1.
Mai 2001
REVOLUTION-SCHON?
Die letzten Flugblätter zum 1. Mai haben meist damit angefangen, aufzuzählen welche blühenden Landschaften" von oben" versprochen wurden, um dann zu beschreiben, was alles nicht verwirklicht wurde. Das soll diesmal anders sein. Nicht, daß wir jemals an die Versprechungen geglaubt haben. Aber inzwischen interessieren sie einfach nicht mehr. Sich immer wieder über die aufzuregen, die wir sowieso abschaffen wollen, macht nur schlechte Laune und führt letzlich zu Depressionen und Magengeschwüren. Schließlich müßte doch eigentlich jedeR, die noch was mitkriegt von der Welt, inzwischen gemerkt haben, daß hier was ganz gründlich schiefläuft. Auf die, die immer betonen, daß es im Kapitalismus (sorry: soziale Marktwirtschaft) doch auch viel Gutes gebe, können wir getrost verzichten. Wenn wir uns schöne Wohnungen, teure Urlaube und im Bio-Laden auch noch ein gutes Gewissen kaufen könnten, würden wir vielleicht ähnlich reden. Aber zum Glück können wir das nicht und so bleibt uns wohl nix anderes übrig als weiter penetrant zu versuchen, das herrschende System abzuschaffen und die Gesellschaft" völlig zu verändern. Was das heißen könnte, steht weiter unten; was es wirklich heißt, steht in den Sternen.
1.Mai - seid dabei !
Der 1.Mai ist vor über hundert Jahren im Kampf sozialistischer ArbeiterInnen für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen entstanden. Seitdem ist er der Tag, an dem weltweit Menschen für ein Leben ohne Ausbeutung und Herrschaft und für die Abschaffung des Kapitalismus auf die Straße gehen. Natürlich nicht nur. Vor allem in Europa demonstrieren auch viele sozialdemokratische GewerkschafterInnen für ein bischen weniger Ausbeutung und Unterdrückung. Und neuerdings marschieren auch wieder Nazis für ein Leben ohne Freiheit in totaler Unterdrückung. Doch wir bleiben in diesem Fall ausnahmsweise ganz traditionsbewußt. Deshalb haben wir 6 Jahre lang einen unabhängigen Block auf der 1.Mai-Demo organisiert, und werden auch dieses Jahr, wo sich der DGB von der Demo verabschiedet hat, für einen revolutionären 1.Mai und 364 weitere revolutionäre Tage im Jahr auf die Straße gehen.
So wird das nix mit Revolution
immer schön am 1.Mai auf Demo gehen und sich den Rest des Jahres vorm Spiegel der eigenen Wut auf`s System versichern. Demos können zwar Zeichen setzen und - wenn wir mal ganz viele sind - den Herrschenden klarmachen, daß sie sich besser schnell Flugtickets kaufen. Aber letztlich lebt die Kraft, die Demos ausstrahlen können, von den vielen einzelnen Menschen, die Tag für Tag Sand im Getriebe der Maschinerie sind, die Armut, Gewalt und vor allem viele unglückliche Menschen produziert. Und damit der Traum von einem besseren Leben nicht ewig einer bleibt, brauchen wir noch viel mehr Sandkörner. Und das ist nicht so schwer, denn:
Widerstand heißt anfangen!
Einfach mal mit den vielen Regeln und Gewohnheiten brechen, die halt normal" sind. Es ist normal, von seinen Eltern unfair behandelt zu werden. Es ist normal, daß Männer meist das Sagen haben. Es ist normal, sich die meiste Zeit seines Lebens für Arbeit zu verkaufen. Es ist normal, gestresst zu sein. Es ist normal, nur das jeweils andere Geschlecht zu lieben. Es ist normal, daß nicht alle Menschen die gleichen Möglichkeiten haben. Es ist normal, alles vor allem für sich zu tun,... Was zum Teufel ist also so toll daran, normal" zu leben. Und warum ist es so schwer, das eigene Leben zu verändern. Je mehr Leute es probieren, desto einfacher wird es... Es kann nur besser werden...
Freiheit beginnt, wo wir sie uns nehmen!
Auch wenn Kämpfe oft aussichtslos erscheinen, so werden sie doch geführt. Gegen Leistungsdruck, beschissene Arbeitsbedingungen, Sozialabbau, Rassismus, Umweltzerstörung, Naziterror, Ausgrenzung, Polizeigewalt, ...
Doch all das muß noch viel mehr werden. Überall lassen sich Verbesserungen durchsetzen, wenn genug Menschen sich dafür stark machen. So können wir alle versuchen, in unserem Umfeld der eigenen Utopie ein bißchen näher zu kommen. Und gleichzeitig können wir alle der Utopie von einer gerechten Welt ein bißchen näher kommen, wenn wir uns gegen den Wahnsinn von Ungerechtigkeit, Krieg, Überwachung, Vereinzelung und Entmenschlichung zusammentun. Denn auch eine andere Gesellschaft kann nur so frei sein, wie die Menschen, die sie schaffen und in ihr leben.
Es ist euer Leben - holt es euch zurück!
Und nicht vergessen:
Kommt alle zur 1.Mai-Demo!
Gleiche Rechte für alle! Für eine gerechte Verteilung von Arbeit und Reichtum! Für eine Gesellschaft, in der Mensch und Natur, nicht der Markt, im Mittelpunkt stehen!
10:00 Uhr Bahnhof/Ecke Kaiserstr.1. Mai-Demo , anschl.
Straßenfest beim Alhambra