..:: [pressemitteilung vom 21. november]..
o Oldenburger Stadtrat beschließt einstimmige Resolution zur Situation in der ZAAB Blankenburg
o Aktionen von Flüchtlingen und UnterstützerInnen begleiten die Stadtratsitzung
o Flüchtlinge des Flüchtlingslagers (ZAAB) Bramsche-Hesepe treten seit
heute einen unbefristeten Boykott des Kantinenessens an


Der Rat der Stadt Oldenburg hat in seiner Sitzung am 20.11.06 einstimmig eine Resolution zur Situation in der ZAAB Blankenburg bei Oldenburg verabschiedet. Darin fordert der Rat der Stadt Oldenburg die niedersächsische Landesregierung auf, die "Kritikpunkte der Bewohnerinnen und Bewohner der ZAAB Blankenburg ernsthaft und intensiv zu prüfen und Lösungsvorschläge zu entwickeln".
Bemerkenswert ist insbesondere die Forderung nach einer Überprüfung der zentralen Unterbringung, wird doch hiermit die Kernforderung der Flüchtlinge nach dezentraler Unterbringung in eigenen Wohnungen zumindest zur Debatte gestellt – auch im Widerspruch zur erklärten Politik der Landesregierung. Außerdem soll das Wertgutscheinsystem abgeschafft werden, womit der Stadtrat das Recht der Flüchtlinge, ihre Nahrung selbst bestimmt zuzubereiten, ausdrücklich anerkennt. Praktisch will sich die Stadt Oldenburg für eine verbesserte Busverbindung einsetzen und nach weiteren Möglichkeiten der Verbesserung der Lebenssituation der in Blankenburg lebenden Flüchtlinge suchen.
Begleitet wurde die Stadtratsitzung von einigen Aktionen der Flüchtlinge und UnterstützerInnen. Um 15:00 fand eine Kundgebung in der Innenstadt statt, die erneut die Oldenburger Öffentlichkeit über die Situation in den Flüchtlingslagern Blankenburg und Bramsche/Hesepe informieren sollte. Die ca. 100 anwesenden DemonstrantInnen entschlossen sich spontan zu einer lauten und stimmungsvollen Demonstration durch die Innenstadt, die zum Tagungsort des Stadtrates führte. Auch dort wurden laut die Missstände in den Lagern kritisiert. Die Ratssitzung wurde von den DemonstrantInnen aufmerksam mitverfolgt.
Die Flüchtlinge aus Blankenburg haben in ihrer Vollversammlung nach der Ratssitzung die konkreten beschlossenen Schritte begrüßt und betont, so einer ihrer Sprecher, "dass sie die Unterstützung der Stadt Oldenburg für ihre Forderungen bei der Landesregierung in Hannover begrüßen". Aber es bleibt ihnen wichtig, dass diesen Worten nun auch Taten folgen müssen. Es ist bedauerlich, dass zur Anerkennung der Missstände in Blankenburg überhaupt ein vierwöchiger Streik notwendig war, aber es macht auch deutlich, dass es zu wirklichen Veränderungen nur kommen wird, wenn dieser Druck aufrecht erhalten wird. "Wir werden unseren Protest so lange weiter in die Öffentlichkeit tragen, bis die verantwortlichen Parteien unseren Forderungen nachkommen" lautete deshalb das Fazit an diesem Abend.
Dass das Problem nicht allein mit der Einsetzung einer Kommission zu lösen ist – wie der Rat des weiteren fordert –zeigen die erneuten Proteste in Bramsche-Hesepe. Dort treten ab Dienstag, den 21.11.06, die Flüchtlinge einen unbefristeten Boykott des Kantinenessens an. Sie schließen sich damit den Forderungen an, die während des Streiks der Flüchtlinge in der ZAAB Oldenburg erhoben wurden und verweisen darauf, daß Bramsche eine Außenstelle der ZAAB Oldenburg ist. Mit dem Boykott in Bramsche-Hesepe fordern die Flüchtlinge, daß die Außenstelle in die Gespräche, die nach dem Streik in Oldenburg angekündigt wurden, mit einbezogen wird .
Diese Proteste machen einmal mehr deutlich, dass die Politik der Lagerunterbringung nicht aufrecht erhalten werden kann. Wo Menschen ihrer Würde beraubt und ihnen täglich elementare Grundrechte verweigert werden, wird es immer wieder Proteste geben. Die Lösung kann letztlich nur die Schließung aller Lager sein.

Antirassistisches Plenum Oldenburg

 

..:: [pressemitteilung vom 31. oktober 2006]..
Aussetzung des Streiks der Flüchtlinge in Blankenburg


Am Montag Abend wurde auf der Vollversammlung der Bewohner und Bewohnerrinnen der ZAAB Blankenburg und ihrer Unterstützer die Aussetzung des Streiks beschlossen.Das heißt sowohl der Kantinenboykott als auch der Streik der Ein- Euro Jobs wird vorerst niedergelegt.
Dieser Streik, der über 4 Wochen geführt wurde, ist in der Geschichte des Widerstands gegen die repressive Asylpolitik in Deutschland und die damit zusammenhängende Lagerunterbringung einmalig. Er war umso bemerkenswerter als er trotz massiver Einschüchterung durch den Leiter der ZAAB Oldenburg Herr Lüttgau, mit nächtlichen Wohnungsdurchsuchungen, verstärkten Botschaftsvorführungen und der Umverteilung aktiver Streikenden in z.T: kleine Orte am Rande Niedersachsens, so lange und erfolgreich geführt wurde. Es wurde erreicht dass eine breite Öffentlichkeit über diese Politik informiert wurde. Der Skandal sich über Jahre hinweg kein eigenes Essen zubereiten zu dürfen und die unzureichende medizinische Versorgung standen im Mittelpunkt der Debatte.
Nachdem die Flüchtlinge ihren Protest in Hannover in den Landtag gebracht haben und sich auch in Oldenburg viele Verbände; Parteien und Gruppen gemeldet haben, soll mit der Aussetzung des Streiks die Möglichkeit geschaffen werden, die Zustände in der ZAAB Oldenburg konkret zu verändern, sowie die Unterbringung von Menschen in Lagern politisch zur Diskussion zu stellen.
Der Protest der Flüchtlinge wird auch in nächster Zeit nicht aufhören, u.a. wird aus Anlass der konstituierenden Sitzung des Oldenburger Stadtrates morgen um 15 Uhr eine Kundgebung in der Oldenburger Innenstadt stattfinden. Anschließend werden wir die Ratsmitglieder der Stadt Oldenburg vor der Weser-Ems-Halle begrüßen.
Die Flüchtlinge rufen alle Institutionen, Parteien, Verbände, Vereinigungen und Einzelpersonen auf jetzt gesellschaftlich und politisch Stellung zu beziehen. In den nächsten Wochen wird sich zeigen ob die signalisierte Gesprächsbereitschaft ernst gemeint war oder nur als Mittel benutzt wurde um die Beendigung des Streiks zu erreichen.

Die nächsten Veranstaltungen sind:
Mitwoch 1.11. 15 Uhr Kundgebung in der Oldenburger Innenstadt und anschließend Begrüßung der Ratsmitglieder der Stadt Oldenburg anlässlich der Konstituierenden Sitzung des Stadtrates an der Weser-Ems-Halle

Antirassistisches Plenum Oldenburg

 

..:: [pressemitteilung vom 29. oktober 2006]..
Anlässlich der Ratsversammlung

Am Mittwoch, den 01.11.2006, tritt der Rat der Stadt Oldenburg zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Dort soll unter anderem über einen von der Linkspartei/PDS eingebrachten Antrag zum aktuellen Flüchtlingsstreik in Blankenburg entschieden werden. Kern des Antrags ist, dass der Rat der Stadt Oldenburg die konkreten Forderungen der Flüchtlinge unterstützen und sich „bei der Bundes- und Landesregierung für die Möglichkeit einer Arbeitserlaubnis und dezentrale Unterbringung in Wohnungen“ einsetzen möge; dies schließt die Auszahlung von Bargeld an Flüchtlinge (statt Sachleistungen) ausdrücklich mit ein.
Wir gehen davon aus, dass Anlass und Verlauf des Blankenburger Flüchtlingsstreiks den Mitgliedern des Rates hinlänglich bekannt sind, nicht zuletzt durch die intensive Berichterstattung in der lokalen und überregionalen Presse. Wir möchten uns in diesem Brief deshalb darauf beschränken, die zentralen Kritikpunkte der Flüchtlinge mit zusätzlichen Detailinformationen zu untermauern. Hintergrund ist, dass in den letzten Wochen von unterschiedlicher Seite immer wieder kritisch angemerkt wurde, dass die öffentlichen Verlautbarungen seitens der Streikenden und ihrer UnterstützerInnen oft zu unpräzise, mitunter auch übertrieben oder schlicht falsch gewesen seien.

