichlich mit Gemüse der widerlichen Art, Eiern und vereinzelten Leuchtkugeln eingedeckt wurden. Zum Staukreisel hin eskalierte die Situation zusehends, nicht zuletzt, weil dort die beiden Straßen zusammenlaufen. Die Nazis wurden intensiver mit allem möglichem Scheiß beworfen, die Bullen versuchten mit mehreren Hundertschaften und teils wilden Prügeleinsätzen mal die Poststraße, mal die Huntestraße freizumachen. Dies gelang ihnen allerdings überhaupt nicht, denn von allen Seiten drängten Menschen auf die Straßen, und waren überall sofort wieder auf der Strecke, wo die gepanzerten Horden auch nur wenige Meter freigaben. Zudem wanderten einige große Steine und Betonpfähle auf die Straße, eine kleine Sitzlockade formierte sich...
Nach vielleicht zehn Minuten, in denen die Masse Polizei mit den paar Nazis in der Mitte gerade mal fünfzig Meter in die Huntestraße vorwärtsgekommen war, entschied die Einsatzleitung, die Nasen jetzt wieder Richtung Bahnhof zu verfrachten und aus der Stadt zu schaffen. Eine weise Entscheidung, bestimmt. Auf der weiteren Strecke hätte es sicher noch einige unangenehme Überaschungen für sie gegeben.
Jedoch eine große Anzahl Leute gab sich nicht zufrieden damit, die Faschos aus der Innenstadt fernzuhalten. Sie wollten ihnen ganz deutlich machen, daß sie hier nichts zu suchen hatten. Und so tauchten innerhalb weniger Minuten eine Menge Leute an beiden Seiten des Bahnhofs auf und insbesondere am Busbahnhof auf, wo die Nazis eigentlich in Bussen weggefahren werden sollten. Doch bei rund zweihundert Leuten, die dort laut rufend und zu allerlei Schandtaten bereit um den ZOB herumlungerten, war das wohl auch nicht gut zu machen. So bestiegen die Nazis zusammen mit den Bullen einen Zug nach Bad Zwischenahn, um sie dort unter strenger Absicherung des Städtchens wieder laufenzulassen. Nun mussten die armen durchschwitzten PolizistInnen also noch weiter Überstunden anhäufen und die paar mitgelaufenen Oldenburger Nazis überlegen, wie sie von dort wieder nach Hause und zu ihrer Dusche kommen. Unterdessen war unsereins in einem Freudenzug nochmals in die Stadt gezogen, um dann nette, gemütliche Plätze aufzusuchen, zu chillen und uns Geschichten vom Tag zu erzählen.
Fazit: Ein schöner Tag für Oldenburg, ein Scheisstag für die Nazis.
Es gab mehrere ernsthaft Verletzte durch die willkürlichen Prügelaktionen der Bullen und etwa 10 Festnnahmen auf unserer Seite. Doch heute haben wir etwas erreicht:
Heute haben wir in aller Deutlichkeit gezeigt, daß Oldenburg keine Stadt für Nazis ist. Die Wut und Entschlossenheit so vieler Menschen kommt nicht von ungefähr. Zu lange schon stressen Nazis in der Innenstadt herum, zu unverschämt war die Propaganda der NPD zur Kommunalwahl. Jetzt ist Schluss damit.
Das ist antifaschistische Kultur; unterschiedlichste Menschen, viele Szenes, verschiedene Aktionsformen, ein Ziel: Daß Oldenburg eine offene und lebensfrohe Stadt bleibt und sich nicht die bleierne lebensverachtende Ideologie der Nazis hier breitmacht.
In diesem Sinne: Danke an alle, die dabei waren, die laut waren, die schnell waren, die entschlossen waren, die sich nicht haben einschüchtern lassen, die für andere sich eingemischt haben, die sooo gut mit den Eiern trafen,
die sich dagegengestellt haben, die vorbereitet haben, die einfach solidarisch drumrum waren.....
...und ein dickes Danke an die Oldenburger Einzelhändler, die so freigiebig Wurfmittel gestiftet haben!
(*) BFE = "Beweissicherungs und Festnahmeeinheit" der Oldenburger Bereitschaftspolizei, tragen schwarze Masken und jedeR EinzelneR von Ihnen hält sich anscheinend für Rambo. Ist bisher durch besonders agressives Verhalten und besonders bescheuerte Sprüche aufgefallen.
