In Zukunft zusammen. Das Neue Historische Projekt
Am 20. und 21. Mai 2000 findet an der Universität Göttingen der sozialwissenschaftliche Kongress 2000 mit dem Titel “Ende des globalen Kapitalismus. Das Neue Historische Projekt” statt.
Der Titel des Kongresses
ist in diesem Fall Programm. Sechs namhafte Referen-t(inn)en, darunter drei
aus Lateinamerika, werden mit den Kongressbesuchenden über Gegenbewegungen und
mögliche Alternativen zum globalen Kapitalismus diskutieren. Trotz unterschiedlicher
politischer Ansätze eint die Referent(inn)en ihre Kritik am Neoliberalismus.
Neben Prof. Dr. Heinz Dieterich und Prof. Dr. Arno Peters werden u.a. Prof.
Dr. Maria Mies und der Herausgeber der Zeitschrift konkret, Hermann L. Gremliza,
ihre Positionen darlegen.
Prof. Dr. Nildo Ouriques (Arbeiterpartei Brasiliens PT) und Dr. Raimundo Franco
Parellada, Kuba, referieren über die Bedeutung eines Neuen Historischen Projekts
der Moderne als Alternative zum globa-len Kapitalismus aus der Sicht lateinamerikanischer
Länder.
Neben der theoretischen Debatte ist der praktische Schwerpunkt des Kongress
2000 die Vernetzung von politisch, kulturell und sozial enga-gierten Basisgruppen
über das Internet.
Es muss doch
was anderes geben! (Ant Z)
Der Göttinger Verein “Perspektive unabhängige Kommunikation (puk)” mit seinem
Internet-Projekt für Politik und Kultur (www.puk.de) besteht seit nunmehr zwei
Jahren.
Inhaltlicher Schwerpunkt bei puk ist die Diskussion um Auswirkungen des neo-liberalen
globalen Kapitalismus sowie um die Entwicklung gesellschaftlicher Alter-nativen
zu diesem System, das für die meisten Menschen weltweit langfristig keine andere
Perspektive zu bieten hat als Vereinzelung, Fremdbestimmung, Armut und Gewalt.
puk betrachtet es daher als historische Notwendigkeit, dem global organisierten
Kapitalismus eine global organisierte Gegenbewegung entgegenzusetzen.
Eine Bewegung von unten, basisdemokratisch organisiert, deren Ziele und Werte
den Bestrebungen der multi-nationalen Konzerne und ihrer Interessenvertretungen
wie G7, OECD, IWF oder WTO zutiefst widersprechen:
• Grenzüberschreitende Solidarität der Lohnabhängigen und Erwerbslosen statt
nationaler Konkurrenz um Standortvorteile und Spaltung nach Geschlechtern und
Hautfarbe.
• Eintreten für gleiche Möglichkeiten und Voraussetzungen für alle statt Privatisierung
und Kommerzialisierung grundlegender gesellschaftlicher Bereiche wie Bildung,
Kultur oder medizinische Versorgung.
• Basisdemokratische Mitbestimmung bei politischen Entscheidungen, im Arbeitsleben,
in Schule und Universität statt Fremdbestimmung in nahezu allen gesell-schaftlichen
Bereichen.
• Freiheit und Unabhängigkeit von Bildung und Kultur statt Bewertung und Förderung
nach Kriterien marktwirtschaftlicher Verwertbarkeit.
• Einbeziehung aller gesellschaftlich relevanten Sektoren bei der Entscheidung
über die Nutzung und ethische Vertretbarkeit neuer Produktionsmethoden und Technologien
wie Atomenergie, Kernfusion, Gen- und Nanotechnologie.
• Schaffung von offenen, unzensierten Medien, die allen gesellschaftlichen Sektoren/Basisgruppierungen
uneingeschränkt zugänglich und frei von staatlicher und kommerzieller Einflussnahme
zur Verfügung stehen.
Diese Forderungen sind in ihrer Gesamtheit im Rahmen des bestehenden Systems
nicht verwirklichbar. Aber es besteht mit der Kritik unterschiedlicher gesell-schaftlicher
Gruppen an der unein-geschränkten Durchsetzungsgewalt des neoliberalen Kapitalismus
eine gemeinsame Basis, auf der Neues entwickelt werden kann.
Die (Alp)Träume
des Neoliberalismus
Wie sich die Interessenvertretungen der transnationalen Konzerne die Zukunft
einer globalen Gesellschaft vorstellen, zeigen beispielhaft einige Regelungen,
die ursprünglich für das “Multilaterale Investitionsabkommen” (MAI) vorgesehen
waren: Für das MAI war z.B. erstmals die rechtliche Gleichstellung von “Investoren”
und Staaten geplant. Für Investoren sollte damit die Möglichkeit bestehen, Staaten
bei Vorliegen von “Investitionshinder-nissen” zu verklagen. Die Definition von
“Investitionshindernissen” war dabei sehr weit gefasst. Darunter fielen beispielsweise
sämtliche Importzölle, die einheimische Industrien vor Konkurrenz aus dem Ausland
bisher schützten, aber auch Umweltschutzrichtlinien und Sozialpläne für Unternehmen.