1. Zur Essenssituation

a) Inwieweit das Kantinenessen in Blankenburg von einem ernährungsphysiologischen Gesichtspunkt aus tatsächlich ungesund und vitaminarm ist, wissen wir nicht. Es ist auch nie unsere Absicht gewesen, dies als objektive Tatsache zu behaupten, auch wenn einige unserer anfänglichen Formulierungen sicherlich geeignet gewesen sind, einen entsprechenden Eindruck zu erwecken. Unser Anliegen war bzw. ist es vielmehr, einem subjektiven, von der großen Mehrheit der Flüchtlinge immer wieder artikulierten Empfinden Ausdruck zu verleihen. Denn dieses Empfinden, wonach das Blankenburger Kantinenessen ungenießbar, ekelhaft und einseitig wäre, ist in unseren Augen alles andere als unplausibel: Die Zubereitung von Nahrung ist nicht nur von persönlichen Vorlieben geprägt, einschließlich individueller (Diätik-)Notwendigkeiten im Falle von Krankheit, Schwangerschaft oder Gewichtsproblemen. Sie ist auch kulturell stark ausdifferenziert, was Zutaten, Art der Zubereitung und geschmackliche Ausrichtung betrifft. Im Lichte dieses wohl kaum strittigen Sachverhalts dürfte nachvollziehbar werden, weshalb es schlicht nicht möglich ist, Kantinenessen zu servieren, welches den (individuellen) Bedürfnissen von Menschen aus über 40 Nationen gleichermaßen gerecht würde.
b) Es ist mit anderen Worten nie um die „tatsächliche“ Qualität des Kantinenessens gegangen (auch wenn unser persönlicher Eindruck ist, dass das in den niedersächsischen Landesgemeinschaftsunterküften servierte Essen in jedweder Hinsicht unter dem üblichen Standard bleibt). Worum es stattdessen geht, ist das Recht, die eigene Nahrung selbst bestimmt zuzubereiten. Denn zwangsweise Kantinenverpflegung bedeutet letztlich Fremdbestimmung und stellt somit eine systematische Verletzung des auch im Grundgesetz verankerten Rechts auf freie Entfaltung der Persönlichkeit dar. Das gilt im übrigen um so mehr, als viel Flüchtlinge bereits seit zwei oder mehr Jahren in Blankenburg leben müssen. (Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt dass die Flüchtlinge in Blankenburg gerade mal 38,18 Euro pro Monat Taschengeld erhalten; damit ist eine von der Kantine unabhängige Versorgung selbstredend nicht möglich).
c) Hinsichtlich der Frage, ob in Blankenburg auch Bargeld ausgezahlt und Küchen eingerichtet werden könnten, möchten wir einmal mehr darauf hinweisen, dass dies gesetzlich durchaus möglich wäre. Denn der Leiter der ZAAB Christian Lüttgau liegt mit seiner immer wieder kolportierten Behauptung falsch, dass in Gemeinschaftsunterkünften grundsätzlich kein Bargeld ausgezahlt werden dürfte. Dies gilt (laut Asylverfahrensgesetz) lediglich für die im Geltungsbereich der „Zentralen Erstaufnahmestelle“ untergebrachten Flüchtlinge. Laut Innenministerium sind dies jedoch allenfalls knapp die Hälfte der Blankenburger Flüchtlinge. Die übrigen haben ihre Erstaufnahmeprozedur bereits hinter sich und leben im Geltungsbereich der „Landesgemeinschaftsunterkunft Blankenburg“ (wobei insgesamt noch zu prüfen wäre, ob in Blankenburg die gesetzlich auf 3 Monate beschränkte Aufenthaltszeit in der Zentralen Erstaufnahmestelle tatsächlich eingehalten wird). Wir glauben nicht, dass Behördenchef Christian Lüttgau diese Differenzierungen unbekannt wären – genauso wie er durchaus weiß, dass die Mehrzahl der Bundeslänger bereits seit langem auf die Auszahlung von Bargeld an Flüchtlinge umgestiegen ist. Wir betrachten seine entsprechenden Einlassungen vielmehr als den Versuch, die Öffentlichkeit gezielt in die Irre zu führen. Hierzu gehört des Weiteren auch, dass sich seit Beginn des Streiks das Kantinenessen drastisch verbessert hat – eine Strategie, die uns auch aus dem Abschiebelager Bramsche-Hesepe bestens vertraut ist. Darauf hinzuweisen, ist uns deshalb wichtig, weil in den letzten Wochen sowohl JournalistInnen als auch PolitikerInnen mehrmals in Blankenburg gegessen und anschließend die auf die Qualität des Essens gemünzten Proteste als unverständlich bezeichnet haben.

2. Zur gesundheitlichen Versorgung

a) Es ist insbesondere unserer Kritik an der gesundheitlichen Versorgung in Blankenburg gewesen, die in den vergangenen Wochen für heftiges Kopfschütteln gesorgt hat: So berichteten mehrere Landtagsabgeordnete, die das Lager kurz besucht hatten, dass die Krankenstation im Lager gut ausgestattet sei und außerdem regelmäßig Überweisungen an Fachärzte und -ärztinnen erfolgen würden. So richtig diese Feststellungen sind, sie gehen unseres Erachtens am eigentlichen Kern des Problems vorbei. Wir möchten dies kurz begründen, auch deshalb, weil unsere diesbezüglichen Darstellungen in den letzten Wochen nicht immer präzise gewesen sind.
b) Seit Beginn des Streiks berichten Flüchtlinge, dass es üblicherweise mehrerer Besuche der Krankenstation bedürfe (bis zu 6 Mal, heißt es oft), bevor tatsächlich eine Überweisung an Fachärzte bzw. -ärztinnen ausgestellt würde. Stattdessen würden die Flüchtlinge immer wieder abgewimmelt und bestenfalls mit Standardschmerzmitteln wie Paracetamol versorgt. Neben der Frage, wie viele Überweisungen tatsächlich erfolgen, kommt es also auch darauf an, welcher Beharrlichkeit es bedarf, damit es überhaupt zu einer Überweisung kommt.
c) Doch selbst wenn es zu einer fachärztlichen Überweisung kommt, bedeutet dies noch lange nicht, dass eine angemessene Diagnostik und Behandlung gewährleistet ist. Denn die in Blankenburg untergebrachten Flüchtlinge genießen keine ‚freie Arztwahl’. Sie müssen stattdessen Vertragsärzte und -ärztinnen des Lagers aufsuchen. Diese würden jedoch – berichten die BewohnerInnen des Lagers unisono – ähnlich restriktiv verfahren wie die Ärzte und Ärztinnen auf der Krankenstation im Lager. Die Untersuchungen seien oberflächlich, und auch würden weitergehende Behandlungen häufig unter Verweis auf das Asylbewerberleistungsgesetz (welches nur die Behandlung akuter und schmerzhafter Erkrankungen vorsieht) abgelehnt. Mit anderen Worten: Auch hier ist nicht selten eine große Beharrlichkeit der Flüchtlinge erforderlich, bis es (wenn überhaupt) zur medizinisch angezeigten Behandlung kommt.
In der Konsequenz heißt dies also (und gleich lautende Kritik ist auch aus Bramsche-Hesepe bekannt), dass in Blankenburg eine angemessene medizinische Versorgung häufig nur mit zeitlicher Verzögerung stattfindet. Hieraus folgt, dass (schmerzhafte) Erkrankungen unnötig lange andauern, verschleppt oder (zu) spät diagnostiziert und behandelt werden. Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass uns inzwischen mehrere Fälle zu Ohren gekommen sind, wo eine frühere Diagnostik und Behandlung möglicherweise (sic) Schlimmeres hätte verhindern können. Wir bemühen uns im Moment um eine sorgfältige Dokumentation dieser Fälle und werden diese zu gegebener Zeit veröffentlichen. Darüber hinaus ist festzuhalten, dass die mit der gesundheitlichen Versorgung der Blankenburger Flüchtlinge befassten Ärztinnen und Ärzte das Asylbewerberleistunggesetz (in Abstimmung mit der zuständigen Sozialbehörde) immer wieder überaus restriktiv auslegen. So sind z.B. einer stark sehbehinderten Frau über einen längeren Zeitraum neue Brillengläser verweigert worden, denn bei der Sehbehinderung handele es sich weder um eine akute noch eine schmerzhafte Erkrankung.
d) Das Verhältnis zwischen Ärzten/Ärztinnen und Flüchtlingen ist darüber hinaus belastet, weil kaum DolmetscherInnen zur Verfügung stehen, ein Umstand, welcher der Tendenz oberflächlicher und kurzer Untersuchungen aus leicht einsehbaren Gründen massiv Vorschub leistet. Wir fordern deshalb auch – dies ist in den letzten Wochen immer wieder ins Hintertreffen geraten – die Einrichtung eines Dolmeterscherdienstes, der niedrigschwellig in Anspruch genommen werden kann.
e) Wir möchten schließlich darauf hinweisen, dass auch das Lagerleben an sich krank macht. Darauf weist Birgit Behrensen von den Uni Osnabrück hin, die unter anderem die Situation im Abschiebelager Bramsche-Hesepe untersucht hat (vgl. www.equal-saga.info). Kurz und bündig heißt es in einer Zusammenfassung ihrer Studie: „Wir haben (...) festgestellt, dass gerade die zentralisierte Unterbringung zu einer weiteren Beeinträchtigung der gesundheitlichen Gesamtsituation führt.“ Dieser Hinweis ist uns deshalb wichtig, weil er zeigt, dass jede Debatte zu kurz greift, die sich lediglich auf Verbesserungen innerhalb des Ein- und Ausreiselagers Blankenburg beschränkt (und zentralisierte Lagerunterbringung nicht an als solche hinterfragt), auch wenn natürlich jede noch so kleine Verbesserung wünschenswert ist!

