In den Abendstunden des 13.5.2003 wurde zum wiederholten Mal ein Castor-Behälter mit hochradioaktiven Brennelementen aus dem AKW Esenshamm von der Deutschen Bahn durch Oldenburg transportiert.

Ziel des Transports war die „Wiederaufarbeitungsanlage“ Sellafield in Grossbritannien. Dort sollen die Brennelemente zerkleinert und in konzentrierten Säuren zerkocht werden, um so das Uran und Plutonium so weitgehend wie möglich von den übrigen hochradioaktiven Stoffen zu trennen. Dabei werden die radioaktive Müllmenge verzwanzigfacht und die Umgebung von Sellafield und die Irische See schwer verseucht: Die Forschung an Tauben aus der Region Sellafield bedarf z.B. in Deutschland wegen ihrer massiven Verseuchung einer Sondergenehmigung durch das Bundesamt für Strahlen“schutz“. Die Leukämie-Rate unter Kindern in der Region Sellafield liegt zehnmal höher als im übrigen Grossbritannien. Für Meerestiere aus der Irischen See müssen wegen ihrer radioaktiven Verseuchung immer wieder Verkaufsverbote erlassen werden. Die spezifische Verseuchung durch die WAA Sellafield lässt sich im ganzen Nordatlantik und in der Nordsee nachweisen.
Betrieben wird die WAA Sellafield in erster Linie, weil sie ein wichtiger Teilbereich zur Produktion von Atomwaffen ist und in zweiter Linie, weil sie es den deutschen Atomkonzernen ermöglicht. ihre hochradioaktiven Abfälle für mehrere Jahrzehnte im Ausland verschwinden zu lassen. Dies ist als so genannter „Entsorgungsnachweis“ Voraussetzung für die Betriebsgenehmigung der Atomkraftwerke in Deutschland.

Das abgetrennte Uran wurde übrigens (verseucht mit Plutonium-Resten) in panzerbrechender Munition in den Kriegen im Irak, in Jugoslawien und in Afghanistan verwandt. (Die Herkunft lässt sich durch seine spezifische Zusammensetzung nachweisen.) – und verursacht dort heute massenhaft Leukämie und diverse andere Krebsarten.

Eigentlich sollte ja auch dieser Castor-Transport still und heimlich seinen Weg durch die Lande nehmen. Nicht einmal Feuerwehren und Katastrophenschutz sollten etwas erfahren. Warum auch, wo ein Castor-Behälter doch, wenn er in eines der schweren Bahnunglücke in Deutschland in den letzten Jahren geraten wären, jedes Mal geborsten wäre? – und anschließend eine umgehende Totalevakuierung diverser Quadratkilometer nötig geworden wäre!
Allein, es wurde wieder nix draus. Entlang der Transportstrecken war in den Vortagen wieder in diversen Orten informiert und zu Protestkundgebungen aufgerufen worden. So erfuhren die Bevölkerung -und auch einige Feuerwehren- davon.
Blockiert wurde der Castor auch: In Osternburg 15 Minuten durch einen Karton, der auf den Gleisen seinen Protest gegen die Atomwirtschaft ausdrückte und in Datteln in Nordrhein-Westfalen –gemeinsam mit Castoren aus anderen norddeutschen AKW’s 20 Minuten durch eine Menschenblockade, die rechtzeitig vor dem Eintreffen der Polizei wieder im Dunkeln der Nacht verschwand.

Nach dem Castor ist vor dem Castor !