Shut down Deportation Airport
Vor sieben Jahren
am 1.7.1993 trat die Asylrechtsänderung in Kraft. Dies bedeutete die faktische
Abschaffung des im Grundgesetz verankerten individuellen Rechts auf Asyl.
Parallel zu brennenden Flüchtlingsheimen wurde dies mit den Stimmen von CDU,
FDP und SPD beschlossen. Man war (und ist) sich einig: »Das Boot ist voll«.
Neben diesen innenpolitischen Veränderungen ist die BRD Vorreiterin der EU-Abschottungspolitik,
wie etwa beim Schengener Abkommen (1995). Die überparteiliche Kontinuität rassistischer
Ausländerpolitik“ zeigt sich in ihrem Fortsetzen durch die Rot-Grün-Regierung.
Dieser staatliche Rassismus wird gestützt von immer offeneren rechten Parolen
von Parteien und Teilen der Bevölkerung. Vor dem Hintergrund der Relativierung
der NS-Vergangenheit (Walser-Debatte, Kosovo-Krieg) wird deutscher Nationalismus
zur Normalität. In Deutschland sind Hetzjagden auf »nicht-deutsch« aussehende
Menschen an der Tagesordnung. Unsere Gesellschaft ist von institutionellem Rassismus
durchzogen und liefert somit den Einzelnen unterschiedliche Rechtfertigungsmöglichkeiten
für den eigenen alltäglichen Rassismus. Dieser wird geschürt und. genutzt, auch
von der „neuen Mitte“, in dem nicht-deutsche Menschen, die hier leben, als „Sozialschmarotzer“,
„Scheinasylanten“, oder besonders gewalttätig und kriminell oder, oder oder
... diffamiert werden. Nur durch die Tolerierung rassistischer Gesetzgebung
von Seiten der Bevölkerung ist es möglich, sie auch umzusetzen.
„Wirtschaftsflüchtlinge“ haben per se keinen Anspruch auf Aufenthalt, wobei
der Grund für die Armut in der sogenannten „Dritten Welt“, nämlich die Ausbeutung
des Südens durch den Norden, nicht thematisiert wird. Auch frauenspezifische
Fluchtgründe, wie die Bedrohung der Unversehrtheit des eigenen Körpers, werden
nach geltendem »Recht« nicht als solche anerkannt- Die in der kapitalistischen
Verwertungslogik enthaltene Differenzierung in »gute« und »schlechte« AusländerInnen
- wie in der »green-card« -Debatte - macht deutlich, daß es in punkto »Ausländerpolitik«
nicht zuletzt um deutsche Wirtschaftsinteressen geht.
Wir fordern: Keine Differenzierung in »gute« und »schlechte« Fluchtgründe bzw.
»gute« (also verwertbare) und »schlechte« Menschen. Offene Grenzen und Bleiberecht
für Alle!
Mit einer Aktion am Flughafen Schönefeld wollen wir einen Punkt angreifen, an
dem sich institutioneller und alltäglicher Rassismus in konkreter Abschiebepraxis
treffen. Flughäfen sind Anfangs- und Endpunkt staatlicher Ausgrenzungspolitik.
Ankommende Flüchtlinge werden vielfach schon hier in Abschiebegewahrsam genommen,
also gar nicht erst in die BRD reingelassen. Schönefeld ist DER zentrale Abschiebeflughafen
von Berlin und Brandenburg, jährlich werden von hier tausende Menschen abgeschoben,
selbst wenn sie damit in den Tod geschickt werden. Er ist dabei vorläufiger
Endpunkt einer Vielzahl rassistischer Schikanen in AsylbewerberInnenwohnheimen
und Abschiebeknästen, staatlich legitimiert etwa über das AsylbewerberInnenleistungsgesetz.
Gerade der Flughafen ist ein sensibler Punkt im Vorgang der Abschiebungen. Er bietet vielfältige Möglichkeiten, auf die Praxis von institutionellem Rassismus aufmerksam zu machen und Handlungsmöglichkeiten gegen diese aufzuzeigen. So können z. B. Fluggäste aus Protest im Flugzeug aufstehen und damit den Abflug verhindern.
Wir werden am 1.7.
00 den gesamten Flugverkehr lahm legen! Kommt alle nach Berlin-Schönefeld und
beteiligt euch schon jetzt an den Vorbereitungen!
l. Juli Flughafen-Blockade in Berlin-Schönefeld
FÜR FREIES FLUTEN!!
Technix:
Für den Aktionstag gegen Abschiebung ist die Lahmlegung des Flughafens Schönefeld
geplant. Dazu soll eine große Kundgebung in unmittelbarer Nähe des Flughafens
angemeldet werden, die den ganzen Tag dauern soll. Auf dieser Kundgebung sollen
auch Musik- und andere Kulturevents stattfinden, es wird eine lecker Küche geben
und von hier aus können Aktionen zur Flughafenblockade starten. Es wird vorbereitete
Aktionen geben, denen mensch sich anschließen kann, wie zum Beispiel ein Reclaim
the Airport, Blockaden der Zufahrtswege und Ähnliches.
Es geht jedoch nicht nur darum, den ganzen Tag bespielt zu werden, es sind natürlich
alle aufgefordert, sich eigene Sachen auszudenken, die den Flugbetrieb oder
die Anreise zum Flughafen stören oder unmöglich machen! Es wird bestimmt Leute
geben, die sich dann noch Gedanken machen: wer aufmerksam ist, wird auf Anregungen
stoßen.
Shut down the Airport!
Schon die Anreise zum Flughafen soll als Autokorso Teil der Störungen sein.
Leute, die von außerhalb kommen, können sich mit Ihren Bussen und PKW bereits
diesem Korso anschließen. Ebenso können Leute, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln
nach Schönefeld fahren, bereits in Bussen und S-Bahnen für Unterhaltung sorgen.
Die geplante Blockade des Flughafens soll schon im Vorfeld einer möglichst breiten
Öffentlichkeit bekannt werden. Zum einen um unseren Protest gegen die Abschiebemaschinerie
zum Thema werden zu lassen, zum anderen um noch reichlich Aktive zum Mitblockieren
zu bewegen. Dazu sind verschiedene Aktionen in den Wochen vor der eigentlichen
Blockade angedacht: so ist geplant, die Berliner Reisebüros darauf vorzubereiten,
dass es sich nicht lohnt, Tickets für den Shut Down Day zu verticken. Möglich
ist natürlich auch die Dekoration von gut sichtbaren Bauwerken mit Ankündigungen.
Diese Ideen gelten natürlich nicht nur für Berlin!
Am 01. Juli gehört der Flughafen Schönefeld uns!
Lasst euch was einfallen, damit alle mitkriegen, dass es lauten Widerstand gegen
die rassistische Abschiebepolitik gibt!
Kontakt: Shudoda (shut down deportation airport)
c/o Infoladen Daneben Liebigstr. 34 10247 Berlin,
shudoda@gmx.de