3. Schikanen & Bedrohungen durch das Lagerpersonal

a) Obwohl die Flüchtlinge mit ihrem Streik lediglich ihr Recht auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit in Anspruch nehmen, werden sie dennoch von Beginn der Proteste an seitens der Lagerleitung massiv bedroht und exemplarisch bestraft. So ist es – die Presse hat ausführlich darüber berichtet – zu mehreren Strafverlegungen in andere Lager gekommen, und auch hat sich in jüngster Zeit auf einige insbesondere der afrikanischen Flüchtlinge der Abschiebedruck massiv erhöht. Des Weiteren sehen sich die Streikenden im Kleinen mit regelrechter psychologischer Zermürbungstaktik konfrontiert. Zwei Beispiele: Vor einigen Tagen wurden mehrere exponiert am Streik beteiligte Flüchtlinge durch Mitarbeiter des lagerinternen Sicherheitsdienst ‚im Vorbeigehen’ gefragt, weshalb sie sich an einer vorgeblichen Auseinandersetzung mit Messern beteiligt hätten. Eine entsprechende Auseinandersetzung hat zwar nie stattgefunden, durch die Frage soll jedoch offensichtlich Angst geschürt werden, die Polizei könnte wegen eines entsprechenden Delikts gegen die Betreffenden ermitteln. Ein anderer, ebenfalls exponiert auftretender Flüchtling ist vergangenen Donnerstag urplötzlich am Bahnhof in Oldenburg von Polizisten angehalten und auf die Wache verbracht worden. Dort wurde er mit der Frage konfrontiert, weshalb er seit fünf Tagen das Lager nicht mehr betreten habe (was eine richtige Feststellung gewesen ist). In seinem von ihm allein belegten Zimmer im Lager hat er später eine auf seinem Bett ‚deponierte’ Aktenmappe mit einigen Zeitungsartikeln vom Streik gefunden. Dies ist unter anderem deshalb ein Skandal, weil die Lagerleitung hiermit ihre (seit jeher praktizierte) Bereitschaft demonstriert, nach eigenem Gütdünken die verschlossenen Zimmer der LagerbewohnerInnen zu betreten.
b) Diese und unzählige andere Beleidigungen und Einschüchterungen liegen auf einer Linie mit dem, was Flüchtlingen in Blankenburg tagtäglich zu widerfahren scheint. Vor diesem Hintergrund muss es irritieren, dass einige Landtagsabgeordnete nach ihrem Besuch in Blankenburg die Öffentlichkeit wissen ließen, sie hätten diesbezüglich keine Hinweise finden können. Die betreffenden Abgeordneten hatten während ihres Besuchs nicht ein Wort mit Flüchtlingen selbst gesprochen. Wir möchten deshalb dringend anraten, genau dieses zu tun. Wir jedenfalls haben nicht den geringsten Zweifel, dass die uns von dutzenden Flüchtlingen in Blankenburg detailreich geschilderten Erfahrungen nicht zutreffend sein sollten (zumal gleich lautende Berichte aus Bramsche-Hesepe, Braunschweig und anderen Lagern Legion sind).

4. Wie weiter?

Wir sind in unseren Darlegungen ausdrücklich nicht auf unsere prinzipielle Kritik an der Lagerunterbringung von Flüchtlingen eingegangen. Denn dies ist in den letzten Wochen zu Genüge geschehen und kann auf unseren Webseiten nachgelesen werden (www.nolager.de und www.alhambra.de/nolager). Worauf wir allerdings ausdrücklich hinweisen möchten, ist der Umstand, dass die Forderungen der Streikenden unmittelbar mit dem übereinstimmen, was in Niedersachsen nicht nur Menschenrechtsorganisationen und Träger der freien Wohlfahrtspflege, sondern auch Bündnis90/Die Grünen bereits seit Jahren fordern. Das betrifft insbesondere die Forderung nach dezentraler Unterbringung in eigenen Wohnungen nach spätestens 3 Monaten und die Auszahlung von Bargeld an Flüchtlinge.
Grundsätzlich möchten wir die Mitglieder des Rates einladen, sich dem von der Linkspartei/PDS eingebrachten Antrag anzuschließen. Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auch darauf, dass die Flüchtlinge in Blankenburg ihren Boykott des Essens und der 1-Euro-Jobs seit heute unterbrochen haben. Sie möchten gucken, ob sich etwas an ihrer Situation in Blankenburg ändern wird – auch im Hinblick auf die zahlreichen Vermittlungs- bzw. Schlichtungsangebote, die in den letzten Wochen von unterschiedlicher Seite unterbreitet wurden. Die konkreten Proteste werden unterdessen weitergehen.

Flüchtlinge aus Oldenburg & UnterstützerInnen


..:: [pressemitteilung vom 25. oktober 2006]..
Flüchtlinge übergeben Forderungen an niedersächsische Landtagsfraktionen


Am Mittwoch, den 25.10.06, demonstrierten ca. 200 Menschen in Hannover gegen die Lagerpolitik der niedersächsischen Landesregierung. Das Streikbündnis zur Unterstützung der Flüchtlinge des Lagers Blankenburg und der Niedersächsische Flüchtlingsrat riefen zu dieser Demonstration auf. Beteiligt haben sich Flüchtlinge aus allen drei niedersächsischen Lagern (Blankenburg, Bramsche-Hesepe und Braunschweig) und verschiedene antirassistische Gruppen aus Braunschweig, Göttingen, Osnabrück, Hannover, Bremen, Oldenburg und viele Einzelpersonen. Am Landtag übergab eine Delegation der streikenden Flüchtlinge aus Blankenburg ihre Forderungen an die Landtagsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und der FDP übergeben. Die Delegation war aus fünf VertreterInnen der verschiedenen ´comunities´ der Streikenden zusammengesetzt, sie überreichten die Forderungen persönlich. Den anderen Parteien wurden die Forderungen eingeworfen, ebenfalls wurden sie zum Innenministerium gebracht.
Durch viele Demonstrationen und Protestaktionen haben die streikenden Flüchtlinge diese Forderungen in die Öffentlichkeit gebracht und die konkreten Missstände in den Lagern sichtbar gemacht. Mit der heutigen Demonstration ist der Protest in die Landeshauptstadt Hannover getragen worden. Im Landtag wurde die Delegation von Filiz Polat Bündnis 90/Die Grünen, Ralf Briese Bündnis 90/Die Grünen sowie dem innenpolitischen Sprecher der FDP Landtagsfraktion Jörg Bode empfangen. Die Landtagsabgeordnete Filiz Polat, die aus Bramsche kommt, konnte die Forderungen der Flüchtlinge, die sie heute entgegennahm, nachvollziehen. Sie ist oft im Lager Bramsche-Hesepe gewesen und hatte durch Gespräche mit Flüchtlingen und LagermitarbeiterInnen festgestellt, dass die offiziellen Angaben der Behörden oft nicht mit der Lagerrealität übereinstimmen. So wird z.B. vom Innenministerium behauptet, dass Flüchtlinge in der Regel nicht länger als ein Jahr in einem Lager leben müssten. Ihrer Einschätzung nach beträgt der durchschnittliche Lageraufenthalt jedoch zwei bis drei Jahre. Nach Überprüfung dieser Einschätzung, sowie weiteren Kritikpunkten, will die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen erneut den Antrag zur Schließung der Lager und dezentraler Unterbringung im Landtag vorbringen. Des Weiteren wurde von der SPD und den Grünen eine unabhängige Kontroll- und Vermittlungsinstanz vorgeschlagen, mit der sowohl Flüchtlinge als auch Lagerbehörden einverstanden sein müssen. Die Flüchtlinge haben ihrerseits die Landtagsfraktionen ins Lager eingeladen, wobei sie ihren Besuch jedoch nicht bei den Behörden vorher ankündigen sollten, um sich ein authentisches Bild machen zu können und auch explizit mit Flüchtlingen sprechen sollten.
Auch an diesem Tag blieb die Repression seitens der Lagerbehörden und der Polizei nicht aus. Kurz vor der Abfahrt des Busses zur Demonstration in Hannover wurde ein Flüchtling von der Polizei in Gewahrsam genommen, mit der Begründung er sei fünf Tage nicht im Lager Blankenburg gewesen. Er hatte sich in einer kleinen Gruppe im Oldenburger Hauptbahnhof in Richtung Bus bewegt und war für einen Moment zurückgeblieben, um sich eine Flasche Wasser zu kaufen. Die Polizei nahm ihn direkt vor dem Kiosk fest und er wurde für eine Stunde ohne sein Handy oder ein anderes Telefon benutzen zu dürfen auf der Polizeiwache festgehalten. Erst als klar war, dass er den Bus zur Demonstration nicht mehr erreichen konnte wurde er wieder freigelassen. „Es ist klar ersichtlich“, so Ronald Sperling vom antirassistischen Plenum Oldenburg, „dass er gezielt davon abgehalten wurde an einer Demonstration teilzunehmen, auf der er für seine Rechte eintreten wollte.“ Dieses Vorgehen steht im Kontext einer Politik exemplarischer Bestrafung und Einschüchterung. Die massive Polizeipräsenz im Lager Blankenburg, die ständigen Botschaftsvorführungen (zur Beschaffung der Papiere für die Abschiebung) speziell von AktivistInnen und die Umverlegung einzelner AktivistInnen in andere Lager sowie die Kontrolle der Kantinenausweise soll zu einem Klima der Angst unter den Streikenden führen. Auf diese Art und Weise wird versucht den legitimen Protest der Flüchtlinge zu verhindern.
Die Flüchtlingspolitik der niedersächsischen Landesregierung verfolgt das Ziel Menschen, die Asyl beantragen möglichst schnell aus dem Land zu vertreiben. Dafür werden die Flüchtlinge nahezu ausschließlich in Lagern untergebracht, um sie von der Gesellschaft zu isolieren. Die Lebensbedingungen im Lager sind darauf ausgerichtet, den psychischen Druck auf die Flüchtlinge zu erhöhen, sie zu reglementieren und zu kontrollieren und ihre Lebensperspektive im Schwebezustand zu halten. Die gesundheitliche Versorgung und die Ernährungssituation sind unzureichend. Rassistische Schikanen durch MitarbeiterInnen der Behörden sind alltäglich.
In Niedersachsen wird seit 2000 eine Politik betrieben, in der Flüchtlinge möglichst nur noch in Lagern leben sollen. Die Umverteilung in Wohnheime und Wohnungen in die Gemeinden wurde weitgehend eingestellt. Umverteilungen finden seitdem hauptsächlich zwischen den drei großen Lagern statt, diese sind ZAAB Braunschweig, ZAAB Oldenburg und das Abschiebelager Bramsche Hesepe. In der Regel müssen die Flüchtlinge inzwischen 2 bis 3 Jahre und länger in Lagern leben.
Das Lagerleben macht krank. Im Asylbewerberleistungsgesetz ist demgegenüber lediglich eine akute Notbehandlung vorgesehen. Zwar gibt es eine Krankenstation im Lager Blankenburg, doch das Problem ist, dass Flüchtlinge, die mit Beschwerden dort hinkommen, immer wieder insistieren müssen um behandelt zu werden. Eine freie Arztwahl gibt es nicht und wenn sie zu SpezialistInnen überwiesen werden, sind dies VertragsärztInnen des Sozialamtes, die sie ebenfalls häufig wieder nach Hause schicken. Es gibt keinen Übersetzungsdienst für Krankenbesuche und so eine total reduzierte Kommunikation zwischen Arzt/Ärztin und PatientIn. Diese Situation hat in vielen Fällen dazu geführt, dass wichtige Behandlungen nicht stattgefunden haben. Hier sind Fälle bekannt, die von der Verweigerung einer Brille trotz schwerer Sehbehinderung hin bis zu einer mutmaßlich nicht diagnostizierten Krebserkrankung reichen.
Gegen diese Missstände protestieren die Flüchtlinge aus dem Lager Blankenburg/Oldenburg. Sie sind seit dem 04.10.06 im Streik. Konkret heißt das: Sowohl das Kantinenessen als auch die 1 Euro-Jobs werden boykottiert. Die Streikenden fordern stattdessen die Auszahlung von Bargeld und das Recht, ihre Nahrung selbstbestimmt zubereiten zu können. Darüber hinaus wird eine angemessene und den hiesigen Standards angepasste Gesundheitsversorgung gefordert. Grundsätzlich fordern sie eine Unterbringung in Wohnungen und ein Recht auf Arbeit.

