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[erfahrungsberichte aus blankenburg]

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Repressionen im Zusammenhang mit den Protesten]

[Transfer] Seit dem der Streik angefangen hat, haben die Behörden damit angefangen unsere Ausweise zu kopieren. Als ich mein Taschengeld abholen wollte, hat die Frau von der Behörde meinen Ausweis genommen und kopiert. Ich habe sie gefragt, warum sie das gemacht hat, aber sie hat mir darauf keine Antwort gegeben. Ich habe angefangen mit ihr zu diskutieren und dann hat sie meinen Ausweis in meine Akte gepackt und wollte ihn mir nicht wiedergeben. Ich bin über den Tisch gesprungen und habe ihn mir dann selber genommen.

Als ich vorgestern zufällig nicht zu Hause war hat mir mein Zimmernachbar erzählt, dass die Polizei mich gesucht hat. Es waren fünf Polizisten und zwei Männer vom Amt. Sie wollten ihm nicht sagen, was sie von mir wollen. Sie kamen letzte Nacht und heute morgen wieder. Ich weiß nicht, warum sie mich suchen, ich habe niemanden getötet, vergewaltigt, Drogen verkauft oder eine andere Straftat begangen. Meine Vermutung ist, dass sie mich in ein anderes Lager verlegen wollen, weil ich mich an dem Kantinenstreik beteiligt habe. Ich habe Angst und traue mich nicht mehr, in meinem Zimmer zu schlafen. Ich habe Angst davor in ein anderes Lager in einem anderen Ort verlegt zu werden, weil ich nicht weiss, was das für Konsequenzen für mich hätte. Ich kenne niemanden in den anderen Lagern und den Orten, was es für die Behörden und die Polizei leichter macht mich unter Druck zu setzen. Außerdem weiss ich nicht, ob es aus einem anderen Lager einfacher ist mich abzuschieben.
Ich habe große Angst davor zurück in das Land zu müssen, aus dem ich komme.

Oldenburg, 17.10.2006

 

[Polizeipräsenz im Lager] Im Lager gibt es zurzeit sehr viel Polizei. Die Leute bleiben auf den Zimmern und trauen sich nicht vor die Tür, weil sie Angst vor der Polizei haben.
Zwei Menschen wurden von der Polizei geschlagen und in andere Lager verlegt.
Die Polizei hat zurzeit 2 Kleinbusse und drei PKW ständig im Lager. Es gibt andauernd Patrouillen, teilweise mit Hunden, im Lager und um das Lager herum.Besonders am Sozialamt, dem Restaurant und der Cafeteria.

Oldenburg, 17.10.2006

 

 

...:: [Über den Umgang mit den Menschen im Lager]

