Anti Lager Tour

Für Bewegungsfreiheit.
Gegen Abschiebung und Ausgrenzung

Abschiebeknäste - Abschiebelager - Aufnahmelager - Ausreisezentren - Containerlager - Einzelentscheider - Entrechtung - Flüchtlingswohnheime - Gemeinschaftsunterkünfte - Gutscheinsystem - Illegalisierung - Isolation - LASten - Personenkontrolle - Residenzpflicht – ZASTen - Zwangsarbeit für 1 Euro...

So buchstabiert sich das Alphabet der alltäglichen Ausgrenzungs- und Nadelstichpolitik gegen Flüchtlinge in Deutschland.


Buskarten gibt es:
nach der Demo am 8.8. in
Blankenburg am Kaffeestand
Montags im Antifa-Cafe von 20:30 bis 21:30
und Donnerstags in der Kneipe im Alhambra
im 3.Welt-Laden (Auguststr. 50)
Mi. und Fr. von 15:00-18:00 Uhr

Die Kampagne gegen die Lager ist ein Kampf gegen Grenzen, die uns unterteilen, einteilen und voneinander isolieren, uns beherrschbar, verwertbar und verfügbar machen sollen. Diese Einteilung und Aussonderung von Menschen machen wir nicht mit, nicht die Aufteilung der Gesellschaften und der Welt in Zonen der Armut und des Reichtums, des Zugangs zu Rechten und der Rechtlosigkeit, in Zonen des Krieges und falschen Friedens.
Wir wollen diese Fundamente der herrschenden Verhältnisse, die Zäune der Lager, die sichtbaren und unsichtbaren Grenzen untergraben, unser Wissen und unsere Erfahrungen im Widersetzen verknüpfen. Solidarität verbindet unsere Kämpfe für Befreiung miteinander!

Lager – überall in diesem Land gibt es diese Nicht-Orte, die auf keiner Landkarte verzeichnet sind. Wir wollen neue Karten zeichnen. Landkarten des Widerstandes, die sichtbaren Zäune und Mauern aktiv angreifen, laut herunterreißen oder leise umschiffen, unterspülen, unterlaufen, uns nehmen, was wir brauchen. Laute und leise Neins des alltäglichen Widerstehens, das laute und entschiedene Nein – NO!


Tourdaten

20.-24.8. Bramsche Hesepe
25.-26. 8. Hannover (Abschiebeknast Langenhagen)
26.8. Aktionstag in Halberstadt (Sammellager in S.-Anhalt)
27.-31.8. Parchim, Tramm/Zapel, Schwerin
1.9. Berlin
2.-5.9. Camp in Eisenhüttenstadt


Soliaktionen in Oldenburg:

Donnerstag, 29.Juli. um 20.30 Uhr: Info- und Vorbereitungstreffen (Alhambra, Hermannstraße 83)

Mitttwoch, 4.August. um 17 Uhr: Inforadiosendung auf Oeins (UKW 106,5)

Sonntag, 8.August. um 14 Uhr ab Julius-Mosen-Platz: Inliner-Skateboard-Fahrrad-Demo nach Blankenburg mit anschliessendem Fest, Infoveranstaltung und Workshop vor’m Lager

Mittwoch, 18. August 20 Uhr: Die Lebenssituation von Flüchtlingen und MigrantInnen in der BRD und ihre politische Selbstorganisation, Vortrag mit Maik Alabi, „The Voice“ (Carl-von-Ossietzky-Universität, Uhlhornsweg, Raum A1-0-010


Aktionen in Bramsche-Hesepe:

20. bis 24.August: Camp beim Abschiebelager mit Aktionen und Infos

Samstag, 21.August um 12 Uhr: große Auftaktdemonstration ab Bahnhof Bramsche-Hesepe

Sonntag, 22.August: Fahrt zur Demo in Neuss (NRW) zum Frauenabschiebeknast - spez. FrauenLesbenTrans-Mobilisierung - vom Protest-Camp in Bramsche aus

Samstag, 21.8. ca. 10 Uhr: Busabfahrt von Oldenburg nach Bramsche zur Demo (vermutl. ab alhambra und ab Zast; genaue Abfahrtszeit und -ort gibt’s bald unter www.alhambra.de)