Antirassistisches Plenum Oldenburg

 

 

..:: [pressemitteilung vom 24. oktober 2006]..
Zur Demo in Hannover
Demonstration gegen die Lagerpolitik des Landes Niedersachsen in Hannover


Am Mittwoch, den 25.10.06 wird es in Hannover eine Demonstration gegen die Niedersächsische Lagerpolitik der Landesregierung geben. Das Streikbündnis zur Unterstützung der Flüchtlinge des Lagers Blankenburg und der Niedersächsische Flüchtlingsrat rufen zu dieser Demonstration auf. Die Demonstration wird die Forderungen der Flüchtlinge aus Blankenburg bei Parteien, Verbänden und auch dem Innenministerium abgeben. Die Landesregierung steht in der Verantwortung, ihre Desintegrationspolitik gegenüber den Flüchtlinge aufzugeben und ist daher der geeignete Adressat für die Forderungen der streikenden Flüchtlinge aus der ZAAB Oldenburg/Blankenburg. Wir rufen alle Antirassischtischen Gruppen, Menschenrechtsorganisationen, Kirchlichen Verbände und Flüchtlingsorganisationen auf, sich an dieser Demonstration zu beteiligen. Außerdem rechnen wir mit der Teilnahme von Flüchtlingen aus den Lagern Bramsche und Braunschweig.
Die Niedersächsische Landesregierung setzt auf eine Lagerpolitik, die Flüchtlinge in drei Großlagern interniert. Erklärtes Ziel dieser Politik ist es, die Flüchtlinge aus der Gesellschaft auszuschließen und sie möglichst schnell wieder aus dem Land zu vertreiben. Wir kritisieren diese Politik, die auf die nahezu ausschließliche Unterbringung von Flüchtlingen in Lagern setzt. Lagerleben bedeutet einen erhöhten psychischen Druck für die Flüchtlinge, die hierher gekommen sind um Schutz zu suchen. Flüchtlinge werden in Lagern einer strikten Reglementierung und Kontrolle ausgesetzt, die gesundheitliche Versorgung ist den Erfordernissen nicht angemessen, die Ernährungssituation negiert die kulturellen Bedürfnisse sowie das Bedürfnis, individuelle Kochgewohnheiten anzuwenden sowie die Möglichkeit einer selbstbestimmten Lebensführung. Wir fordern demgegenüber ein Recht auf Selbstbestimmung, die den Flüchtlingen auch für die Dauer des Asylverfahrens Perspektiven eröffnet und eine Integration in die Gesellschaft ermöglicht. Die Unterbringung der Flüchtlinge sollte spätestens drei Monate nach Stellung des Asylantrag in Wohnungen sein.
Eine Voraussetzung für die Teilhabe und Selbstbestimmung der Flüchtlinge ist weiterhin, Geld- statt Sachleistungen zu erhalten. Die Forderungen der Flüchtlinge aus Blankenburg richten sich daher insbesondere gegen die niedersächsische Interpretation des Asylbewerberleistungsgesetzes. Hierin heißt es, dass Flüchtlingen “vorrangig” Sachleistungen zu gewähren seien. Doch die Möglichkeit Geldleistungen auszuzahlen ist in diesem Gesetz ebenfalls ausdrücklich vorgesehen. Das hat dazu geführt, dass mittlerweile 9 von 16 Bundesländern ganz oder überwiegend auf die Auszahlung von Bargeld an Flüchtlinge umgestiegen sind! Wir fordern von der Landesregierung die Auszahlung von Bargeld an die Flüchtlinge.
Flüchtlinge brauchen einen Ort, der sie aufnimmt, an dem sie ankommen. Sie brauchen Unterstützung und Beratung und wollen ihre alltäglichen Lebensbezüge, wie jeder Mensch, selbst bestimmen und gestalten. Das Leben im Lager setzt die Menschen unter permanenten Psychostress und hält sie im Schwebezustand des "Nichtangekommenseins".
Gegen diese Politik der Lagerunterbringung werden wir am Mittwoch, den 25.10.06 in Hannover demonstrieren.


Wir unterstützen weiterhin den politischen Protest der Flüchtlinge in Blankenburg.

Die nächsten Veranstaltungen sind:
Montag 23.10.06 Infoveranstaltung zum Streik, im Alhambra in Oldenburg, Hermannstraße 83, um 20 Uhr
Mittwoch 25.10.06 Demonstration gegen die Internierung in Lagern in Hannover, um 13 Uhr vor dem Hauptbahnhof.
Freigag, 27.10.06 16 Uhr Konzert mit der Band Yalla Yalla Movement (Dancehall Reggae) vor dem Lager in Blankenburg

Antirassistisches Plenum Oldenburg

 

..:: [pressemitteilung vom 23. oktober 2006]..
Zur Deinformationspolitik von Lagerleiter Lüttgau

Seit dem Beginn des Streiks der Flüchtlinge in der ZAAB Oldenburg hat der Leiter des Lagers, Herr Lüttgau, verschiedene Behauptungen in der Presse erhoben, um den berechtigten Protest der Flüchtlinge zu delegitimieren. Wir möchten hiermit seinen öffentlich in der Presse getätigten Aussagen unsere Sichtweise gegenüberstellen. Bei seinen öffentlichen Aussagen handelt es sich um eine gezielte Desinformation. Die Öffentlichkeit hat jedoch ein Recht darauf, die Antworten von Seiten der betroffenen Flüchtlinge zu erhalten.

Die erste Behauptung, die Herr Lüttgau stereotyp in der Presse wiederholt, ist, dass es nur eine Minderheit von ca. 50 Menschen wäre, die sich am Streik beteiligt.
Hierzu stellen wir klar, dass die erste große Demonstration im Lager am Mittwoch, den 04.10.06, von der absoluten Mehrheit der anwesenden BewohnerInnen der ZAAB getragen wurde. Daran haben sich ca. 200 Menschen beteiligt. Im Folgenden wurde der Streik beschlossen und von der überwiegenden Mehrheit der Flüchtlinge auch getragen. Erst durch die massive Präsenz der Polizei und die Einschüchterung von Flüchtlingen durch Botschaftsvorführungen und Umverteilung von Aktivisten in andere Lager haben einige Flüchtlinge Angst bekommen, sich öffentlich zu zeigen. Zudem wurden auf Demonstrationen Fotos durch das Lager-Personal gemacht und diese dann mit den Ausweisen im Lager verglichen. Der passive Boykott der Lagerkantine und der Streik gegen die Ein-Euro-Jobs werden weiterhin von der Mehrheit der Flüchtlinge getragen.

Lagerleiter Lüttgau und auch Innenminister Schünemann behaupten immer wieder, dass die Proteste von außen gesteuert werden, durch das Antirassistische Plenum und das No-Lager Netzwerk.
Hierzu stellen wir klar: Die Anti-Lager-Tage Ende September stellte den Flüchtlingen eine Plattform zur Verfügung, um über ihre Lebensbedingungen im Lager zu reden sowie sich über ihre Rechte zu informieren. Dieses Angebot haben die Flüchtlinge genutzt. Auch das Gerücht, es würden „aggressive Chaoten vor das Lager ziehen, die gefährlich wären“, hielt die Flüchtlinge nicht davon ab, sich zahlreich an den Anti-Lagertagen zu beteiligen. Auf den Anti-Lager-Tagen ist die Protestform des Streiks nicht diskutiert worden. „Die Streikentscheidung ging allein von den Flüchtlingen aus“, so Ronald Sperling, ein Sprecher des Antirassistischen Plenums Oldenburg. „Sie waren froh Bündnispartner in ihrem Kampf um ihre Rechte zu haben.“ Der Streik und die Demonstration am 04.10. im Lager ist allein von den Flüchtlingen beschlossen worden. Die AktivistInnen des antirassistischen Plenums und des No-Lager Netzwerkes waren daran nicht beteiligt. Sie unterstützen die Flüchtlinge in ihrem Protest und in ihrem Kampf für ihre Rechte. „Die Forderungen haben die Flüchtlinge selbst aufgestellt. Wir bringen sie in die Öffentlichkeit“, so Olaf Bernau vom Streikbündnis.

Eine weitere Behauptung zur Diffamierung des Streikes ist, es würde Druck auf andere Flüchtlinge ausgeübt, so dass diese sich an dem Streik beteiligen. Dieses Argument soll suggerieren, dass der Streik mit Gewalt gegen die Mehrheit der Bewohner durchgesetzt werden musste.
„Die Absicht ist offensichtlich. Die Proteste sollen diffamiert werden“, so Olaf Bernau vom bundesweiten NoLager-Netzwerk. „Es soll davon abgelenkt werden, dass die Forderungen der streikenden Flüchtlinge unmittelbar mit dem übereinstimmen, was in Niedersachsen nicht nur Menschenrechtsorganisationen und Träger der freien Wohlfahrtspflege, sondern auch Bündnis90/Die Grünen bereits seit Jahren fordern“.

