Deutschland halt`s Maul !
alles für alle und zwar umsonst !
„Die Welt ist halt so“, „hart, aber gerecht“ und „anders
funktionierts eben nicht“. Klar, kein Problem, läuft ja auch alles
super im Kapitalismus. Na gut, nicht unbedingt für die etwa 20 Millionen
Menschen, die jährlich weltweit an Unterernährung sterben oder die
1,3 Milliarden Menschen, die in absoluter Armut „leben“. Auch nicht
gerade für die tausenden Menschen, die dem einen oder anderen Krieg zum
Opfer fallen oder für die Millionen Menschen, die vor Elend und Verfolgung
fliehen. Aber immerhin für die 0,004% der Weltbevölkerung, die sich
immerhin die Hälfte des globalen Reichtums teilen. Die kommen klar - ist
doch auch ein Grund zur Freude.
Denn ansonsten gibt es für die meisten Menschen kaum noch was zu lachen,
auch nicht in den Industriestaaten wie der BRD. Noch nie war es hier lustig
für die über eine Million Obdachlose oder für die tausenden MigrantInnen,
die zu einem „Leben“ in Lagern oder der Illegalität gezwungen
werden; für die sogenannten „Behinderten“, die chronisch Kranken
und viele Alten, die aus dem sozialen Leben ausgeschlossen werden; für
die Frauen und Kinder, die der (sexualisierten) Gewalt ihrer Ehemänner,
Väter, Onkels, Opas oder Schutzbefohlenen ausgeliefert sind. Die haben
wenig Freude, ernten dafür aber jede Menge Spott. Zusätzlich entweder
den einen oder anderen Bullenknüppel oder aber das neueste Psychopharmaka
aus den Häusern Bayer & Co.
So richtig unlustig ist es aber auch für die SozialhilfeempfängerInnen
und Arbeitslosen - und das nicht erst seit Hartz, Rürup, Riester und Agenda
2010. Denen steht das Wasser schon lange bis zum Hals und jetzt werden sie auch
noch auf die Knie gezwungen. Denn die waren ja schon immer „selber schuld,
zu faul, wollen es nicht anders“ und „liegen dem Staat auf der Tasche“.
Ihre Bezüge werden immer weiter gekürzt und die Betroffenen zur Arbeit
bei modernen Sklavenhändlern, sog. Leiharbeitsfirmen (wie z.B. „Persona“
oder „Pensum“ in Oldenburg) gezwungen. Richtig innovativ ist in
diesem Zusammenhang der Oldenburger Bürgermeister Dietmar Schütz von
der SPD. Der kürzte nicht nur die Gelder für soziale und kulturelle
Einrichtungen, sondern auch etliche feste Arbeitsplätze beim städtischen
Grünflächenamt und schuf so Zwangsmaßnahmen „für“
80 SozialhilfeempfängerInnen.
Doch trotz solch grandioser Manöver ist Arbeit in Deutschland ein wenig
rar geworden. Allein im letzten Jahr sind 500.000 bis 700.000 Stellen verschwunden
- dafür stiegen aber die Gewinne und die Produktivität der Wirtschaft.
So verzeichnete etwa die westdeutsche Industrie von 1991 bis 2000 eine 70 %ige
Steigerung ihrer Produktivität und etwa 1,7 Millionen der dort Beschäftigten
verzeichneten auch etwas- nämlich ihre Entlassung. Die gesellen sich nun
zu den 7,4 Millionen Arbeitslosen (FR).
Nun müssen also neue Wege beschritten werden - die sind überhaupt
nicht lustig und auch überhaupt nicht neu. Die selbsternannten Modernisierungskommissionen
und Sozialreform-ExpertInnen überschlagen sich nur so in Vorschlägen,
wie sie jetzt auch den „Glücklichen“, die noch eine Vollzeitausbeutungsplatz
ergattert haben, die letzte Kohle und Freizeit abknöpfen können. Natürlich
nur, um so ein Jobwunder zu schaffen. Streichung von Urlaubstagen, unbezahlte
Mehrarbeit, drastische Lohnsenkungen, Abschaffung des Kündigungsschutzes,
schrittweiser Abbau der Gesundheitsversorgung und Rente - alles nichts Neues,
dafür aber sehr bedrohlich. Ständig steigende Mieten, Abgaben und
Lebensunterhaltskosten lassen Existenzängste ganz real werden.
