Filmriss
Kino im Alhambra


Sonntag, 06.02.00, 20.00 Uhr, PFL

Die Liebenden von Pont-Neuf

Buch und Regie: Leos Corax Kamera: Jean-Yves Escoffier Musik: Les Rita Mitsouko, David Sowie, Iggy Pop, Arvo Port Darsteller: Juliette Sinoche, Denis Lavant, Klaus-Michael Grüber Produktion; Gaumont 125 Min, Farbe, dtF

Er ist arm, sie ist krank. Ihre Liebesgeschichte spielt bei den Clochards unter den Brücken von Paris. Michele malt wie besessen, um möglichst viel auf Papier einzufangen, bevor sie ganz erblindet. Alex ist Feuerschlucker und verliebt sich in Michèle auf der Pont-Neuf, wo beide ein Refugium gefunden haben. Bei einem gigantischen Feuerwerk über Paris betrinken sie sich mit Liebe und mit schlechtem Wein und erleben eine kompromißlose, absolute Leidenschaft. Zwischen Traum und Wirklichkeit scheinen Michele und Alex füreinander bestimmt. Sie halten sich fest in heftigen Umamungen, sind sich gegenseitig Bedrohung und Erlösung. Rausch und Wahn der “Amour fou“ erleben sie, während am Himmel die Feuerwerkskörper der 200-Jahr-Feier der Französischen Revolution explodieren.
“So heftig und eruptiv, so extrem und radikal, und dann wieder so zerbrechlich und vorsichtig, wie sich die Begegnung von Alex und Michèle gestaltet, so ist auch der Film in seiner Erzählweise. Carax konstruiert Bilder von aufwühlender physischer Direktheit, zeigt die hermetische Welt der beiden Liebenden als Abbild einer an sich selbst kranken Zivilisation: für die Liebe zweier Menschen scheint es in dieser verrotteten und verkommenen Welt kaum noch Hoffnung auf eine Zukunft zu geben.“
(Horst Peter Koll, film-dienst 13/92)


Samstag 19.2.00, 20.00 Uhr, Zimmerei Schiebenkamp, Osternburg

Spur der Steine

DDR 1966 Länge: 139 Minuten Regisseur; Frank Beyer Drehbuch/Autor: Karl-Georg Enge!, Frank Beyer nach dem gleichnamigen Roman von Erik Neutsch Kamera: Günter Marczinkowsky Darsteller: Manfred Krug, Krystyna Stypulkowska, Eberhard Esche, Johannes Wieke, Walter Richter-Reinick, Hans-Peter Minetti

Brigadier Hannes Balla ist der ungekrönte König auf der Baustelle in Schkona. In seiner Brigade stimmen Leistung und Prämien, weil er sich nicht an die sozialistische Planwirtschaft hält, auf eigene Faust fehlendes Material besorgt und nach eigenem Gusto die Schichten festlegt. Als zwei »Neue«, die Technologin Kati (K. Stypulkowska) und der Parteisekretär Horrath (E. Esche), auf der Baustelle auftauchen, gibt es Probleme. Besonders mit dem auf Disziplin versessenen Horrath legt sich Balla lustvoll an. Hannes Balla, der von Manfred Krug hinreißend vital und nuanciert gespielt wird, war natürlich im Jahr 1966 kein der Partei genehmes Leitbild. Die unverhohlene Kritik an bürokratischer Schlamperei und der Unfähigkeit vieler Parteikarrieristen, der Aufruf zu mehr Offenheit, Selbständigkeit und Vertrauen taten ein übriges. Der Film, der schon für das Festival in Karlovy Vary (Karlsbad) gemeldet war, war kaum in den Kinos, da schickte die Partei Störtrupps in die Vorstellungen. Die so organisierte Unruhe wurde als »gesunder Protest der arbeitenden Bevölkerung« deklariert und der Film zurückgezogen. Erst nach der Wende kam er erneut heraus, wobei sich erwies, daß er die Zeit gut überdauert hat. Auch heute noch überzeugen das intelligente Drehbuch, die präzise Regie, die illusionslose Milieuschilderung in spröden schwarzweißen Scope-Bildern und die vorzüglichen darstellerischen Leistungen. Es gehört gleichfalls zu den Vorzügen des Films, daß seine menschlichen Konflikte vor einem veränderten politischen Hintergrund glaubwürdig bleiben.