Gleichzeitig wird in den Presseartikeln von Lagerleiter Lüttgau immer wieder an Bilder von angebliche brutale und kriminelle Machenschaften der Flüchtlinge angeknüpft. So behauptete er im Interview mit der NWZ vom 13.10., dass „vor allem Schwarze“ hierher kommen, um „in kurzer Zeit möglichst viel Geld (zu) verdienen, zur Bezahlung ihrer Schlepper.“ Mit solchen Behauptungen wird ein offener Rassismus durch den Leiter der ZAAB Oldenburg geschürt. Dies geht damit einher, die Flüchtlinge nicht als gleichwertige Gesprächspartner zu akzeptieren, sondern deren Forderungen als überzogen und inakzeptabel zu diffamieren.
Es ist das Recht der Flüchtlinge, ihr Grundrecht auf Versammlungsfreiheit und Meinungsfreiheit wahrzunehmen und für die Verbesserung ihrer Situation zu kämpfen. Eine demokratische Auseinandersetzung zu führen, heißt auch die Forderungen der Flüchtlinge anzuhören und bereit zu sein, Missstände abzustellen. „Anstatt den Protest zu kriminalisieren, sollte die Auseinandersetzung um Lagerpolitik in Niedersachsen politisch geführt werden“, betont Ronald Sperling vom Antirassistischen Plenum Oldenburg. „Knackpunkt ist“, so Sperling weiter, „dass Niedersachsen ausdrücklich auf Lagerpolitik setzt“. Nur so könne der erforderliche Druck aufgebaut werden, Flüchtlinge zur so genannten „Freiwilligen Ausreise“ zu drängen, so denn sie nicht gleich abgeschoben oder in die Illegalität getrieben würden. Das sei auch der Grund, weshalb Niedersachsen zur Minderheit der sechs Bundesländer gehöre, die Flüchtlingen kein Bargeld auszahlen.

Wir werden auch weiterhin den Streik der Flüchtlinge und den Kampf für ihre Rechte unterstützen.

Antirassistisches Plenum Oldenburg

 

..:: [pressemitteilung vom 19. oktober 2006]..
Behörden reagieren mit Härte
Flüchtlingsaktivist aus Blankenburg strafverlegt

Seit über 2 Wochen boykottieren die BewohnerInnen des Ein- und Ausreiselagers Blankenburg das Kantinenessen und die lagerinternen 1-Eurojobs. Anlass des Streiks ist die Kantinenzwangsverpflegung. Die Flüchtlinge fordern stattdessen die Auszahlung von Bargeld und somit die Möglichkeit, ihr Essen selbstbestimmt, das heißt gemäß kultureller Gewohnheiten und individueller Vorlieben zubereiten zu können. Grundsätzlich fordern sie die Umverteilung in gemeindenahe (d.h. nicht isoliert gelegene) Wohnungen. Obwohl der Streik in keinster Form gegen geltendes Recht verstößt, bemühen sich Lagerleitung und Ausländerbehörde von Beginn an, die Streikenden durch gezielte Desinformationen und exemplarische Bestrafungen einzuschüchtern bzw. mundtot zu machen. „Dieses Vorgehen ist leider gängige Praxis“, bestätigt Olaf Bernau vom bundesweiten NoLager-Netzwerk. „Als im Frühjahr Flüchtlinge im Abschiebelager Bramsche demonstrierten, wurden drei ihrer Vertreter in andere Lager umverteilt.“
Gleiches geschieht nunmehr auch in Blankenburg. Bereits vergangene Woche wurden zwei als Rädelsführer gebrandmarkte Flüchtlinge aus Afrika in die Landesgemeinschaftsunterkünfte nach Braunschweig bzw. Bramsche strafverlegt. Heute morgen ist ein aus der Türkei stammender Aktivist um 6.30 Uhr von einem beträchtlichen Polizeiaufgebot abgeholt und nach Schnega, einem kleinem Dorf im Wendtland, zwangsverbracht worden. Der Betroffene hatte in den vergangenen Wochen mehrmals als Ansprechpartner für die Presse zur Verfügung gestanden. Seine neues Wohnumfeld kommentiert er bitter: „Fünf, sechs Häuser, was ist das, das ist Dschungel?!“ „Das Vorgehen der Behörden ist nicht weniger als ein Anschlag auf die Meinungs- und Vereinigungsfreiheit“, kommentiert Ronald Sperling vom Antirassistischen Plenum Oldenburg. „Die unsichere Aufenthalts- und Lebenssituation der Flüchtlinge wird als Druckmittel missbraucht, sie sollen daran gehindert werden, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrzunehmen.“ Im Falle des nach Schenga umverteilten Aktivisten kommt den Behörden obendrein die so genannte Residenzpflicht zur Hilfe, wonach Flüchtlinge ihren Landkreis nur mit schriftlicher Genehmigung der Behörden verlassen dürfen. Sollte der Betroffene also weiterhin in Oldenburg öffentlich auftreten, könnte er jedes Mal wegen Verstoß gegen die Residenzpflicht belangt werden. Am morgigen Freitag wird um 11 Uhr vor dem Ein- und Ausreiselager Blankenburg eine Pressekonferenz stattfinden. Neben Kai Weber vom Niedersächsischen Flüchtlingsrat werden dort insbesondere Flüchtlinge von ihrer Situation im Lager berichten. Hierzu gehört auch die genaue Schilderung davon, wie die zuständigen Behörden durch eine Doppelstrategie aus Zuckerbrot und Peitsche systematisch Druck auf die Streikenden ausüben und auf diese Weise unverbrüchliche Grundrechte unterhöhlen.

Gemeinsame Erklärung der Streikenden und des Bündnisses zur Unterstützung des Streiks.

 

 

..:: [pressemitteilung vom 17. oktober 2006]..
Flüchtlingsstreik in Blankenburg spitzt sich zu
Streikbündnis weist Vorwürfe entschieden zurück

In mehreren Tageszeitungen (u.a. „Die Welt“, „Neue Presse“ und „Weserkurier“) wird am heutigen Montag von schweren Vorwürfen gegen die Beteiligten des seit fast 2 Wochen andauernden Flüchtlingsstreiks im Ein- und Ausreiselager Blankenburg berichtet. Der Boykott der Kantine und der lagerinternen 1-Eurojobs sei ferngesteuert, einige wenige Aufwiegler innerhalb und außerhalb des Lagers erzeugten ein Klima der Angst – so unter anderem Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann. Unmittelbarer Anlass der Berichte war eine kurze Handgreiflichkeit zwischen Christian Lüttgau, dem Leiter der Zentralen Aufnahme- und Ausländerbehörde in Blankenburg, und ca. 20 DemonstrantInnen, die am Sonntag vor Lüttgaus Privathaus einen symbolischen Zaun errichtet hatten.„Die Absicht ist offensichtlich. Die Proteste sollen diffamiert werden“, entgegnet Olaf Bernau vom bundesweiten NoLager-Netzwerk. „Es soll davon abgelenkt werden, dass die Forderungen der streikenden Flüchtlinge unmittelbar mit dem übereinstimmen, was in Niedersachsen nicht nur Menschenrechtsorganisationen und Träger der freien Wohlfahrtspflege, sondern auch Bündnis90/Die Grünen bereits seit Jahren fordern“. 2004 veröffentlichte der Niedersächsische Flüchtlingsrat, die AWO, das deutsche Rote Kreuz, die Caritas, das Diakonische Werk, die Jüdische Wohlfahrt und der paritätische Verband Niedersachsen ein gemeinsames „Memorandum zur Asyl- und Flüchtlingspolitik der Niedersächsischen Landesregierung“. Unter anderem wird dort eine dezentrale Unterbringungen in eigenen Wohnungen nach spätestens 3 Monaten und die Auszahlung von Bargeld an Flüchtlinge gefordert. Auch die niedersächsischen Grünen haben sich diese Forderungen längst zu eigen gemacht. So erklärte die Landtagsabgeordnete Georgia Langhans im März 2006 anlässlich einer Demonstrationen von Flüchtlingen aus dem Abschiebelager Bramsche: „Es gibt kein Argument, diese Art der Unterbringung von Flüchtlingen weiter aufrecht zu erhalten. Niedersachsen sollte seine Vorreiterrolle in dieser inhumanen Praxis aufgeben. Die Menschen sollten nach wenigen Tagen aus der Einrichtung raus und dezentral in den Städten und Gemeinden untergebracht werden, wie es auch der Gesetzgeber vorsieht.“
„Anstatt ein Sicherheitsproblem herbeizureden, sollte die Auseinandersetzung um Lagerpolitik in Niedersachsen politisch geführt werden“, betont Ronald Sperling vom Antirassismusplenum Oldenburg. „Knackpunkt ist“, so Sperling weiter, „dass Niedersachsen ausdrücklich auf Lagerpolitik setzt“. Nur so könne der erforderliche Druck aufgebaut werden, Flüchtlinge zur so genannten „Freiwilligen Ausreise“ zu drängen, so denn sie nicht gleich abgeschoben oder in die Illegalität getrieben würden. Das sei auch der Grund, weshalb Niedersachsen zur Minderheit der 6 Bundesländer gehöre, die Flüchtlingen kein Bargeld auszahlten.
Wir möchten die Presse einladen, sich vor Ort ein eigenes Bild von der Situation zu machen. Insbesondere möchte wir darauf hinweisen, dass VertreterInnen der Streikenden grundsätzlich für Interviews zur Verfügung stehen. Dieser Hinweis ist uns deshalb wichtig, weil die Streikenden auch dem von der Lagerleitung in Umlauf gebrachten Gerücht widersprechen möchten, wonach der Streik nur von einer Minderheit der Flüchtlinge forciert würde. Darüber hinaus möchten die Flüchtlinge von den Versuchen der Lagerleitung und der Ausländerbehörde berichten, den Streik zu brechen. Hierzu gehört nicht nur, dass seit Beginn des Streiks in der Kantine bis dato unbekanntes Festessen aufgetischt wird. Schlimmer ist, dass insbesondere afrikanische AktivistInnen durch Botschaftsvorführungen gezielt eingeschüchtert werden sollen. Auf der gestrigen Vollversammlung der Streikenden und ihrer UnterstützerInnen wurde beschlossen, den Streik unbefristet fortzusetzen.Am Donnerstag, den 19.10. wird auf dem Unigelände eine Protestkundgebung stattfinden. Geplant sind des Weiteren eine Pressekonferenz vor dem Lager am Freitag, den 20.10., voraussichtlich um 11 Uhr und eine Demonstration in Hannover nächste Woche (die genauen Termine und Orte von den weiteren Protesten werden alsbald bekannt gemacht werden).

