Neue Verteidigungsstrategie im Fall Abu Jamal
Erstmals Äußerungen von ihm zum Tatvorwurf.
Berufskiller gesteht den Mord an Polizisten Faulkner


Preisverleihung an Mumia

Den mit 5.000 DM dotierten Erich-Mühsam-Preis erhält in diesem Jahr am 27. Mai 2001 in Lübeck Mumia Abu-Jamal. Der Lübecker Galerist Frank-Thomas Gaulin stiftet diesen Preis alle zwei Jahre für Ideen und Werke im Sinne Mühsams. Die Jury der Erich-Mühsam-Gesellschaft sagte in ihrer Entscheidung: "Mit der Preisverleihung soll die Forderung von amnesty international nach einem neuen Prozeß unterstützt werden, damit alle Beweise zugelassen werden und auf diese Weise die Unschuld Mumia Abu-Jamals bewiesen werden kann." Die Laudatio hielt Rolf Becker, Schauspieler, IG Medien Hamburg)

In Vertretung für Mumia Abu-Jamal nahm Peter Gingold, VVN/BdA, als Widerstandskämpfer von den Nazis zum Tode verurteilt , den Preis entgegen. Anläßlich der Preisverleihung fand im Foyer des Buddenbrook-Hauses die Präsentation der neuen "Edition Mumia Abu-Jamal" statt. Im Mittelpunkt steht die dann in deutscher Sprache erscheinende Biographie über Mumia Abu-Jamal "On a move" des bekannten amerikanischen Autors Terry Bisson.

Daneben erscheinen die Bücher von Mumia Abu-Jamal "...aus der Todeszelle" und "Ich schreibe um zu leben" in neuer Auflage. Alle drei Titel und das Buch seines Anwaltes Leonard Weinglass "Freiheit für Mumia! - Hintergründe eines Fehlurteils und juristische Fakten gegen einen drohenden Justizmord" erscheinen im Bremer Atlantik Verlag. Mehr über die Preisverleihung im nächsten alhambra-Programm.

Wechsel der Anwälte

Mumia hat sein Anwaltsteam wechseln müssen, da ohne sein Wissen ein Buch zu seinem Fall von Co-Verteidiger Dan Williams veröffentlicht wurde. (Mehr hierzu und den juristischen Verwicklungen, die hieraus resultieren, später im Text und sehr aktuell auf www.mumia.de). Eine dramatische Wendung und Repolitisierung in der Verteidigungsstrategie setzt nun ein. Die folgenden Texte entstammen der Jungen Welt (25.5.01-ohne Zwischenüberschriften) und wurden von Annette und Michael Schiffmann, Jürgen Heiser und Mumia selbst geschrieben:

(...) Die neuen Anwälte des zum Tode verurteilten afroamerikanischen Journalisten Mumia Abu-Jamal, Marlene Kamish und Eliot Lee Grossman, sind am 4. Mai 2001 in Philadelphia vor die Öffentlichkeit getreten und haben Dokumente präsentiert, die zum ersten Mal belegen, daß ihr Mandant im Juli 1982 unschuldig zum Tode verurteilt worden ist. (...)

Als Mumia Abu-Jamal im Dezember 1981 verhaftet wurde, hatte er sich bereits seit Jahren weit über Philadelphia hinaus einen Namen gemacht mit seinen Rundfunk-Features über den grassierenden Rassismus seiner Heimatstadt und dieberüchtigte Gewalttätigkeit, Korruptheit und Brutalität der örtlichen Polizei. Abu-Jamals bohrende Fragen auf Pressekonferenzen waren so verhaßt, daß Bürgermeister Frank Rizzo 1978 einmal völlig ausrastete und Abu-Jamal vor laufenden Kameras anbrüllte:

»Die Leute glauben, was Sie schreiben und was Sie sagen, und damit muß endlich Schluß sein. Eines Tages - und ich hoffe, das wird noch im Lauf meiner Karriere sein - wird man Sie für Ihr Treiben verantwortlich machen und zur Rechenschaft ziehen.«

Schon 1973 hatte ein US-Bezirksgericht festgestellt, daß polizeiliche Übergriffe in Philadelphia mit solcher Regelmäßigkeit aufträten, daß sie keineswegs mehr als »seltene, vereinzelte Vorfälle abgetan« werden könnten und daß die Stadt »wenig oder nichts« unternähme, um solche Übergriffe zu bestrafen. 1978 ergab eine Untersuchung durch das Abgeordnetenhaus von Pennsylvania, daß die polizeilichen Übergriffe in Philadelphia den Grad »mörderischer Gewalttätigkeit« erreicht hätten. In den Jahren 1970 bis 1974 hatten in Philadelphia 226 Bürger Schußwunden durch die Polizei erlitten - 143 von ihnen waren unbewaffnet, 80 starben dabei. Von 1974 bis 1978 waren 290 weitere Bürger Opfer von Polizeischüssen geworden.

