rechtshilfetips aus und für hannover
Der EA Hannover
und die Anti-Expo-Aktionswoche:
Wir sind gegen die Expo. Die Gründe hierfür sind von einzelnen Zusammenhängen
über die Jahre hinweg inhaltlich herausgearbeitet worden und lassen sich nachlesen.
Insofern ziehen wir uns genüßlich auf unseren Ruf als Dienstleistungsunternehmen
mit Wohnsitz im UJZ Kornstraße zurück und versuchen uns hier nicht mit einer
verkürzten platten Darstellung der Gründe für die Notwendigkeit, der Expo Widerstand
entgegen zu setzen.
Wir haben an mancher „Aktionsform" und den jeweiligen Aufrufen dazu, sowie an
der Organisation teilweise Kritik (sowohl als Ermittlungsausschuß, dessen Arbeitsschwerpunkt
das ungeliebte Thema Repression ist, als auch politisch inhaltlich). Trotz aller
Differenzen werden wir aber zu den jeweiligen Terminen am Telefon sitzen und
unseren Job machen.
Im Allgemeinen betonen wir ja immer wieder gern, daß keine Paranoia im Hinblick
auf Überwachung entstehen soll. Vielleicht haben wir das die letzten Jahre zu
konsequent betrieben, mittlerweile ziehen wir das zurück und plädieren ganz
klar dafür:
Leute, bitte werdet paranoid !!! (1)
Für alle,
die sich beharrlich weigern, wahrzunehmen, daß der Expo-Widerstand KRIMINALISIERT
wird, hier noch mal ein paar Hinweise:
• Die Räume des UJZ Kornstraße werden abgehört. Wer/welche diese Binsenweisheit
vorher nicht hat ernstnehmen wollen, hätte sich spätestens an dem Punkt Gedanken
darüber machen müssen, an dem klar wurde, daß am Tag nach jedem Bundesweiten
Treffen im UJZ Kornstraße ein ziemlich detaillierter Artikel in der Hannoverschen
Allgemeinen Zeitung stand (mit Bezugnahme auf Quellen der Polizei).
• Diskussionen über z.B. konkrete Blockadeaktionen sind nicht öffentlich
zu führen (das UJZ Kornstraße kann als öffentlicher Raum betrachtet werden.).
• Transparenz in allen Ehren: Es gibt Themen oder Diskussionen, die NICHT ins
Internet gehören.
• Handys sind potentielle Wanzen und haben auf Treffen nichts zu suchen (bzw.
AKKU RAUS!!!)
• Die Nutzung von privaten Computern und Telefonen im Zusammenhang mit politischer
Arbeit - in diesem Fall: dem Expo-Widerstand - ist fahrlässig.
• Setzt euch mit dem Thema „Hausdurchsuchung" auseinander und räumt eure Zimmer,
Wohnungen, Wägen etc. auf. Einschätzung des EA Hannovers zu den Bullenaktivitäten
während der Anti-Expo-Aktionswoche
Zitat aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom Montag, den 13. März 2000:
» Die Anti-Expo-Szene wird nach Polizeiangaben bundesweit durch die Polizeien
der Länder, das Bundeskriminalamt und die Landesämter für Verfassungsschutz
überwacht. „In Hannover haben wir seit 1995 die Chaostage verhindert; mit rund
5000 Polizisten [„und 2000 Bundesgrenzschützern ..."Anmerkung d. Verfass.],
die zur Expo Dienst in der Stadt tun, wird es auch in diesem Jahr keine Krawalle
geben", versichert [Polizeisprecher Karsten] Wolff. «
Wir erinnern uns an die Chaostage 1996: Die anreisenden „Chaoten" wurden am
Bahnhof vom Bundesgrenzschutz abgefangen und mit dem nächsten Zug wieder nach
Hause geschickt. Wem/welcher es gelang, den Bahnhof Richtung Stadt zu verlassen,
kassierte den ersten Platzverweis, oft gleich für das gesamte Stadtgebiet und
für die Dauer des gesamten Wochenendes.
Die wenigen, die weiterkamen und sich erstmal zum Beispiel bis zum Sprengel
durchschlugen, bekamen ein erweitertes Aufenthaltsverbot für den gesamten Stadtbereich
mit Ausnahme des Sprengel-geländes und des Weges zum Bahnhof (mit gültiger Zugfahrkarte
in der Tasche). Wenn du vom Sprengel zum nächsten Kiosk wolltest, mußtest du
MINDESTENS zweimal deinen Ausweis zeigen - und dort deine Meldeadresse haben.
Die. die den Platzverweis ignorierten und wieder in die Bullenhände fielen,
wurden in Gewahrsam genommen, auch das gern für das ganze Wochenende.
Unter Umständen wird es um die Anti-Expo-Camps, die Korn und das Sprengel einfach
- wie bei den Chaostagen '96 - einen dreifachen Bullengürtel geben, den Auswärtige
dann nicht verfassen können, es sei denn, sie sind in Hannover gemeldet. Also,
„Nicht-Hannoveranerinnen", macht euch Gedanken über alternative Reiseformen
- zumal die Bundesbahn alle Fahrpreisermäßigungen (Wochenend-Ticket. 30,-DM-Tickett)
von und nach Hannover während der Expo außer Kraft gesetzt hat.