Gemeinsame Erklärung der Streikenden und des Bündnisses zur Unterstützung des Streiks.

 

 

..:: [pressemitteilung vom 13. oktober 2006]..
Erneute Demonstration zum Streik der Flüchtlinge in Oldenburg

Auch heute sind die streikenden Flüchtlinge und viele Unterstützer mit einer Demonstration durch die Innenstadt Oldenburgs gezogen. Es waren mehr DemonstrationsteilnehmerInnen als letzten Freitag, ca. 300 Menschen solidarisierten sich mit dem Protest der Flüchtlinge oder waren selber streikende Flüchtlinge. Es wurden mehrere Reden gehalten, die nochmal die Verhältnisse im Lager Blankenburg zum Thema machten. Viele Flüchtlinge berichteten über die Missstände in der Gesundheits- und Essensversorgung, sowie die diskriminierende Behandlung im Lager. Auch Flüchtlinge aus dem Abschiebelager Bramsche sprachen auf der Demonstration. In den Reden wurde auch der heutige Artikel der Nordwestzeitung thematisiert, der ein großes Foto vom angeblich guten Essen in der Lagerkantine und den Speiseplan dieser Woche abgedruckt hatte. Die Flüchtlinge sagten, sie hätten ein solches Essen noch nie in der Lagerkantine gesehen. Sie sagten, vielleicht glaube der Autor des Artikels, man könne das Zeitungsbild essen. Die NWZ beteiligt sich dabei offensichtlich an der Kampagne gegen den Streik und verläßt jedes Gebot einer objektiven Berichterstattung. Sie präsentiert das jetzt aufgetischte Festessen der Lagerleitung als Normalität. Dieser Boulevard-Journalismus überzeugt aber niemanden, sondern schürt lediglich rassistische Ressentiments von überzogenen Forderungen der Flüchtlinge.
Der Streik der Flüchtlinge ist gegen das Sachleistungsprinzip des Asylbewerberleisungsgesetz gerichtet. Die Forderung ist sich selbstbestimmt mit eigenen Lebensmitteln nach eigenen kulturellen Bedürfnissen zu versorgen. Die NWZ will aber offensichtlich die Zusammenhänge gar nicht sehen, sondern den Streik als unberechtigt und unbegründet erscheinen lassen.
Gestern zog eine kleine Demonstration von 40-50 Leuten durch die Innenstadt und warb bei verschiedenen Institutionen für die Unterstützung des Streiks. Ziel war es außerdem, verschiedene Parteien (SPD und Bündnis90/Die Grünen), Institutionen (Rathaus), Vereine Kirchengemeinden zu besuchen und mit den Forderungen der Streikenden ‚bekannt’ zu machen. Die Lagerbehörden reagieren zunehmend mit Repression gegen die streikenden Flüchtlinge. Konkret heißt das, dass seit Beginn des Streiks insbesondere Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern verstärkt zu Botschaftsvorführungen vorgeladen werden; sie sollen dort mit den für die Abschiebung erforderlichen Ersatzreisepapieren ausgestattet werden. Hinzu kommt (neben einer Vielzahl ‚am Rande’ ausgestoßener Androhungen seitens des Lagerpersonals und der Polizei), dass gestern zwei am Streik beteiligte Flüchtlinge nach Bramsche und Blankenburg zwangsumverteilt wurden. Der eine von ihnen war zuvor während einer Demo auf dem Lagergelände von der Polizei brutal festgenommen und zusammengeschlagen worden. Es werden Fotos auf den Protestaktionen gemacht, um die AktivistInnen zu ermitteln und diese gezielt mit Repression, Umverteilung in ein anderes Lager und Abschiebung zu bedrohen.
Wir verurteilen die Maßnahmen der Lagerleitung, die dem berechtigten politischen Widerstand mit Einschüchterung und Repression entgegentritt.
Hintergrund zum Stichwort Botschaftsvorführungen: Die EU-Regierungen setzen vor allem afrikanische Länder immer stärker unter Druck (durch eine Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche z.B. durch Gewährung von Entwicklungshilfe oder nicht), Passersatzpapiere zum Zwecke der Abschiebung auszustellen. Bislang haben das viele Botschaften nur sehr schleppend getan, oft einfach deshalb, weil die betroffenen Länder dringend auf die finanziellen Rücküberweisungen "ihrer" Flüchtlinge und MigrantInnen angewiesen sind. Mit anderen Worten: Der Flüchtlingsstreik in Blankenburg führt mitten in all die Fragen, die bereits seit Monaten intensiv in der Öffentlichkeit verhandelt werden: Vor den Kanarischen Inseln und im Mittelmeer sterben täglich Bootsflüchtlinge; dem wiederum versuchen die Regierungen in Europa unter anderem durch verstärkte Abschiebungsbemühungen Einhalt zu gebieten. Da bietet es sich natürlich an, die entsprechenden Maßnahmen auch gegen die anzuwenden, die in Europa für ihre Rechte kämpfen.

Antirassistisches Plenum Oldenburg

 

..:: [pressemitteilung vom 11. oktober 2006]..
Ein Zwischenstandsbericht zum Streik
Lager Blankenburg