Hintergrund - ABSCHIEBELAGER, „AUSREISEZENTREN“

Seit Anfang 1998 gibt es die ersten speziellen Abschiebelager (Projekt X in Braunschweig, Haus 16 in Oldenburg). Mit ihnen schufen die Innenministerien eine weitere Variante im bereits seit den 80ern bestehenden Lagersystem. Obwohl Abschiebung oder die sog. „freiwillige“ Ausreise das offizielle Ziel ist, handelt es sich tatsächlich um Illegalisierungslager - auf die dort eingewiesenen Flüchtlinge wird soviel Zwang ausgeübt, dass die Hälfte es vorzieht, in die totale Rechtlosigkeit abzutauchen. Dies ist ein von den Behörden offiziell verlautbarter Erfolg. Geschaffen werden weitere papierlose, irreguläre ArbeiterInnen, die perfekt ausgebeutet werden können. Flüchtlinge, deren Asylantrag abgelehnt wurde, deren Abschiebung aber z.B. mangels Pass nicht realisierbar ist, werden ins Abschiebelager geschickt. Die betroffenen Flüchtlinge, die oft schon viele Jahre in Deutschland leben, müssen ihre Wohnung verlassen, ihr soziales Umfeld, ihre Arbeit aufgeben, Kinder ihre Schule, und sich viele Kilometer weit weg ins Abschiebelager begeben. Den Flüchtlingen in diesen Lagern wird das (Taschen-)Geld gestrichen, sie werden ständig kontrolliert, ihre Zimmer durchsucht, Gegenstände, die sie angeblich nicht besitzen dürfen, werden weggenommen. Sie müssen sich regelmäßig melden, werden immer wieder verhört, mürbe gemacht und unter Druck gesetzt, auf dass sie Deutschland endlich verlassen. Dies bedeutet einen permanenten Stresspegel für die Betroffenen; dem psychischen Druck und der massiven Einschränkung der Lebensgestaltung ist schwer standzuhalten. Aber trotzdem: Die Einführung der sog. Ausreisezentren in verschiedenen Bundesländern war immer schon von Widerstand innerhalb und außerhalb der Lagerzäune begleitet. In Bayern konnte die Landesregierung nach permanenten Protesten bis hin zu den Aktionstagen in Fürth im vergangenen Jahr keine weiteren „Ausreisezentren“ mehr durchsetzen. Der Widerstand wird nicht abreissen, solange Menschen in diese inhumanen Bedingungen gezwungen werden.

Hintergrund - ZASt OLDENBURG

Auch in Oldenburg werden Flüchtlinge 7 km von der Stadt entfernt in einer Masseneinrichtung untergebracht. Auf dem zunächst idyllisch erscheinenden Gelände des ehemaligen Klosters Blankenburg leben z.Zt. ca. 550 Menschen in völliger Abgeschiedenheit und Isolation. Die Stadt selbst weigert sich, AsylbewerberInnen aufzunehmen. Blankenburg ist eine sog. Zentrale Anlaufstelle (ZASt), in der Menschen aus unterschiedlichsten Lebenskontexten - eigentlich für den Zeitraum ihres Asylantrags, längstens jedoch 3 Monate - einander aufgedrängt werden. Mit den zurückgehenden Flüchtlingszahlen der letzten 10 Jahre werden jedoch zunehmend dezentrale Wohnheime geschlossen. So findet eine sog. „Umverteilung“ nun zynischerweise auf dem ZASt Gelände selber statt, von Haus A nach Haus XY.

Für die Menschen bedeutet dies ein Leben, was dauerhaft von Fremdbestimmung und Kontrolle dominiert wird: Der Lageralltag bestimmt, wann es etwas zu essen gibt und was; zwischen diesen aufgezwungenen Terminen bleiben meist nur Stunden zermürbender Langeweile; über die Ausgabe des minimalen Taschengeldes (19,- Euro alle 14 Tage) wird die dauerhafte Anwesenheit kontrolliert und ohnehin erlaubt die Residenzpflicht ein „freies Bewegen“ nur im Landkreis und der Stadt Oldenburg.
Diese dauerhafte Kontrolle ist erklärtes Ziel des Systems Lager, wie auch M. Kosock, Leiter der ZASt erklärt: Nur ein verschwindend geringer Teil der Flüchtlinge wird die Anerkennung als politische Flüchtlinge erfahren, weshalb eine Integration der Menschen erst gar nicht angestrebt ist. In der ZASt sind die Flüchtlinge besser erfaßbar, um ihre bevorstehende Ausweisung „besser“ begleiten zu können. So rechtfertigt die ZASt Leitung ihre Arbeit.
Für die Flüchtlinge bedeutet diese Realität häufig, daß sie 2-3 Jahre ihres Lebens letztlich erfolglos mit Versuchen verschwenden, den deutschen Verhältnissen akzeptable Lebensperspektiven abzutrotzen, um dann doch wieder in ihr Herkunftsland zurückkehren zu müssen.

