Redebeitrag auf der abendlichen Anti-Kriegs-Demo
am Tag X (20.03.03) in Oldenburg
Es ist Krieg. Wieder einmal bricht der brutale Wahnsinn über Menschen
herein, die einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort leben. Der Krieg war,
ist und bleibt eine der enthemmtesten Formen des Wahnsinns, den die Menschheit
hervorgebrachtr hat.
Der moderne Krieg mit seinen hochtechnisierten und bis ins Detail durchdachten
Tötungsmaschinen macht da keinen Unterschied - im Gegenteil!
Und trotzdem bricht er immer wieder los! Es ist aber falsch, die Verantwortlichen
einfach für unzurechnungsfähig zu erklären. Denn auch in diesem
Krieg geht es nicht um die Rachegelüste oder den religiösen Wahn von
George Bush.

Es geht um Macht, um Weltpolitik und, natürlich, um jede Menge Kohle.
Der Krieg gegen den Irak soll die marode amerikanische Wirtschaft retten, indem
er die Vorherrschaft über eine der ölreichsten Regionen der Welt sichert.
Und er ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu New World Order nach dem
Ende der Sowjetunion, nämlich nach dem Krieg gegen Afghanistan der nächste
Schritt zur Neuordnung der Einflußgebiete im Nahen Osten, mit dem Ziel,
auch dort eine US-amerikanische Vormachtstellung herbeizuballern.
In einer Welt, die sich in Staaten aufteilt, und wo das Streben nach individueller
und staatlicher Anhäufung von Macht und Herrschaft im Mittelpunkt steht,
ist so ein Krieg kein Ausrutscher, sondern die Konsequenz, sozusagen, die Fortsetzung
des Friedens mit anderen Mitteln.
Wenn sich jetzt die Bundesregierung hinstellt, und den Krieg verdammt, tut sie
das bestimmt nicht aus Friedensliebe. Schließlich sind es dieselben Leute,
die in den letzten 4 Jahren 2 Angriffskriege mit angezettelt und durchgeführt
haben.
Nein, nein, nein. Mit ihrem plötzlichen Pazifismus verteidigen die Regierungen
Schröder und Chirac, und auch Putin, handfeste Staats- und Wirtschaftsinteressen.
Der Außenhandel mit dem Irak boomt und die Ölförderrechte für
eine Zeit nach dem Handelsembargo wurden bereits teuer erkauft.
Das europäische Engagement gegen den Irak-Krieg ist Teil eines anderen
Krieges, des Wirtschaftskriegs zwischen Mitteleuropa und den USA. Ein Konflikt,
der uns Zukunft vielleicht mehr beschäftigen wird, als uns lieb ist.
Doch der neue rotgrüne Friedensengel kommt gut an. Und so bleibt nach der
ersten Freude über die Millionen, die weltweit gegen einen Krieg auf der
Straße waren und sind, ein bitterer Beigeschmack.
Hat vielleicht doch noch etwas anderes die hunderttausenden Deutschen auf die
Demos getrieben, als der neuerwachte Pazifismus. Ist es nicht auch die Gewissheit,
die Regierung im Rücken zu haben oder ihr gar zu folgen, der Wunsch sich
mal mit allen einig zu sein, es „den Amis“ mal zu zeigen und dabei
vielleicht sogar wieder ein bißchen Stolz zu sein auf Deutschland?
Oder wo war die Friedensbewegung 1999, als Jugoslawien unter einem Bombenhagel
in hörige Kleinstaaten zerlegt wurde.
Oder letztes Jahr, als die Armeen der freien Welt einen der ärmsten Teile
der Welt für die Anschläge machtebesessener Fanatiker büßen
ließ.
Wir haben sie nicht gesehen.
Wir scheißen auf eine Friedensbewegung, an der SPD´ler und Grüne
plötzlich wieder ungestört teilhaben können und wo plumper Antiamerikanismus
genauso seinen Platz hat wie mal mehr mal weniger offener Antisemitismus.
Was fehlt, ist eine Bewegung für die Freiheit von Menschen, nicht von Staaten.
Die nicht nur den mörderischen Krieg angreift, sondern auch den mörderischen
Frieden, in dem Menschen am Hunger verrecken und in unwürdigen Umständen
leben - immer noch die häufigsten Gründe vorzeitigen Ablebens.
Was fehlt, ist die Idee von einer anderen Zukunft, wo alle Menschen in ihrer
ganzen Verschiedenheit zusammen Freiheit organisieren.
Und Herrschaft und Ausbeutung, egal ob sie gerade friedlich erscheinen oder
nicht, den Krieg erklären!
autonome Gruppe G.O.N.Z.O. 