[1] Ich bin ein Afrikaner, der seit zwei Jahren im Lager Blankenburg lebt. Als ich Asyl beantragt habe, habe ich alle zwei Wochen 19,90€ bekommen. Im Sozialamt wurde mir auch ein Video gezeigt, in dem gesagt wurde, dass ich in jedem Fall maximal drei Monate in Blankenburg bleiben werde. Aber als ich schon für fünf Monate in Blankenburg gelebt hatte, wurde mir mein Taschengeld, diese 19,90€, gestrichen und als ich versuchte herauszufinden warum, wurde mir gesagt, dass ich kein Anrecht mehr darauf hätte und dass ich meine Papiere bringen müsste, um zurück in mein Land zu gehen. Diese Taschengeldstreichung ist nicht nur bei mir vorgekommen sondern bei sehr vielen, auch bei schwangeren Frauen und Frauen mit Kindern. Die Situation wurde immer schlimmer bis wir uns entschieden hatten, dass die Öffentlichkeit darüber Bescheid wissen sollte, was in Blankenburg passiert. Wir organisierten eine Demonstration und entschieden uns zu streiken, also die 1€ Jobs zu boykottieren und auch nicht mehr in die Kantine zu gehen, um das Essen zu essen, das wie Tierfutter zubereitet wird.
Einige von uns, die die BewohnerInnen aus Blankenburg darüber informieren wollten, warum der Streik durchgeführt werden sollte und dass wir Demonstrationen in Oldenburg machen sollten, um die Lagerbedingungen in und außerhalb Oldenburgs bekannt zu machen, bekamen Briefe von den Behörden, in denen sie aufgefordert wurden zur Botschaft zu gehen. Auch ich habe einen solchen Brief bekommen wurde darüber hinaus von der Polizei bedroht, damit ich nicht zu den Demonstrationen gehen sollte. Zwei Asylbewerber, die sich an den Demonstrationen beteiligt hatten, wurde verhaftet und in andere Lager transferiert, um so den Demonstrationsgeist zu schwächen. Die Polizei und die Mitarbeiter des Lagers versuchen uns wegen den Beteiligungen an Demonstrationen und dem Streik zu kriminalisieren.
Momentan ist die Polizei im ganzen Lager präsent. Sie sind seit einer Woche den ganzen Tag da. Nachts gehen sie zu Zimmern von AktivistInnen, um nach ihnen zu suchen. Es sind immer ein oder zwei MitarbeiterInnen des Lagers, drei oder vier PolizistInnen mit ca. zwei Hunden. Blankenburg ist jetzt wie das „Gefängnis in Guantanamo Bay“, in dem die Polizei jede Nacht mit Hunden über das komplette Gelände patroulliert, um uns daran zu hindern für unsere Rechte zu demonstrieren. Ich und andere AktivistInnen sind Menschen, die wie alle Menschen das Recht haben, eine Meinung zu haben. Die meisten von uns AktivistInnen verstecken sich jetzt, weil die Polizei nach uns sucht, vielleicht um uns ins Gefängnis oder an einen Ort zu bringen, den wir nicht kennen. Und das nur weil wir von einem Recht Gebrauch machen, dass meiner Meinung nach ein Menschenrecht ist.

Oldenburg, 17.10.2006

 

[2] Zwei Monate nachdem ich meinem Asylantrag gestellt habe, fingen die Probleme an. Die ersten zwei Monate habe ich, wie alle anderen auch, alle zwei Wochen 19€ bekommen. Nach diesen zwei Monaten habe ich gar nichts mehr bekommen. Bis heute, also seit einem Jahr und vier Monaten, habe ich kein Geld vom Sozialamt bekommen, Geld, dass mir rechtlich zusteht, weil alle Asylbewerber ein Recht auf dieses Geld haben. Sie haben mir diese 19€ gestrichen, weil ich kein Papier oder Dokument, was meine Identität belegen könnte, vorlegen wollte. Diejenigen, die ein solches Papier vorgelegt haben, sind jetzt in Afrika und es ist ganz normal, dass eine Person, die in Deutschland bleiben möchte, Angst hat, ihre Papiere vorzulegen. Zur Zeit bekommt fast niemand diese 19€ und ich frage mich, wie AsylbewerberInnen ohne finanzielle Mittel leben sollen. Schlimmer ist noch die Kantine, in der wir rassistischen Äußerungen ausgesetzt sind. Und das Menü ist immer gleich. Jeden Tag Reis und eine Sauce ohne Fisch oder Fleisch. Es ist sehr schwierig, diese Nahrung zu sich zu nehmen. Ich bin also gezwungen jeden Tag Brot mit Butter zu essen. Jeden Tag ernähre ich mich von Brot mit Butter. Wir wohnen zu fünft in einem Zimmer, das normalerweise noch nicht einmal für eine Person reichen würde. Es gibt keinen Ort, an dem wir unsere Teller spülen können, wir müssen dafür ins Gemeinschaftsbadezimmer gehen. Wenn ich krank bin und zum Arzt gehe, ist Paracetamol das einzige, was mir verschrieben wird. Ich hatte Bauchschmerzen, und das, was mir gegeben wurde, war Paracetamol. Es ist unglaublich, dass ich hier im Lager hungern muss, weil ich nichts zu Essen habe und dass ich krank geworden bin, weil mir immer nur Paracetamol verschrieben wurde. Wir wollen, dass die Öffentlichkeit über unsere Probleme informiert ist, aber wir werden daran gehindert, die Wahrheit zu sagen. Wir Aktivisten werden stark bedrängt. Zur Zeit schlafe ich nicht mehr in meinem Zimmer, weil jede Nacht Polizisten in mein Zimmer kommen, um mich zu suchen. Ich bin mir sicher, dass sie mich zurück nach Afrika schicken wollen. Weil ich Angst habe abgeschoben zu werden verstecke ich mich. Ich kann mir auch keinen Anwalt leisten, der/die mich in dieser Situation unterstützen kann. Freunde von mir, die im Streik aktiv waren wurden schon verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht. Ich bitte darum um Hilfe und Unterstützung für diese Situation. Vielen dank.

