| Das Projekt rock gegen rechts!?!" |
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Einige Jahre später hatte sich diese Bild schon verändert. Die Bands waren es leid, die immer gleichen Parolen zu vertonen, es war eh klar wo man stand, und warum sollte man über Selbstverständlichkeiten Kunst machen. Was einst als subversiv galt, war jetzt als platter Agit-prop" verschrien. In etwa zur gleichen Zeit änderten sich auch die Strukturen in der Kulturindustrie. Aus dem Gegensatz" zwischen den Majors und den Independent Labels wurden letztere zunehmend zu Tochter- oder Vorfeldfirmen der esteren. Damit wurde auch die Differenz zwischen Mainstream und Underground immer mehr durchlöchert. Doch noch ging alles seinen Gang.
Spätestens mit Rechtsrock als Ausdruck einer eigenständigen neofaschistischen Jugendkultur und dem Auftauchen von rechtsradikalen Tendenzen in immer mehr Subkulturen ist jedoch deutlich geworden, dass alte Selbstverständlichkeiten nicht länger gelten.
Die Folgen: In sog. Szeneläden" bewegen sich Rechtsradikale. Konzerte werden abgesagt, weil man das Auftauchen Rechtsradikaler befürchtet. In Jugend-zentren droht ein antifaschistischer Konsens in Vergessenheit zu geraten.
Aber um nicht komplett schwarz zu malen: Es tut sich was. In fast allen Subkulturen bilden sich Gruppen, die dieser Entwicklung Widerstand entgegensetzen. KulturveranstalterInnen und Jugendzentren sind unzufrieden und stellen sich die Frage, was man ändern kann, KünstlerInnen engagieren sich.
Das Projekt will diese Tendenzen aufgreifen und zu einer klaren Positionierung
bei allen Akteursgruppen gegen rechtsradikale Tendenzen beitragen. Dabei gehen
wir von zwei Voraussetzungen aus: Es kann erstens nicht darum gehen, einfach
die guten goldenen Zeiten" wieder zu beleben. Das ?" im
Projekttitel ist durchaus ernst gemeint. Selbstreflektion ist damit eine Voraussetzung
und ein Teil des Projektes. Zweitens muss ein solches Projekt auf eine langfristige
und nachhaltige Diskussion und Praxis abzielen. Das einzelne Event",
und sei es noch so groß, kann deshalb auch nur Ausgangspunkt oder zwischenzeitliche
Zusammenfassung sein. Gerade die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt,
wie schnell ein einmal gewonnener Stand an Erkenntnis und Position wieder verloren
gehen kann.
Der Kongress
Wir planen für den Kongress drei Schwerpunkte, die im folgenden kurz umrissen werden.
1. Ist Rock gegen rechts?
Rock gegen Rechts" meinte nicht nur die Benutzung von populärer
Musik als Propagandainstrument. Auf der einen Seite stand die Birmingham School
of Social Studies, sowie die Arbeiten zahlreicher Poplinken" mit
der These, dass Rock an sich gegen Rechts sei. Demgegenüber standen kulturkritische
Positionen wie die von Herbert Marcuse, der 1979 die Anfrage, beim Frankfurter
Festival Rock gegen Rechts" zu sprechen mit der Begründung ablehnte:
Rockmusik mit ihrem Starkult und ihrer Mythenbildung sei protofaschistisch."
Diese Auseinandersetzung erlangt vor dem Hintergrund neu entstehender rechter
Popkulturen Aktualität und wird daher den Ausgangspunkt unserer Diskussion
bilden.
Aber: We are living in a material world."(Madonna) Die klare Trennung von U" und M", die es in den 70er und 80er Jahren gab, bot immer wieder die Möglichkeit zu progressiven Tendenzen in der Popkultur. Diese Trennung wurde in den letzten 10 bis 15 Jahren zunehmend aufgehoben. Kleine und unabhängige Labels wurden mehr und mehr von den Majors geschluckt. Mittlerweile ist es obligatorisch, eine Abteilung Subkultur" zu präsentieren. Es interessieren uns daher als zweites die Veränderungen in der Kulturindustrie.