Das Vertragswerk des MAI ist mittlerweile (auch aufgrund weltweiter Proteste)
vom Tisch, nicht aber die in ihm vorgesehenen Regelungen, die nun in anderer
Form für die “Liberalisierung des Welthandels” durchgesetzt werden sollen. Spiegelbilder
dieser weder Moral noch Ethik berücksichtigenden “Liberalisierung” (= Handlungsfreiheit)
der Wirtschaft sind der weitgehende Abbau von Umwelt- und Sozialstandards sowie
demokratischen Rechten, der Verlust kultureller Vielfalt, die Patentierung von
Lebewesen und Pflanzen zur kommerziellen Verwertung und die militärische Intervention
zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen. Dies gilt es zu verhindern. Und
dies wird immer mehr Menschen bewusst.
Die theoretische
Grundlage des Neuen Historischen Projekts
Heinz Dieterich unterbreitet zusammen mit fünf Wissenschaftlern und Autoren
aus unterschiedlichen Fachgebieten (u.a. Sozialwissenschaften, Philosophie/Ethik
und Mathematik, Physik) einen Vorschlag für eine Alternative zum System des
globalen Kapitalismus. Das gemeinsame Buch “Fin del capitalismo global – El
nuevo Proyecto Histórico” (Ende des globalen Kapitalismus – Das Neue Historische
Projekt) beinhaltet eine neue soziale Utopie, in der Ausbeutung, Herrschaft
und Entfremdung als gesellschaftliche Unter-drückungsmechanismen aufhebbar sind.
Die ökonomische Grundlage dieser neuen Gesellschaft könnte auf dem vom Bremer
Historiker, Geograf und Ökonom Arno Peters vorgeschlagenen “Äquivalenz-Prinzip
als Grundlage der Global-Ökonomie” beruhen.
Peters stellt in den Mittelpunkt seiner Überlegungen den äquivalenten (gleich-wertigen) Tausch von Gütern und Dienst-leistungen. Damit dieser Tausch auch tatsächlich gerecht ist und kein Tauschpartner Vorteile auf Kosten des anderen erwirtschaften kann, wie es in der heutigen kapitalistischen Weltwirtschaft der Fall ist, bedarf es eines wirklich objektiven Wertmaßstabs. Dieser objektive Maßstab ist nach Peters die Arbeitszeit, die in einem bestimmten Produkt enthalten oder zur Erbringung einer Dienstleistung erforderlich ist. Denn bisher erfolgte weltweit der Austausch auf Grundlage der Preise und nicht auf Basis der tatsächlichen Werte.
Mit der Computer-Technologie und den Methoden der Statistik sind heute erstmals die Mittel vorhanden, den objektiven Wert einer Ware oder Dienstleistung zu ermitteln. Der gleichwertige Austausch auf Grundlage der Arbeitszeit bezieht z.B. auch jene gesellschaftlichen Bereiche ein, die im Kapitalismus bisher nicht entlohnt wurden (wie Kindererziehung, Pflege- und Hausarbeit). Gleichzeitig ist es dadurch aber auch möglich, Importe und Exporte nach verschiedenen Kategorien zu bewerten: In der heutigen kapitalistischen Weltwirtschaft wird der Handel nur auf Basis von Preisen getätigt. Durch die Möglichkeit, den Handel nun zusätzlich auch auf Basis der Arbeitszeiten zu bewerten, könnten in einer Über-gangsphase beide Berechnungssysteme nebeneinander existieren und sind mit-einander austauschbar. Dies schafft den Raum für regionale Wirtschaftsstrukturen, die nach innen mit einem gänzlich anderen, nicht-kapitalistischen Wirtschaf-tsprinzip funktionieren, aber dennoch nicht vom Weltmarkt abgekoppelt sind.
Die “Flecken
des Widerstands” verbinden!
Neben einer gesellschaftsverändernden Theorie ist natürlich auch eine gesell-schaftsverändernde
Praxis erforderlich, die einer Utopie zur Wirklichkeit verhilft, in dem sie
die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse berücksichtigt und strategisch handelt.
Subcommandante Marcos der Zapatis-tischen Befreiungsarmee EZLN bezeichnete den
weltweit aufflackernden Widerstand gegen den Neoliberalismus als “bolsas de
resistencia” – Flecken des Widerstands auf der Weltkarte des globalen Kapitalismus.
Dieser Widerstand ist räumlich und zeitlich voneinander getrennt, es fehlt ihm
zur Zeit eine gemeinsam definierte Stoßrichtung. Doch hier kann kann die Theorie
des Neuen Historischen Projekts zur gesellschafts-verändernden Praxis führen.
Ähnlich wie ein Magnetfeld diffus und unorganisiert nebeneinander existierende
Eisenspäne in ihrer Position ordnet und in eine Richtung lenkt, besitzt das
Neue Historische Projekt das Potenzial, Bewegungen zu verein-heitlichen und
zu organisieren. Ein grenzübergreifender Zusammenschluss von Ländern Lateinamerikas,
wirtschaftlich auf Grundlage des Äquivalenz-Prinzips und politisch als teilhabende,
alle gesellschaft-lichen Sektoren einbeziehende Demokratie würde gewaltige Auswirkungen
nach sich ziehen. Innerhalb dieser regionalen Organisierung ließe sich weitgehende
soziale Gerechtig-keit verwirklichen, denn die Arbeit der Menschen käme nicht
mehr den wenigen Reichen und Besitzenden zugute, sondern der ganzen Gesellschaft.
