Antifa aktuell
Stuhr - 700
Nazis wollten feiern
Rund
700 Nazis wollten am 11.11. als Karnevalverein getarnt
in einer Gaststätte in Stuhr (Kreis Diepholz) einem Konzert (wahrscheinlich
der Band "Stahlgewitter") lauschen. Doch nachdem 300 Bullen auf Drängen
der Gaststättenbesitzer einschritten, räumten die Nazis mehr oder
weniger freiwillig den Saal.
Oldenburg -
Bullenstaat
feat. Schröder
Als der
Kanzler am 13.11. das Horst-Janßen-Museum in OL einweihen wollte, waren
nicht nur bundesweite Medien anwesend, sondern auch allerlei Büttel der
Polizei. Als mehrere Linke Flugis gegen Rot-Grün verteilen wollten, schlugen
die Büttel zu. 6 Menschen wurden auf der Grundlage" des Niedersächsischen
Gefahrenabwehrgesetzes mehrere Stunden bis zum Ende der Feierlichkeit"
im 1. Polizeirevier eingeknastet.
Ach ja: Einige
Zeit vorher waren 3 Nazis samt Fahne in der Nähe des Museums. Diese wurden
von der Polizei allerdings nur mit Platzverboten belegt und konnten ihrer Wege
ziehen.
Deutschland
- ...muss
sterben, damit wir leben können!
Das Kultlied
Deutschland muss sterben" der in die Jahre gekommenen Hamburger Punkband
Slime" ist nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts Kunst. Es handele
sich erkennbar um eine plakative, drastische Kritik mit satirischem Einschlag
an gesellschaftlichen und politischen Zuständen in Deutschland". Dies
sei durch die Freiheit der Kunst erlaubt, urteilte das Gericht gestern und hob
damit einen gegenteiligen Beschluss des Berliner Kammergerichts auf. In dem
Song heißt es: Wo Faschisten und Multis das Land regiern, wo Leben
und Umwelt keinen interessiern, wo alle Menschen ihr Recht verliern, da kann
eigentlich nur noch eins passiern: Deutschland muss sterben, damit wir leben
können. ..". Die Richter erinnerten an Heinrich Heines Gedicht Die
schlesischen Weber" von 1844, in dem es heißt: Deutschland,
wir weben dein Leichentuch" und Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
wo nur gedeihen Schmach und Schande".
Kerkrade/Niederlande
- Deutscher
Nazi kandidiert
Der deutsche
Nazi Christian Malcoci will als Spitzenkandidat der faschistischen NVU (Nederlandse
Volks Unie) an den Gemeinderatswahlen 2002 im niederländischen Kerkrade
(bei Aachen) teilnehmen. Malcoci war bereits in den 80er Jahren im Raum Neuss
als Führungskader der inzwischen verbotenen FAP aktiv. Seit geraumer Zeit
betätigt er sich nun im Umfeld der Freien Kameradschaften",
wo er u.a. für die Organisation und Durchführung von Neonazi-Aufmärschen
zuständig ist. Malcocis Ehefrau Marie-Luise betreibt in Wassenberg (Kreis
Heinsberg) bei Moenchengladbach den rechtsextremistischen Thule Multimedia
Verlag". Die Überlegung, zum Kerkrader Gemeinderat zu kandidieren,
stand bereits in der Vergangenheit unter Aktivisten der neonazistischen Sauerländer
Aktionsfront" (SAF) im Raum. Die SAF unterhält beste Kontake sowohl
zu Christian Malcoci als auch zu den niederlaendischen Neonazi-Strukturen. Erst
im Sommer dieses Jahres haben ca. 60 Nazis aus diesen Kreisen im niederlaendischen
Echt (bei Roermond/ Heinsberg) versucht, einen Rudolf-Hess-Gedenkmarsch"
durchzuführen.
München
- Tanzverbot
für Antifa
Während
3 000 Menschen dem Aufruf eines Bündnisses von über 40 Organisationen
- von der Antifa über die PDS bis zur SPD, folgten, um ihren Protest gegen
Neonazis zum Ausdruck zu bringen, dürften Antifas nicht tanzen. Kurzfristig
hatte das Kulturreferat der Stadt auf Druck der Polizei ein für 25.11.
geplantes antifaschistisches Jugendfestival im »Jugendzentrum IG Feuerwache«
verhindert. Mit der Begründung, bei der veranstaltenden Gruppe handle es
sich um Linksextremisten, war die Veranstaltung zwei Tage vor der geplanten
Party verboten worden. Die VeranstalterInnen von der Gruppen »Antifaschistisch
kämpfen München« erklärten hierzu: »In Anbetracht der
Tatsache, daß sämtliche Offiziellen der Stadt München sich momentan
in ihren Bemühungen überschlagen, Reden bei antirassistischen Kundgebungen
zu halten, stehen wir dem Verbot unserer antirassistischen Jugendparty mit Unverständnis
gegenüber.« Der Stadt geht es bei den Demonstrationen vor allem darum,
einen Imageverlust zu verhindern.
