wagenburg "bunte hunte" kommt

Seit nunmehr einem Monat ist die Oldenburger Wagenburg „Bunte Hunte“ mobil. Am Samstag, den 25. 3. 2000 wurde nach einer Demonstration durch die Innenstadt eine brachliegende Grünfläche an der Holler Landstraße zwischen Maco Zentrallager und Hunte besetzt. Dort lebten bis Mittwoch, den 29. 3. 2000 ca. 20 Menschen in ausgebauten LKW, Bauwagen und Bussen. Schon im Oktober 99 und Januar 2000 hatten wir mit symbolischen Besetzungen des Pferdemarktes und des Schloßplatzes auf den akuten Platzmangel auf dem Gelände der bereits existierenden Wagenburg am Stau aufmerksam gemacht. Die Reaktionen der Stadt darauf waren gleich Null: sie teilte uns mit, daß ein für unsere Zwecke geeignetes Gelände derzeit nicht zur Verfügung stehe. Auf die Besetzung reagierte die Stadt direkt mit einer Räumungsverfügung. Der Räumung kamen wir zuvor, indem wir in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, den 30. 3. 2000 auf den Schloßplatz zogen. Ähnlich verliefen die letzten Wochen. Bisher wurden ca. 15 städtische Gelände besetzt, zwei Konzerte gegeben, einige Demonstrationen und Infonachmittage mit Kaffee und Kuchen veranstaltet. Diese Aktionen erreichten leider keine allzubreite Öffentlichkeit, da z. B. die NWZ sich in Stillschweigen übt. Die politisch Verantwortlichen halten es damit ähnlich: Die Stadt scheint zu denken, daß sie zu den Ereignissen keine Position beziehen müsse, da wir uns irgendwann sowieso wieder in Luft auflösen werden. Es wird weiterhin mit Räumungsverfügungen geantwortet, teil mit den abstrusesten Begründungen. Doch in Luft auflösen können und wollen wir uns nicht, das Gelände für den alten Wagenplatz am Stau bietet definitiv keinen Raum mehr für nur einen weiteren Wagen und überhaupt sollte in einer Stadt wie Oldenburg genug Raum für selbstbestimmtes Leben zur Verfügung stehen. Die positiven Erfahrungen mit dem alten Wagenplatz wurden vor gut einem Jahr durch OB Poeschel selbst gelobt. Doch anscheinend möchte die Stadt die Anzahl der im Wagen lebenden Menschen begrenzt und überschaubar halten, obwohl immer mehr junge und ältere Menschen Lust an dieser Lebensform finden. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, auf einem viel zu kleinen Gelände zu selektieren, wer im Wagen wohnen darf und wer nicht. Die Erfahrungen, die vor 5 Jahren am Stau gemacht wurden, haben gezeigt, daß sämtliche baurechtlichen Barrieren aus dem Weg geräumt werden können, wenn die Politik willens ist. Auch in diesem Fall könnte eine Duldung für ein Pachtgelände (städtisch oder privat) die Situation schnell entspannen. Bis es dazu kommt, werden wir weiter auf der Straße Politik machen, obwohl jedeR von uns eigentlich seinen/ihren täglichen Aufgaben nachkommen müßte und wir uns auch noch besseres vorstellen können, als permanent umzuziehen und auf Tour zu sein. Deswegen fordern wir von der Stadt eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Thematik und die Bereitstellung eines zweiten Platzes.

Wagenleben
Wagenleben ist eine selbstorganisierte Lebensform, die allen offenstehen soll. Wagenplätze gibt es in fast jeder größeren Stadt und sie sind oft Anlaufstellen für Leute, die unterwegs sind. Unser Zusammenleben organisieren wir durch Plena (gemeinsame Besprechungen, in denen wir nach dem Konsensprinzp entscheiden) und wir kümmern uns gemeinsam um Dinge, die wir zum alltäglichen Leben brauchen z. B. Brennholz, Essen, Mobilität... .Wir sind alle verschieden, haben unsere eigenen Konzepte für unser Leben, machen alles mögliche, studieren, arbeiten, wobei wir „Arbeit“ nicht ausschließlich als Lohnarbeit definieren, kümmern uns um unsere Kinder, sind politisch aktiv usw. Wir sind keine homogene Gruppe, was uns verbindet ist die Wohnform, die wir gewählt haben. Was wir damit verbinden, ist individuell. Eine Wagenburg ist nicht nur ein Platz zum Wohnen, sondern auch ein Raum für viele Projekte wie z.B. gemeinsamer Küchenwagen, Werkstatt, Musikwagen, Organisation von Konzerten, Parties und Veranstaltungen.... Wir wollen Raum bieten für nichtkommerzielle Veranstaltungen und für die Verwirklichung gestalterisch kreativer Projekte. Wir lehnen es ab eine Bereicherung des kulturellen Angebots der Stadt Oldenburg zu sein, sondern wollen zeigen, daß es auch andere Möglichkeiten gibt.Wir machen und sind Subkultur; frei von Profitinteressen. Auch politische Auseinandersetzung ist uns wichtig, durch konkrete politische Arbeit und im täglichen Umgang. Wir wollen nicht im politischen Mainstream schwimmen und die Augen verschließen vor sexistischen und rassistischen und antisemitischen Übergriffen jeglicher Art. Nicht alle Ideen und Ideale, die wir im Kopf haben, können wir auch verwirklichen, aber wir arbeiten daran und brauchen dafür Platz.

Die Stadt, das sind wir und wir nehmen uns, was uns sowieso gehört! Wir rollen weiter, bis sich was verändert, denn unsere Wagen haben Räder!!!