Wie immer, nach grösseren Ereignissen wie am 27. 10. stellt sich die Frage nach rechtlichen Konsequenzen. Einige Leute wurden festgenomen und sollen jetzt ein Verfahren wegen Landfriedensbruchs bekommen. Andere wurden bei den Knüppeleinsätzen der Bullen am Lappan und am Stautorkreisel zum Teil erheblich verletzt. Menschen, denen jetzt Verfahren drohen, die niedergeknüppelt wurden, oder derartige Vorfälle beobachten konnten, sollen sich doch bitte Donnerstags ab 21.00 Uhr bei der Oldenburger Rechtshilfe im Alhambra melden. Dann können wir uns zusammen ein Bild der Lage machen und uns auf eventuelle Prozesse vorbereiten. Ansonsten sind alle Menschen aufgerufen, die Kasse der Rechtshilfe ein wenig zu füllen, denn Prozesse kosten Geld und auch 5 Maak von vielen Leuten helfen weiter.
Spendenkonto:
Oldenburger Rechtshilfe
Ktnr.: 100-006 154 bei der LzO
Bankleitzahl: 28050100
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Nach
dem Versuch, mit einer Spontandemo den Sammelplatz der Nazis zu besetzen,
kam die Demo am Lappan aufgrund der massiver Bullendichte zum stehen und
die Bullen formierten um die Demo einen Kessel, der sich nach 2 Stunden
und 3 erfolgreichen Aufbrüchen zu dem Rest der AntiNazi-AktivistInnen
am Stautorkreisel gesellte. |
| Mit
anderthalb Stunden Verspätung versuchten die Nazis unter dem Schutz
der Staatsmacht doch noch ihren Aufmarsch durchzuführen. Sie kamen
allerdings nur 500 Meter, bis zum Stautorkreisel, dort war der Widerstand
dann so stark, dass sie umdrehen mussten. |
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Gemäss dem Motto Zeig ihnen, dass du sie nicht liebst" hatten sich am und um den Stautorkreisel etwa 1000 Menschen versammelt. Genau auf der anderen Seite gingen die Nasen gerade ihre letzten Meter. |
| Und hier war dann Schluss!!! Da der Widerstand am Staukreisel so stark war, dass die Bullen die Nazis keinen Meter weiter bekamen, wurden sie zurück zum Bahnhof begleitet. | ![]() |
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Bei den Ausbrüchen aus dem Kessel und wie hier, als eine Blockade von den Bullen abgeräumt wurde, kam es zu brutalen Knüp peleinsätzen der Bullen. Vereinzelt wurden auch Menschen mit Pfefferspray zur Strecke gebracht". |
| Auch als die Nazis umgedreht hatten, war es für sie noch nicht vorbei. Einige hundert Menschen folgten ihnen und versuchten immer wieder die Bullen zu umgehen, um ihnen direkt ins Gesicht sagen zu können was Oldenburg von Nazis hält.. | ![]() |
REDEBEITRAG AUF DER GEGENDEMO AM 27.10.01
Wenn FaschistInnen marschieren, marschieren sie für Faschismus - für nichts anderes!
Die Nazis wollen also in Oldenburg marschieren... Das ist seit einer halben Ewigkeit das erste Mal, dass sie sich das trauen. Und wir sollten ihnen heute zeigen, dass das keine gute Idee ist! Die FaschistInnen versuchen seit neuestem, sich an die Anti-Kriegs-Bewegung anzubiedern bzw. sich als neue Anti-Kriegs-Bewegung zu etablieren. Der Aufmarsch heute läuft zum Beispiel offiziell unter dem Motto: Für Frieden und Freiheit aller Völker"; und ursprünglich wollten die Nazis unter der Parole: Gegen US-Imperialismus und Kriegshetze!" marschieren. Das mag auf den ersten Blick erstaunen. Viele mögen sagen: Ist doch gar nicht so verkehrt... Ist es aber wohl!
Um es vorweg zu nehmen: Wenn die FaschistInnen von Freiheit reden, meinen sie Nationalismus. Wenn sie Anti-Imperialismus schreien, propagieren sie doch nur wieder Antisemitismus, Rassismus und Sexismus. Wenn Faschisten und Faschistinnen marschieren, dann marschieren sie für Faschismus _ für nichts anderes!
Es macht keinen Sinn, darüber zu lamentieren, dass die Nazis immer wieder Begrifflichkeiten der Linken übernehmen und neu besetzen. Da müssen wir uns auch an unsere eigene Nase fassen. Allzu lange war der Anti-Imperialismus der Linken selbst zu sehr von Anti-Amerikanismus, Anti-Zionismus und auch Antisemitismus durchzogen. In den letzten Jahren hat die Linke diesbezüglich einiges gelernt, wenn auch vielleicht noch nicht genug.