Schwerin/Bremen
- Demo gegen Abschiebung
Gegen
die für den 27.11. geplante Abschiebung des nigerianischen Menschen-rechtlers
Akubuo Anusonwu Chukwudi haben am Wochenende mehrere 100 DemonstrantInnenen
in Bremen und Schwerin protestiert. Der Mitinitiator des bundesweiten Netzwerks
Die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und Migranten"
war am vergangenen Montag in Bremen festgenommen und in Abschiebehaft nach Bützow
im Landkreis Güstrow gebracht worden. In Schwerin hatten nach Angaben der
OrganisatorInnen etwa 250 Menschen aus mehreren Bundesländern, darunter
Flüchtlinge, antifaschistische Gruppen und SympathisantInnenen, mit einem
Marsch vom Innenministerium zum Schloss gegen die Ausweisung des in Nigeria
bedrohten Systemkritikers protestiert. An der Kundgebung in Bremen hatten sich
fast 400 Menschen beteiligt. Auch vor der JVA Bützow forderten DemonstrantInnen
gestern mit einer Mahnwache die Freilassung von Akubuo.
Bremen - Nazi
baute Bombe
Die Bremer
Polizei hat am 1.11. einen 21-jährigen Nazi festgenommen, der offenbar
einen Bombenanschlag auf eine AsylbewerberInnenheim geplant hatte. Nach Angaben
der Ermittler wurden in seiner Wohnung fast 100 Gramm hochbrisanter Sprengstoff"
(Acetonperoxid), eine selbstgebaute Rohrbombenhülle sowie Metallscheiben
sichergestellt. Aus diesem Materialien wollte er offenbar eine Art Splitterbombe
herstellen, die nach Angaben von Kripochef Eckard Mordhorst in einem Umkreis
von 30 Metern erhebliche Beschädigungen und eine Gefährdung
von Menschenleben" verursacht hätte. Das Bremer Amtsgericht erließ
gegen den Mann Haftbefehl wegen Vorbereitung einer Sprengstoffexplosion".
Der Verhaftete ist Mitglied der Kameradschaft Bremen-Nord". Der 21-Jährige
fiel den Fahndern zuletzt auf, als er im August gemeinsam mit zwei anderen jungen
Männern Plakate zum Todestag des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß
geklebt hatte. In seiner Wohnung wurde damals rechtsradikales Propagandamaterial
gefunden.
Berlin - Ein
normierter Aufstand der Anständigen
Der 9.
November ist ingeordneten" Bahnen verlaufen: 200.000 Leute versammeln
sich rund um das Brandenburger Tor. Pfiffe gegen Stoiber, PolizistInnen gegen
Antifa-Plakate, aber alle gegen Neonazis. Der Bundestag gedenkt der Opfer der
Pogromnacht. Damals sei weggesehen worden aus Angst, aber auch aus Gleichgültigkeit,
kritisiert Bundestagspräsident Thierse. Nun gelte es gegen Rechtsextremismus
Solidarität zu zeigen. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm
(CDU) gibt zu bedenken, es gebe zahlreiche Bürger, die sich gezwungen fühlten,
an der Veranstaltung teilzunehmen. Man müsse in Deutschland zu einer Sache
Nein" sagen können. Eine kleine Gruppe von acht Christen schweigt
fünf Minuten vor der Synagoge, um den Bau symbolisch zu schützen.
Der Ort, an dem der Zug beginnen soll, ist bereits abgesperrt. Straßenbahnen
werden umgeleitet. Die Polizei hat auf den Einsatz von Wasserwerfern und ähnlichem
Gerät verzichtet. Es habe im Vorfeld keine Anzeichen für Krawalle
gegeben. Aus den Boxen des Preußen-Pilsner-Standes trällert der Hit
Zieh dich aus, kleine Maus". Gegenüber dreht sich ein ganzes
Schwein am Spieß. Penibel kontrollieren zwei Beamte einen 74-Jährigen,
der mit einem Schild gegen das Sinken seiner Rente protestieren will. Wir
gehen auf Nummer sicher", erklärt ein Beamter. Auch ein Aufstand hat
in geordneten Bahnen zu verlaufen. Bundespräsident Rau und Bayerns Ministerpräsident
Stoiber betreten die Synagoge durch den Hintereingang: Polizei und Verfassungsschutz,
die Instrumente des Staates, müssen eingesetzt werden", sagt Stoiber.
Rau, Friedman, Thierse und Schröder legen Kränze nieder. In den Zufahrtsstraßen
stehen Demonstrationswillige frustiert herum. Die Polizei verweigert ihnen wegen
fehlender Demo-Pässe den Durchgang. Es ist eng, die Stimmung gereizt. Eine
Gruppe Jugendlicher trägt Plakate mit den Orginallogos der Parteien: Bleiberecht
für alle, CSU." Sprengt alle Abschiebeknäste, FDP".
