Köln
- 25.000 stellten sich quer
Von der
Bühne der antifaschistischen Kundgebung tönen die Stimmen von BAP-Sänger
Wolfgang Niedecken und Ex-Bläck-Föss Tommy Engel. Arsch huh,
Zäng ussenander", fordern sie. Dem braunen Mob dürfe nicht die
Straße überlassen werden. Dann singen die beiden den Kölsch-Klassiker
In unserem Veedel". Die unübersehbare Menschenmenge skandiert:
Nazis haut ab!" Protest gegen rechts auf Kölsch. Demonstrieren
taten 25.000; unter dem Motto Köln stellt sich quer" protestierten
sie gegen einen Aufmarsch in der Domstadt. Dazu aufgerufen hatte ein buntes
Spektrum Kölner Initiativen und Verbände - vom katholischen Stadtdekanat
bis zur DKP, vom DGB bis zur autonomen Antifa. Von den im Kölner Stadtrat
vertretenen Parteien fehlten nur die Republikaner" und die CDU. Denn
schließlich sind Nazis unkölsch", wie die Kölner
Boulevardzeitung Express getitelt hatte. Der Marsch der Rechten in Köln
unter dem Motto Meinungsfreiheit auch für so genannte Neonazis"
war ursprünglich verboten worden. Das Kölner Verwaltungsgericht hatte
das Verbot jedoch am Vorabend unter Auflagen aufgehoben. Es war der dritte braune
Umzug in der Domstadt innerhalb von 18 Monaten. Enttäuscht zeigten sich
die Nazis, unter ihnen der Hamburger Obermotz Christian Worch, über die
bescheidene Beteiligung, hatten sie doch statt mit 120 mit bis zu 1.000 TeilnehmerInnen
gerechnet. Drei Stunden marschierte der kleine braune Geisterzug durch menschenleere
Straßen.
Am Ende der
antifaschistischen Kundgebung machten sich rund 5.000 Antifas
auf den Weg, um das braune Treiben zu beenden. Obwohl die Polizei mit über
2.000 Bereitschaftsbullen aus mehreren Bundesländern die Wegstrecke der
Neonazis weiträumig abgesichert hatte, gelang es einzelnen GegendemonstrantInnen
mit Sitz- und Liegeblockaden den braunen Marsch kurzzeitig zu stoppen. Teilweise
gab es auch erfolgreiche direkte Aktionen.
Bernsdorf -
Es reichte schon lange
Nach
einem rassistischen Angriff auf dem Weihnachtsmarkt in der sächsischen
Kleinstadt Bernsdorf hat ein 15-jähriger Vietnamese am 9.12. zwei Nazis
niedergestochen, die zuvor an seinem Verkaufsstand herumgepöbelt und Waren
umgeschmissen hatten. Der 21-jährige Matthias F. erlag noch am Samstag
seinen schweren Verletzungen, sein 22-jähriger Freund ist nach Angaben
der Staatsanwaltschaft Bautzen inzwischen außer Lebensgefahr. Gegen den
tatverdächtigen Jugendlichen wurde Haftbefehl wegen Totschlags erlassen,
er ist weitgehend geständig, bestreitet aber eine Tötungsabsicht.
Als Motiv für seine Tat gab der 15-Jährige an, er sei von drei
Glatzen" provoziert worden. Der junge Vietnamese sei daraufhin nach Hause
gegangen, habe sich dort zwei Küchenmesser geholt und sei auf den Weihnachtsmarkt
zurück-gekehrt. Dort stach er zunächst einmal auf den 22-Jährigen
ein. Daraufhin habe er den 21-Jährigen gesucht und in der Nähe
des Aldi-Markts" gefunden. Angeblich ohne Vorwarnung stach er ihm mit einem
der Messer in den Bauch und ließ ihn verletzt liegen. Den Ermittlungen
zufolge brachte der 15-Jährige zunächst die Tatwaffen nach Hause und
kehrte dann zu seinem Stand auf dem Weihnachtsmarkt
zurück, wo er wenig später von der Polizei verhaftet wurde. Unklar
ist für die Staatsanwaltschaft bisher, ob der Vietnamese schon vor dem
Streit am Samstag Konflikte mit Leuten aus der rechten Szene hatte. Das
gilt es jetzt zu ermitteln", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft,
denn das hätte für das Strafmaß er-hebliche Folgen."
