ANTIFA aktuell
Brandanschläge in Sachsan-Anhalt, 26.6.-28.6.
Alles begann gegen 2.00 Uhr morgens am 26. Juni, als in Halle / Saale, als zwei Neonazis vor dem Küchenfenster des linksalternativen, multikulturellen Zentrums Reilstraße 78 (R78) rumpöbelten, woraufhin das Fenster geschlossen wurde. Wenige Minuten später warfen die Täter einen Molotow Cocktail in dieses Fenster, wobei die Scheibe kaputt ging und ein Teil der Küche sofort in Brand geriet. Zum Glück konnte der Brand, da noch genug Menschen im Haus waren, wenige Minuten später gelöscht werden.
Zwar hatte das Feuer nur verhältnismäßig wenig Schaden angerichtet, dennoch konnte mensch es hierbei Selbstverständlich nicht belassen und so kam es gegen 20.30 Uhr zu einer Spontandemo. An dieser beteiligten sich bis zu 300 Menschen, bei der sich die Bullen trotz Böllern und Leuchtraketen zunächst zurück hielten.
Am Ende der Demo versuchten noch einige Antifas dem wenige Meter weiter gelegenen
Naziladen Way of Life" zu smashen, dessen Scheiben zu Bruch gingen.
Erst jetzt reagierten die Bullen und versuchten Leute rauszufischen, was aber
trotz Verfolgungsjagden nicht mehr gelang.
In der darauffolgenden Nacht, also am Morgen des 27.6. wurden auf dem Gelände
der R78 mehrer Hakenkreuze gesprüht und gemalt. Dies ist allerdings wenig
im Vergleich zu dem, was in dieser Nacht noch in anderen Städten geschah...
In der Nacht 27. 6.auf den 28.6. legten bisher unbekannte Täter in einem alternativen Jugendclub in Gardelegen (Nähe Magdeburg), welcher von linken und antifaschistischen Jugendlichen genutzt wird, einen Brand, dieser konnte leider nicht schnell gelöscht werden.
Die Täter waren über den Hinterhof eines angrenzenden Grundstücks auf das Gelände gekommen und drangen über ein unteres Fenster ein, an dem ein Gitter gefehlt hatte. Nachdem sie eine Playstation und ein Fernsehgerät aus dem Kinderbereich des Hauses gestohlen hatten, legten sie in den zwei Etagen Brände, die sich schnell verbreiteten.
Diese beiden Etagen sind nun schwer beschädigt und werden wohl nicht ohne eine Sanierung wieder benutzbar sein. Selbst die Bullen glauben nicht, dass es sich hier um einen simplen Diebstahl handelte, bei dem aus Spaß" noch ein Feuer gelegt wurde.
Außerdem sind erst vor kurzem bekannte Nazis im Haus gewesen, hätten
nach Bier gefragt und sich umgeschaut, sein aber schnell wieder weggewesen...
Auch eine Reaktion auf die Beschädigung des Neonaziladens in Halle, nach
einer Spontandemo am 27. Juni sei nicht ausgeschlossen...
Am Abend des 28. Juni gab es dann noch eine Antifa Spontidemo in Gardelegen, an der sich etwa 50 Leute beteiligten, erst gegen Ende, bzw. nach Auflösung kam es zu Zwischenfällen, als ein paar dumme Nazis die Antifas provozieren wollten, als Konsequenz mussten diese dann sehr schnell rennen.
Vermutlich als Antwort auf die 2 Brandanschläge in Halle und Gardelegen brannte in der Nacht des 28.6. der rechte Szenetreff Reinheitsgebot" in Magdeburg nach einem Brandanschlag fast vollständig aus, dabei gab es Sachschaden in Höhe von 200 000 Euro.
Bisher hat sich noch niemand zum Anschlag bekannt, aber an der Häuserwand war der Spruch: Antifa heißt Angriff" zu lesen..
Ach ja, am gleichen Abend gingen dann noch die gerade neu eingesetzten Scheiben im Way of Life" erneut zu Bruch.
Angriff auf Wagenburg Budendorf" in Osnabrück, 13.7.
Gegen 22.30 griffen etwa 40-50 Hools/Nazis das autonome Budendorf"
in Osnabrück an.
Nachdem vor einigen Wochen die Polizei das besetzte Haus in der Kokschen Straße
geräumt hatte und somit dringenst notwendiger Freiraum und auch Schlafraum
für u.a. Obdachlose zerstört worden war, wurde kurz darauf in der
Nähe des Jugendzentrums Ziegenbrink" (50meter Luftlinie) eine
provisorische Wagenburg eingerichtet.