Die Aufhebung sozialer Ungerechtigkeit, der Ausbau des Bildungs- und Sozialsystems
und der Aufbau basisorientierter Entscheidungs-strukturen hätte auf andere Länder
Lateinamerikas und auch weltweit starke Ausstrahlung. Es wird dann an jedem
einzelnen in den Industrienationen lebenden Menschen liegen, ob er/sie bereit
ist, die Ungerechtigkeit im Welthandel zu Lasten der armen Länder weiterhin
zu dulden und moralisch mitzuverantworten, die “Jahr für Jahr etwa so viele
Menschen verhungern [lässt], wie die beiden Weltkriege insgesamt Opfer forderten”.
(Arno Peters)
In Zukunft zusammen!
Das “Jeder
nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen” des Kommunistischen
Manifests von Marx/Engels erhält mit dem Äquivalenz-Prinzip eine neue ökonomische
Grundlage. Untrennbar mit der Gleichbehandlung aller Menschen auf ökonomischer
Ebene ist aber auch die Gleichbehandlung und -berechtigung auf der politischen
Ebene verbunden. Dies erfordert basisdemo-kratische Entscheidungsstrukturen
in Bildung, Kultur und am Arbeitsplatz sowie ungehinderten Zugang aller gesell-schaftlichen
Gruppierungen zu den Medien. Die Überwindung der im national-staatlichen Egoismus
zentrierten Marktwirtschaft durch die Äquivalenz-Ökonomie ist und bleibt Voraussetzung
für die Entwicklung einer neuen basisdemokra-tischen Gesellschaft ohne Ausbeutung.
Sie alleine schafft jedoch noch keine Gesellschaft, die frei ist von Herrschaft
und Entfremdung. Zusammen mit der Verände-rung der ökonomischen Grundlagen gilt
es, auch eine neue Ethik zu entwickeln, die den Menschen, seine Kultur(en) und
seine Beziehung zur Natur in den Mittelpunkt stellt, und nicht das Streben nach
Profiten zum Nutzen weniger. Unabdingbare Voraussetzung für positive Veränderung
ist deshalb, dass diese durch die Menschen selbst moralisch gewollt, theoretisch
verstanden und praktisch herbeigeführt wird.
Deshalb bedarf es einer umfassenden Aufklärung der Gesellschaft und einer umfassenden,
permanenten Beteiligung am politischen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozess.
Heute muss es in erster Linie darum gehen, einer gesellschaftsverändernden Theorie
zum Durchbruch zu verhelfen.
Der am 20. und 21. Mai 2000 in Göttingen unter dem Titel “Ende des globalen
Kapitalismus. Das Neue Historische Projekt.” stattfindende Kongress 2000 soll
dazu beitragen, die Diskussion über das Neue Historische Projekt in der Bundesrepublik
zu beginnen und in die Gesellschaft zu tragen.
Perspektive
unabhängige Kommunikation
Kongressen ist es im allgemeinen zu eigen, dass nach deren Ende meistens auch
die Diskussionen beendet sind. Deshalb wird dieser Kongress bewusst als Auftakt
einer Diskussion betrachtet, die anschließend über das Internet bei www.puk.de
(Politik und Kultur) strukturiert fortgeführt werden kann. Die nicht-kommerzielle
Online-Community (Gemeinschaft) des Vereins “Perspektive unabhängige Kommunikation”
(puk) bietet dazu die technischen Voraussetzungen.
puk ist ein Medium im Internet, über das eine internationale Diskussion und Vernetzung herbeigeführt werden kann: weltweit wird engagierten Basisinitiativen die Möglichkeit gegeben, ihre Berichte und praktischen Erfahrungen im Internet zu veröffentlichen – ohne Spezialistentum und Vorkenntnisse. puk schafft Raum für Kommunikation und Erfahrungsaustausch, für Information und Solidarität. Eine internationale Vernetzung von Basisbewe-gungen gegen den Neoliberalismus über das Internet ist eine notwendige Voraussetzung für die Schaffung einer weltweit organisierten Gegenbewegung. puk stellt sich dieser Aufgabe und ist daran interessiert, über den Kongress hinaus zusammen mit anderen Initiativen und Internet-Projekten die notwendige Vernetzung fortzuführen.