2. Rechtsrock
In einem zweiten Block werden wir uns Phänomenen rechter Musikkultur nähern. Dabei werden wir uns nach einer Bestandsaufnahme verschiedener Stile und Ausdrucksformen der Frage zuwenden, in wie weit wir es hier mit einer neuen Subkultur oder mit einem radikalisierten Mainstream zu tun haben.<br>Ist diese Entwicklung Resultat bewusster Strategien rechtsextremer Gruppen oder autonomer Reflex auf gesellschaftliche Veränderungen?
3. Kulturinitiativen gegen Rechts
In einem dritten Block werden wir Initiativen zu Wort kommen lassen, die sich
gegen rechtsradikalte Tendenzen wehren. Uns interessieren die Beweggründe
und Erfahrungen von KonzertveranstalterInnen, von KünstlerInnen und Initiativen
in den Subkulturen, die sich mit ihrer Arbeit gegen Rechtsradikalismus positionieren.
If the kids are united - they will never
be devided!" Ein Festival gegen Nazis und rechte Musikkultur; die Idee
ist nicht neu und wir sind nicht die ersten, die probieren auf diesem Wege Kontrapunkte
zu setzen und Inhalte mit Spaß zu verbinden. Trotzdem stellen wir uns
nicht unkritisch in die Tradition bisheriger Rock gegen Rechts"-Veranstaltungen,
sondern wollen mehr als das Bekenntnis einiger Popstars" gegen Nazis.
Das Festival soll als Großereignis (pro Tag ca. 5000 BesucherInnen) nach außen wirken und durch die gemeinsame Positionierung der verschiedenen Szenen und KünstlerInnen zeigen, daß wir zusammen Spaß haben und was verändern können und wollen.
ROCK
Inwieweit Rock" an sich fortschrittlich ist oder ob Nazis
Pop sind" (Burkhard Schröder) wird den thematischen Ausgangspunkt
des rock gegen rechts!?!"-Kongresses bestimmen. Die Praxis"
stellen wird uns als facettenreiches Aufeinandertreffen" verschiedener
(Sub-) Kulturen vor. Das Bühnenprogramm präsentiert ein breites Spektrum
musikalischer Stile, politische (Rede-) Beiträge von KünstlerInnen
und antifaschistischen, antirassistischen Gruppen und Initiativen machen die
Diskussionsprozesse des Kongresses transparent, beleben sie und entwickeln sie
weiter. Musik als verbindendes Element!
GEGEN
Mit dem Festival sollen verschiedene Probleme der Popkultur aufgebrochen werden. Immer wieder wird die Kritik an neofaschistischen Tendenzen in den jeweiligen Subkulturen als Angriff auf die gesamte Szene interpretiert und als Folge relativiert und verharmlost. Wir jedoch wollen gemeinsam Kultur leben, gestalten und bestimmen. Wagen wir deshalb den Versuch, die verschiedenen (Sub-) Kulturen an einem gemeinsamen Ziel zusammen zu bringen: Good night, white pride! Schwarz statt Braun! No historical backspin! Nazis raus! Solidarität geht vor! Das heißt für uns auch, dass weder die KünstlerInnen noch die VeranstalterInnen finanziell profitieren und der Zutritt gratis ist, um möglichst vielen Menschen beteiligen zu können. Mögliche Überschüsse sollen in politische Arbeit fließen. Die gesamte inhaltliche und organisatorische Gestaltung wird ebenfalls (weitestgehend) einen solidarischen und keinen herkömmlich kommerziellen Charakter tragen.
RECHTS
Alltäglich finden in Deutschland rassistische Angriffe und Gewalttaten statt. Gesellschaftlicher und struktureller Rassismus ist spürbar und sichtbar. Der Rechtsruck macht auch vor der populären Musikkultur nicht halt: Längst sind eigene rechte Jugendkulturen entstanden. NeofaschistInnen unterwandern gezielt bestehende Subkulturen. Die sogenannte Neue Deutsche Härte hat als Ausdruck neuen nationalen Selbstbewußtseins Eingang in den Mainstream gefunden.
!?!
Wie gesagt: Wir wollen mit dem Festival eine gemeinsame Positionierung von KünstlerInnen und AkteurInnen gegen diese Entwicklung. Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht!! Darum wollen wir auch Dich / Euch dabei haben!
CHASE THE FASCISTS OUT OF TOWN!