Communiqué
der EZLN Es wurde von Heidi Giuliani vorgelesen, der Mutter
des Aktivisten Carlo, der in Juli 2001 in Genua von der italienischen
Polizei getötet worden ist. Dies ist der |
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Brüder und Schwestern des rebellischen Italien:
Grüsse von den Männern, Frauen, Kindern und Alten der Zapatistischen
Armee der Nationalen Befreiung.
Unser Wort wird zur Wolke um den Ozean zu überqueren und die Welten in
eure Herzen zu erreichen.
Wir wissen, dass heute auf der ganzen Welt Demonstrationen stattfinden, um „Nein“
zu Bush’s Krieg gegen die Menschen von Irak zu sagen. Und das muss so
gesagt werden, denn es ist kein Krieg der Nordamerikanischen Bevölkerung,
noch ist es ein Krieg gegen Saddam Hussein.
Es ist ein Krieg des Geldes, das von Señor Bush repräsentiert wird
(...). Und er richtet sich gegen die Menschheit, deren Schicksal nun auf irakischem
Boden auf dem Spiel steht.
Dies ist der Krieg der Angst.
Sein Ziel ist es nicht, Hussein in Irak zu besiegen. Sein Ziel ist es nicht,
die Al Qaeda zu vernichten. Noch will er die Menschen von Irak befreien. Dieser
Terror wird weder von Gerechtigkeit, noch von Demokratie, noch von Freiheit
angetrieben. Es ist Furcht.
Furcht, dass die gesamte Welt sich weigern wird, einen Polizisten zu akzeptieren,
der ihnen sagt, was sie tun sollten, wie sie es tun sollten, und wann sie es
tun sollten. Es ist Furcht.
Furcht, dass die Welt sich weigern wird, sich wie eine Beute behandeln zu lassen.
Furcht vor dieser menschlichen Essenz, die sich Rebellion nennt.
Furcht davor, dass die Millionen von Menschen, die sich heute auf der ganzen
Welt mobilisieren um den Frieden zu fordern, siegreich sein werden. Denn die
Opfer dieser Bomben, die über dem irakischen Land geworfen werden, werden
nicht nur irakische Zivilisten, Kinder, Frauen, Männer und Alte sein, deren
Tod nur ein Unfall auf dem ungestümen, eigenmächtigen Pfad des Mannes
ist, der Gott als ein Alibi für Zerstörung und Tod anruft. Die Person,
die diese Idiotie anführt (die von Berlusconi in Italien, Blair in England
and Aznar in Spanien unterstützt wird), Señor Bush, benutzte Geld
um die Macht zu kaufen, die er nun gegen die Menschen von Irak zu schleudern
versucht.
Denn man darf nicht vergessen, dass Señor Bush nur durch Betrug zum Oberhaupt
der selbsternannten Weltpolizei geworden ist, ein Betrug, der so gewaltig ist,
dass er nur von dem Schatten der Twin Towers in New York verborgen werden konnte,
und von dem Blut der Opfer der terroristischen Anschläge vom 11. September
2001.
Weder Hussein noch die irakische Bevölkerung sind für die Nordamerikanische
Regierung wichtig. Für sie ist es wichtig zu demonstrieren, dass sie ihre
Verbrechen an jedem Ort der Welt verüben kann, zu jeder Zeit, und dass
sie es mit absoluter Straflosigkeit tun kann.
Die Bomben, die auf den Irak herabfallen werden, sollen auch auf alle Nationen
der Welt fallen. Sie würden auch auf unsere Heime fallen, und so diese
Furcht, die sie in sich tragen, universalisieren.
Dieser Krieg richtet sich gegen die Menschlichkeit, gegen alle ehrlichen Männer
und Frauen. Dieser Krieg soll uns Furcht einjagen, uns glauben machen, dass
der mit dem Geld und mit der Militärmacht, auch im Recht ist.
Dieser Krieg hofft, dass wir mit den Schultern zucken werden, dass wir den Zynismus
zu einer neuen Religion machen, dass wir weiterhin schweigen, dass wir uns anpassen,
dass wir resignieren, dass wir aufgeben... dass wir vergessen...
Daß wir Carlo Giuliani vergessen, den Rebellen von Genua.
Für die Zapatisten, sind wir die Menschen, die unsere Toten träumen.
Und heute träumen die Toten ein rebellisches „NEIN!“.
Für uns gibt es nur ein würdiges Wort und eine gewissenhafte Aktion
im Angesicht dieses drohenden Krieges. Das Wort „NEIN!“ und die
rebellische Aktion. Deshalb müssen wir „NEIN!“ zum Krieg sagen.
Ein „NEIN!“ ohne Bedingungen oder Entschuldigungen.