In diesem Sinne ist auch das Engagement von puk vor dem Hintergrund zu betrach-ten, verschiedene politisch, kulturell und sozial engagierte Gruppen und Einzelpersonen zusammenzuführen und gemeinsam eine Idee weiterzuentwickeln, die die Solidarität, Freiheit und weltweite soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt. Dieser Prozess ist längst nicht abgeschlossen – er lebt von der Kritik und Kreativität all derer, die den Aufbau einer würdigen Zukunft für alle Menschen auf dieser Welt als ihren Sinn und Aufgabe begreifen. Selbst wenn Details des Peters’schen Äquivalenz-Prinzips und die Idee des Neuen Historischen Projekts Fragen und Skepsis aufwerfen mögen – puk betrachtet sie als vorwärtsweisende Theorie, die nicht abgeschlossen ist, aber kreatives Potenzial freisetzen und wie ein Magnetfeld unkoordinierte Bewegung organisieren kann. puk wird nicht auf dem Standpunkt der Kritik und des Wartens verharren – Denn: Warten ist das Gegenteil von “Bewegung”. Und nur wer sich bewegt und aufsteht, kann sich widersetzen. puk – Perspektive unabhängige Kommunikation Göttingen, im April 2000
Kongress 200:
Ende des globalen Kapitalismus. Das Neue Histirische Projekt. 20. und 21. Mai
200, zentrales Hörsaalgebäude (ZHG) der Georgia- Augusta-Universität Göttingen
Kontakt und Anmeldung:
Perspektive unabhängige Kommunikation c/o Blackbit Ernst-Ruhstrat-Straße 6 37079
Göttingen Tel.: 0172-9619087 www.kongress2000.de www.puk.de http://go.puk.de/kongress2000/verein@puk.de
Sparkasse Göttingen Konto: 50 58 73 77 BLZ: 260 500 01
Kongress 2000
ReferentInnen-Liste:
Der Übergang vom globalen Kapitalismus zum Neuen Historischen Projekt: Prof.
Dr. Heinz Dieterich, Mexiko.
Heinz Dieterich wird unter dem Titel Der Übergang vom globalen Kapitalismus
zum Neuen Historischen Projekt über die Möglichkeiten zum Aufbau einer demokratischen,
nicht-kapitalistischen Weltgemeinschaft als neues Projekt der Moderne referieren.
Die Angst der
Marxisten vor dem Neuen Historischen Projekt: Prof. Dr. Nildo Domingos Ouriques,
Brasilien
In den sechziger Jahren war er bedeutendes Mitglied in der Studentenbewegung
Brasiliens, heute ist er führendes Mitglied der Brasilianischen Arbeiterpartei
(PT). Thema des Vortrags von Nildo Ouriques ist Die Angst der Marxisten vor
dem Neuen Historischen Projekt
Das Äquivalenz-Prinzip
als Grundlage der Global-Ökonomie Prof. Dr. Arno Peters, Bremen
Dem europazentrischen historischen Weltbild stellte er die gleichrangige Darstellung
aller 25 Kulturen der Erde gegenüber, in die er auch die Geschichte aller Lebensbereiche
einschließlich der materiellen Kultur aufnahm (Synchro-noptische Weltgeschichte,
1952/1970). Durch seine flächentreue Projektion der Erdoberfläche (Peterskarte)
überwand er den Europazentrismus auch in der Kartographie. Die Karte fand mit
22 Millionen Exemplaren in 27 Sprachen weltweite Verbreitung. 1989 vollendete
Peters seinen Paritätischen Weltatlas, in dem erstmalig alle Länder der Erde
in gleichem Maßstab abgebildet sind. Der Petersatlas wurde durch die UNICEF
sowie die größten Verlage Europas und Amerikas herausgegeben.Seit 1983 hat sich
Peters zunehmend den Wirtschaftswissen-schaften zugewandt, und im März 1994
anläßlich der Verleihung des Bremer Kultur- und Friedenpreises erste Ergebnisse
seiner ökonomischen Arbeiten vorgetragen. Im Mai 1995 sprach er darüber in Palermo
auf Einladung des Goethe-Institutes, der Universität und des Gramsci-Institutes.
Sein daraus resultierendes Buch Das Äquivalenzprinzip als Grundlage der Global-Ökonomie
ist Thema auf dem Kongress 2000.
Gegen den Neoliberalismus
– Globalisierung von unten: Prof. Dr. Maria Mies, Köln
Maria Mies, emeritierte Soziologieprofessorin an der Fachhochschule Köln, ist
seit vielen Jahren aktiv in der Frauen-, Ökologie- und Dritte-Welt-Bewegung
und hat zahlreiche Artikel und mehrere Bücher zu diesen Themenkomplexen veröffentlicht.
Maria Mies beteiligt sich am Netzwerk gegen Neoliberalismus und Konzernherrschaft
und wird auf dem Kongreß unter dem Titel Gegen den Neoliberalismus. Globalisierung
von unten referieren.
Ist eine nichtkapitalistische
Global-Gesellschaft möglich? Hermann L. Gremliza, Hamburg
Hermann L. Gremliza ist Chefredakteur und Herausgeber der konkret, Monats-zeitschrift
für Politik und Kultur. . Er ist Autor zahlreicher Bücher und Kolumnen und wird
auf dem Kongress zum Thema: Ist eine nicht-kapitalistische Global-gesellschaft
möglich? referieren.