Oldenburg, 17.10.2006

 

[Meine Erfahrungen im Lager] Nach mehreren Jahren im Lager bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass wir wie in einem Gefängnis leben.

Soziales
1. Alle Personen, egal wie alt sie sind, bekommen ein Taschengeld (19,09 €), das uns noch nicht einmal ermöglicht, sich für eine Woche zu vergnügen oder wichtigen Bedürfnissen nachzukommen (z.B. einen Anwalt nehmen oder ein Transport ins Krankenhaus). 2. Die Gutscheine im Wert von 15,34 € ermöglichen es noch nicht mal bestimmte Kleidung zu kaufen. Wenn jemand beispielsweise im November aus Afrika hier ankommt und ein warmes Kleidungsstück haben möchte, um sich vor der Kälte zu schützen, wird es diejenige Person nicht bekommen können. Man riskiert also vor Kälte zu sterben und es gibt niemanden, der einem helfen kann.

Ernährung
1. Es ist schwierig für einen Menschen, der aus Afrika kommt, das Essen in der Kantine zu essen. Außerdem wird das Essen von anderen Personen ausgegeben und somit ist uns die Möglichkeit entzogen, selber zu entscheiden, wie viel wir essen wollen. 2. Ich erinnere mich an einen Tag an dem ich in der Kantine eine Frau getroffen habe, die nur französisch sprechen konnte. Sie erzählte mir, dass sie in der Kantine kein Essen bekommen konnte. Ich versuchte zu übersetzen und fand heraus, dass sie nur ihren Ausweis hätte vorzeigen müssen. Als ich die MitarbeiterInnen fragte, warum sie der Frau kein Essen geben wollen, obwohl es eindeutig ist, dass die Frau im Lager wohnt, sagten sie mir, dass es ihre Anweisungen seien und dass man ohne Ausweis auch kein Essen bekommt. Die Frau konnte ihren Ausweis jedoch nicht vorzeigen, weil sie sich mit einer Frau das Zimmer teilt und sie beide nur einen Schlüssel haben. Diese Frau war jedoch mit dem Schlüssel in die Stadt gefahren. An diesem Tag bekam die Frau kein Essen. 3. Wenn man sich beschwert, dass das Essen nicht schmeckt, wird geantwortet, dass man doch froh sein solle, überhaupt etwas zu essen zu bekommen, weil es doch in Afrika überhaupt kein Essen gebe.