1979 reichte das US-Justiz-Ministerium eine Klage gegen Philadelphias Bürgermeister Rizzo wegen Duldung der überhandnehmenden rassistischen Polizeibrutalität ein - ein in der US-Geschichte einmaliger Schritt. Die Untersuchung förderte eine endlose Litanei von Gewalttätigkeit, Korruption, Bestechungen, erzwungenen Falschaussagen sowie Nötigung und Erpressung von Zeugen durch die Polizei zutage.

Die Stadt Philadelphia legte bis zum Obersten Gerichtshof Berufung ein, und die Klage wurde schließlich mit der Begründung abgewiesen, es gäbe keinen Hinweis darauf, »daß das Verhalten der Polizei von Philadelphia sich nach Art und Ausmaß von dem, das es auch anderswo gibt, unterscheidet«. Was die Sache keineswegs besser macht und leider der Wahrheit entspricht. So ist im Bericht der Menschenrechtsorganisation »Human Rights Watch« von 1998 beim Städtebericht über Chicago zu lesen, daß es 60 aktenkundige Fälle für die Zeit von 1972 bis 1993 gibt, in denen die Polizei des »Bezirks 2« Verhaftete systematisch mit Schlägen, Erstickungsversuchen und Elektroschocks gefoltert hat, um Mordgeständnisse zu erzwingen, die in späteren Verfahren zu Todesurteilen führten.

Abu-Jamals Verhaftung und der darauffolgende Prozeß waren ein schlagender Beweis für die Richtigkeit seiner heftigen Kritik der herrschenden Verhältnisse. Er war als Staatsfeind ausgemacht worden, und als solcher wurde er zur Strecke gebracht. Der Staatsanwalt Joseph McGill brandmarkte ihn von Anfang an als manischen, haßerfüllten Copkiller und führte zum Beweis für die Gesinnung des Angeklagten ungeniert Abu-Jamals gesamte politische Vergangenheit als Pressesprecher der Black Panthers an, nicht ohne immer wieder zu versichern, daß hier nicht über die Gesinnung, sondern über die Tat Urteil gesprochen werde. Sein eigener krankhafter Haß jedoch kam deutlich in seinem Abschlußplädoyer zum Ausdruck: »Jeder kann genau die Philosophie annehmen und vertreten, die er will. Das ist in Ordnung.(...) Was aber nicht toleriert werden kann, ist die ständige Schmähung der Autorität, der alltägliche Gesetzesbruch. Das wird einfach nicht geduldet.«

Die Hauptbelastungszeugin im Verfahren gegen Mumia Abu-Jamal - die Prostituierte Cynthia White - ist, wie 1996 definitiv klar wurde, für ihre Aussagen mit der Niederschlagung von gegen sie anhängigen Strafverfahren und mit dem Schutz der Polizei bei ihrer Tätigkeit als Prostituierte belohnt worden. Eine Entlastungszeugin - Veronica Jones -, die ursprünglich vor der Polizei über zwei vom Tatort fliehende Männer ausgesagt hatte, wurde unter hoher Strafandrohung dazu erpreßt, ihre Aussage fallenzulassen. Veronica Jones hat die erpreßte Falschaussage, die sie im Prozeß gegen Abu- Jamal gemacht hatte, 1996 unter Eid widerrufen und mehrfach öffentlich erklärt, ihren furchtbaren Fehler von 1982 wiedergutmachen zu wollen, indem sie nunmehr die Wahrheit sagt: »Meine Aussage war eine große Lüge, die jemanden fast das Leben gekostet hat, und ich hoffe, daß es nicht dazu kommen wird.«

Ab 1992 hatte Abu-Jamal endlich ein fähiges Verteidigungsteam unter Leitung des Bürgerrechtsanwalts Leonard

Weinglass, das seither immer die Verteidigungsstrategie »Unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils« mit der Devise verfochten hat, »daß Aussagen eines Angeklagten nur in einem ordentlichen Prozeß etwas zu suchen haben«, und alle Energie auf die Gewährung einer Wiederaufnahme des Verfahrens richtete.

