
[Repression]
Die Antwort der Behörden auf den Widerstand ließ nicht lange auf sich warten. Sie reagierten mit Desinformation, exemplarischer Bestrafung und Einschüchterung. Die massive Polizeipräsenz im Lager Blankenburg, die ständigen Botschaftsvorführungen (zur Beschaffung der Papiere für die Abschiebung) speziell der AktivistInnen und die Kontrolle der Kantinenausweise sollte zu einem Klima der Angst unter den Streikenden führen. Die Umverlegung einzelner Aktivisten in andere Unterkünfte sollte die Bewegung spalten. Insgesamt wurden drei Aktivisten im direkten Zusammenhang mit dem Streik umverlegt. Die Behörden gingen dazu über, AktivistInnen, die am Protest beteiligt sind, auch in dezentrale Wohnungen in abgelegene Dörfer umzuverteilen, damit in anderen niedersächsischen Lagern nicht ebenfalls Proteste ausbrechen.
Es folgten Briefe und Gespräche mit den SozialbetreuerInnen, in denen die AktivistInnen zur Beendigung des Streiks aufgefordert wurden. Außerdem wurden die Ausweise kopiert und auf jeder Demo oder Aktion fotografierten MitarbeiterInnen der ZAAB die Flüchtlinge. Nach einer Woche Streik fand auf dem Lagergelände eine Demo statt, auf der ein Bewohner der ZAAB von 10 PolizistInnen mit Schlagstöcken verprügelt wurde, weil er nicht auf sein Zimmer gehen wollte! Er wurde anschließend in die ZAAB Braunschweig verlegt. Zu dieser Zeit fingen die nächtlichen „Besuche“ der Polizei in den Zimmern von AktivistInnen an, um diese zu Botschaftsvorführungen zu bringen, in andere Lager zu verlegen oder sie einzuschüchtern. Vor dem Streik fanden die Botschaftsvorführungen ungefähr einmal im Monat statt, währenddessen mehrmals in der Woche. Die Polizei drohte mehreren Flüchtlingen damit, dass sie ins Gefängnis kämen, wenn sie demonstrieren würden. Der Lagerleiter Lüttgau stand bei der allabendlichen Essensverteilung der Streikenden und ihrer UnterstützerInnen am Lagereingang und forderte alle auf wieder in der Kantine zu essen. Ein Flüchtling wurde auf dem Weg zum Bus zur Demo in Hannover am 25.10.06 von der Polizei in Gewahrsam genommen, mit der fadenscheinigen Begründung, dass er fünf Tage nicht in Blankenburg gewesen sei. Nach dem Streik folgten polizeiliche Vorladungen für vier Aktivisten, weil sie angeblich andere BewohnerInnen des Lagers zum Kantinenstreik genötigt hätten.
Auch die UnterstützerInnen blieben nicht von Repression verschont. Unter anderem haben inzwischen fünf Leute Hausverbot im Lager, teilweise mit der offiziellen Begründung, dass sie einer Gruppe angehören, die gegen das Lager ist. Während des Streiks sollten einige UnterstützerInnen durch ständige nächtliche Kontrollen vor ihrer Haustür oder „persönliche Gespräche“ mit der Polizei eingeschüchtert werden. Außerdem wurden die Autos, die für den Transport vom Lager in die Stadt benutzt wurden, massiv kontrolliert und von Polizeikonvois begleitet.