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Der linksradikale Initiative zur Beendigung der studentischen Epoche
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![]() Uni-Politik: Alte Wege, Neue Wege, aber Wohin ? Und Warum? |
Der linksradikale Studierende - nach Überzeugung der meisten ihr zugehörenden
Exemplare eine allmählich aussterbende Gattung. Dieser Endzeitstimmung
entsprechend, sind auch die diversen in diesen Kreisen beliebten Beschäftigungen.
Für die interessierten sind im Angebot:
Der wegen rapide sinkendem Angebot immer weniger Gelegenheit zum Zeittotschlagen gebende Besuch der so genannten kritischen Seminare, im Privaten beliebig erweiterbar durch die für Außenstehende etwas mysteriösen Lesekreise oder Theoriegruppen, die sich aus den fleißigsten Teilnehmern der erwähnten Seminare rekrutieren. Häufig wird auch gleich ein zwar nicht so bezeichnetes, aber dennoch als solches fungierendes berufsvorbereitendes Praktikum gratis mitgeliefert, indem die betreffenden Studenten sich der Vorbereitung der kritischen Seminare widmen. Der Uni-Betrieb ist von diesen Studenten längst schon aufs Gründlichste und Erbarmungsloseste durchschaut, umso beruhigter und gelassener lässt es sich dann in dessen letzten Nischen bequem machen.
Ein zweites Grüppchen, das zwar eine Schnittstelle mit dem ersten bildet, dennoch mit diesem nicht identisch ist, mag sich mit dieser Beschränkung auf Theorie nicht zufrieden geben. Es drängt zur Praxis und legt dabei überraschenden Eifer und Ausdauer an den tag. Überraschend, weil diese Aktivisten unversehens immer wieder bei den von der Tradition überlieferten Formen des studentischen Protests landen, sich aber von ihren historischen Vorbildern in einem nicht unwesentlichen Punkt unterscheiden: Bildeten die linken Studenten einstmals noch die Avantgarde, die Inhalt und Richtung des Protestes vorgab und eine nicht ganz unerhebliche Menge an Gefolgsleuten hinter sich herzog, muss diese Avantgarde heute auch noch ihre eigene Masse bilden, da die meisten Studenten durchaus ausbildungswillig sind und eher den Strukturveränderungen an den Unis vorauseilen als umgekehrt. Die Metapher von den historischen Ereignissen drängt sich auf, die einmal als Tragödie geschehen und dann als Farce wiederkehren. Auch von studentischen Folkloregruppen ließe sich sprechen: Von der zeit offensichtlich überholt, werden Protestformen als Rituale immer und immer wieder inszeniert. Adressaten, die solchem Protest gewicht beimessen würden oder ihr handeln von diesem auch nur geringfügig beeinflussen ließen, existieren nicht. Man lässt die Protestler gewähren, bittet sie nur zwischendurch, dass sie doch auf das Beschmutzen der Wände der Uni-Gebäude mit Farbe verzichten mögen _ sie seine doch auch sonst ganz liebe Menschen.
Die beiden oben genannten Gruppen zeichnen sich noch dadurch aus, dass sie der Realität angemessen ihrem Treiben nicht mit dem Eifer von Barrikadenkämpfern in der Hochphase der Revolution nachgehen, sondern selbst für gewöhnlich eine gewisse Lust- und Perspektivlosigkeit an den Tag legen, sich also gewissermaßen im Wartestand auf bessere Zeiten befinden und die zeit bis dahin irgendwie mit linker Beschäftigung füllen wollen. Besonders nach der jeweils erneut verlorenen Schlacht sind sie umstandslos bereit ihre Rückzugsgefechte für studentische Partikularinteressen auch als solche zu begreifen.