Die Rolle Kubas
in der Entwicklung des Neuen Historischen Projekts Dr. Raimundo Franco Parellada,Kuba
Seit 1986 ist Raimundo Franco Parellada Direktor des Instituts für Kybernetik,
Mathematik und Physik der Akademie der Wissenschaften in La Habana, Kuba. Seine
aktuelles Forschungsgebiet ist die mathematische Modellierung des dynamischen
Verhaltens gesellschaftlicher Organisa-tionen. Raimundo Franco Parellada ist
Autor zahlreicher natur- und sozialwissenschaftlicher Veröffentlichungen und
Koordinator der kubanischen Forschung-sgruppe über das Neue Historische Projekt.
Auf dem Kongress referiert er über Die Rolle Kubas in der Entwicklung des Neuen
Historischen Projekts.
Das Internet
als Medium einer weltweiten basisdemokratischen Organisie-rung:Perspektive unabhängige
Kommunikation (puk), Göttingen
Martin Groß und Stefan Rehfus vom Verein Perspektive unabhängige Kommunikation
referieren auf dem Kongress über Möglichkeiten, das Internet als weltweit erreichbares
Medium für eine Diskussion um gesellschaftliche Alternativen zu nutzen. Kritisch
wird beleuchtet, ob in der aktuellen Auseinandersetzung um das Internet schon
das letzte Wort gesprochen ist. Die Frage kommerzielle Werbeplattform oder weltweites
Diskus-sionsmedium von unten steht für die zukünftige Entwicklung des Internet
im Mittelpunkt. Aktuelle Beispiele und Prozesse (z.B. Namensrecht im Internet)
warnen vor der Gefahr einer weiteren Entdemokratisierung der Gesellschaft. Die
Perspektive unabhängige Kommunikation stellt in ihrem Vortrag dagegen Das Internet
als Kommunikationsplattform einer weltweiten basisdemokratischen Organisierung
zur Diskussion.
Die Entdeckung
des 8. Kontinents
Die Göttinger Initiative puk (Politik und Kultur) vom Verein Perspektive unabhängige
Kommunikation
Das Internet verändert
das Gesicht der Welt und dient als Spielwiese des Kapitals für neue Marktstrategien
mit maximalen Profitraten und minimalem Einsatz an Personal. Eine Alternative
zum globalen Kapitalismus verfolgt puk (Politik und Kultur) mit “virtuellem”
Sozialismus und der Entwicklung eines Neuen Historischen Projekts.
Es wird einmal…?
Draußen ist ein kalter Novembertag, gar nicht weit weg. 21 Uhr im Büro, kurz
vor Feierabend. “Jetzt schon mal zu Hause die Heizung aufdrehen und die Pizza
im Ofen warm machen. Vielleicht auch ein paar Leckereien und einen guten Wein
dazu bestellen?”. Gedacht, getan! Nur ein paar Klicks in meinem Computer entfernt,
alles ist erledigt: Wohnung und Essen heizen vor, und der Lieferservice des
Feinkost-ladens ist auch schon unterwegs. Zuhause angelangt. Die persönliche
Tageszeitung mit den von mir abonnierten Interessen-Gebieten ist schon “ausgedruckt”
auf elektronischem Papier. Vor der Lektüre studiere ich meine Videonachrichten
auf dem Bildtelefon des Computers. Karl und Rosa wollen später noch vorbeikommen.
Weggehen werden wir wohl nicht, stattdessen lieber einen Film anschauen. Auf
irgendwas werden wir uns schon einigen, die Auswahl ist ja groß im weltweiten
Intranet der Videodienstleister…
Wer bestimmt
die Wirklichkeit?
Die Medien- und Telekommunikationsmonopole verändern mit neuen Technologien
das Gesicht der Welt. In diesem Zusammenhang von “Kommunikationsrevolution”
in begrifflicher Anlehnung an die “industrielle Revolution” Mitte des 19. Jahrhunderts
zu reden, ist keine Übertreibung, denn es ist mit nachhaltigen ökonomischen
und sozialen Auswirkungen auf die Gesellschaft zu rechnen.
Durch Konzernzusammenschlüsse, Rationalisierungen und personalextensive High-Tech-Produktion
(z.B. Gen- und Nanotechnologie) bildet der Kapitalismus eine Gesellschaft heraus,
in der bedeutende Teile der Bevölkerung für den Arbeitsmarkt in dem Sinne “überflüssig”
werden, daß auch ohne sie Profit angehäuft werden kann. Gefragt und privilegiert
sind hochspezialisierte Fachkräfte in gutbezahlten und abgesicherten Arbeitsverhältnissen.
Für den Rest: Hilfsarbeiten, ungesicherte Nebenbe-schäftigungen, und zu einem
nicht unerheblichen Teil die Erwerbs- und Perspektivlosigkeit.
