25 Jahre ALHAMBRA
zeigt:
27. April, 20.00 Uhr 3 Euro
Bowling for Columbine
Ein Film von Michael Moore
USA / Kanada / Deutschland 2002, 122 Min.

„Der Morgen des 20. April 1999 sieht nach einem ganz normalen Tag in
Amerika aus. Farmer bestellen ihre Felder, Milchmänner liefern Milchflaschen
aus, der Präsident lässt Bomben über einem Land abwerfen, dessen
Namen wir nicht einmal aussprechen können“ (O-Ton) - und Dylan Klebold
und Eric, Harris, zwei Jungs in Littleton, Colorado, gehen zu ihrem Bowlingkurs.
Was keiner ahnt: Die beiden bowlenden Jugendlichen werden wenige Stunden später
das Columbinet Highschool Massaker verüben, in dessen blutigem Verlauf
12 Schüler und ein Lehrer den Tod finden und viele Kinder und Jugendliche
schwer verletzt werden. Wie eine ironische Spiegelung des Schicksals wirkt der
Umstand, dass an diesem Tag die USA ihren stärksten Bombenangriff auf dem
Kosovo fliegt. Mit lakonischem Zynismus und beißendem Witz geht Regisseur
Moore („Roger & Me“, 1989) in BOWLING FOR COLUMBINE auf eine
wahnwitzige Reise in das Herz Amerikas. So lässt er zwei Opfer von Littleton
- einerquerschnittsgelähmt, derandere invalide mit einer inoperablen Kugel
in Aortanähe - in einem symbolischen Akt die in ihren Körpern steckenden
Kugeln an die Supermarktkette K-Mart zurückgeben, wo die Täter ihre
Munition kauften und konfrontiert Hollywood-lkone und Waffenaktivist Charlton
Heston, den Vorsitzenden der NRA (National Rifle Association) mit dem Bild eines
sechsjährigen Mädchens, das von einem gleichaltrigen Mitschüler
erschossen wurde. Michael Moore porträtiert mit bewegender Emotionalität
und mitunter feuilletonistischen Volten voll absurder Komik eine Nation zwischen
Waffenfetischismus und angstbesetzter Paranoia. Ein Volk mit dem Colt im Anschlag
für die permanente Selbstverteidigung. Besonders im Kielwasser des 11.
September ist BOWLING FOR COLUMBINE ein mutiger Film. Denn Amerikas führender
Satiriker und sozialkritischer Dokumentarist stellt eine simple Frage, die sich
kein Amerikaner in diesen von Patriotismus geprägten Zeiten zu fragen traut:
„Sind wir verrückt nach Waffen - oder sind wir nur verrückt?“
„Den entgegengesetzten Weg, rasanten Agit-Prop, beschreibt der amerikanische
Dokumentarist Michael Moore, der in seinem aktionistischen Dokumentarfilm „
Bowling for Columbine „ der US-Waffenlobby einen Kampf aufs Messer liefert.
Seinen zweiten Gegner, das Paranoia schürende News-Fernsehen, attackiert
er mit seinen eigenen Mitteln: Leichen pflastern in rasanten Montagen den sündigen
Weg der amerikanischen Außenpolitik, diesogarßir das Training Bin
Ladens und damit indirekt für den U. September verantwortlich gemacht wird.“
(Daniel Kothenschulte, Frankfurter Rundschau online, 22.05.2002)