Anders sieht es mit einem dritten Grüppchen aus _ weil es vielleicht
mittlerweile das größte ist, kann man auch von einer Gruppe sprechen
-, das die großen Zeiten schon beinahe gekommen sieht und sich auch benimmt,
als ob vorrevolutionäre Zeiten hereingebrochen seien. Jede Missfallensäußerung
eines x-beliebigen Studenten über sein Studium, die Uni, seine finanzielle
Lage, sein Leben wird mit Heißhunger als Ansatzpunkt für propagandistische
Agitation aufgenommen, für ein Zeichen, wie sehr die Verhältnisse
schon am Kippen seien. Die Massen sind schon da, man muss sie nur mobilisieren,
in Bewegung setzen, ihrem Unmut ein Ziel geben. Wir da unten müssen ja
nur die da oben von ihren Machtsesseln entfernen, dann wird alles gut. Angespornt
wird diese Gruppe von den Kämpfen, die sie an jedem noch so abgelegenem
Ort der Erde für sich entdeckt, irgendwie gehts ja selbst in Tora-Bora
noch um die Abschaffung des Kapitalismus. Vorzugsweise verweist man aber auf
die Städte, in denen sich anlässlich internationaler Politiker- oder
Wirtschaftstreffen ein paar Zehntausend oder Hunderttausend Menschen für
die Rückkehr des alten Sozialstaatsmodells auf der Straße eingesetzt
haben. Der Vernunft sind die Vertreter dieser Richtung erfahrungsgemäß
nicht zugänglich, jeder Widerspruch und jedes Argument wird nur als Aufforderung
verstanden, ihren Missionseifer noch zu verstärken.
Schließlich bleiben noch jene Studenten, die politische Aktivität
an der Uni generell als unerquicklichen Teilbereichskampf verstehen und deswegen
ihre linksradikalen Aktivitäten vollständig außerhalb der Universitäten
ansiedeln. Wie es denen dann ergeht ist ein anderes Thema. Allerdings dürften
Studenten dieser art ohnehin den geringsten Anteil der geringfügigen Linken
an den Unis darstellen.
Was fast allen gemein ist, die in diese Gruppen fallen und das sind alle,
die sich als Linke verstehen und mehr oder weniger regelmäßig zur
Uni kommen ist ihr affirmatives Selbstverständnis, Student oder
Studentin zu sein. Dies ist nur ein Zeichen, für die Bereitwilligkeit,
- und das betrifft nun wirklich alle zur Identifikation mit der ihnen
zugewiesenen Position innerhalb des gesellschaftlichen Ganzen, welche nicht
unbedingt die schlechteste ist. Das ganze zu negieren und zu denunzieren, wie
es notwendig wäre, wäre damit aber die Negation ihrer selbst und zumal
ihres objektiven Konkurrenzvorteils. Das verinnerlichte kapitalistische Prinzip
des marktkonformen ,,Hauen Jahre qua ritualisierter Demonstrationen und Besetzungen
_ kann nicht viel mehr als Kritik am Bestehenden zulassen, um durch Appelle
an oben, den Abstand nach unten zu sichern. Dass dabei nicht viel Emanzipatorisches
übrig bleibt, soll dann durch pseudo-revolutionäre und autoritäre
Agitationsversuche gegenüber KommilitonInnen und anderen BürgerInnen
oder durch liberalistisch-herablassende Solidarisierungen mit ,,unseren muslimischen
Kommilitoninnen und Kommilitonenin erhitzten Disputen positiv aufs studentische
Gewicht für (den Standort) Deutschland zu beziehen, sich also auf die internationale
Konkurrenz einzuschießen, ist dabei z. Zt. eher verpönt. Von sich
als den Studierenden, von denen das wohl und wehe der Welt ganz besonders abhinge,
zu sprechen, ist dagegen durchaus verbreitet.
Wer sich jedoch auf ein so unsicheres Kollektiv wie Studierendehungel der zweiten natur lieber auf sich selbst und auf den guten Ratschlag aus dem ersten Semester: kritisch zu sein. So werden kritische Seminare und kritische Tutorien besucht oder gar kritische AK`s zu kritischen Themen organisiert, wie z.B. obligatorische Protest-AGs ,,Kritische Wissenschaftier stellt man dann überrascht fest, dass Hochschule und Gesellschaft in einem ,,dialektischen Verhältnishen und dass das gar nicht gut ist, weil die Gesellschaft nicht gut ist. Also werden noch mehr kritische Seminare und kritische Bücher an der Uni gefordert, um die Gesellschaft noch besser kritisieren zu können, anstatt die Uni als konsequenten Ausdruck dieser Gesellschaft mit ihr abschaffen zu wollen. Die unablässliche Kritik, die nicht mal unbedingt konstruktiv sein will, weil sie die Frage ,,wofürrofilierung, um sich das wissenschaftliche Pöstchen zu sichern oder die eigene Stellung innerhalb der Linken und gegen andere Linke zu festigen.