In diesem März nun begann die dramatische Wende in Abu-Jamals eigener Verfahrensstrategie, indem er beim zuständigen Bundesrichter Yohn die Entlassung seines gesamten Verteidigerteams beantragte, weil einer der Anwälte, Dan Williams, die bevorstehende Veröffentlichung eines Buches über den Fall bekanntgab. Mumia Abu-Jamal sagt, er habe davon nichts gewußt und sieht in diesem Vorgehen einen schwerwiegenden Verstoß gegen die anwaltliche Ethik. Der Entlassung wurde stattgegeben, und am Freitag, den 4. Mai, hat das neue, von ihm zusammengestellte Verteidigerteam sich auf einer Pressekonferenz in Philadelphia mit einer ganz neuen Strategie vorgestellt.

Zum ersten Mal hat Abu-Jamal sich offiziell zu den Ereignissen am 9. Dezember 1981 geäußert, ebenso wie sein Bruder und der Berufskiller Arnold R. Beverly. Angesichts der aktuellen Tagespresse von Philadelphia nimmt sich Beverlys Aussage gar nicht mehr als die haarsträubende Räuberpistole aus, als die sie auf den ersten Blick erscheint - ist dort doch seit Wochen zum wiederkehrenden Mal in vielen Jahren genau »der Mob« das Thema Nummer eins: die Unterwelt von Philly, gegen deren Oberboß Joseph »Skinny Joey« Merlino zur Zeit ein spektakulärer Prozeß geführt wird, der die serienmäßigen und namentlich benannten Auftragsmorde unter anderem gegen Kronzeugen der Verteidigung zum Gegenstand hat.


Unter den Augen des FBI

FBI-Informant Donald Hersing bezeugt die massive Korruption bei Philadelphias Polizei und entlastet Mumia Abu-Jamal.
Von Jürgen Heiser

Seit dem 9. Dezember 1981 ist der afroamerikanische Journalist Mumia Abu-Jamal in Haft. Er wurde 1982 wegen angeblichen Polizistenmordes zum Tode verurteilt. Als die neuen Verteidiger von Mumia Abu-Jamal, Marlene Kamish, Fachanwältin für die Todesstrafe aus Chicago, und Eliot Lee Grossman aus Los Angeles, am 4. Mai in Philadelphia vor die Presse traten, legten sie nicht nur die Erklärung von Mumia Abu-Jamal und die Aussage des Berufskillers Arnold R. Beverly vor (jW vom 7. und 12./13. Mai), sondern auch eine eidesstattliche Erklärung des Zeugen Donald Hersing. Diese Aussage existierte seit Mai 1999, und sie sollte erst im Wege der Wiederaufnahme des Verfahrens dem zuständigen Gericht übergeben werden. Mit der neuen Verteidigungsstrategie zielen die Anwälte offenbar darauf ab, Bundesbezirksrichter William H. Yohn jetzt unter Zugzwang zu setzen und zu einer Entscheidung für eine gerichtliche Anhörung zu bewegen. Hersings Aussage untermauert die Angaben des Berufskillers Beverly, der zugibt, den Polizeibeamten Daniel Faulkner erschossen zu haben. Hersing, der im Zeitraum 1981 bis 82 als Informant und Undercover- Agent für das FBI gearbeitet hat, beschreibt präzise jene Korruption, die Beverly mit seinem Auftragsmord am 9.Dezember 1981 schützen sollte. An dieser Aussage sind die Verweise auf Ereignisse und Personen interessant, die in Abu-Jamals Fall eine Rolle spielen. Die Prostituierte Cynthia White war die Hauptbelastungszeugin im Prozeß, die damals aussagte, sie habe gesehen, wie Abu-Jamal auf den Poliziste geschossen habe. Cynthia White arbeitete als Prostituierte in der Gegend, in der Donald Hersing als Agent eingesetzt war, und hatte mehrere Verfahren anhängig. Ihre Kollegin Veronica Jones sagte später aus, sie seien beide von der Polizei mit dem Versprechen auf Straffreiheit dazu genötigt worden, Abu- Jamal als den Täter zu nennen. Am Ende erwähnt Donald Hersing den Polizeibeamten Alphonse Giordano. Sowohl Giordano als auch sein Vorgesetzter George Fencl werden in Terry Bissons Biographie über Abu-Jamal, die in Kürze auf deutsch erscheint, besonders erwähnt. Fencl, Leiter einer Sondereinheit, hatte Abu-Jamal schon seit seiner Zeit als junges Mitglied der Black Panther Party verfolgt. Er und Giordano waren unmittelbar nach der Schießerei in der Nacht des 9. Dezember 1981 am Tatort erschienen, was als äußerst ungewöhnlich bezeichnet wird.