Seit Mittwoch, den 4. Oktober, befinden sich die BewohnerInnen des 7 Kilometer von Oldenburg entfernten Flüchtlingslagers „Blankenburg“ im unbefristeten Streik. Konkret heißt das: Sowohl das Kantinenessen als auch die lagerinternen 1-Euro-Jobs werden boykottiert. Mit ihrem Streik setzen sich die Flüchtlinge gegen eine Lagerrealität zur Wehr, die im Kern auf Kontrolle, Entwürdigung und Zermürbung zielt.
Ihre Forderungen sind: Geld statt Sachleistungen zu erhalten, um sich ihr Essen selber kochen zu können. Zudem wollen sie eine bessere Gesundheitsversorgung und eine menschenwürdige Behandlung durch die BehördenmitarbeitInnen im Lager, sowie eine Umverteilung in Wohnungen.
Vorgeschichte
Vom 29.09 – 1.10 fanden in Oldenburg/Blankenburg die Antilager-Aktionstage vor der ZAAB (Zentrale Aufnahmestelle und Ausländerbehörde) Oldenburg statt. Die Veranstaltung war auf drei Tage angelegt und sollte mehr Kontakt zwischen antirassistischen Initiativen und Flüchtlingen aus dem Lager Blankenburg herstellen. Ein buntes Grüppchen von AktivistInnen baute am Blankenburger See eine Zeltstadt auf - zwei Veranstaltungszelte, ein Infozelt und ein Küchenzelt. Es gab gemeinsame sportliche Aktivitäten und Diskussion über die Situation im Lager und den Kampf gegen die Lagerpolitik.
Die Flüchtlinge berichteten auf den Veranstaltungen über ihre Situation. Sie kritisierten das schlechte und ungenießbare Essen aus der Lagerkantine, zur Sprache kamen auch, die Missstände bei der medizinischen Versorgung, und die unwürdige Behandlung durch die MitarbeiterInnen der ZAAB.
Das Essen ist vitaminarm und minderwertig. Es gibt eine Kantine für die Flüchtlinge und eine Zweite für die MitarbeiterInnen der ZAAB, dort wird ein anderes Essen ausgegeben.
In der Veranstaltung über rechtliche Fragen wurde erzählt, dass viele Flüchtlinge nicht einmal mehr die schmalen Bargeldbeträge von 38,18 € im Monat erhalten würden. Bei einigen sind die Geldbeträge gänzlich gestrichen worden, weil sie ihre Unterschrift unter den „Ausreisevertrag“ verweigert hätten.
Die Flüchtlinge werden von den LagermitarbeiterInnen häufig diskriminierend behandelt. Ein Flüchtling erzählte, dass ihm ein Mitarbeiter gesagt hat: „Wir stehen halt in der Tradition der Nazis“. Der Ausspruch sollte ihm zeigen, dass er keine Perspektive in diesem Land hat. Er dankte den Anwesenden auf den Antilagertagen, dass sie dieses Bild relativiert hätten und sagte: „Ich bin froh das ich noch nicht abgeschoben worden bin und dieses Anti-Lager-Camp noch miterlebt habe. Sonst würde ich glauben, dass in Deutschland nur Rassisten wohnen.“
Die Flüchtlinge kamen zu den Antilagertagen obwohl sie vorher von den Lagerbehörden gehört hatten, dass dort „Chaoten“ vor das Lagertor ziehen würden, die gefährlich sind. Die Lagerleitung verhängte für die Zeit der Aktionstage eine Besuchssperre, niemand durfte in dieser Zeit Besucher mit in die ZAAB nehmen. Neben der Besuchssperre wurden aber großzügig Reiseerlaubnisse ausgestellt, damit die Flüchtlinge für die Zeit der Antilagertage nicht vor Ort sind. Diese Erlaubnisse müssen beantragt werden, weil die Flüchtlinge der Residenzpflicht unterliegen und nicht ohne Genehmigung den ihnen zugewiesenen Landkreis verlassen dürfen. Eine Frau berichtete, wie froh sie ist dieses Angebot nicht angenommen zu haben und die Aktionstage über da geblieben zu sein.
Vor Ort war ein massives Polizeiaufgebot stationiert worden, das zusätzliche Absperrgitter mitgebracht hatte und sich vor dem Lagertor positionierte.
Am Samstag, den 30.09 gab eine Demonstration mit ca. 300 – 350 Teilnehmern in der Innenstadt. Es wurde lautstark die Abschaffung der Lager gefordert und auf mehreren Redebeiträgen auch die Funktion der Lager benannt.
Streikbeginn
Nach dem Ende der Antilagertage in Blankenburg hielten die Flüchtlinge in Blankenburg selber treffen ab und organisierten eine Demonstration vor der Sozialbehörde und der Kantine auf dem Lagergelände. An dieser nahmen ca. 200 Flüchtlinge Teil. Sie verlangten den Lagerleiter zu sprechen und protestierten gegen die Lagerbedingungen in Blankenburg. Der Lagerleiter rief die Polizei, die nach einiger Zeit mit einem Großaufgebot auf dem Lagergelände erschien. Auch der Lagerleiter Lüttgau sprach mit den Flüchtlingen war aber nicht gewillt auf deren Forderungen einzugehen.
Ein Mitarbeiter der politischen Polizei trat an Flüchtlinge heran und gab ihnen seine Dienststellennummer, um über die Organisierung der Flüchtlinge nähere Angaben zu erhalten. Von besonderem Interesse war für ihn, wer die Antilagertage organisiert hatte und welche Organisationsstrukturen der Protest hat. Gleichzeitig war seine Aufforderung zur Bespitzelung damit verbunden, für die Flüchtlinge selber etwas tun zu können.
Nach der Demonstration wurde dann von den Flüchtlingen beschlossen in einen unbefristeten Streik zu treten. Der Streik sollte sich auf die Lagerkantine beziehen und auf die Ausführung der Ein Euro Jobs. Unterstützer von Außerhalb organisierten Essensspenden, um die Flüchtlinge im Lager mit Lebensmitteln zu versorgen. Das Lagerpersonal muß nun selber die Putz- und Reinigungsarbeiten, sowie die Gartenarbeiten im Lager übernehmen.
Gleichzeitig drohte man den Flüchtlingen an, dass sie auch nach dem Streik keine Ein Euro Jobs mehr erhalten könnten. Diese Jobs werden im Lager an Personen ausgegeben, die eine Ausreisevereinbarung unterschrieben haben.
Am Donnerstag den 5.10. fand erneut eine Demonstration auf dem Lagergelände statt. Die Flüchtlinge wurden jetzt vom Lagerleiter Lüttgau zu einem Gespräch geladen, an dem sie sich mit einer Delegation von 12 Flüchtlingen beteiligten. In diesem Gespräch ging der Lagerleiter auf ihre Forderungen nicht ein, sondern behauptete, dass das Essen besser sei, als das was die Flüchtlinge in ihren Herkunftsländern bekommen würden. Auch bei der gesundheitlichen Versorgung konnte der Lagerleiter keine Mängel erkennen. Die Flüchtlinge machen immer wieder die Erfahrung, dass sie für alle möglichen Krankheiten zumeist das Schmerzmittel Paracetamol erhalten. Sie werden kaum an Spezialisten außerhalb des Lagers überwiesen, eine wirkliche Diagnose der Krankheiten findet in der Regel nicht statt. Die eingesetzte Ärztin äußert sich häufig diskriminierend und ist bestrebt die Flüchtlinge schnellst möglich wieder aus dem Behandlungszimmer zu bekommen.
Die Lagerleitung ging auf die Forderung der Flüchtlinge zur Verbesserung ihrer Lebenssituation im Lager nicht ein. Stattdessen wurden einzelne Flüchtlinge mit behördlichen Sanktionen belegt, von denen man vermutete, dass sie eine führende Rolle beim Widerstand gegen das Lager innehaben. Diese Flüchtlinge konnten keine Besuchserlaubnis mehr erhalten, mit der sarkastischen Begründung sie könnten ja dagegen streiken. Auch haben Flüchtlinge ihre Duldung nur noch auf zwei Monate verlängert bekommen und gleichzeitig eine Vorladung erhalten, um über den Streik Auskunft zu geben. Die Lagerleitung setzt offenbar auf die Spaltung der Flüchtlinge, denn seit dem Wochenende können einige Flüchtlinge eine großzügige Besuchserlaubnis erhalten und sogar bis zu vier Wochen Verwandte und Freunde in Deutschland besuchen.
Am Freitag, den 06.10., fand eine Demonstration in der Innenstadt Oldenburgs statt, um die Öffentlichkeit über den Streik im Lager Blankenburg zu informieren. Es nahmen ca. 200 – 250 DemonstrantInnen teil. In Redebeiträgen wurde die Öffentlichkeit aufgerufen den Streik mit Lebensmittel- und Geldspenden zu unterstützen. Am Samstag 07.10 wurde auch ein Redebeitrag zu dem Streik auf der Nord Demonstration des MigrationsAktionstage in Hamburg gehalten. Auch hier wurde zu Spenden aufgerufen.
Der Streik wird fortgesetzt werden und in den nächsten Tagen sollen weitere Aktionen gemacht werden, um die Öffentlichkeit auf die Lebensbedingungen im Lager aufmerksam zu machen.
Hintergrundinformationen
Der Streik setzt an konkreten Forderungen an, die sich gegen das Sachleistungsprinzip des „Asylbewerberleistungsgesetzes“ wenden. Gefordert werden Geldleistungen statt Sachleistungen zu erhalten. In vielen Bundesländern wird schon vorwiegend Geld statt Sachleistungen an die Asylbewerber ausgezahlt. So wurden in Mecklenburg Vorpommern in einigen Lagern die Kantine abgeschafft und Geldleistungen ausgezahlt, damit sich die Flüchtlinge selber mit Lebensmitteln versorgen können. Dies ist kein Einzelfall, auch in Hamburg Bremen, Hessen Sachsen Anhalt, Berlin, Schleswig-Holstein, Nordrhein Westfalen und Rheinland-Pfalz werden überwiegend Geldleistungen statt Sachleistungen ausgezahlt. In Niedersachsen wird seit 2000 eine Politik betrieben, in der Flüchtlinge möglichst nur noch in Lagern leben sollen. So wurde seit dem die Umverteilung in dezentrale Wohnheime und Wohnungen weitgehend eingeschränkt. Umverteilungen finden seitdem hauptsächlich zwischen den drei großen Lagern statt, diese sind ZAAB Braunschweig, ZAAB Oldenburg und das Lager Bramsche Hesepe. Von der ZAAB Oldenburg aus werden die Flüchtlinge in das Außenlager Bramsche Hesepe verlegt. Das Lager Bramsche Hesepe ist ein Modellprojekt. Im neuen Zuwanderungsgesetz werden solche Lager zynischerweise als „Ausreisezentren“ bezeichnet. Der Begriff brachte es 2003 schon einmal auf Platz 2 als Unwort des Jahres. Sprachlich korrekter kann man solche Lager nach ihrer Zweckbestimmung als Abschiebelager bezeichnen. Offiziell werden dort Flüchtlinge eingewiesen, deren Antrag auf Asyl seitens der Behördeneinschätzung nur geringe Aussichten auf Erfolg hat. Bei 0,9 % Anerkennungsquote für AsylbewerberInnen im Jahr 2005 kann das praktisch jeder sein. Das Lager hat die Aufgabe Druck auf die Menschen auszuüben, damit sie möglichst schnell freiwillig in ihr Herkunftsland ausreisen. Nach der offiziellen Darstellung soll Flüchtlingen geholfen werden „freiwillig auszureisen“. Die Methoden aus Bramsche werden aber auch zunehmend in der ZAAB Oldenburg und Braunschweig angewandt.
Der Innenminister Schünemann setzt darauf, dass Flüchtlinge in Lagern besser zu kontrollieren sind und ihre erzwungene Ausreise leichter durchzusetzen ist. Er wendet sich dezidiert gegen die dezentrale Umverteilung in die Gemeinden, obwohl die Kosten für die Unterbringung hier nur die Hälfte der Kosten ausmacht, die eine Lagereinrichtung verschlingt. Bei einer offiziellen Anfrage der Grünen im Niedersächsischen Landtag nach den Kosten der Lagerunterbringung werden die Ausgaben für dezentrale Unterbringung in den Gemeinden auf 4270 Euro pro Jahr berechnet. Die Kosten für eine Lagerunterbringung betragen pro Jahr 9662 €. Die Mehrkosten rechtfertigt der Innenminister mit der Effizienz der Lager in Punkto Rückführungen. (Quelle: http://www.mi.niedersachsen.de/master/C26319126_L20_D0_I522_h1.html )
Eine Integration der Flüchtlinge in die Gesellschaft ist nicht vorgesehen, sondern die Lagerpolitik hat das erklärte Ziel Menschen zu isolieren und einen verfestigten Aufenthaltsstatus zu verhindern. Schünemann erklärt dazu: „(Es) müsse eine faktische Verfestigung des Aufenthaltes der weit überwiegenden Zahl der Betroffenen verhindert werden. Dies könne am besten in einer zentralen Landeseinrichtung erreicht werden.“ (Quelle: http://www.mi.niedersachsen.de/master/C7419695_L20_D0_I522_h1.html)
Die Rückkehrförderung steht im Zentrum der Landespolitik. Die Bedingungen im Lager sind an dieser Politik ausgerichtet. Vergünstigungen für Flüchtlinge gibt es nur, wenn sie nach abgelehntem Asylantrag oder sogar vor der Ablehnung ihren Antrag zurückziehen und in die „freiwillige Rückkehr“ einwilligen. Um dieses Ziel zu erreichen wird durch die Lagerverwaltung ein großer psychischer Druck gegenüber den Flüchtlingen aufgebaut. Hierzu gehören häufige Interviews, Botschaftsvorführungen, Streichungen des Taschengeldes, schlechte Lebensbedingungen, minderwertiges Essen, sowie unzureichende medizinische Versorgung und eine Abhängigkeit von bürokratischen Verwaltungsbehörden, die jegliche Perspektive einen verfestigten Aufenthaltsstatus zu erlangen zu verhindern trachten. Eine wirkliche „freiwillige“ Entscheidung der Flüchtlinge würde Alternativen voraussetzen, die einzige Möglichkeit, die den Flüchtlingen im Lager bleiben soll, ist die durch das Lagerpersonal zielgerichtete und forcierte Ausreise. Für Flüchtlinge wird in den Lagern ein Klima der existenziellen Ausweglosigkeit geschaffen. Dies führt dazu, dass Flüchtlinge in die Illegalität abtauchen und so kriminalisiert werden. Die Politik nimmt diesen Prozeß der Entrechtung billigend in kauf, weil die Flüchtlinge dann dem Sozialsystem nicht mehr zu last fallen. Neben der Illegalität und der freiwilligen Ausreise werden aus den Lagern Flüchtlinge auch immer wieder zwangsweise abgeschoben.
Gegen diese kalkulierte Verschlechterung ihrer Lebenssituation und die Alternativlosigkeit des Lagerlebens sind die Flüchtlinge in der ZAAB Oldenburg/Blankenburg in den Streik getreten. Sie wehren sich gegen eine Asyl- und Lagerpolitik, die ihnen systematisch ihre Lebensperspektiven nimmt. Wir fordern die Abschaffung des Lagersystems. Wir laden alle PressevertreterInnen ein über den Streik der Flüchtlinge aus der ZAAB Blankenburg zu berichten. Wir vermitteln auch gerne Kontakte zu streikenden Flüchtlingen, machen Sie sich selbstständig ein Bild über die Bedingungen, in denen Flüchtlinge in den Lagern leben müssen.