Letztlich geht es nicht um Begriffe, sondern um Inhalte. Und da zeigt sich der Unterschied sehr schnell und so deutlich, wie er nur sein kann. Ganz unverhohlen bejubelten die Nazis die Anschläge vom 11. September. Sie sahen darin den Beginn der Erhebung der Völker gegen die alles unterdrückende Völkermordzentrale USA". Der American way of life" sei, so die Nazis in einer Erklärung, der Todesmarsch der menschlichen Gattung". Nun endlich sei der Kampf der Völker in sein Endstadium" getreten.
Die FaschistInnen denken sich die Welt nämlich so: Jeder Mensch gehört mit seiner Geburt einem bestimmten Volk an. Dieses Volk hat eine historische Mission, einen Willen. Die Aufgabe der einzelnen Mitglieder der Volksgemeinschaft ist es, ihr Leben in den Dienst der großen Sache zu stellen und dem Volk zu seiner Selbstverwirklichung" zu verhelfen. Kein Volk, kein Staat hat das Recht, sich in die Belange eines anderen Volkes einzumischen.
Einzig die AmerikanerInnen und JüdInnen sind in den Augen der Nazis keine natürlichen Völker. Genau aus diesem Grund haben sie angeblich nichts besseres vor, als die Völker der Erde zu bekämpfen, zu zersetzen, ihren Volkstod" herbeizuführen. Dies geschieht vor allem durch das internationale Kapital, das - gemäß Nazi-Ideologie - ja schon immer in der Hand der JüdInnen sein soll.
Der Anschlag auf das World Trade Center soll deshalb der Beginn des Widerstandes gegen den vom amerikanisch-jüdischen Kapital zentral geplanten und betriebenen Völkermord" sein. Ein Völkermord, dem das deutsche Volk" ebenso wie das afghanische ausgesetzt ist. Deshalb die plötzliche Solidarität seitens der Nazis.
Die Utopie" der Nazis hört sich dann so an: Wir Deutsche als Angegriffene, die zum Reich stehen, haben nur das eine Kriegsziel: die Bewahrung des deutschen Reiches und des Deutschen Volkes als selbstbeherrschter Staat. (...) Wir erstreben den Frieden der wechselseitigen Anerkennung der Völker als Personen."
Wir stehen heute hier, weil wir genau das nicht wollen. Wir wollen eben keinen selbstbeherrschten Staat", sondern das Ende von Herrschaft. Wir wollen keine Welt, in der Völker als Personen anerkannt werden, sondern in der sich Personen gegenseitig als Personen anerkennen. In der Menschen nicht bloß als gleichgeschaltete Exemplare eines Volkes dahinvegetieren, sondern in der sich Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit, in ihrer Besonderheit anerkennen. Eine Welt, in der nicht alle gleich sind, sondern gleichberechtigt.
Wir kämpfen nicht für die Befreiung imaginärer Völker, sondern für die Befreiung der Menschen von Herrschaft, Ausbeutung und Unterdrückung, von Antisemitismus, Rassismus und Sexismus.
So wie _ in der Weltanschauung der Nazis _ jedes Volk seine naturgemäße Mission hat, so haben auch in der propagierten Volksgemeinschaft alle die Aufgabe zu erfüllen, die ihnen die Natur angeblich zuweist. So haben Frauen in Haus und Herd für die Reproduktion der Familie zu sorgen und möglichst viele Kinder für die Vermehrung des deutschen Volkes" zu gebären.
Wir glauben nicht an den höheren Sinn eines konstruierten Volkes. Und schon gar nicht an _ wie die Nazis das ausdrücken _ die Berufung des deutschen Volkes zum welthistorischen Volk". Was das bedeutet, wissen wir nur zu gut. Spätestens der Zweite Weltkrieg und der Holocaust haben uns gezeigt, was wir unter der wechselseitigen Anerkennung der Völker" zu verstehen haben: Krieg, organisierter Massenmord, Vernichtung. Die Berufung des deutschen Volkes" heißt doch nur wieder: Weltherrschaft. Und wahr-scheinlich ist es die Berufung der anderen Völker", sich dieser Herrschaft unter-zuordnen oder aber bekriegt und ver-nichtet zu werden.
Nein, die Nazis sind keine Anti-ImperialistInnen. Sie sind keine Kriegs-gegnerInnen. Sie sind AntisemitInnen, RassistInnen, SexistInnen. Sie sind das, was sie sind: FaschistInnen. Und wenn diese FaschistInnen marschieren, dann marschieren sie für Faschismus _ für nichts anderes.
Und das werden wir nicht hinnehmen. Nicht heute, nicht morgen und auch nicht übermorgen! Nicht hier und auch nicht anderswo!
Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!
Lassen wir die kahlgeschorenen Faschos nicht ungeschoren davonkommen...
jagen wir sie mit Pauken und Trompeten aus Oldenburg!