Ersatzweise “hilft” die Unterhaltungs-elektronik, den verlorengegangenen “Sinn
des Lebens” zu kompensieren. Es sind keine Ausnahmen, wenn Zuschauer/innen ihre
Serienhelden wie Prof. Brinckmann aus der “Schwarzwaldklinik” um Rat fragen,
weil sich bereits heute ihre Realität im Medium Fernsehen fortsetzt. Dabei hängt
die Glaubwürdigkeit der angebotenen “Realität” stark vom Medium ab, mit dem
diese vermittelt wird. Die Bedeutung der Art des Mediums für die Akzeptanz der
übermittelten Botschaft ist auch für die neuen Medien anzunehmen, die künftig
über Netzcomputer mittels Internet für die Menschen in den hochentwickelten
Industrienationen bereitgestellt werden. Der British Telecom Technology Calendar
prophezeit für das Jahr 2012 die Einführung des holographischen, d.h. dreidimensionalen
Fernsehens. Einige Jahre voher gibt es virtuelle Realitäten im Internet; künstliche
Landschaften, Räume und Persönlichkeiten, deren “Echtheit” nur eine Frage der
Rechnerleistung und der Programmierung sein wird. Virtuelle Schauspieler und
Musiker sind schon heute (!) die ersten Boten dieser “parallelen Realität”.
Der Umfang der psychologischen Einflußnahme und die manipulativen Eigenschaften
dieser neuen Medien dürfen nicht unterschätzt werden, wenn zukünftig die gesellschaftliche
Realität kaum noch von einer im Computer generierten Realität zu unterscheiden
sein wird. Was im Angebot der Informationen tatsächlich real ist oder was durch
den Computer als Realität empfunden, das heißt reine Fiktion sein wird, wird
nur noch schwer voneinander zu trennen sein. Aber wer, wie die Medien- und Telekom-munikationskonzerne,
die Definitions-macht über Vergangenheit und Gegenwart besitzen wird, der beherrscht
auch die Zukunft.
Keine Zensur
findet nicht statt
Die beschriebenen Aussichten klingen nicht rosig, es war aber auch nichts anderes
zu erwarten, denn schließlich verhießen auch “traditionelle” Medien wie Zeitungen,
Radio, Fernsehen und Kino vom Grundgedanken her zunächst einen Fortschritt in
Richtung Aufklärung und freiem Informationszugang. Doch auch hier setzten sich
– rascher als beim Internet – die manipulativen und kommerziellen Interessen
durch.
Zensur- und Regulierungsbemühungen nehmen zu, dennoch ist das Internet ein Kommunikationswerkzeug,
das erstmals einen direkten Austausch, also nicht nur die Versorgung mit Informationen,
sondern auch die Möglichkeit der Reaktion ermöglicht. Das Internet ist sehr
gut überwachbar, aufgrund seiner komplex verzahnten Struktur aber nur schwierig
zu reglementieren. Nicht umsonst geht die Entwicklung des Internet auf das Militär
zurück. Ziel war es, eine Computer-vernetzung zu schaffen, die auch die Auswirkungen
eines Atomkriegs zu überstehen vermag.
Kopf in den
Sand?
Die Möglichkeiten des Internets nicht aktiv zu nutzen, ist – zum Trotz der Kritiker
– ein schwerer und unverzeihlicher Fehler! Die Tatsache, daß beispielsweise
die Nazis mit der Übertragung der Olympischen Spiele 1936 dem Fernsehen zum
Durchbruch verhalfen und es fortan für ihre demagogische Propaganda nutzten,
ist letztlich auch kein (moralisches) Argument gegen das Fernsehen als Medium,
nur ein Beleg dafür, das die Rechte wesentlich offensiver die Möglichkeiten
neuer Medien für sich nutzten konnte, als fortschrittliche Kräfte.
Drehe und wende es, wie Du willst, der Einzug des Internet ins tägliche Leben
– mit allen damit verbundenen ökono-mischen und sozialen Konsequenzen – wird
stattfinden. So oder so! Es ist nicht die Frage, ob dieser Prozeß stattfinden
wird, sondern welche Rolle darin die nicht auf Kommerz und Profit setzenden
gesellschaftlichen Kräfte spielen werden, die gleichberechtigte Kommunikation,
Schaffung (basis)demokratischer Strukturen und eine Weiterentwicklung der Gesellschaft
hin zu ökonomischer, sozialer und politischer Gleichberechtigung weltweit anstreben.
Die Konsequenz, die der Göttinger Verein “Perspektive Unabhängige Kommuni-kation”
(puk) daraus gezogen hat, ist der Aufbau eines Internet-Projekts modernen Typs.
Im Rahmen von “Politik und Kultur” wird unter www.puk.de der Rahmen für eine
unabhängige Kommunikation gestellt.
Dabei geht es puk darum, Perspektiven für die Neubildung einer sozialen Kraft
zu entwickeln, die in der Lage sein muß, bestehende Verhältnisse nicht nur in
Frage zu stellen, sondern eine gesellschaftliche Alternative dazu anzubieten.
Die Perspektive einer unabhängigen Kommunikation, unzensiert und offen für alle,
die an der Diskussion um gesellschaftliche Alternativen interessiert sind, ist
dabei die erste Voraussetzung.
Mut zur Offenheit
puk spiegelt im Internet durch die Teilnahme unterschiedlichster Gruppierungen
– soziale Basis-Initiativen, Jugendorganisationen von Parteien, Künstler/innen,
Musikgruppen, Sportvereine und Gewerkschaften – einen Aus-schnitt der Gesellschaft
wider, ein “virtuelles Abbild” real engagierter Kräfte. Dort werden auch kontroverse
Diskus-sionen geführt, da Menschen mit ver-schiedensten persönlichen Hintergründen
und Meinungen zu Wort kommen. Im Gegensatz zur realen Gesellschaft setzen sich
bei puk jedoch nicht diejenigen Kräfte durch, die am lautesten reden oder die
größte (finanzielle und politische) Macht haben, ihre Meinung zu verbreiten.
puk stellt gesellschaftliche Verhältnisse auf den Kopf: Gefördert werden demokratische
Initiativen, deren Stimme heute in der Gesellschaft (wieder) wenig Gewicht haben.