Selbst wenn Universitäten einst dem Verwertungsinteresse nicht vollständig unterworfen gewesen sein sollten, ist dieser bereich spätestens durch die Popularisierung im Zuge der 68er-Studentenbewegung in die Logik des Kapitals integriert worden. Mit den Massen, die seit Ende der 60er in den Hochschulen auf Verwaltungsaufgaben vorbereitet wurden, setzte sich der in ihren Köpfen sedimentierte Abdruck der objektiven Verhältnisse als positivistische Wissenschaft in vielen Varianten durch. Die objektiven Herrschaftsverhältnisse erschlugen somit jegliche Möglichkeit all jener Gedanken an den Universitäten, die versuchten, der herrschenden Totalität eine Annäherung an die Wahrheit im Sinne Adornos entgegenzusetzen.
Die Forderungen nach Demokratisierung erfüllten und erfüllen somit nichts weiter, als die Zementierung des Bestehenden, weil sie eben keine Herrschaftsfreiheit sondern die perfekte Form der anonymen Herrschaft darstellt. Das blinde Festhalten an den Normen der Bildung und Wissenschaft, wie sie einst z.B. von W. v. Humboldt gegen direkte Herrschaft aufklärerisch formuliert wurde und heute gerne mal vom Verfassungsgericht gegen die Asten in Anschlag gebracht wird, ignoriert beflissentlich ihre gesellschaftliche Bedingtheit und Realität, zumal in der institutionalisierten Form ,,Hochschule jener um so bedingungsloser zu. Den Prozess der Demokratisierung wieder rückgängig machen zu wollen, wäre dagegen nur ein reaktionärer, wenn auch unter Umständen gesellschaftlich notwendiger, Verteilungskampf um die Vorteile, die Hochschulen in Bezug auf die Schlacht um den gesellschaftlichen Misthaufen versprechen. Die Universität war nie ein Ort, der sich gegen bestehende Herrschaft richtete und wird nie ein solcher sein.
Wer das Vorgetragene nun als unzulässige Pauschalisierung oder als Miesmacherei ablehnen will, dem sei gesagt, dass wir derartige Vorwürfe vehement zurückweisen und durchaus standhaft behaupten, dass das gesagte schon seine Richtigkeit hat. Die Lage der Linken nicht nur aber auch an den Unis ist so mies, wir brauchen u s gar nicht anstrengen, es noch schlimmer zu darzustellen, und die links inspirierten Aktivitäten dort sind durchweg perspektivlos, sind entweder Beschäftigungstherapie oder illusionärer Aktivismus. Worauf es ankäme, wenn überhaupt für die Linke an den Unis noch was zu ,,holensollte, wäre die nüchterne Besinnung auf diese objektiv verzweifelte Lage, weiter der verzicht, den realen Verhältnissen durch Anpassung hinterherzulaufen, schließlich die öffentliche Denunzierung der rundweg als schlecht erkannten Verhältnisse. Wird man deswegen dann als ,,Vertreter der reinen lehresollte dies als Hinweis aufgefasst werden, dass man auf dem richtigen Weg ist. Auf besserem jedenfalls, als wenn man des Mitmachens zuliebe die Grundsätzlichkeit des eigenen Anspruchs unter den Tisch fallen lassen würde, z.B. indem man bessere Unis forderte, anstatt sich für deren Abschaffung einzusetzen. Diejenigen, die das tun, enden praktisch nur in der Ununterscheidbarkeit und sind weniger ,,radikale Linketierende Studenten. Und das scheint der ganze Aufwand dann doch nicht wert. Dem ist erfolgreich studieren und reich werden durchaus vorzuziehen.