Falls der Vietnamese immer wieder gereizt" worden sei, würde
sich das natürlich strafmildernd aus-wirken". In der Kleinstadt existiert
eine Nazibande von etwa 15 Personen, die immerwieder MigrantInnen terrorisierten-
jetzt reichte es! Es reichte schon lange!
Dortmund - 595
Antifas gekesselt
Am 16.12.
wagten sich erneut die Nazisauf die Straße. Den sich dagegen mobilisierenden
Widerstand von mehr als 2 000 Menschen versuchte die Polizei, mit Brachialgewalt
einzudämmen.
Der Aufmarsch
der etwa 250 Neonazis konnte deshalb fast ungestört ablaufen. Bei ihrem
Bemühen, die Nazis vor den Aktionen der AntifaschistInnen abzuschirmen,
griff die Polizei dabei offensichtlich auf das altbewährte Mittel der Vorbeugehaft
zurück und setzte Hunderte GegendemonstrantInneen fest. Nach Polizeiangaben
konnten auf diesem Wege größere Auseinandersetzungen zwischen
den Rechtsextremisten und den Nazigegnern verhindert werden". Entlang der
Aufzugsstrecke der Neonazis kassierte die Polizei 595 Antifas aus Gründen
der »Gefahrenabwehr« und Personalienfeststellung ein und nahm sie
»vorläufig in Gewahrsam.« 22 Personen wurden festgesetzt, weil
sie angeblich mit Steinen geworfen und versucht hätten, Absperrungen zu
durchbrechen.
Der Aufmarsch, derebenfalls von dem bundesweit bekannten Hamburger Neonazi Christian
Worch organisiert worden war, verlief dann auch ohne Zwischenfälle. Zu
einer Auseinandersetzung kam es im Anschluß an den Aufmarsch, als einige
Gegendemons-trantInnen am Dortmunder Hauptbahnhof zwei Neonazis angriffen und
verletzten. Nach Angaben der Polizei wurde die Gruppe daraufhin eingekesselt
und die Personalien festgestellt. Augenzeugen berichteten allerdings, daß
von dieser Polizeimaßnahme weit mehr als 300 Menschen betroffen waren.
Bremen - Durchsuchung
beim NPD-Chef
Hausbesuch
beim NPD-Landesvorsitzenden Jörg Wrieden: Am Vormittag des 12.12. wurde
auf Betreiben der Bremer Staatsanwaltschaft Wohnung, Keller und Auto des Rechten
durchsucht. Beschlagnahmt wurden mehrere Schlagstöcke, Waffen, die vermutlich
Schreckschuss-pistolen sind, sowie Computer und Dokumente. Wir befinden
uns noch in der Auswertung des sichergestellten Materials" erklärte
Staatsanwalt Uwe Picard. Der Vorwurf gegen den organisatorischen Kopf der rechten
Partei: Verdacht der Volksverhetzung. Bereits seit Juli dieses Jahres ermittelt
die Staatsanwaltschaft gegen Wrieden. Anlass war ein taz-bremen-Artikel, in
dem über die Zu-sammenarbeit der rechtsextremen Blood & Honour-Bewegung
und der Bremer NPD berichtet wurde. Mit der Fax-Kennung NPD-Bremen/Wrieden"
war eine Presse-erklärung von Blood & Honour verbreitet worden. Wenn
wir von uns nahe stehenden Organisationen gebeten wer-den, so etwas weiterzuverbreiten,
dann tun wir das. Das ist doch unsere Aufgabe", hatte Wrieden damals gesagt.
Die Polizei hatte ein Skinhead-Konzert in Holvede (Kreis Harburg) aufgelöst,
bei dem sich rund 400 Rechte von der Musik von Nazi-Bands wie Sturm und
Drang", Sperr-feuer", Warhammer" und Ultima Ratio"
anheizen ließen. Rund einen Monat später war die Blood & Honour
auf Betreiben von Innenmisister Otto Schily (SPD) verboten worden - um der
Vergiftung der Köpfe und Herzen, insbesondere bei jungen Menschen, entgegenzuwirken",
erklärte das Ministerium. Die B&H-Organisation, die bundesweit laut
Verfassungsschutz über 240 Mitglieder verfügten, hatte vor allem durch
die Organisation von Musikveranstaltungen in der rechten Szene den Nachwuchs
angesprochen. Die Zusam-menarbeit von Blood & Honour und NPD in Bremen war
auch in Berlin nicht ohne Aufmerksamkeit verfolgt worden. In der Begründung
des vieldiskutierten NPD-Verbots-Antrags wird die Fax-Kooperation erwähnt.
