Boykottiert den Schwan!
- auch im Rahmen des CSD -

Eine junge Frau wurde vergangenen Monat aus dem Schwan herauskompromitiert, klarer ausgedrückt: herausgeschmissen. Grund: sie ist Bulemikerin.
Diese Frau, eher freakig gekleidet und augenscheinlich nicht dem Standart des gewünschten Klientels des Schwan entsprechend, mußte sich, nachdem sie an einem Sonntag morgen dort gefrühstückt hatte, auf der Toilette übergeben.
Eine Bedienung, die diese Frau wohl schon über einen längeren Zeitraum fixiert haben mußte, folgte ihr in die Toilette und machte sie an: Sie wisse genau welche Krankheit sie habe, forderte sie auf, direkt zu bezahlen, und das Lokal sofort zu verlassen.
Die Frau - überrumpelt, verunsichert, in diesem Moment ohnmächtig und über-fordert - tat das dann auch sofort an der Kasse bei einem männlichen Bediensteten. Beim Verlassen des Lokals wurde sie von der Kellnerin an der Tür sogar noch einmal aufgehalten und kontrolliert, ob sie auch bezahlt habe.

Bulemie ist eine Suchterkrankung und zählt zu den Eßstörungen. In kurzer Zeit werden große Mengen Nahrungsmittel aufgenommen und danach erbrochen oder durch Abfürhmittel ausgeschieden. Dahinter steckt ein enormer psychischer Druck. Doch die Eß-/ Kotzanfälle ver-schaffen nur kurze Erleichterung. Meist kommen kurz danach Scham- und Schuld-gefühle und die Schwur „es“ nie wieder zu tun. Fast ausschließlich Frauen leiden an Bulimie. Generell bevorzugen Frauen sozial unauffälligere Suchtformen wie Medikamentenabhängigkeit, Kaufsucht, Putzsucht und eben Eßstörungen - einiges auch in Kombination.
Die Ursachen von Bulemie sind sehr komplex. Gründe sind im Schlankheits-wahn dieser Gesellschaft, der Reduzierung der Frau zum Sexualobjekt und der Ächtung von Aggressionen bei Frauen zu sehen. Das sind die Realitäten, die viele Frauen zum Kotzen zwingen.
Die gesellschaftlichen Normen, denen Frauen gerecht werden müssen, erzeugen einen Konflikt. Der Wunsch nach Selbst-bestimmung (der Versuch wieder selber über den eigenen Körper zu bestimmen) und Anpassung an gesellschaftliche Anforderungen (schlank, sexy, kontrolliert, leistungsstark, diszipliniert und emotional zu sein) wird durch die Dynamik Essen-Kotzen versucht zu kompensieren und drückt gleichzeitig die Rebellion dagegen aus
.

Im Gegensatz zum Alkoholgenuß ist bulemisches Verhalten un-auffällig und dadurch nicht akzeptiert. Natürlich muß auch der Alkoholgenuß zivilisiert er-folgen und gerade, Frauen, die sich besaufen, werden „schräg angeschaut“. Bei Männern ist es normal, hin und wieder mal „über den Durst“ zu trinken, solange sie es nicht auf der Straße, sondern gepflegt im Restarant, bei Staats-empfängen,...tun.
Bulemie ist weder als Sucht anerkannt („reiß Dich doch zusammen“) noch wird sie als Überlebensstrategie und Rebellion wahrgenommen. Alkohol wird gebilligt, weil er gewinnträchig ist, bulemische Frauen jedoch passen nicht in das elitäre Etablisement wie es der Schwan darstellt.

Auch wir finden den Schwan und v.a. das Verhalten der Bedienst-eten zum kotzen. Es werden Menschen nach willkürlichen Maßstäbe aus öffentlichen Räu-men selektiert und zudem mit unverschämten Anschuldigungen (Kontrolle am Ausgang, ob die Frau auch bezahlt habe) konfrontiert.

Wir erwarten von der Geschäfts-führung und den Bediensteten des Schwans, daß sie sich öffentlich und bei der Frau für ihr Verhalten entschuldigen und fordern die Zusage, daß ein solches Verhalten nicht noch einmal vorkommt.Bis dahin werden wir diesen Vorfall weiter öffentlich machen, andere - auch Betroffene - informieren und alle auffordern, den Laden nicht mehr zu besuchen.

Die Fantifa und andere Frauen/Lesben