Für Bewegungsfreiheit. Anti-Lager action Tour

Jedes Jahr fliehen Millionen Menschen vor Krieg, politischer Verfolgung, Ausbeutung und weil ihnen die Lebensgrundlage entzogen wurde. Andere sind auf der Suche nach einem besseren Leben. Viele fliehen in eben die Staaten, deren Regierungen für die Fluchtgründe aus ihrem Herkunftsland mitverantwortlich sind. Die reichen kapitalistischen Länder aber rüsten ihre Grenzen immer weiter auf. Es gibt fast keine Möglichkeit mehr, gefahrlos in die nord-westlichen Länder zu migrieren. Der größte Teil der Menschen schafft es nicht bis über die Grenzen zu kommen, viele sterben auf der Flucht, ein kleiner Teil erreicht diese Länder. Doch wer hier angelangt ist, wird kontrolliert, rassistisch angefeindet und in Lager gezwungen, festgenommen und abgeschoben.
Seit es Flüchtlingslager in Deutschland gibt, kämpfen Menschen jeden Tag gegen das Leben im Lager: gegen die inhumanen Bedingungen, unter denen sie zu leben gezwungen werden, isoliert in Wäldern, ehemaligen Militärbaracken, Industriezonen und Containerschiffen. Der Kampf in diesen Nicht-Orten ist ein Kampf für die Rückgewinnung von Würde und Selbstbestimmung. Ein Kampf gegen rassistische Gesetzgebung, gegen Verfolgung durch Spezialgesetze, die Bewegungsfreiheit versagen, Existenzmittel minimieren, im Alltag stigmatisieren und medizinische Behandlung verweigern. Ein Kampf gegen Lebensbedingungen, die einen verrückt und klein machen sollen. Gemeinsam werden wir in diesem Jahr den Widerspruch gegen das System der Lager und Zonierungen hörbar und spürbar werden lassen und die Kämpfe in den Lagern mit Aktionen unterstützen.

Auftakt-Ort der Anti-Lager Tour ist BRAMSCHE-HESEPE - 20.-24. August

In Bramsche-Hesepe bei Osnabrück wurde mit der sog. Landesaufnahmestelle (LASt) eine neue Form des Abschiebelagers geschaffen. In der ehemaligen Kaserne und dem späteren Grenzdurchgangslager für sog. SpätaussiedlerInnen und jüdische EmigrantInnen aus der SU, wird seit November 2001 eine „Ausreiseeinrichtung“ betrieben. Die 200 Plätze in diesem Abschiebelager wurden im März 2004 auf 550 Plätze aufgestockt. Das sog. „Ausreisezentrum“ hat Modellcharakter für das, was an menschunwürdiger Unterbringung möglich ist. Die massiven Proteste im vergangenen Jahr gegen die Bedingungen im Abschiebelager führten dazu, dass alleinstehende minderjährige Flüchtlinge jetzt nicht mehr in dem Lager untergebracht werden. Jedoch: Für die Kinder im Lager wurde im März diesen Jahres eine Lagerschule eingerichtet, damit haben jetzt auch die Kinder keine Chance mehr auf Kontakte außerhalb des Lagers. Die Abschottung wird damit perfekt. Auf dem Gelände befindet sich die IOM und die Ausländerbehörde, aber es gibt keine Rechtsberatung, keine medizinische oder psychologische Betreuung.

Die Tour sowie die drei Aktionscamps sind ein experimenteller Raum des selbstorganisierten Lebens und Protests, das sich speist aus den Erfahrungen der antirassistischen Grenzcamps der letzten Jahre, der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen sowie der Aktionstage gegen das „Ausreisezentrum“ Fürth. Es wird FrauenLesbenTrans-Räume geben sowie Ansprechgruppen bei sexistischen oder rassistischen Übergriffen. Bei Problemen mit dem rassistischen Residenzpflicht-Gesetz wird kollektive Unterstützung angeboten.
Aktuelles findet sich auf der Webseite. Damit soll die Möglichkeit gegeben sein, im Vorfeld die Tour mitzuplanen, Aktionen zu entwickeln, Veranstaltungen und Workshops, zu organisieren - denn davon lebt die Tour. Es wird VoKüs, Sanis, und ein Infozelt geben. Bringt Zelte und Schlafsäcke mit- zusätzliche Schlafsäcke und Zelte werden in großer Zahl benötigt für alle, die keine Sachen haben. Bringt möglichst viele Autos mit. Zu Unterkünften und Busplätzen während der Tour gibt es Informationen auf der Webseite: www.nolager.de ; www.camp-bramsche.de.vu ; www.alhambra.de

Keine Lager! Gegen die Isolation und das Abdrängen von Menschen in die Rechtlosigkeit!

Kein Mensch ist illegal!
Jeder Mensch hat das Recht zu leben, wo er will!

Antira-Gruppe Olbg.(c/o Alhambra, Hermannstraße 83),unterstützt vom AntiraPlenum Ol, Anti-Gutscheinbündnis, Medienbus