Rom - Haider
beim Papst
Der österreichische
Rechtspolitiker Jörg Haider sah sich selbst als Friedensengel"
auf seinem Kurzbesuch in Rom. Gekommen in seiner Eigenschaft als Kärtner
Landeshauptmann, um am 16.12. beim Papst den Weihnachtsbaum für den Petersplatz
anzuliefern, sorgte er dann aber doch dafür, dass es ziemlich unfriedlich
herging im Schatten des Vatikans. Beim Papst achtete Haider noch auf gute Manieren.
Zwar gewährte der Heilige Vater ihm nur eine Ultra-Kurz-Audienz; zwar musste
Haider es sich gefallen lassen, die gerade veröffentlichte päpstliche
Friedens-botschaft überreicht zu bekommen, in der Johannes Paul gegen Nationalismus
und Fremdenfeindlichkeit wettert. Doch es blieb der diplomatische Erfolg, im
Vatikan vorgelassen worden zu sein, und Haider dankte es mit einer schönen
Predigt vor dem Weihnachtsbaum, in der es von Bekenntnissen zu Frieden,
Solidarität, Versöhnung" wimmelte. Ansonsten gab Haider den gut
gelaunten Polit-Rüpel. Schon im Vorfeld hatte er Italiens Staatspräsident
Carlo Azeglio Ciampi eine zu lasche Haltung gegenüber illegalen Einwanderern
bescheinigt. Kaum in Rom angekommen, kanzelte er den Präsidenten und Ministerpräsident
Giuliano Amato gleich dazu als nervös" und schwach"
ab, weil sie es sich verbeten hatten, dass Haider seinen Vatikan-Besuch zu einer
Mission in die italienische Innenpolitik umfunktionierte. Dass der Mann es versteht,
systematisch Öl ins Feuer zu gießen, zeigte er mit einem zweiten
Statement. Die Absicht der jüdischen Geschäftsleute Roms, am Samstag-nachmittag
aus Protest gegen seinen Besuch die Lichter ihrer Geschäfte zu löschen,
kommentierte er mit den Worten, sie wollten wohl Strom sparen". Kaum
erstrahlten die Lichter der gigantischen Tanne vor Sankt Peter, gingen in ganzen
Straßenzügen des Stadtzentrums die Ladenbeleuchtungen aus. Dies blieb
nicht der einzige Protest: Rom sah gleich vier Demos gegen Haider. Am Freitagabend
veranstalteten die Gewerkschaften einen Fackelzug, trafen sich alte Partisanen
zu einer Kundgebung vor dem früheren Gestapo-Hauptquartier in der Via Tasso.
Am Samstag Vormittag zogen an die 2.000 Gymnasiasten durch die Stadt. Am Nachmittag,
pünktlich zur Zeremonie auf dem Petersplatz, hatten Rifondazione Comunista
und die Autonomen Jugend-zentren zu einem Anti-Haider-Fest vor der Engelsburg,
nur ein paar hundert Meter vom Vatikan entfernt, eingeladen. Einige tausend
Bürger waren dem Aufruf gefolgt. Schon seit Tagen kursierte der Plan, mit
einem großen Plakat - es zeigte ein Bild von Auschwitz mit der Aufschrift
Nie wieder" - zum Petersplatz zu ziehen. Wie zu erwarten, hatte die
Polizei diesen Abstecher zu Haiders Christbaum-Feier verboten. Als einige hundert
DemonstrantInnen dennoch versuchten, die Polizeiabsperrungen zu durchbrechen,
kam es zu schweren Straßenschlachten mit fünfzig Verletzten und sieben
Festnahmen. Tränengas- und Knüppeleinsatz gewährleisteten, dass
Haiders Friedensfeier ungestört über die Bühne gehen konnte.
Cyberspace -
www-Tip des Monats:
Sogar in
Ostfriesland gibt es gute Internetseiten. Gelungenes Beispiel hierfür ist
die side der Auricher GenossInnen:
www.antifa-aurich.de.vu
Ansonsten
empfehlen wir wie immer das linksradikale und vor einiger Zeit neu-gestaltete
Internetprojekt:
www.nadir.org