In der Vorverfahrensanhörung vernahm der gegen Abu- Jamal ermittelnde Staatsanwalt McGill den Inspektor Giordano. Dieser sagte aus, er habe sich über den Schwerverletzten Abu-Jamal gebeugt und ihn gefragt, ob er verletzt sei. Er habe dessen Jacke geöffnet, ein leeres Schulterhalfter unter seinem linken Arm gesehen und ihn gefragt, wo die Waffe sei. »Er (Jamal) antwortete: >Ich habe sie neben das Auto geworfen, nachdem ich ihn erschossen hatte.<« Giordanos Behauptung tauchte in der Hauptverhandlung nicht auf. Einen Tag nach Abu-Jamals Verurteilung wurde bekannt, warum: Giordano war unter dem Verdacht schwerer Korruption vom Dienst suspendiert und nach seinem Geständnis, monatlich Summen von über 3 000 Dollar entgegengenommen zu haben, aus dem Polizeidienst entlassenworden. Seine frühere Aussage machte aber deutlich, mit welchem Netz von Falschaussagen Abu-Jamal zum Täter gestempelt werden sollte.

Neben diesen Details wird durch Donald Hersings Aussage vor allem eines offensichtlich: Wie in anderen Fällen, in denen unliebsame Black Panthers oder führende Mitglieder des American Indian Movement mit Falschaussagen zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt wurden, so hat auch im Fall von Mumia Abu-Jamal das FBI in seinen Archiven alle Fakten, mit denen die wahren Täter überführt werden könnten. Abu-Jamal hat mit seinem neuen Anwälteteam den Kampf um seine Freiheit wieder politisiert. Es geht nicht mehr nur darum, seine Unschuld zu beweisen, sondern er will jetzt den Abgrund aus Korruption und Lüge aufdecken. Die Öffentlichkeit kann diesen Schritt unterstützen, und sie darf nicht zuzulassen, daß ein mutiger Journalist beseitigt wird, weil die Verfolgung der wahren Täter einen Polizei- und Justizskandal zur Folge hätte, der das politische System der USA erschüttern würde


Erklärung von Mumia Abu-Jamal

JW 12.05.01. An das Bezirksgericht der Vereinigten Staaten Bezirk Ost-Pennsylvania Antragsteller Mumia Abu-Jamal Fall Nr. 99 CIV 5089 (YOHN) Gegen Martin Horn, Bevollmächtigter der Strafvollzugsbehörde von Pennsylvania, und Connor Blaine, Leiter der Strafvollzugsanstalt Greene

Ich, Mumia Abu-Jamal, erkläre:

1. Ich bin der Antragsteller dieser Eingabe. Falls ich als Zeuge aufgerufen werde, kann und werde ich das Folgende auf eigenem, persönlichem Wissen bezeugen:

2. Ich habe den Polizeibeamten Daniel Faulkner nicht erschossen. Ich hatte mit der Ermordung von Officer Faulkner nichts zu tun. Ich bin unschuldig.

3. Während meines Verfahrens wurde mir das Recht verweigert, mich selbst zu verteidigen. Ich hatte kein Vertrauen zu meinem vom Gericht bestellten Pflichtverteidiger, der mich kein einziges Mal gefragt hat, was in der Nacht tatsächlich geschehen ist, in der ich angeschossen und der Polizeibeamte getötet wurde. Außerdem war ich mindestens die Hälfte der Zeit vom Verfahren ausgeschlossen.

4. Da mir während des Verfahrens alle meine Rechte verweigert wurden, habe ich nicht ausgesagt. Ich wollte nicht dazu benutzt werden, das Ganze wie ein faires Verfahren erscheinen zu lassen.