Überlegt euch. wenn es möglich ist. auf jeden Fall privat unterzukommen. Nur
wenn ihr niemanden kennt, der/die euch unterbringen könnte, wendet euch im Vorfeld
an die Pennplatz-Börse (2). Bei den Anmelde-Formularen. die im Umlauf
sind, gebt bitte nicht euren tatsächlichen Namen, sondern einen ausgedachten
an. Denkt dran. daß die angegebene Telefonnummer auf jeden Fall überwacht wird.
Der denkbar schlimmste Fall wäre es, wenn die gesamte „Szene-Infrastruktur"
abgeräumt wird. Eine diesbezügliche Einschätzung der Wahrscheinlichkeit wollen
wir hier nicht treffen. Wir müssen uns nur darüber im Klaren sein. daß das theoretisch
möglich ist und uns im Vorfeld Alternativen überlegen.
Zu den Niedersächsischen Gefahrenabwehrgesetzen (also die spezielle Handhabung
von Platzverweisen, Ingewahr-samnahme, Schnellgerichtsverfahren etc.) gibt es
von uns noch mal extra etwas, was wir über den Anti-Expo-Rundbrief veröffentlichen.
Weitere einseitige Infos über die Expo und den Widerstand aus Sicht der Bullerei
unter:
www.polizei.niedersachsen.de
Auch der Justizapparat rüstet auf...
Am 22.08.1998 war in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zu lesen, daß die
Schnellgerichtsbarkeit, jahrelang kaum praktiziert, in Hannover in Fahrt gerät.
Innerhalb von acht Monaten wurden rund 300 Schnellverfahren durchgeführt - diese
betrafen aber weniger die „radikale Linke", sondern eher Ladendiebstähle und
Drogendelikte. (Zitat, ebenda:)
»Amtsanwalt Carsten Böhnke, bei der Anklagebehörde für diese Verfahren zuständig,
macht bei der Polizei sogar Werbung für die schnelle Überführung und Aburteilung
von Straftätern.. „Die Zusammenarbeit klappt hervorragend, und weil es so rasch
gehen muß, verständigen wir uns per Telefon und Fax", sagt Böhnke.«
Wenig später war dann zu lesen, daß die Justiz zur Expo einen Anstieg der Kriminalität
erwarte und sich entsprechend darauf vorbereite. Dabei wurde zwar auf Taschendiebstähle
verwiesen und nicht auf den Expo-Widerstand. das ist aber auch die übliche Herangehensweise
der bürgerlichen Presse. In den Medien wird der Widerstand totgeschwiegen, bzw.
im Vorfeld kriminalisiert, dies aber immer mit dem Hinweis, daß die Bullen alles
im Griff haben. Hoffen wir, daß es nicht so ist...
Es ist davon auszugehen, daß vermehrt Schnellverfahren praktiziert werden. Nicht
zum ersten Mal würde dann in Hannover etwas exemplarisch in großem Stil durchgezogen,
was uns vorher nicht zu betreffen schien, weil es auf ein anderes „Klientel"
angewandt wurde. Bei so einem Schnellverfahren kannst du binnen kürzester Zeit
dem Haftrichter vorgeführt und verurteilt werden. Meist läuft das so, daß dir
einE Pflichtverteidigerin gestellt wird, der/die natürlich wenig Interesse hat,
dich halbwegs glimpflich da raus zu holen. Entsprechend ist das Strafmaß im
Durchschnitt um einiges höher, als es in einem „ordentlichen Gerichtsverfahren"
der Fall wäre. Falls es zu einer Haftstrafe ohne Bewährung kommt, bleibst du
voraussichtlich direkt im Knast.
• Setzt euch damit auseinander, was es heißt, in einem Schnellverfahren angeklagt
zu werden.
• Versucht einen (weiteren) Anruf beim Ermittlungsausschuß durchzusetzen und
uns so schnell wie möglich davon zu verständigen. Wir bemühen uns dann. noch
'ne fitte Anwältin reinzukriegen.
• Wenn das alles nicht klappt: Macht auf gar keinen Fall „Angaben zur Sache",
verweigert die Aussage und macht während der Verhandlung deutlich, daß ihr das
Urteil nicht akzeptieren werdet. Verständigt auch hier wieder so schnell wie
möglich den EA, um Kontakt zu fitten Anwältinnen herzustellen.
Der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 5. Mai 2000 war zu entnehmen, daß
das sogenannte „Expo-Gefängnis" in Hannover-Langenhagen (ehemals: Abschiebeknast)
nun fertiggestellt wurde.
Zitat: » Während der Expo wird das Gefängnis benötigt, um die Vielzahl zu erwartender
Straftäter überhaupt unterbringen zu können. [...] . „Die kleinen Fische kommen
dann zu uns", sagt der Leiter Ulrich Wauro. [...]. In der neuen Haftanstalt
gibt es Platz für 230 Häftlinge.«
Also, ihr Lieben, da bleibt nicht mehr zu sagen als: Laßt euch nicht erwischen!
(1) Siehe
auch RAZZ Nummer 122, April 2000: „Wenn die Zecken ihre eigenen Wanzen anschleppen
..."
(2) Schlafplatzbörse: Schaufelderstr. 33/ 30167 Hannover/Telefon: 0178-4057428
Es kann sein, daß ihr, wenn ihr euch da eine Pennadresse abholen wollt, daß
ihr das Sprengelgelände nicht wieder verlassen könnt (Platzverweise). Richtet
euch darauf ein.
Kontakt: EA Hannover Kornstraße 28/30, 30167 Hannover Tel: 0511-1614765 (Fax:0511-1616711)