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Einige subjektive Eindrücke vom 15.12. in Brüssel. Ganz ohne irgendeinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Die zwei anarchistischen Demos
Eigentlich gab es am 15.12. zeitgleich gleich zwei anarchistische Demos. Neben der explizit anarchistischen Demo, die vom Centre Libertaire organisiert worden war, gab es auf dem "Peace-March" einen Aufzug europäischer Anarcho-SyndikalistInnen, der mit rund 1.000 Leuten den größten und lautstarksten Block innerhalb dieser Demo darstellte. Angereist waren u.a. Anarcho-SyndikalistInnen aus Frankreich, Spanien, Belgien, Schweden, Deutschland und Griechenland. Der Block war bereits geplant gewesen, bevor die Idee zu einer anarchistischen Demo entstand, von der noch dazu niemand damit gerechnet hatte, dass sie so groß werden würde. Das führte zu der etwas absurden Situation, dass manche anarcho-syndikalistischen Gewerkschaften sich aufteilten, um an beiden Demos teilnehmen zu können. Aber immerhin, es waren so viele Leute da, dass beides ging und später traf man sich dann ja wieder.
Unified Street Party
Die Street Party am Nachmittag des 15.12. war eine Glanzleistung in polizeistrategischer Fehlplanung. Während sich die Polizei darauf eingerichtet hatte, die Party von Anfang an einzukreisen, konnte sie nicht verhindern, dass praktisch zeitgleich zum einen viele TeilnehmerInnen der anarchistischen Demo sich der Party anschlossen und mehrere Metros voll mit Leuten vom "Peace March" am Gare du Midi eintrafen, um an der Fete teilzunehmen. Angesichts des plötzlichen Auflaufs von mehr als 4.000 Leuten, blieb der Polizei dann nichts anderes übrig, als halbwegs gute Miene zum bösen Spiel zu machen und die Street Party stundenlang durch die Stadt ziehen zu lassen und so den DemonstrantInnen einen ausgelassenen und lautstarken Ausklang eines ereignisreichen Tages zu bescheren.
Und alle sind's zufrieden?
Irgendwie scheinen alle zufrieden mit den Tagen von Brüssel zu sein. Wir,
weil der "Genua-Schock" und die "11.9.-Paralyse" mit der
erfolgreichen Durchsetzung der Demonstrationen ad-acta gelegt ist. Außerdem
hat sich in Brüssel gezeigt, dass ein wenig Glasbruch am Rande der Demos
kein Grund für unsinnige Nervereien untereinander sein muß. Die Gegenseite
scheint es auch mit Fassung zu tragen;
der belgische Ministerpräsident tönte im Fernsehen, dass Brüssel
bei weitem nicht so schlimm war, wie Göteborg und Genua (als ob es darum
jemals gegangen wäre...) und klopft sich auf die Schulter. Rund um den
Gipfelrummel von Brüssel ist ein wenig untergegangen, dass die ArbeiterInnen
von Sabena die Konzernzentrale besetzt haben und es in Frankreich am Wochenende
vielerlei Aktionen gegen die Scheißjobs bei McDonalds gab. Es gibt also
auch vor Ort viel zu tun und die vielen neuen Kontakte im englisch-französisch-spanisch-deutschen
Sprachgewirr auf den Straßen und in den Kneipen Brüssels werden sicherlich
dazu führen, dass wir einen Schritt weitergekommen sind in der Globalisierung
des Widerstands gegen die kapitalistische Verwertungsmaschine.