Killing me softly...
...oder wie nicht-tödlich darf es denn heute sein?
Prügelnde Bullen, ganze Stadtteile in CS-Gas-Nebel gehüllt, Misshandlungen
und Erniedrigungen auf der Bullen - Wache...
„Chilenische Verhältnisse“ nannten einige Zeitungen die Ereignisse
im Juli 2001 beim G8 Gipfel in Genua. Repression auf der Strasse und auch anderswo
ist für die Linke wahrlich nicht neu. Aber am 20. Juli starb ein Demonstrant
durch gezielte Schüsse eines Carabinieri. Das hatte es, zumindest in Europa,
schon lange nicht mehr gegeben. Ob diese Tat nur gedeckt, gewollt oder sogar
befohlen wurde, sei dahingestellt. Fest steht, daß es in den meisten europäischen
Ländern und den USA im Moment noch wesentlich schwerer fallen dürfte,
einen Schusswaffengebrauch mit tödlicher Folge, wie in Genua unter der
Regierung Berlusconi geschehen, zu rechtfertigen. Um Also eine „effektive“
Aufstandsbekämpfung bei Großereignissen wie Weltwirtschaftsgipfeln,
EU-Gipfeln etc. oder auch bei der Übernahme von Polizeiaufgaben durch das
Militär bei Auslandseinsätzen, leisten zu können, haben und entwickeln
mehrere Länder seit längerer Zeit sogennannte „non lethal weapons“.
Das heißt nix anderes, als das die dort auftauchenden Waffen nicht ganz
so tödlich sind wie normale Knarren - Oder wie 1998 Prof. Robert J. Brown
in seinem „Lexikon der non - lethalen Waffengattungen“ sehr hübsch
bemerkte:“Im Gegensatz zu konventionellen, tödlichen Waffen(...)
bedeutet die Anwendung non - lethaler Waffen etwas anderes als vollständige
physische Auflösung, allerdings mit dem Ergebnis, dennoch das Ziel am Funktionieren
zu hindern.“ Wie sie sich aber entwickeln werden, und mit was für
Mitteln wir es in Zukunft gerade bei internationalen Demonstrationen zu rechnen
haben ist noch nicht absehbar. Die Forschungen auf diesem Gebiet reichen von
Schallkanonen über biotechnologisch optimierten Gasen bis hin zu 3D Projektionen
um zu verwirren oder einzuschüchtern.
Der Begriff „nicht tödlich“ ist dabei Augenwischerei. Auszuschließen
ist der Tod von Getroffenen dieser Waffen keinesfalls. Zu diesen Waffen gehören
Gummi- oder vergleichbare Geschosse, Tränengasgranatwerfer, das als ungefährlich
deklarierte Pfefferspray, „Markierungsgewehre“ Elektroschocker verschiedenster
Colour, und seit neuestem in der Erprobungsphase sogenannte „direct energy
weapons“, die Schmerzen durch gezielt eingesetzte, hochfrequente Töne
oder elektromagnetische Felder erzeugen sollen.
In den Werbeprospekten der Bullen und der Herstellerfirmen lesen sich diese
Waffen allesamt schmerzhaft, aber insgesamt ziemlich harmlos. Wenn mensch von
sooo unwahrscheinlichen Fällen wie allergischen Schockreaktionen, Epilepsie,
Asthma, Herzfehlern, Drogenkonsum oder einer allgemein schlechten Konstitution
mal absieht, können diese Waffen bei vorschriftsmäßigem Einsatz
niemanden töten.
Wobei wir beim Knackpunkt all dieser „sanften Killer“ wären.
Wie bei allen grösseren Auseinandersetzungen auf der Straße in letzter
Zeit festzustellen ist, sei es nun Genua (Italien) Evian (Belgien/Frankreich)
oder zuletzt bei Demos gegen das amerikanische Freihandelsabkommen FTAA in Miami,
werden all diese Waffen na klar nicht streng nach Vorschrift benutzt. Und Bullen
brauchen keine Repression zu fürchten, da sie in den seltensten Fällen
auch nur gerügt werden für ihr Handeln. So könnten die Bullen
natürlich auch mit einem Gummigeschoss, oder einer Gasgranate, die auf
Kopfhöhe verschossen wird, ohne weiteres jemanden töten. Das schöne
für sie dabei ist, daß sie ja eine non-lethal-weapon benutzt haben.
Es kann also nur ein Unfall gewesen sein. Wohingegen der Einsatz von scharfen
Waffen den Tod des Gegenübers zumindest gedanklich mit einschließt,
verbietet dies schon der Name dieser Waffen.
Die Bullen erhalten also durch die unterschiedliche Anwendungsmöglichkeit
vieler dieser Spielzeuge, und ihr Prädikat „nicht tödlich“
neben dem Schutz durch ihren Berufsstand einen relativen Freibrief, gegen unerwünschte
Personen je nach Lust und Laune vorzugehen.
Um sich als NormalsterblicheR eine Vorstellung von diesen modernen Knüppeln
machen zu können, sind hier einige der miesesten und ihre Verbreitung dargestellt.
Anm.: Ich weiß, daß das Bild oben links nicht gerade sehr nett ist,
es soll aber verdeutlichen, daß Gummigeschosse usw. auf keinen Fall zu
unterschätzen sind.
Pfefferspray: wirkt sofort; erzeugt starke Haut- und Schleimhautreizungen sowie Erbrechen und Atemnot. Kann bei AllergikerInnen, AsthmatikerInnen und EpileptikerInnen zum Tode führen. Überall verbreitet.
Taser: Elektroschockpistole, die zwei Pfeile an Drähten
verschießt, über die dem Opfer Stromstösse zugefügt werden,
die einen so intensiven Schmerz am ganzen Körper verursachen, daß
es zur kurzzeitigen, völligen Lähmung kommt. Menschen mit Herzproblemen
und/oder unter Drogeneinfluss aller Art können im Extremfall sterben.
In den USA sehr verbreitet, in Deutschland für den Polizeidienst erprobt
und möglicherweise bald im Einsatz.
Geschosse: 1- Gummigeschosse in div. Grössen bis 40mm , 2- Bohnensäckchen, 3- Gummischrot klein, 4- Gummischrot groß, 5- Holzgeschosse ebenfalls bis 40mm. Verursachen im günstigsten Fall grosse blaue Flecken. Im schlechtesten Fall (wenn sie auf Kopfhöhe verschossen werden) können Treffer zu Erblindung, inneren Blutungen oder dem Tod führen. Gummigeschosse und seine Verwandten sind in aller Welt anzutreffen, da sie auch mit normalen Flinten verschossen werden können.
Granatwerfer: Abb. ist der deutsche standard „Mehrzweckwerfer“.
Verschießt Gasgranaten wie auch Schock- bzw. Blendgranaten. Wie in Evian
gesehen, wo ein Journalist gezielt beschossen wurde, können die Granaten
durch ihre kinetische Energie, aber auch durch ihre Explosion im schlimmsten
Fall ganze Körperteile abreißen oder die Person töten.
In verschiedenen Ausführungen überall auf der Welt anzutreffen.
Markierungsgewehr: verschießt Farbkugeln mit Leichtmetallummantelung. Soll zur besseren Identifizierung von Straftätern aus einer grossen Gruppe dienen. Verursacht ähnliche Verletzungen wie Gummischrot. Zur Zeit nur bei der Schweizer Polizei in Gebrauch.