Erste Eindrücke von der Demonstration vom 30. November, Oldenburg Global Action Day
for Education
Die heutige Demo war trotz nicht so guter Ankündigung (kaum Plakate oder Aufkleber) gut besucht. Die Veranstalter sprachen von 600 TeilnehmerInnen - wenn ich bedenke, das wir häufig in Reihen von fünf Leuten gingen und die Menschenschlange schön lang war, könnte dies hinkommen.
Schwarze Klamotten sind im Herbst auf Demos vermutlich weniger Ausdruck politischer Gesinnung denn üblicher Kleiderordnung, somit war äußerlich an uns nichts zu vermuten. Die Demo war angemeldet und somit für mich seit langem ungewohnt liefen wir durch die Innenstadt Oldenburgs.
Jede/r Zweite hatte eine Trillerpfeife und benutzte sie auch häufig, Watte war das was mir fehlte, aber daran hätte ich halt denken müssen. Da die Demo aus Kreisen der Studiengebührenboykottgruppe an der Universität organisiert wurde, war der Studiengebührenboykott natürlich überproportional gut vertreten, war aber z. B. durch eine Art Hörspiel mit verteilten Rollen auch gut vermittelt.(Manchmal schläft mensch ja ein bei Demoreden, hier war das humorvoll gemacht) Zweimal wurde die Demo auf einmal ziemlich schnell und wir und die neu eingekleideten an nordamerikanische Sheriffs erinnernde "Begleitung" kamen ins Schwitzen.
Andere Redebeiträge kamen von einem Flüchtling aus dem Lager Blankenburg, einem Vertreter der "Montagsdemo gegen Hartz 4" und der internationale Aspekt "Global Action Day" wurde mit Beiträgen bedacht, die höchst powervoll und emotional vorgetragen wurden.
Eine Einschätzung, das durch die schmale Mobilisierung fast nur StudentInnen teilgenommen hätten, kann ich nicht machen, ganz junge SchülerInnen war wohl eher nicht da und LehrerInnen wohl auch weniger.
Aber selbst dann hat das Thema Education viele auf die Straße gebracht, und ich war im Vorfeld erstaunt, das im Aufruf selbst die Auszubildenden im Handwerk oder Industrie Erwähnung fanden, wenn auch mehr die, die keinen Platz fanden. Aber kann mann den Uni-Leuten einen Vorwurf machen, sie kennen die Zustände dort nicht. Die Auszubildenden machen dort häufig schon mit 16 Jahren erste Erfahrungen mit dem "Kapital" und erarbeiten sich ihre Ausbildung selber.
Das im Vorfeld der Demo so viel Angst vor militanten Videos da war, das selbst der Link auf die offizielle Homepage der Kampagne "Global Action Day for Education" gelöscht wurde, erstaunt mich immer noch. Diese offiziell Seite brachte selbst auch nicht viel mehr wie den Aufruf und das Video. Verspielte Chance, mehr über die internationalen Auseinandersetzungen im Bildungsbereich z.B. in Chile, Mexico, Griechenland usw. zu berichten. Die Reden auf der Demo waren nicht schlecht, aber in Zeiten von bezahlbaren Multimediatechniken im Internet meiner Meinung nach zu wenig.
Aber Arbeit macht es: Kurz nach der Demo muss ich Fotos von dem Handy und der Kamera überspielen, (die Batterien haben natürlich schlapp gemacht), die Tonaufnahmen vom Handy in ein Format konvertieren, welches die meisten Computer verstehen, alles noch etwas bearbeiten und dann ins Netz stellen. Und dann noch Text schreiben. Hier nun erst einmal das "Hörspiel" zu den Studiengebührenboykott in Handyqualität
(Ich schreib immer Studienboykott und muß mich dann verschlechtern) Da ich selber die Demo fast nur über den Studiengebührenboykott der StudentInnen reflektiere, hier die anderen Aspekte:
eine leider gekürzter Redebeitrag zu Oaxaca
, ein übersetzter Beitrag eines Flüchtlings aus dem Lager Blankenburg
und ein Beitrag über die Situation der Flüchtlinge in Blankenburg und Bramsche allgemein
Tonqualität: naja
Davon mit Ja gestimmt: 3.132, entspricht 13,2% der Studierendenschaft
Davon mit Nein gestimmt: 919
Es hätten 15% aller Studis mit Ja stimmen müssen, damit ist die Urabstimmung gescheitert.
Es handelt sich um eine landesweite Kampagne, daher steht und fällt die
Aktion nicht nur mit dem Erfolg einer einzelnen Hochschule. Die meisten
niedersächsischen Hochschulen nehmen gleichzeitig teil und üben
gemeinsam den politischen Druck auf die Landesregierung aus. Darüber
hinaus laufen Aktionen und Boykotte zur Abschaffung der Gebühren
zeitgleich auch in anderen Bundesländern.
Auch schlechte Nachrichten haben was gutes - macht es besser. Die Redax.