Antirassistisches Plenum Oldenburg

 

 

..:: [pressemitteilung vom 06. oktober 2006]..
Demonstration zum Streik der Flüchtlinge in Oldenburg

Heute am Freitag den 06.10.06 sind wir mit einer lautstarken Demonstration durch die Innenstadt Oldenburgs gezogen, um den Streik im Lager Blankenburg auch in die Öffentlichkeit zu tragen. Ca. 200-250 Demonstranten beteiligten sich an der Demonstration.
Auf mehreren Zwischenkundgebungen wurden Redebeiträge gehalten. Wo es sowohl um die unmenschlichen Bedingungen im Lager Blankenburg, sowie dem Abschiebelager Bramsche ging. Eine Delegation aus dem Abschiebelager Bramsche nahm ebenfalls an der Demonstration teil.
Die Demonstration war bunt und kraftvoll und wurde mit vielen Trommeln begleitet. Flüchtlinge stellten ihre Forderungen lautstark über das Mikrophon dar und bekräftigten ihre Bereitschaft den Protest fortzusetzen. Zum Ende der Demonstration gab es ein kleines Konzert am Rathausmarkt von Mono und Nikitaman, sowie von einem Flüchtling der Akapella sang.
Die Flüchtlinge in Blankenburg sind seit dem 04.10. in einen unbefristeten Streik getreten. Sie boykottieren das Kantinenessen und die Ausführung der Ein-Euro-Jobs. Mit ihrem Streik setzen sich die Flüchtlinge gegen eine Lagerrealität zur Wehr, die im Kern auf Kontrolle, Entwürdigung und Zermürbung zielt. Ihre Forderungen sind: Zur Ernährung
- Sich im Lager mit Essen selber in dezentralen Küchen versorgen zu können und dafür Geldleistungen statt Sachleistungen zu erhalten.

Zum Gesundheitssystem
- Eine normale medizinische Behandlung mit einer freien Arztwahl zu bekommen.
Zu Menschenrechten
- Ein Ende der diskriminierenden, rassistischen und unwürdigen Behandlungen durch das Lagerpersonal.
Zur allgemeinen Lebenssituation
- Genug und richtige Materialien zur Kinderpflege.
- Die Busverbindung muss verbessert werden.
- Freien Zugang zur Waschmaschine.
- Keinen Transfer mehr in das Abschiebelager Bramsche.
- Eine Umverteilung in Wohnungen und nicht in andere Abschiebelager.
- Eine Arbeitserlaubnis.
- Ausreichende Geldmittel für Ernährung, Hygiene und Kleidung.

Die UnterstützerInnen riefen die Bevölkerung Oldenburgs auf sich mit dem Protest der Flüchtlinge aus Blankenburg zu solidarisieren und Lebensmittel für eine alternative Essensversorgung im Lager zu spenden. Dies ist also auch ein Aufruf, die Flüchtlinge mit Lebensmitteln und Geld zu unterstützen.
Der Widerstand wird weiter gehen. Nächste Woche Freitag, 13.10.2006, 16.00 Uhr wird es erneut eine Demonstration geben, die ebenfalls am Bahnhof Oldenburg beginnt.

Antirassistisches Plenum Oldenburg

 

..:: [pressemitteilung vom 05. oktober 2006]..
Flüchtlinge im Lager Blankenburg sind seit dem 04.10.06 in Streik getreten.

Gestern morgen haben in der ZAAB Oldenburg 200 Menschen vor dem Sozialamt und der Essensausgabestelle gegen ihre unwürdigen Lagerbedingungen protestiert. Sie sind jetzt in den Streik getreten und verweigern das schlechte Lageressen, sowie die Ausführung der Ein–Euro-Jobs.
Das Lager-Essen ist vitaminarm, was zu Krankheiten und Mangelerscheinungen führt. Viele Menschen im Lager gehen schon lange nicht mehr in die Kantine, sie haben im Monat nur 38,18 Euro zur Verfügung um sich eigene Lebensmittel zu kaufen. Viele erhalten überhaupt kein Bargeld mehr. Sie fordern unter anderem Geldleistungen, um sich ihre Lebensmittel selber kaufen zu können und die Möglichkeit selber zu kochen.
Die Lagerleitung reagierte auf die friedliche Demonstration mit einem massiven Polizeiaufgebot. Eine schwangere Frau wurde mit Pefferspray angegriffen und mußte ärztlich behandelt werden.
Die Flüchtlinge boten dem Lagerleiter Herr Lüttgau an, die Demonstration zu beenden, wenn er bereit sei von dem Essen zu kosten. Dies tat er nicht.
Desweiteren forderten die Menschen aus Blankenburg eine medizinische Versorgung, die Krankheiten auch behandelt. Bisher bekommen die Flüchtlinge zurmeißt das Schmerzmittel Paracetamol, egal um welche Krankheit es sich handelt.
Die Flüchtlinge protestieren ebenso gegen die unmenschliche Behandlung der Lagerbehörden, die häufig mit rassistischen Äußerungen und bürokratischen Maßnahmen die Lagerbewohner schikanieren.
Gegen diese unwürdigen Lagerbedingungen sind die Flüchtlinge nun in Streik getreten und rufen zu einer Demonstration am Freitag, den 06.10.06, um 14 Uhr in Oldenburg vor dem Bahnhof auf.
Wir laden alle Menschen ein sich mit den Forderungen zu solidarisieren und gegen das Lager in Blankenburg zu demonstrieren!
3 Menschen, die sich von außerhalb mit den Demonstranten solidarisierten, sind mit Hausverbot bestraft worden, worauf eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch folgen soll. Andere Besucher sind gar nicht in die ZAAB hereingelassen worden. Die Lagerleitung scheut sich vor der Öffentlichkeit, die die unhaltbaren Zustände im Lager offen legen könnte. UnterstützerInnen organisieren zur Zeit Lebensmittel für eine alternative Essensversorgung für den Streik im Lager. Dies ist also auch ein Aufruf, die Flüchtlinge konkret zu unterstützen, in dem Lebensmittel und Geld gespendet werden.Morgen, 6.10.2006, findet um 14.00 Uhr eine Demonstration ab dem Oldenburger Bahnhof statt. Nächste Woche Freitag, 13.10.2006, 16.00 Uhr wird es erneut eine größer angekündigte Demonstration geben, die ebenfalls am Bahnhof Oldenburg beginnt.

Antirassistisches Plenum Oldenburg

 

..:: [pressemitteilung vom 04. oktober 2006]..
Flüchtlinge im Lager Blankenburg sind heute, den 04.10.06 in Streik getreten.

Heute morgen haben in der ZAAB Oldenburg 200 Menschen vor dem Sozialamt und der Essensausgabestelle gegen ihre unwürdigen Lagerbedingungen protestiert. Sie sind jetzt in den Streik getreten und verweigern das schlechte Lageressen, sowie die Ausführung der Ein–Euro-Jobs.
Das Lager-Essen ist vitaminarm, was zu Krankheiten und Mangelerscheinungen führt. Viele Menschen im Lager gehen schon lange nicht mehr in die Kantine, sie haben im Monat nur 38,18 Euro zur Verfügung um sich eigene Lebensmittel zu kaufen. Viele erhalten überhaupt kein Bargeld mehr. Sie fordern unter anderem Geldleistungen, um sich ihre Lebensmittel selber kaufen zu können und die Möglichkeit selber zu kochen.
Die Lagerleitung reagierte auf die friedliche Demonstration mit einem massiven Polizeiaufgebot. Eine schwangere Frau wurde mit Pefferspray angegriffen und mußte ärztlich behandelt werden.
Die Flüchtlinge boten dem Lagerleiter Herr Lüttgau an, die Demonstration zu beenden, wenn er bereit sei von dem Essen zu kosten. Dies tat er nicht.
Desweiteren forderten die Menschen aus Blankenburg eine medizinische Versorgung, die Krankheiten auch behandelt. Bisher bekommen die Flüchtlinge zurmeißt das Schmerzmittel Paracetamol, egal um welche Krankheit es sich handelt.
Die Flüchtlinge protestieren ebenso gegen die unmenschliche Behandlung der Lagerbehörden, die häufig mit rassistischen Äußerungen und bürokratischen Maßnahmen die Lagerbewohner schikanieren.
Gegen diese unwürdigen Lagerbedingungen sind die Flüchtlinge nun in Streik getreten und rufen zu einer Demonstration am Freitag, den 06.10.06, um 14 Uhr in Oldenburg vor dem Bahnhof auf.
Wir laden alle Menschen ein sich mit den Forderungen zu solidarisieren und gegen das Lager in Blankenburg zu demonstrieren!
3 Menschen, die sich von außerhalb mit den Demonstranten solidarisierten, sind mit Hausverbot bestraft worden, worauf eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch folgen soll. Andere Besucher sind gar nicht in die ZAAB hereingelassen worden. Die Lagerleitung scheut sich vor der Öffentlichkeit, die die unhaltbaren Zustände im Lager offen legen könnte.

Antirassistisches Plenum Oldenburg