Oldenburger Rechtshilfe 12.1.06
Pressemitteilung

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde !

Wir möchten Sie/euch bitten, den beiliegenden Aufruf „Graffiti ist Kunst – kein Verbrechen“ zur Kenntnis zu nehmen und zu veröffentlichen.
Hintergrund ist die unserer Meinung nach durch nichts zu rechtfertigende und vollkommen unverhältnismäßige Kriminalisierung einzelner Personen und Gruppen. Insbesondere die Rolle des Oldenburger Präventionsrates kann in dieser Hinsicht nicht kritisch genug bewertet werden.
Sinn und Zweck des Aufrufes ist ausdrücklich nicht eine differenzierte, die Problematik bis ins Detail ausleuchtende und abschließende Bewertung des Themas.
Wir möchten bewusst einen Kontrapunkt setzen gegen die öffentliche, z.T. kampagnenartige und undifferenzierte Hetze gegen „Farbschmierereien“. Auch uns ist klar, dass nicht jedes, an irgendeine Hauswand gekritzelte Tag, erhaltenswert ist und das es teilweise durchaus berechtigt ist, sich darüber zu ärgern. Dennoch: eine Rechtfertigung für die Einordnung in die Kategorie „Schwerverbrechen“ darf und kann dies nicht sein.
Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlich Grüßen
Oldenburger Rechtshilfe
-Verwaltungsausschuss-

Aufruf: „Graffiti ist Kunst – kein Verbrechen

Graffiti wird zunehmend auch in Oldenburg mit unverhältnismäßigem Aufwand bekämpft und Writer werden kriminalisiert. Während besprayte Stücke der Berliner Mauer als Kunst verkauft werden, die Deutsche Post gar eine Briefmarke mit einem Graffito und dem Begriff „Toleranz“ verkauft hat, internationale Museen Graffiti als moderne Kunst in ihre Ausstellungen integrieren, werden diejenigen, die diese Kunst und Ausdrucksform im Alltag praktizieren, der Öffentlichkeit wie Schwerverbrecher/innen präsentiert.
Bundesweit wird versucht, legale Flächen wieder zu illegalisieren, für die Verfolgung der Writer werden Millionen bereitgestellt, in fast jeder größeren Stadt, so auch in Oldenburg, gibt es bei der Polizei eine Sonderkommission Graffiti.
In Oldenburg hat es insbesondere der Präventionsrat zu seiner Hauptaufgabe gemacht, den Kampf gegen Graffiti zu führen. Mit publizistischer Begleitung werden geradezu absurde Aktionen durchgeführt. Oder wie ist es zu bewerten, wenn regelmäßig an Sonntagvormittagen Angestellte des Ordnungsamtes und einige Bürgerinnen und Bürger die Betonwände der Autobahnbrücken grau (!) anstreichen? Bunte, künstlerisch gestaltete Flächen auf den Betonmonumenten des Autowahns werden wieder grau: Darauf hat die Welt gewartet!

Die Unterzeicher und Unterzeichnerinnen fordern:
· Ein Ende der Kriminalisierung
· Auflösung aller Graffiti – Sokos
· Bereitstellung legaler Flächen in ausreichendem Umfang
· Einstellung der Anti–Graffiti Aktivitäten des Oldenburger Präventionsrates

ErstunterzeichnerInnen:
Oldenburger Rechtshilfe
Antifa-Café im Alhambra
Arbeitskreis ‚Rote Rispe‘
Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg (ALSO)
Archiv der sozialen Bewegungen
ASTA der Carl-von-Ossietzky-Universtät
Crush Hour Concerts
‚Dritte Welt‘-Informationszentrum und Laden
Feministische Antifa (Fantifa)
IBIS Interkulturelle Arbeitsstelle Oldenburg
Linkes Forum Oldenburg
Politische Werkstatt
SchülerInnenbündnis ‚Swimmy‘
SchülerInnenvertretung (SV) der Helene Lange Schule
Verein für selbstbestimmtes Leben (Bauwagenplatz Oldenburg)

Weitere UnterzeichnerInnen wenden sich bitte an:
Oldenburger Rechtshilfe, Hermannstr. 83, 26135 Oldenburg.