Müssen wir uns lebendig begraben lassen?
von Gbehoussou Kinvi Dossou
Die Rettung von uns togoischen Flüchtlingen liegt in unserer massenhaften Mobilisierung, in der Einheit aller, Töchter und Söhne der Erde unserer Vorfahren, erfüllt von der Idee des Friedens und der Gerechtigkeit gegen das tyrannische Regime von Eyadema und seinen Vasallen.
Wie der Diktator und togoische Präsident selbst es sagt: Ich bin hier, und ich bleibe hier"; die westlichen Staaten wie Frankreich und Deutschland - um nur diese beiden westlichen Nationen zu nennen - unternehmen nichts, damit aus Togo, dem kleinen Staat von ungefähr 4,5 Mio. Einwohnern, wirklich ein Rechtsstaat werde. Solange wir da sind, bleibst auch Du (Eyadema) der Staatschef." Diese Botschaft bringt die internationale Gemeinschaft durch ihre starke Unterstützung, die sie diesem barbarischen Regime entgegenbringt, zum Ausdruck.
Macht irgendetwas für uns, sagt man uns: Es ist an Euch Togoern, die Initiative zu ergreifen. Aber wie? Alle Mittel, die angewandt wurden, um dieses Monster von Präsident Eyadema zu vertreiben, führten nicht zum Erfolg.
Die Volksaufstände der Jahre 1990 und 1991, der unbegrenzte Generalstreik von 1992 und 1993 und andere Streiks nach dem Konzept der toten Städte" wurden wild und blutig niedergeschlagen von der Gangsterhorde der Militärs und anderer finsterer paramilitärischer Individuen, der wahrhaftigen Verbrecher und der verdorbenen Milizen aus dem Netz der Kriminellen in Togo.
Zehntausende ehrlicher Menschen, die nichts anderes verlangten, als in Frieden in ihrem Heimatland zu leben, wurden ermordet.
Andere wurden gezwungen, ins Exil zu gehen, um der Barbarei eines Regimes zu entkommen, dem kein Opfer zu groß ist, um sich an der Macht zu halten.
Während das Volk kämpft, um sich aus den Klauen der untergehenden und repressiven Macht Eyademas zu befreien, unterstützen die westlichen Staaten und das übrige Gesindel der internationalen Unterwelt das Regime aus schäbigen und egoistischen Gründen und halten es durch betrügerische Wahlen an der Spitze des Landes.
Die Schufte der französischen Politikergang, Débré, Pasqua und selbst Chirac - um nur diese zu nennen - lassen sich mit diesem Kriminellen, Eyadema, ein und hofieren ihn. Sagt uns nicht das alte Sprichwort, daß die zusammenfinden, die sich ähneln, und daß einzig die Vögel, die Unheil ankündigen, sich vereinigen"... das bedarf keines Kommentares.
Den neuesten Nachrichten zufolge hat die Bundesrepublik Deutschland dem Mörder Gnass Eyadema auf der EXPO 2000 in Hannover den roten Teppich ausgerollt.
Ist es nicht so, daß der Feind meines Freundes auch mein Feind ist? Wir Flüchtlinge haben ein Interesse, das zu verstehen, solange unsere Unterdrücker unterstützt und wir, die Unterdrückten, nicht geschützt werden. Wir wissen jetzt, daß diese Politik ein schmutziges Geschäft ist.
Derjenige, der zum Tod durch die Guillotine verurteilt ist, hat keine Angst mehr vor Kopfschmerzen."
Wir, die ins Exil getriebenen Überlebenden der militärischen Roheit, dürfen nichts erwarten von dieser internationalen Gemeinschaft.
Wir, die wir unterdrückt sind und alles verloren haben, werden auf dem Boden des Asyls" schikaniert, und anstatt uns zu schützen, schützt man sich vor uns. Man behandelt uns wie gewöhnliche Verbrecher; wir werden kriminalisiert und sind der Willkür der Beamten auf den Ausländerbehörden nach Belieben ausgeliefert.
Ohne sich um unsere Schmerzen und Leiden und um den Leidensweg, den wir in unserem Land erdulden mußten, zu kümmern, fügt man uns hier neue Schikanen und Qualen zu und liefert uns schließlich, an Händen und Füßen gefesselt, unseren Unterdrückern, vor denen wir geflohen sind, aus.
Bei dem Versuch, dieser Situation vorläufig zu entkommen, stranden einige in geschlossenen Häusern (gemeint sind die staatlichen Gefängnisse), wo sie unter dem Gesetz der lasterhaften und anrüchigen Zuhälter leiden. Eine einzige Frage stellt sich und drängt sich uns Flüchtlingen auf:
MÜSSEN WIR UNS LEBENDIG BEGRABEN LASSEN?
Nein, nein und nochmals nein: denn zuviel ist zuviel!
Die Rettung von uns togoischen Flüchtlingen liegt in unserer massenhaften Mobilisierung, in der Einheit aller, Töchter und Söhne der Erde unserer Vorfahren, erfüllt von der Idee des Friedens und der Gerechtigkeit gegen das tyrannische Regime von Eyadema und seinen Vasallen.
Hat es sich nicht andern Orts herausgestellt, daß als einziges Ausdrucksmittel eines Volkes, das zu lange unterdrückt wurde und dessen Sehnsüchte verhöhnt wurden, nur die Gewalt bleibt?
Um nicht an den niederträchtigen Individuen zugrundezugehen, müssen wir uns spezieller Mittel bedienen, um die Gewalt unserer Unterdrücker erfolgreich und stolz zu beantworten.
Wir waren Lämmer, und sind es zu lange geblieben. In jedem versteckt sich ein Tier. Wir müssen es nur aus unserem Unterbewußtsein zum Vorschein bringen, um die notwendige und unabdingbare Konfrontation mit der togoischen Macht einzugehen.
Es ist an der Zeit, daß wir es verstehen, zwischen dem Hungertod und einem vergifteten Essen zu wählen. Derjenige, der zum Tod durch die Guillotine verurteilt ist, hat keine Angst mehr vor Kopfschmerzen.
In Wahrheit sind wir auf jeden Fall zum Tod Verurteilte.
Aber das Klirren der Waffen, die wir gegen die Barbarei Eyademas tragen werden, läßt unsere unheilvollen Choräle erklingen. Unsere Toten dürfen nicht sinnlos, sondern werden heldenhaft sein und vor allem das Fundament eines siegreichen Kampfes, dessen Ausgang der Bruch mit dem Verrat sein wird.
Man fragt uns ohne Scham, wieviele Millionen Hektoliter Blut bei uns bereits vergossen wurden, bevor wir die internationale Gemeinschaft überhaupt um Hilfe bitten können.
Solange es die Philosophie der internationalen Gemeinschaft ist, Foren für den Frieden zu organisieren, ohne jemals die angemessenen Maßnahmen zur effektiven Durchsetzung dieses Friedens zu ergreifen;
solange die universellen Rechte nicht allen ohne Unterscheidung nach Herkunft zuteil werden und die Völker unter dem Joch der Barbarei, der Unterdrückung und der Diktatur verkommen, ...
...solange wird der Traum vom ewigen Frieden zwischen allen Bewohnern der Erde nichts als eine verzweifelte Illusion bleiben..."
Und die Menschen werden überall und immer kämpfen, um ihre Freiheit zu erringen.