Was im Kapitalismus mit Geld kaufbar ist, hat bei puk keine Bedeutung!
Etablierte Parteien und Organisationen haben es bei puk nicht leichter als eine
kleine Basisinitiative mit wenigen Mitgliedern. In diesem Zusammenhang von “virtuellem
Sozialismus” zu reden, ist sicherlich zu hoch gegriffen und mag vermessen klingen.
Doch das hinter dieser Überlegung stehende Konzept ist die Schaffung eines wichtigen
Kommunikations-Knotenpunktes mit dem realen Ziel der Entwicklung einer solidarischen
Gesellschaft mit Gleichheit der Voraussetzungen und Möglichkeiten für alle Menschen.
Die virtuelle Gemeinschaft (Community) ist ein Ausschnitt aus dem realen Leben
der sich dort (stundenweise) aufhaltenden Menschen, die miteinander kommunizieren,
über politische Erfahrungen diskutieren und sich gegenseitig helfen.
Inzwischen gibt es kommerzielle Communities mit mehreren tausend “Bewohnern”.
Die weltweit größte kommerzielle Gemeinschaft, Geocities, hat inzwischen rund
2,4 Millionen registrierte Benutzer/innen, die dort allerdings ganz im Verwertungssinne
des bestehenden Systems als billige Werbeträger für Sponsoren benutzt werden
und deren Daten und Bewegungsprofile hochinteressant sind für Marktforschungs-zwecke
und staatliche Stellen.
puk dagegen ist die erste nichtkommerzielle Gemeinschaft! Geworben wird um gesellschaftliches
Engagement. Daß sich bei puk in einem absehbaren Zeitraum tausende von Menschen
zu-sammen finden können, sich austauschen, diskutieren und engagieren, ist –
wie andere Communities beweisen – also prinzipiell möglich.
Politik und
Kultur – ein Beitrag zum Neuen Historischen Projekt
Im Mittelpunkt der Diskussion bei puk steht das “Neue Historische Projekt”:
ein Prozess mit dem Versuch, gesellschaftliche Alternativen zum System des globalen
Kapitalismus zu entwickeln. Das von Prof. Dr. Heinz Dieterich (Universidad Autonoma
Metropolitana, Mexico-City) in Lateinamerika herausgegebene Buch “El Nuevo Proyecto
Histórico – Fin del Capitalismo Global” (Das Ende des globalen Kapitalismus
– Das Neue Historische Projekt) wird in der dortigen Basis schon heute diskutiert
und verbreitet. Zeitgleich zum Erscheinen des Buches in deutscher Sprache (auch
Übersetzungen in italienisch, russisch, chinesisch und englisch liegen bereits
vor bzw. sind in Arbeit) veranstaltet puk, Perspektive unabhängige Kommunikation,
am 20./21. Mai 2000 in Göttingen einen sozialwissenschaftlichen Kongress:
Kongress 2000.
Ende des globalen Kapitalismus. Das Neue Historische Projekt.
Der Kongress 2000 ist inhaltlich in drei thematische Schwerpunkte gegliedert:
Im ersten Teil “Die Analyse des Bestehenden ist Voraussetzung für seine Überwindung”
gehen die Referenten verschiedener politischer Herkunft u.a. auf die Entwicklung
des europäischen Imperialismus in der globalen Gesellschaft ein. Die unter dem
Stichwort “Neoliberalismus” zusammengefaßten Auswirkungen von Globali-sierung
und Konzernherrschaft (Prof. Dr. Maria Mies) steht dabei ebenso im Mittelpunkt
wie die Kritik und Analyse, ob eine gerechte, ökologische und patriar-chatsfreie
Gesellschaft im Rahmen eines kapitalistischen Wirtschaftssystems realisierbar
ist (Hermann L. Gremliza). Weiterhin referiert Prof. Dr. Nildo Ouriques, Führungsmitglied
der sozialistischen Tendenz der Arbeiterpartei Brasiliens (PT) zum Thema: “Die
Angst der Marxisten vor dem Neuen Historischen Projekt.”
Im zweiten
Abschnitt “Alternativen zum globalen Kapitalismus” wird das vom Bremer Historiker,
Geographen und Ökonom Prof. Dr. Arno Peters entwickelte Äquivalenz-Prinzip als
Grundlage der Global-Ökonomie vorgestellt – ein konkre-ter Vorschlag zur Überwindung
kapitalis-tischer Wirtschaftsstrukturen. Der heute 83jährige Peters teilt die
Überzeugung anderer großer Denker, von den Früh-sozialisten über Marx bis Chomsky,
daß eine marktwirtschaftliche Ökonomie unvermeidlich zur Ausbeutung des Menschen
durch den Menschen, zur Polarisierung des sozialen Reichtums und zur Entfremdung
des Subjekts führen muß. Und daß dies nicht “Ökonomie” ist, also Befriedigung
der menschlichen Bedürf-nisse durch Umwandlung der Natur, sondern die Pervertierung
der Wirtschaft in eine Maschinerie der Gewinnanhäufung auf Kosten der Mehrheiten.