5. Im Berufungsverfahren 1995 habe ich auf Anraten meines Anwalts Leonard Weinglass, der mir ausdrücklich sagte, ich solle nicht aussagen, nicht als Zeuge ausgesagt.

6. Jetzt habe ich zum ersten Mal Gelegenheit erhalten zu erzählen, was in den frühen Morgenstunden des 9. Dezember geschehen ist.

Hier die Ereignisse:

7. Als Taxifahrer nahm ich oft die 13. und die Locust Street, weil das eine beliebte Nachtclubgegend mit viel Fußgängerverkehr war.

8. In der Nacht des 9.12.81 arbeitete ich für United Cab.

9. Ich glaube, ich war gerade zurück von einer Fahrt nach West Philly.

10. Ich war eben dabei, das Fahrtenbuch auszufüllen, als ich Geschrei hörte.

11. Ich warf einen Blick in den Rückspiegel und sah das blinkende Signallicht eines Polizeiwagens. Das war nichts Ungewöhnliches.

12. Ich schrieb weiter in mein Fahrtenbuch, als ich etwas hörte, das nach Schüssen klang.

13. Ich schaute erneut in meinen Rückspiegel und sah Leute die Locust hinauf- und hinunterrennen.

14. Bei genauem Hinsehen erkannte ich meinen Bruder, der schwankend und benommen auf der Straße stand.

15. Ich sprang sofort aus dem Auto und rannte auf seine Schreie zu.

16. Als ich die Straße überquerte, sah ich, wie ein uniformierter Polizist mit einer Waffe in der Hand sich zu mir umdrehte, ich sah einen Lichtblitz und fiel auf die Knie nieder.

17. Ich schloß meine Augen, saß ganz still und versuchte zu atmen.

18. Das nächste, woran ich micherinnere, ist, daß ich Tritte und Schläge fühlte und daß ich aus einer Bewußtlosigkeit auftauchte.

19. Als ich die Augen öffnete, sah ich überall um mich herum Polizisten.

20. Sie brüllten und fluchten, rissen und zerrten an mir. Ich fühlte mich sehr schwach und kaum fähig, etwas zu sagen.

21. Durch die Polizistenmenge hindurch sah ich meinen Bruder, dem das erinBlut den Hals hinunterlief, und einen Polizisten, der auf dem Rücken auf dem Gehweg lag. 22. Ich wurde auf die Füße gezerrt, an einen Telefonmast gerammt, geschlagen, fiel wieder hin und wurde in einen Polizeiwagen geworfen.

23. Ich glaube, ich habe geschlafen, bis ich hörte, wie ein weißer Polizist in einem weißen Hemd fluchend hereinkam und mich auf die Stirn schlug.

24. Ich erinnere mich nicht an viel von dem, was er sagte, außer an jede Menge »Nigger«, »schwarze Motherfucker« und ähnliches.

25. Ich glaube, er ging wieder, und ich schlief. Ich erinnere mich nicht daran, ob und wann der Wagen gefahren ist.

26. Ich wachte auf und hörte den Fahrer über Funk über seinen Gefangenen sprechen.

27. Aus dem anonymen Krächzen des Funks erfuhr ich, daß ich zum Polizeiverwaltungsgebäude ein paar Häuserblocks entfernt unterwegs war.

28. Dann hörte es sich an wie »1.D 'd as M-1«, und der Fahrer wurde angewiesen, zum Jefferson-Hospital zu fahren.

29. Bei der Ankunft wurde ich aus dem Wagen auf den Boden geworfen und geschlagen.

30. Am Eingang zum Jefferson wurde ich erneut geschlagen.

31. Das Blut in meiner Lunge machte das Sprechen schwer und Schreien unmöglich.

32. Ich habe niemals irgend etwas gestanden, weil ich nichts zu gestehen hatte.

33. Ich habe niemals gesagt, ich hätte den Polizisten erschossen. Ich habe den Polizisten nicht erschossen.

34. Ich habe niemals gesagt, ich hoffte, er würde sterben. Ich würde so etwas niemals sagen.

Ich versichere hiermit in Kenntnis der Strafbarkeit einer falschen eidlichen Erklärung nach dem Gesetz der Vereinigten Staaten von Amerika, daß obige Erklärung wahr und richtig ist und am 3. Mai 2001 von mir in Waynesburg, Pennsylvania, verfaßt wurde.

Unterschrift Mumia Abu-Jamal