Antisemitismus und Rassismus kommen aus der Mitte der Gesellschaft. Die
Mitte sind wir, SPD". Andreas Nachama begrüßt den Bundestagspräsidenten
und dankt der Grünen-Vorsitzenden Renate Künast dafür, dass sie
den Stein ins Wasser geworfen habe. Nachama begrüßt Edmund Stoiber.
Pfiffe. Dann strömen die Prominenten auf den freigehaltenen Platz, gut
abgeschirmt von Personenschützern. Grüne Ballons mit der Parole Nein
zu Neonazis" steigen in den Abendhimmel. Die Polizei zählt hier 40.000
TeilnehmerInnen. Zur Kundgebung der Antifa in Moabit haben sich mehr als 2.000
Menschen versammelt, deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. In einem Redebeitrag
der Demo-OrganisatorInnen wird der Deportation der Jüdinnen und Juden aus
Moabit gedacht. Gleichzeitig grenzt sich die Rednerin deutlich vom Aufstand
der Anständigen" ab. Wer von einer deutschen Leitkultur"
rede, sei kein Bündnispartner für antifaschistischen Protest.
Die ersten
Promis trudeln ein. Antje Vollmer kommt, die Fotografen und Kameramänner
stürzen sich auf sie. Am Rande der Bühne wird Edmund Stoiber interviewt.
Sabine Christiansen vermeldet 50.000 TeilnehmerInnen. Applaus. Durchsage: Der
Platz ist voll. Alle weiteren KundgebungsteilnehmerInnen werden aufgefordert,
sich von Westen her im Tiergarten zu versammeln. Stoiber erscheint auf der Leinwand.
Eine Menge ruft: Heuchler". Sabine Christiansen versucht zu beruhigen.
Die Antifa entrollt ein riesengroßes Transparent: Nazis morden.
Der Staat schiebt ab." Die Polizei reißt das Transparent herunter
und zählt 100.000 TeilnehmerInnen. Junge Leute projizieren den Spruch Nazis
morden, der Staat schiebt ab. Deutschland halt's Maul" an eine Hauswand.
Die Polizei beschlagnahmt den Projektor umgehend und nimmt zwei Jugendliche
fest. Gysi raucht Zigarette. Neben ihm sitzt Müntefering mit einem Zigarillo.
Die beiden lachen. Zehn uniformierte Polizisten gehen immer wieder gezielt in
die Masse und holen kritische Transparente herunter. Rau beginnt seine Rede.
Schröder, Fischer, Diepgen, Stoiber und Merkel zeigen auf der Bühne
ihre grimmigen Gesichter. Sie verziehen sie keine Mine, sondern klatschen nur
an den richtigen Stellen. In der U-Bahn sind Kontrolleure unterwegs. Sie stoppen
viele Schwarzfahrer auf ihrem Weg zur Demo. Die Polizei vermeldet 200.000 TeilnehmerInnen
am Brandenburger Tor. Dort erntet Paul Spiegel den größten Applaus,
als er Politiker für ihre fremdenfeindlichen und missverständlichen
Sprüche kritisiert.
Berlin - Nazidemo
gestoppt
Rund 3000
GegendemonstrantInnenen haben am 25.11. in Berlin den Abbruch eines NPD-Aufmarsches
erzwungen. Nach ersten Zwischenfällen löste die Polizei die Veranstaltung
auf und verfrachtete die Neonazis teils gewaltsam in Sonderzüge. Der Aufmarsch
von rund 1500 Nazis, die gegen das drohende Verbot der NPD in Berlin demonstrieren
wollten, wurde mittags abgebrochen und aufgelöst. Wegen der vielen GegendemonstrantIn-nen,
so teilte die Polizei um 15.18 Uhr per Lautsprecher mit, bestehe Gefahr
für die öffentliche Sicherheit sowie Leib und Leben der Teilnehmer".
Von knapp 4000 Bullen aus mehreren Bundesländern geschützt - und zugleich
bewacht wie ein Gefangenenstrafzug", befand der NPD-Vorsitzende Udo
Voigt -beschimpften sie die am Rande mitlaufenden Linken, die wiederum zurückschimpften.
Nahe des Alexanderplatzes dann: Flaschen, Steine und Leuchtkugeln flogen in
die Menge der NPD-Leute. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, verzichtete dann
aber darauf, den Rechten weiterhin mit Gewalt den Weg zu bahnen. Der Demonstrationszug
wurde in eine breite Gasse zwischen der Hochbahn und einem Geschäftshaus
geleitet, und dort stellte dann die Polizei per Lautsprecherdurchsage fest,
dass sie nicht mehr in der Lage sei, die Sicherheit zu gewährleisten.
Ha! Ha!