An diesem Abend fand im Jugendzentrum paradoxer Weise eine Nazi-Party" statt. Nachdem zunächst lediglich BesucherInnen der Wagenburg angepöbelt wurden, als sie die sanitären Anlagen im Jugendzentrum aufsuchen wollten (es sind an diesem Ort lediglich diese Anlagen vorhanden), wurden gegen 22.00 Uhr 2 BesucherInnen von Faschos aufs derbste zusammengeschlagen. Als einzelne Personen von dem autonomen Budendorf ihnen zu Hilfe eilen wollten, wurden sie von etwa 40-50 Hools/Faschos mit Zaunlatten attackiert und mit Flaschen und Steinen beworfen.
Die Personen aus der Wagenburg konnten nur mit Mühe und Not eine Katastrophe verhindern, viele von ihnen erlitten Prellungen und Schnittverletzungen.
Und die Bullen? Die kamen (mal wieder) viel zu spät und nur mit insgesamt
30 Mann.
Die Nazis konnten nach ihrer Aktion ihre Party" ungestört fortsetzen
(angeblich standen nicht genügend Bullen zur Verfügung, um diese Veranstaltung
aufzulösen), während Personen aus der Wagenburg in Gewahrsam genommen
wurden.
Bullen lösen Nazi-Konzert in Elgersburg auf, 13.7.
Am Abend des 13.Juli 2002 wurde in Elgersburg (Thüringen) ein rechtsextremes Konzert von der Bullerei aufgelöst. Einer Zivilstreife waren rechtsextreme Parolen und Lieder aufgefallen. Als die Bullen das Konzert, das in der Gastwirtschaft Thüringer Hof", (an der Bundestrasse 88) stattfand, auflösen wollte, verbarrikadierten sich die Faschos und griffen die Ordnungshüter mit Flaschen, Biergläsern, Holzlatten, Bänken und anderem Mobilar an. 190 Cops waren nötig um der Lage Herr zu werden. Alle 160 Teilnehmer des Konzerts wurden einzeln mit Kabelbindern verschnürt festgenommen und auf den Bürgersteig gelegt. Das Konzert war von einem den Cops bekannten Neonazi als Geburtstagsfeier angemeldet worden. Gegen alle Teilnehmer des Konzertes wurden Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs eingeleitet - gegen allerdings nur sechs von ihnen auch wegen Widerstands gegen die Polizei, Verstoßes gegen das Waffengesetz und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
Erneuter Nazi-Aufmarsch in Leipzig, 13.7.
Nach dem Erfolg beim letzten Aufmarsch in Leipzig fühlten sich Worch und Konsorten ermutigt am 13.7. erneut zum Völkerschlachtdenkmal zu marschieren. Gegen 15:30 Uhr setzten sich ca. 250 Nasen vom Hauptbahnhof Richtung Völkerschlachtdenkmal in Bewegung, welches sie auch ohne weitere Schwierigkeiten erreichten. Die Nazis wurden durch ein massives Bullenaufgebot geschützt, dieses hatte - durch ausreichende Übung - die Lage annähernd komplett im Griff. Weiträumige Straßenabsperrungen ab ca. 1000 bis 1500 Meter vor dem Demozug, eine 3er Reihe Bullen um den Aufmarsch herum, sowie einem Vorraus-Kommando von Wasserwerfern, Räumpanzern und mehreren Hundertschaften machte ein Herankommen an den Aufmarsch so gut wie unmöglich.
Entlang der abgesperrten Demoroute fanden sich immer wieder größere Gruppen von 50 bis 100 Leuten, wobei es immer wieder zu kleineren Scharmützeln mit der zahlreich vorhandenen Bullerei kam. Die Zahl der GegendemonstrantInnen wurde auf insgesamt 600 geschätzt.
Hausdurchsuchung in Lüneburg, 16.7.
Am Dienstag, dem 16.7. fand in Lüneburg eine Hausdurchsuchung bei Olaf
Meyer, Mitglied der Antifaschistischen Aktion Lüneburg / Uelzen und der
Kurdistan Solidarität Uelzen, statt.
Als Grund für die Durchsuchung wurde ein Ermittlungsverfahren wegen eines
angeblichen Verstoßes gegen das Vereinsgesetz (PKK-Verbot) genannt. Die
Polizei war auf der Suche nach einem Transparent, auf dem das Symbol der verbotenen
kurdischen Befreiungsfront (ERNK) abgebildet gewesen sein soll.
Das Ermittlungsverfahren bezieht sich auf die Veranstaltung Verboten ist, den Frieden zu verbieten! 8 Jahre PKK-Verbot sind genug!" vom 20. Februar 2002 im Bunten Haus in Celle. Mit dieser öffentlichen Veranstaltung sollte die Notwendigkeit aufgezeigt werden, die Repressionen gegen kurdische Organisationen und PolitikerInnen zu beenden. Außerdem wurde über einen damals in Celle laufenden Prozess gegen einen mutmaßlichen PKK-Funktionär berichtet. Olaf Meyer trat bei dieser Veranstaltung als einer der ReferentInnen auf.