Medizinische Versorgung
Wenn du krank bist, ist die medizinische Versorgung nicht ausreichend und es ist meistens unmöglich einen Dolmetscher fürs Krankenhaus zu bekommen. Und es ist für jemanden, der gerade in Deutschland angekommen ist, ist es dann unmöglich der Ärztin seine Beschwerden mitzuteilen. Ich selber habe heute ein taubes Ohr. Verursacht wurde das dadurch, dass ich durch die Ärzte im Lager mangelhaft behandelt wurde. Als ich nämlich in diesem Lager angekommen bin, hatte ich TBC und wurde auf dem Lagergelände behandelt. Wobei die Krankenstation auf dem Lager überhaupt nicht für die Behandlung von Virusinfektion ausgestattet ist. Zuerst habe ich in einem Zimmer neben der Krankenstation gewohnt, damit meine Behandlung leichter verlaufen konnte. Einige Tage später musste ich jedoch dieses Zimmer verlassen und in einem Zimmer mit acht Personen zusammen leben. Als ich danach fragte, warum ich in ein solches Zimmer gekommen bin, wurde mir gesagt, dass hier kein Hotel sei und ich nicht bei mir zu Hause in Afrika wäre. Ich musste jeden morgen im Winter zur Krankenstation gehen, um meine Medikamente zu nehmen und bekam dadurch nach einiger Zeit Ohrenschmerzen. Als ich den Ärzten von dieser Beschwerde berichtete, wurde mir gesagt, dass ich scherze mache. Als ich mich weiter beschwerte und sagte, dass ich mit dem einen Ohr nicht mehr hören kann, wurde ich endlich zu einem Facharzt überwiesen. Nachdem dieser mich untersucht hatte, sagte er mir, dass mein Ohr vollkommen gesund sei und dass ich gar keine Schmerzen haben kann. Trotzdem empfahl er mir einen zweiten Facharzt in einem Krankenhaus zu Rate zu ziehen. Nachdem ich dieses den Ärzten im Lager erzählte, sagten sie mir, dass es nicht nötig sei einen zweiten Facharzt aufzusuchen, wenn ich kerngesund sei. Nach mehreren aufreibenden Gesprächen mit den Ärzten bekam ich endlich nach mehreren Wochen einen Termin für das Krankenhaus. Bis dahin musste ich die ganze Zeit Schmerzmittel nehmen, damit ich die Schmerzen ertragen konnte. Und ich musste sie von meinem Taschengeld bezahlen. Im Krankenhaus war ich zehn Tage in Behandlung. Sie zeigte jedoch keinen Erfolg. In einem Brief vom Krankenhaus an die ZAAB-Leitung wurde empfohlen, dass mein Gehirn untersucht werden sollte. Das ist bis heute – aus Kostengründen – nicht geschehen. Es ist unverständlich, wie man ein menschliches Wesen so behandeln kann. Bis heute wurden meine Ohren oft wieder untersucht. Und ich habe immer Schmerzen und kann auf dem einen Ohr nicht hören. Es ist nicht so schlimm nur mit einem Ohr zu leben. Aber ich habe Angst auch das zweite zu verlieren. Deswegen kämpfe ich immer noch dafür, dass man mich heilt, weil ich mir sicher bin, dass es noch eine Chance gibt wieder zu hören. Aber die Ärztin will nicht auf mich hören. Sie sagt, dass es an den Nebenwirkungen der TBC-Medikamente liegt. Und dann versteh ich aber nicht, warum ich, obwohl ich seit einem Jahr und drei Monaten ständig Schmerzen habe, mir immer wieder zu verstehen gegeben wird, dass ich mit diesen Schmerzen leben muss. Ich verlangte dafür eine Behandlung, habe sie jedoch erst Monate später bekommen. Als ich mich über diese Verspätung beschwerte, fragten sie mich, ob es in Afrika ähnliche Behandlungsmethoden gibt. Und sie sagten mir, dass ich lieber nach Hause gehen soll, wenn ich nicht warten kann. Oft werfen die Assistenten den Patienten vor, dass sie die Krankheiten vortäuschen und sagen, dass sie nicht verstehen können, warum sie nicht wieder nach Hause gehen würden. Als ich weiterhin darauf bestand behandelt zu werden, wurde mir gesagt, dass es in Deutschland nicht genug Geld dafür gebe.

Waschgelegenheiten
Wir können nicht selber entscheiden, bei welcher Temperatur und bei welchem Waschgang wir unsere Kleidung waschen. Oft wurde unsere Kleidung durch die Maschine zerstört. Auch unsere Bettwäsche wird vom Personal gewechselt und zwar nur an festen Terminen. Verpasst man diesen Termin, beispielsweise weil man einen Arzttermin hat, kann man die Bettwäsche erst zum nächsten Termin wechseln. Und dann beschweren sie sich auch noch, dass die Bettwäsche stinkt.

Die Hausmeister
Unsere Beziehungen zu den Hausmeistern waren immer angespannt. Zum Beispiel betreten sie die Zimmer und die Dusche ohne anzuklopfen, was sehr unangenehm ist, wenn man gerade dabei ist sich anzuziehen oder tief schläft. Kurz gesagt: es wird eine sehr unangenehme Stimmung geschaffen, in der sich ein Asylbewerber wie in einem Gefängnis fühlen muss.

Oldenburg, 17.10.2006

 

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