Damit die Bevölkerung jetzt nicht rumzickt, treten Leute wie Reinhold
Robbe aus Bunde bei Leer, ebenfalls Sozialdemokrat, Sprecher des Seeheimer Kreises
und Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Bundestages ins Rampenlicht.
Der beschreitet ganz modern die ganz alten Wege und propagiert die Volksgemeinschaft:
„Jeder in unserem Wirtschaftssystem muss sich Gedanken machen, wie kann
auch ich dazu beitragen, das Land wieder nach vorne zu bringen - mit gesundem
Patriotismus.“ (NWZ, 23.2.04). Klar, wer/welche nichts mehr hat, hat immerhin
noch Deutschland. Wer/Welche nichts ist, ist immerhin noch deutsch. Und das
sich „unser Land“ nach den Angriffskriegen gegen Serbien und Afghanistan
inzwischen zur zweitgrößten Besatzungsmacht der Welt gemausert hat,
die auch mal „den Amis“ die Stirn bietet, verleiht Nudeln-mit-Ketchup,
dem Standardgericht der meisten von Sozialhilfe-lebenden Familien, doch noch
ein wenig Würze.
Doch es gibt da auch die, die da nicht mehr einfach mitmachen. Die stecken sich
das, was sie zum Leben brauchen, einfach im Supermarkt ein. Die fahren schwarz,
anstatt 2 Euro für den Bus zu blechen. Wenn die den Terror der Maloche
oder Schule nicht mehr ertragen, machen die blau. Und manchmal arbeiten die
schwarz, um überhaupt über die Runden zu kommen. Einige von denen
kaufen sich einen Pass und nehmen falsche Identitäten an, um nicht in die
Hände ihrer Folterer abgeschoben zu werden. Andere von denen hauen in der
Nacht die Bonzenkarre ihres Chefs kaputt, die sie tagsüber waschen müssen.
Die bespucken die Bullen auch lieber, als ihre FreundInnen an sie zu verraten.
Gegen die machen der Staat und der deutsche Spießer mobil. Die Überwachung
wird perfektioniert, der Verfolgungsdruck erhöht: Kameras, Lauschangriffe,
Bullen, private Sicherheitsdienste, Ladendetektive, Denunziationshotlines, ein
„Sicherheitsgesetz“ nach dem anderen. Das ist „Big Brother“,
ganz real und nicht nur im Container.
Zwischen lachen und weinen,
zwischen leben und überleben.
Es erscheint also ziemlich aussichtslos, von einen schönen Leben für alle zu träumen, nach Wegen zu suchen, die nicht nur die eigene Lebensrealität ein wenig verbessern. Wir müssen mit ihrer Logik der Konkurrenz, Kontrolle und Leistung brechen. Sagen wir es gemeinsam: „DIESES SYSTEM IST NICHTS FÜR MENSCHEN“. Anstatt zu verzweifeln, an der Glotze oder der eigenen Ohnmacht zu ersticken, müssen wir uns mit anderen zusammentun, uns auf die Suche nach Freiheit begeben. Ob in selbstbestimmten Vernetzungen von SchülerInnen, Arbeitslosen, Frauen, MigrantInnen, ArbeiterInnen, RentnerInnen, „Behinderten“, Sozi-EmpfängerInnen, in Viertelversammlungen, sozialen und autonomen Zentren, oder, oder, oder, ... - überall, wo Menschen zusammenkommen, diskutieren und für ihre eigenen Interessen eintreten, wird ein anderes Leben, eine andere Welt denkbar. Eine Welt ohne Gewalt, in der der Mensch und nicht der Markt im Mittelpunkt steht. In der Herkunft, Geschlecht und Sexualität keine Rolle spielen, wo es kein Oben und Unten mehr gibt, in der alle ein Dach über dem Kopf, genug zu essen und Zugang zu Bildung haben. Mit so wenig Arbeit wie nötig und soviel Luxus wie möglich.
Bündnis „Reiche streichen!“
12 h
Kaiserstr./Hbf
Oldenburg
1. Mai Demo
anschließend Straßenfest beim Alhambra
Befreiung ist ein unmittelbares Bedürfnis, das sich
zum Beispiel in dem stillen Wunsch eines jeden Untergebenen (...) konkretisiert,
dem jeweiligen Vorgesetzten einmal einen Fußtritt zu verpassen.
Johannes Agnoli, 1986