Ein „NEIN!“ ohne Halbherzigkeiten.
Ein „NEIN!“ ohne Grauzonen.
Ein „NEIN!“ mit allen Farben dieser Welt.
Ein „NEIN!“, das klar, kategorisch, wiederhallend, definitiv, weltweit
ist.
Was in diesem Krieg auf dem Spiel steht, ist die Beziehung zwischen den Mächtigen
und den Schwachen. Der Mächtige ist mächtig, weil er uns schwach macht.
Er lebt von unserer Arbeit, von unserem Blut. So wird er fett, während
wir dahinsiechen.
Die Mächtigen haben in diesem Krieg Gott auf ihre Seite gerufen, damit
wir ihre Macht und unsere Schwäche als etwas akzeptieren, das durch einen
göttlichen Plan bestimmt worden ist.
Aber hinter diesem Krieg steht kein anderer Gott außer dem Gott des Geldes,
noch irgendein anderes Recht außer dem Hunger nach Tod und Zerstörung.
Die einzige Stärke der Schwachen ist ihre Würde. Das inspiriert sie
zu kämpfen, um sich den Mächtigen zu widersetzen, um zu rebellieren.
Heute gibt es ein „NEIN!“ das die Mächtigen schwächen
und die Schwachen stärken soll: das „NEIN!“ zum Krieg.
Einige mögen sich fragen, ob das Wort, das so viele auf der ganzen Welt
versammelt hat, es schaffen wird den Krieg abzuwenden, oder, sobald er begonnen
hat, ihn zu beenden.
Aber die Frage ist nicht ob wir diesen mörderischen Marsch der Mächtigen
ändern können. Nein. Die Frage, die wir uns stellen sollten, ist:
können wir mit der Schande leben, nicht alles in unsere Macht stehende
getan zu haben um diesen Krieg abzuwenden und zu beenden?
Kein ehrlicher Mann, keine ehrliche Frau kann in diesem Augenblick schweigen
und gleichgültig bleiben.
Alle von uns, jeder mit seiner eigenen Stimme, auf seiner eigenen Art, in seiner
eigenen Sprache, mit seinen eigenen Aktionen, muss „NEIN!“ sagen.
Und wenn die Mächtigen Furcht durch Tod und Zerstörung universalisieren
wollen, müssen auch wir das „NEIN!“ universalisieren.
Denn dieses „NEIN!“ zum Krieg ist auch ein „NEIN!“ zur
Furcht, ein „NEIN!“ zur Resignation, ein „NEIN!“ zum
Ergeben, ein „NEIN!“ zum Vergessen, ein „NEIN!“ zum
Aufgeben unserer Menschlichkeit.
Es ist ein „NEIN!“ für die Menschheit und gegen den Neoliberalismus.
Wir hoffen dass dieses „NEIN!“ Grenzen überqueren wird, dass
es sich an Zollbehörden vorbeischmuggelt, dass es die sprachlichen und
kulturellen Unterschiede überwindet, und dass es den ehrlichen und noblen
Teil der Menschheit vereinigt, der auch, und das darf man nicht vergessen, ihre
Mehrheit ist. Denn es gibt Verneinungen die vereinen und würdigen. Denn
es gibt Verneinungen, die das Beste in den Männern und Frauen bestätigen,
das heisst ihre Würde.
Heute ist der Himmel über den Welt von Kampfflugzeugen umwölkt, mit
Raketen - die sich selbst „intelligent“ nennen, nur um die Dummheit
jener verbergen zu können, die sie lenken, und die sie, wie Berlusconi,
Blair und Aznar, rechtfertigen - mit Satelliten, die aufzeigen wo sich Leben
befindet und wo es Tod geben wird.
Und das Land der Erde ist von Kriegsmaschinen getrübt, die den Boden in
Blut und Schande tauchen wollen. Der Sturm kommt.
Aber der Morgen wird nur kommen, wenn die Worte, die zu Wolken werden um Grenzen
zu überfliegen, zu einem „NEIN!“ aus Stein werden, und eine
Öffnung in dem Dunkel schaffen, eine Spalte, durch die der Morgen schlüpfen
kann. Brüder und Schwestern des rebellischen und würdigen Italien:
Bitte akzeptiert dieses „NEIN!“, das wir Zapatisten, die Kleinsten
von allen, euch übermitteln.
Erlaubt unserem „NEIN!“ sich eurem anzuschließen, und allen
anderen „NEINs“ die heute auf der ganzen Welt erblühen.
Es lebe die Rebellion, die „NEIN!“ sagt.
Tod dem Tod!

Subcomandante Insurgente Marcos # Mexiko, Februar 2003 (übs. von Dana)