Beim Peters’schen Vorschlag handelt es sich um nicht mehr und nicht weniger
als um das Ende der privaten Monopolisierung der Produktionsmittel und der wirt-schaftlichen
Steuerung über den Markt. Mit der Überwindung des Marktes durch eine Ökonomie,
die theoretisch auf objektiv ermittelbaren Arbeitswerten und technisch auf Computern
beruht, wird die materielle Basis für das friedliche Zusammenleben aller Weltbürger
erstellt.
Das Peters’sche Äquivalenzprinzip stellt die ökonomische Grundlage für ein Neues
Historisches Projekt dar. “Das erste politische Projekt der Moderne waren 1776
und 1789 die Französische Revolution, das zweite [durch] Marx/Engels 1848. Viele
Menschen spüren heute die Notwendig-keit, da weiterzumachen, aber nicht in dem
alten Kern. (...)” (Prof. Dr. Heinz Dieterich, Mexiko-Stadt).
Heinz Dieterich wird im dritten Abschnitt des Kongress 2000, “Entwicklung einer
neuen Gesellschaft”, auf die Möglichkeiten für einen Übergang vom globalen Kapitalismus
zum Neuen Historischen Projekt eingehen.
Das Neue Historische Projekt beinhaltet dabei nicht allein eine soziale Utopie,
in der Ausbeutung, Herrschaft und Entfremdung als gesellschaftliche Unterdrückungsmechanismen
der Klassen-gesellschaft aufgehoben werden können, sondern zugleich wird gezeigt,
daß die technischen und ökonomischen Voraussetzungen für die neue Gesellschaft
bereits heute gegeben sind. Die Anziehungskraft des Neuen Historischen Projekts
liegt gerade darin, daß es sowohl einen philosophischen, soziologischen als
auch wirtschaftswissenschaflichen Hintergrund für die reale Umsetzung einer
konkreten Utopie anbietet.
Der Mit-Autor des von Dieterich herausgegebenen Buches und Direktor des Kybernetischen
Institutes, der Mathematik und Physik in La Habana, Dr. Raimundo Franco, wird
dabei auf die Rolle Kubas in der Entwicklung des Neuen Historischen Projekts
eingehen. Den Abschluß der Vorträge auf dem Kongress 2000 bildet der Beitrag
des Vereins Perspektive unabhängige Kommunikation, die in ihrem Vortrag “Neue
Medien als Kommunikationsplattform einer weltweiten basisdemokratischen Organisierung”
zur Diskussion stellen wird.
Der Kongress klingt mit einer Podiumsdiskussion aller Referent/innen aus, und
im Anschluß an den Kongress 2000 werden die hier begonnenen Diskussionen bei
puk “Politik und Kultur” im Internet kontinuierlich weitergeführt – für jedermann
einsehbar, offen zugänglich und mitgestaltbar. Der Kongress 2000 ist also erst
Beginn eines gesellschaftlichen Prozesses, der nur gemeinsam mit allen Interessierten,
nach Veränderung der bestehenden Zustände suchenden Menschen weiterentwickelt
werden kann – im virtuellen Raum des Internet und – natürlich – in der Real-Gesellschaft.
Es wird Zeit
Wir sind uns sicher, daß es höchste Zeit ist, wieder für eine gesellschaftliche
Alternative einzutreten. Für eine solidarische Gesellschaft mit den vernünftigen
Prinzipien der Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit. Jenseits einer kapitalistischen
Verwertungslogik, die für den Großteil der Menschheit Ungerechtigkeit und Verelendung
bedeutet. Dazu bedarf es eines gemeinsamen Ziels, einer verbindenden gesellschaftlichen
Utopie oder zumindest einer gemeinsam geführten Diskussion über die Zukunft
der Menschheit. “Politik und Kultur” ist ein Medium für den Versuch, diese Debatte
zu ermöglichen und das Neue Historische Projekt einer breiten Öffentlichkeit
bekannt zu machen.
Schlußwort
Noch mögen die dargelegten Vorstellungen zur Nutzbarkeit des Internet wie Zukunftsmusik
klingen, faszinierend und erschrekkend zugleich. Aber wir haben die Möglichkeit
zu verändern, und wir werden die Chance nutzen. Der virtuelle Raum im Netz ist
Teil der realen Gesellschaft, ein neuer Kontinent im Ozean. Gestalten wir ihn
nach fortschrittlichen Grundsätzen, die 500 Jahre nach der “Entdeckung”, vielmehr
der Unterwerfung eines anderen Kontinents, notwendig sind, um ein würdiges Leben
aller Menschen auch in Zukunft zu sichern und zu schützen. Dies ist eine neue
historische Aufgabe, der wir uns stellen, ein Neues Historisches Projekt!
Stefan Rehfus, Martin Groß