Während der Veranstaltung ist dabei auch ein Transparent mit der Aufschrift
Weg mit dem Verbot der PKK! Der kurdische Befreiungskampf lässt sich
nicht verbieten!" aufgehängt worden, welches nun zum Vorwand für
die aktuelle Hausdurchsuchung herangezogen wurde. Auf dem Transparent war zwar
ein Symbol der ERNK abgebildet, dieses ist jedoch deutlich überklebt gewesen:
Der 60 x 21 cm große Aufkleber trug die Aufschrift: Zur Zeit verboten".
Nach der Veranstaltung im 'Bunten Haus' behauptete der Celler Polizeichef Gerd
Schomburg in der Cellschen Zeitung", dass sich im 'Bunten Haus' "Staats-
und Verfassungsfeinde" und "linke und ausländische Extremisten"
getroffen hätten.
Ob es nun zu einem Verfahren gegen Olaf Meyer kommen wird, war zur Zeit noch unklar.
Botschaft Besorgter Bürger/innen in Wien Geräumt, 17.7.
Am Morgen des 17.7. wurde zwischen 6.20 Uhr und 7.00 Uhr in Wien der Container der Botschaft der Besorgten BürgerInnen" (BBB) am Wiener Ballhausplatz (das ist direkt gegenüber von Kanzleramt und Präsidentschafts-Kanzlei) von der Firma Nemeth - Transporte und Großmulden" mit Begleitung der Ordnungshüter (Burghauptmannschaft) geräumt.
Die BBB wird von Betroffenen betrieben, die sich durch die derzeitige Regierung (FPÖ/VP) nicht vertreten fühlen.
Die Botschaft dient als Drehscheibe, Treffpunkt und Ausgangspunkt für viele Aktionen gegen die Blauschwarze Regierung. Sorgen und Anregungen können an die BBB gerichtet werden, die diese EntscheidungsträgerInnen im In- und Ausland weiterleitet. Die BBB ruft alle Leute auf, sich als BotschafterInnen zu betätigen, indem sie diese ständige Vertretung benachrichtigen oder/und mitgestalten. Die BBB ist überparteilich und an keine Organisationen gebunden. Gleichzeitig soll eine größtmögliche Vernetzung erreicht werden. Die Botschaft steht für ein Zusammenleben aller Kulturen, das von Akzeptanz, gegenseitigem Respekt und Lebensfreude getragen wird. Die BBB ruft zum friedlichen Widerstand auf und setzt sich vehement gegen jegliche Art von Verhetzung und Kriminalisierung Einzelner bzw. Widerstandsgruppen ein.
Die BBB will ihren Betrieb auf rechterhalten, solange sich die FPÖ in der Regierung befindet.
Am Abend fanden sich ca. 80 Solidarisierende zu einer Kundgebung am Ballhausplatz ein. DieBotschaft" wurde indessen wiedererrichtet - Weithin sichtbar steht nunmehr auf dem Gehweg ein weißes Zelt.
Neue Brandanschläge in Rostock-Lichtenhagen, 20.7.
In der Nacht zum Sonnabend (20.7.) sind in Rostock-Lichtenhagen drei faschistische Anschläge, davon zwei Brandanschläge, verübt worden. Zwei Anschläge mit Molotow-Cocktails auf das Büro der Arbeiterwohlfahrt im Sonnenblumenhaus und auf einen asiatischen Imbiß offenbaren die Gesinnung der Täter.
Außerdem wurden noch in einem asiatisches Markt die Fensterscheiben eingeworfen.
Die Anschläge nahmen deutlich Bezug auf die rassistischen Pogrome vor zehn Jahren und belegen die Bedeutung des Symbols Lichtenhagen für die Nazi-Szene.
Damals war ein Plattenbau, heute das Sonnenblumenhaus, in welchem ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter und die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber untergebracht waren, von einem Mob Rechtsradikaler BürgerInnen angegriffen worden. Die BewohnerInnen überlebten, weil sie sich aus dem brennenden Haus über das Dach in ein Nachbarhaus flüchten konnten.
Glücklicherweise blieb dieses mal der Sachschaden verhältnismäßig gering, da die Feuerwehr beide Brände rasch löschen konnte.
Inzwischen stehen zwei Jugendliche im Alter von 13 und 14 Jahren , die bei ihrer Flucht vom Tatort von Zeugen beobachtet wurden, unter Verdacht die Anschläge verübt zu haben.